Von Fusseln und Flüssigkeiten

Über Realismus in Filmen diskutiere ich schon lange nicht mehr. Filme sollen nicht realistisch sein. Filme sind dazu da, mich in fremde Welten zu entführen, mich Abenteuer miterleben zu lassen, mir Dinge zu zeigen, die es so gar nicht geben kann. Filme sind Märchen, Träume, Erfindungen und haben nichts mit Realismus zu tun. In seinen eigenen Grenzen natürlich. So habe ich kein Problem damit, wenn Superhelden alle Gesetze der Physik auf den Kopf stellen, denn im Rahmen der Geschichte sollen, können und dürfen sie das. Auch ein James Bond vollbringt im Film Dinge, die kein Mensch so zustande brächte. Würde er allerdings aus eigener Kraft davon fliegen und übermenschliche Kräfte bekommen wie Superman, so würde er dadurch seinen eigenen Realismus-Rahmen sprengen. Für mich wäre das dann inakzeptabel. Jeder Film bestimmt seinen eigenen Realismus-Rahmen. Wer auch immer ins Kino geht und beim Hinausgehen sagt, das sei völlig unrealistisch gewesen, verdient nichts als mein Mitleid, denn er hat das Prinzip Kino nicht verstanden.

Worauf ich damit hinaus möchte? Nun, es gibt bei aller Liebe dennoch immer wieder Aspekte im Film, die mich Kopfschütteln lassen. So kann ich bis heute nicht verstehen, wie Personen im Film sich ein Bad einlassen, in der Wohnung herum laufen, Dinge erledigen, wieder ins Bad kommen, sich entkleiden und dann einfach so in das heiße Wasser steigen können. Wenn ich meine Socken ausziehe, so klebt an ihnen etwa ein Pfund Fusseln, die alsdann wie in einer Schneekugel mit schwarzen Flocken im Wasser herum treiben. Auch wenn ich barfuß bin und in der Wohnung umher laufe, nehme ich allerhand Krümel, Fussel und Haare mit in das Badezimmer. Helden im Film scheint das nie zu passieren. Sie müssen in einer komplett fusselfreien Welt leben. VÖLLIG UNREALISTISCH.

Auch beim Thema Sex habe ich bis dato noch nie gesehen, dass die beiden Liebenden sich nach dem Akt Sorgen um diverse Flüssigkeiten machen. Da wird kaum geschwitzt, da wird nach dem Orgasmus nicht nach Taschentüchern, Handtüchern oder Küchenrollen in greifbarer Nähe gesucht. Da wird auch nicht aufgestanden, um zumindest ein wenig den entstehenden nassen Fleck auf der Matratze zu vermeiden. Nein, im Film zieht man das dünne Laken einfach wieder hoch (bei Frauen bis zum Hals, bei Männern grundsätzlich nur bis zum Bauchnabel) und niemand beklagt sich darüber, dass es unangenehm feucht ist. Körperflüssigkeiten sind beim Sex im Film niemals Thema. VÖLLIG UNREALISTISCH.

Ok, ich könnte natürlich wetten, dass Superman völlig fusselfreie Füße hat (vermutlich weil er über dem Schmutz schwebt) und trocken ejakuliert. Ich muss nur lernen, auch dies in den Realismus-Rahmen mit einzubeziehen.

10 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. LOL! was herrlich 😀 herrlich festzustellen, dass es in schlafzimmern scheinbar IMMER gleich abläuft. taschentücher, küchenrollen oder der „run“ auf die toilette um gesuppe auf dem laken zu umgehen. großartig!
    ps: schönes design. fühl mich direkt zu hause 😛

  2. JAWOLL! Du triffst den Nagel auf den Kopf! Ein Beispiel hat mir allerdings gefehlt: Das Paar, welches hemmungslosen, schmutzigen und (ich will hier nicht weiter ausführen) … Sex hat – die ganze Nacht lang – quer durch die Bude. Und dann wachen sie am nächsten Morgen im Bett auf (zugedeckt in der von dir beschriebenen Weise). Sie „muss mal“, steht umständlich auf und wickelt sich dabei komplett in das Laken/ die Decke ein. Damit er bloß nix sieht. WARUM???

  3. kann ich dir sagen, warum^^ wenn SIE morgens auf toilette muss, ist ihre blase SO dermaßen gefüllt, dass sie aussieht, als sei sie bereits im 5 monat schwanger. deswegen die laken. muss ER ja nicht sehen, dass sie kurz davor ist, aus allen nähten zu platzen 😉

  4. Ja, Anna, das scheint echt immer und überall gleich zu sein. Komisch, dass Hollywood derartiges bisher noch nie aufgegriffen hat.

    Das Design ist wirklich hinlänglich bekannt. Ich möchte unbedingt wieder so wie früher ein eigenes, individuelles haben. Hoffentlich komme ich bald dazu, eins zu basteln.

    Scootery, es gibt ja noch viel mehr Beispiele über unrealistisches Verhalten im Film. Zum Beispiel das Betreten eines dunklen Raumes aus dem man ein verdächtiges Geräusch gehört hat und nur „Hallo?“ ruft, statt das Licht anzumachen.

  5. In Hotelfachschulen bekommt man beigebracht, das Handtuch, das in sehr guten Häusern auf jedem Nachttisch liegt sei dazu da, dass man beim Aufstehen draufstehen kann. Dann solle man sich die eigenen Pantoffeln anziehen und so hygienisch durchs Zimmer laufen.

    PS: Da fällt mir gerade auf: So vermeidet man auch die Krümel an den Füßen, die dann im Badewasser schwimmen – oder eben nicht 🙂

  6. @ FrauSchmitz: Ich sprach hier von hemmungslosem Sex, nicht von Romantik. 😉

    @ Stefan: Das klingt gut und offenbar war ich noch nie in einem guten Haus. Alles, was ich in oder auf dem Nachttisch fand war eine Bibel und die hat vermutlich ihre ganz eigene Meinung über die Vermeidung feuchter Flecken auf der Matratze.

  7. @Roger: Nicht in „guten“ sondern in „sehr guten“. Wir haben auch nur die Gideon-Bibel auf dem Nachttisch. Aber in 5-Sterne-Häusern gehört das Handtuch neben die Bibel 🙂

  8. Nach hemmungslosem Sex braucht man keine Küchenrolle oder anderes Papierzeug. Zur Hemmungslosigkeit (und auch zu echter Romantik, da gebe ich Frau Schmitz recht) gehört es, sämtliche Flüssigkeiten als gegeben hinzunehmen und Flecke auf dem Laken komplett zu ignorieren. Aber jeder hat eben seinen eigenen Realitätsrahmen. 😉

    Das Fusselproblem hab ich gar nicht. Ist das typisch männlich (große Füße = große Fusselberge)?

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