Meine Haut ist eine blöde Kuh

Als Teenager muss man sich meist damit abfinden, eine schlimme Haut zu haben. Besonders im Gesicht, also da, wo das inzwischen interessante andere Geschlecht es sofort sieht. Dummerweise hat man mehr Pickel im Gesicht, als am Arsch. Wenn man wirklich darunter leidet, eine böse Haut zu haben, versucht man alles mögliche, um gegen sie vorzugehen. Man fällt auf Clerasil-Werbung herein, geht zum Hautarzt, bekommt allerlei Mittelchen verschrieben und glaubt den Ammenmärchen, man solle keinen Senf, keine Schokolade und keine Chips mehr essen. Und wenn das alles nicht hilft, dann tröstet man sich mit dem Gedanken, bald älter zu werden und dieses Martyrium hinter sich lassen zu können.

Und dann steht man, mittlerweile über 30 Jahre alt, vor dem Spiegel und flucht. Weil die Haut noch immer nicht problemlos ist. Weil man noch immer spezielle Pflegeprodukte braucht. Seifen, Reiniger, Cremes etc. Bei jedem neu entdeckten Pickel ist man schlagartig wieder 15 Jahre alt. Und noch immer hat man mehr Pickel im Gesicht, als am Arsch.

Ich hatte schon immer Problemhaut. Was zusammen mit meiner Eitelkeit zu argen Differenzen führt. Kein Produkt, das ich noch nicht getestet habe. Keine Ernährungsumstellung, die ich noch nicht erwogen und versucht habe. Keine Möglichkeit, es einfach locker zu nehmen. Dazu kommt noch, dass meine Haut eine blöde Kuh ist und mich gerne ärgert. Teste ich einen neuen Gesichtsreiniger, fühlt sie sich stets wunderbar an, gibt mir das Gefühl, sie besiegt und beruhigt zu haben. Die T-Zone ist unter Kontrolle und die Demokratie wird abgeschafft. Doch die Rebellion lässt nicht lange auf sich warten. Meine Haut schafft es immer, einen Weg zu finden, jedes noch so teuere Pflege-Produkt auszutricksen. Holt zum Gegenschlag aus und lacht sich ins Fäustchen.

Auch sonst verhält sie sich völlig widersprüchlich. Egal, wieviel Schlaf ich hatte, was ich aß, wie lange ich in der Sonne war und ob ich mein Gesicht überhaupt wasche, kommen die Probleme. Oder sie kommen nicht. Und sie mag es, wenn ich sie regelmäßig rasiere. Gegen den Strich. Also bitte. Was für eine blöde Kuh.

So stehe ich weiterhin im Bad vor dem Spiegel, kontrolliere wie bereits vor zwanzig Jahren mein Gesicht, freue mich, wenn alles „clean“ ist und weine leise, wenn sich an besonders exponierter Stelle etwas zusammen braut. Renne wieder in Panik in die Drogerie, wasche mein Gesicht mit noch teureren Mitteln, die anfangs helfen und dann wieder nicht. Und gebe irgendwann auf. Sage mir, ich kann ja jetzt fett werden, meine Haare nie wieder waschen und mich passend zum Gesicht gehen lassen. Was ich natürlich nicht tue. Der Löwe ist eitel und bleibt es auch.

Ich freue mich schon darauf, eine dicke Schicht Make-Up für meine Aufbahrung verpasst zu bekommen. Vermutlich werde ich im Sarg so gut aussehen, wie mein ganzes Leben zuvor nicht.

13 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Das kommt mir alles sehr sehr bekannt vor. Wirklich nützen tut nur eins: überschminken

  2. Du kennst ja Mamis Tipp „Finger aus’m Gesicht“. Und auch Stifte oder anderes „Beschäftigungsspielzeug“. Und weil die bösen Bakterien überall lauern, den Telefonhörer regelmässig reinigen. Die Dinger sind verseuchter als jede Toilette 🙁

    Und zum Waschen kannst Du Dir mal eine Probe von „Shiseido Purness Deep Cleansing Foam“ geben lassen…

