Sahne-Muh-Muhs

Gestern erwarb ich ausgerechnet in einem Buchgeschäft ein kleines Stück Kindheitserinnerung. Eine Packung Sahne-Muh-Muhs oder auch Sahne Brocken genannt. Wie damals in der Tüte mit der Kuh, in Handarbeit geschnitten und in gelb-weiß-gestreiftes Papier gewickelt. Ich erinnerte mich daran, wie sehr ich diese Bonbons liebte und wie sie mich beinahe in einen Zuckerschock trieben. Damals interessierte mich das wenig. Als Kind kann es kaum süß genug sein. Heute, als erwachsener Mann, denke ich selbstverständlich anders darüber.

Zuhause inspizierte ich also die Packung auf ihre Nährstoffangaben. Fand aber keine. War ich doch bislang davon ausgegangen, dass jegliches Nahrungsmittel mittlerweile eine Nährstofftabelle aufführen muss, inklusive der Kalorien-Angaben. Immerhin hatte man die Zutaten aufgelistet. Und diese lasen sich wie folgt: Zucker, Milch, Glukosesirup, Sahne, Butter, Aroma. Oder übersetzt: „Werfen wir mal hauptsächlich Zucker in die Schüssel, geben genug fette Milch dazu, nehmen nochmals konzentrierten Zucker, dazu fette Sahne und als Bonus Butter. Als Cocktailschirmchen noch ein wenig Aroma dazu. Fertig.“ Das klingt wie der verrückte, nach Weltherrschaft trachtende Wissenschaftler, der die ultimative Waffe baut, die nicht nur das weiße Haus in Washington zerstören kann, sondern auch jeden Kontinent explodieren lässt, den Mond pulverisiert, die Sonne erkalten lässt und das komplette Raum-Zeit-Kontinuum umkehrt. Und die Waffe in entzückendem Rosa bemalt.

Dies ist die Atombombe der Süßigkeiten. Das Bonbon zu enden alle Bonbons. Der Karamell-Sahne-Overkill. Vermutlich hat jedes handgewickelte Stück für sich allein so viele Kalorien wie eine Wochenbesuch bei MacDonalds.  Und in jeder Diabetiker-Statistik steht es ganz oben auf der Ächtungsliste.

Damals interessierte mich das nicht. Doch heute bin ich erwachsen. Verantwortungsbewusst. Ernährungsbewusst. Ich bin so vernünftig, dass ich noch nicht einmal mehr kichere, weil der Begriff Muh-Muh klingt wie… Nein, solche Süßigkeiten können mir nichts mehr anhaben.

Also nahm ich vorsichtig ein Toffee in den Mund. Zucker, Sahne, Butter und Aromen explodierten zu einem Geschmacksrausch, vernebelten die Gehirnströme, setzten vernünftiges Denken aus und brachten Glückshormone  zur massenhaften Ausschüttung. Überwältigt griff ich nochmals in die Tüte. Und zwar so lange, bis die halbe Tüte leer war. Und mein Bauch schmerzte und krampfte.

Es war wieder passiert. Überdosis. Verflixt. Aber das wird mir definitiv nicht nochmal passieren. Gibt es eigentlich die Leck-Muscheln von früher noch?

 

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ja, die gibt es auch noch, gerade letze Woche im Supermarkt daran vorbeigeschlendert. Hatte sofort wieder den Geruch vom Freibad in der Nase 😉

  2. Hab auch eben direkt an diversen Süsskram aus meiner Jugend gedacht. Besonders hervorzuheben ist „Knall-Kaugummi“ … weiss nicht wie oft ich 50 Pfennig für ein winziges Päckchen ausgegeben habe. Aber für mich, so dachte ich zumindest, hat es sich immer gelohnt. Besser nicht drüber nachdenken wie blöd man mal war, sondern nur wie blöd man noch ist.

    Ein Hoch auf den Zucker!

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