  3. Hat dir schonmal jemand gesagt, dass ein (gutes) Produkt bei der Reinigung der Haut erstmal den „Dreck“ aus den Poren nimmt und somit erstmal unreiner wirkt als vorher?
    Du darfst nicht so schnell aufgeben bei einem neuen Produkt… am besten einmal zur Kosmetikerin gehen, Haut von Grund auf reinigen lassen und dann bei einer Serie bleiben, speziell für die Männerhaut natürlich. Du wirst strahlen wie ein 20jähriger 🙂

  4. Pflegeprodukte für Männer nützen nur der Industrie. Und teuere Produkte meist schlechter wie Nivea.

  5. Also Zink-Tabletten bringen grad mal gar nichts. Überschminken ist eigentlich ein No-Go. Zumindest ein komplettes Schminken. Superteure Produkte hatte ich mal, die ebenfalls nur kurzzeitig wirkten, deshalb bin ich skeptisch geworden. Aber die helfen unter Garantie besser als Nivea. Und ja, natürlich hadern auch Männer hin und wieder an ihrer Oberfläche. 🙂

  6. Sehr schöner Artikel, genau so gehts mir auch…
    Mein persönlicher Tipp: Finger aus dem Gesicht lassen, Pickel entzünden sich gerne und diese Stellen sind nicht wieder nach 2 Tagen weg.
    Bloß keine Crems oder Waschlotionen benutzen, am besten das Gesicht nur mit Wasser waschen. Nach einiger Zeit lernt die Haut die Talgproduktion selbst zu regulieren. Beim Waschen wird die Haut ausgetrocknet und die Talgproduktion kommt so richtig in fahrt. Sehr schlecht!

  7. Na, wem sagst du das! Ich dachte auch, mit 20 ist man spätestens aus dem Pickelalter raus, aber falsch gedacht. Meine Mutter hat mir als Teenager ständig neue Mittelchen mit Teebaumöl etc. angeschleppt und ich war zwischendurch so verzweifelt, dass ich die Pflegeprodukte meiner Schwester (!) heimlich ausprobiert und mir über Nacht eine dicke Schicht antibakteriellen Abdeckstift ins Gesicht geschmiert hab (wofür ich damals einen ordentlichen Anschiss kassiert habe -^). Ich mach nur ungern Werbung für sowas, aber nachdem ich von Produkt A zu B und wieder zu A und zu C gesprungen bin, hab ich endlich von Jeunesse eine Gesichtsreinigung gefunden, die meine Haut auch verträgt und die Pickel so einigermaßen im Zaum hält. Aber wahrscheinlich hast du die Hoffnung schon aufgegeben, dass du DAS Produkt der Produkte findest, richtig? 😉

  8. Hallo Roger,

    Probleme mit der Haut gründen – das mögen die Leute nich hören – meist Ihr in der eigenen Ernährungsweise.

    Wenn ich einen Tipp geben darf: Konsultiere eine(n) ayurvedischen Ernährungsberater(in). Die Ayuvedische Medizinlehre ist unserer im Westen weit vorraus, weil sie lokale Körperprobleme (Haut) in einen ganzheitlichen Zusammenhang stellt. Die sichtbare Auswirkung eines Problems ist nicht zwangsläufig auch ihre Ursache…

    Und nicht zu einem blabla Ernährungs-Fitness-Berater oder Lifestyle oder Auspendeln irgendwas sondern wirklich jdm., der die Ernährungslehre des Ayurveda VERSTANDEN hat und eine entsprechende Ausbildung vorweisen kann. SO banal ist es nämlich nicht, die Erkenntnisse darin umzusetzen.

    In diesem Sinne: Hau(t) rein ;-)!
    DOM

  9. Ich kann Dominik nur beipflichten. Zwar bin ich nicht über die ayurvedische Schiene gegangen, aber ich habe mir eine sehr fähige Homöopathin gesucht. Sie riet ebenfalls von den ganzen teuren Mittelchen aus Drogerie und Apotheke ab und frug mich nach meinen Ernährungsgewohnheiten…naja…Mann eben: Viel Fleisch, gern fettige und herzhafte Menüs.
    Von industriellem Fleisch muss grundsätzlich abgeraten werden, weil die Tiere während der Mast ja mehr Antibiotika bekommen als manche Menschen im ganzen Leben. Schweinefleisch an sich gilt auch nicht als besonders gesund.
    Ich habe, da ich ländlich lebe, die Möglichkeit, mich beim Biobauer um die Ecke zu versorgen. Er vertreibt auch Rindfleisch, welches wesentlich besser (und fettärmer) ist. Freilich zahlt man da mehr, aber der Körper wird es uns irgendwann danken, wenn wir im Rentenalter sind und mal Antibiotika brauchen sollten. – Aber das ist wieder ein anderes Thema.
    Bei Brot geht es weiter: Industriell gefertigte Brote haben kaum noch etwas mit Brot zu tun. Sie enthalten Backtriebmittel (statt dem ursprünglichen Sauerteig) und Konservierungsstoffe. In diesen als gesund angepriesenen Lebensmitteln steckt also mehr Chemie als uns lieb sein sollte. Abhilfe schaffen hier die kleinen Bäcker, meist Familienbetriebe mit unscheinbaren Länden. Einfach mal nach Natursauerteigbrot fragen. Wer das ein mal gegessen hat, möchte auch nichts anderes mehr.
    Was beim Brot und dem Fleisch schon angesprochen wurde, trifft auch auf alles andere zu: Dieses ganze gewirr aus Chemie in den Nahrungsmitteln lässt sich oft schon an der Zutatenliste erkennen. Auch in zuckerfreien Getränken finden sich Überraschungen wie Aspartam…in Amerika werden damit Ratten vergiftet und hier „versüßt“ man uns damit das Leben. Da Gesundheit bekanntlich von Innen kommt, sollte man also vollumfänglich darauf achten, was man zu sich nimmt. Anfangs sehr anstrengend, muss ich zugeben – aber ich tue es auch nicht für mich allein. Auch Frau und Kind sollen sich eines gesunden Lebens erfreuen dürfen.
    Das Ergebnis der homöopathischen Behandlung bzw. Ernährungsberatung war jedenfalls, daß sich meine Hautprobleme mit der Zeit immer mehr in Luft aufgelöst haben und ich mich mit meinen 30 Jahren wohler fühle als ich es mit 20 tat. Bedingt durch meine Arbeit, die manchmal etwas dreckig ist, bleibt das Waschen mit Seife kaum aus. Dafür nehme ich Produkte von Weleda (bitte nicht mit Vileda verwechseln…ich halte mir keinen Wischmopp ins Gesicht). 😉 Da gibt es ein Peeling mit Wachsperlen, welches ich auf jeden Fall empfehlen kann.

    Vielleicht konnte ich so manchen damit helfen und zum überdenken der Ernährung anregen. 🙂
    Viele Grüße

  10. Ja, auch die Männerwelt ist davon betroffen. Nicht nur die pubertären Jungs haben Hautprobleme. Nein, das kann sich bis in hohe alter hochziehen. Die Eitelkeit eines Mannes ist nicht zu unterschätzen!
    Gruß

  11. Hi,
    ich leide mit dir- bei mir ( laut Papieren 26 Jahre alt, laut Hautbild im besten Teenager-Alter) nahm es nun jedoch endgültig ab, nachdem meine Schwester mir nen ganz simplen Trick verriet: Kopf bis Fuß-Waschlotion für Babies nutzen (von Penaten oder Bübchen) bzw damit morgens und abends das Gesicht waschen und mit einem Microfasertuch (gibt so Universal-/ Allzweck-Reinigungstücher im Aldi, nutzen viele auch zum Staubwischen) statt einem „gewöhnlichen“ Waschlappen diese Lotion von der Haut nehmen. anschließend noch einmal klares Wasser ins Gesicht und Haut mit nem Handtuch trocknen. Und damit dann auf Grund des Microfastertuches die Haut nicht austrocknet, einfach ein Gesichtswasser (ich habe aktuell eines von Nivea) im Gesicht verteilen. Wenn das n bisschen eingezogen ist, ganz „normal“ eincremen. – Dies morgens und abends machen. Mehr nicht. Läuft. (zumindest seit zwei Wochen bei mir)

    LG Nordlicht

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