Krieg der Entscheidung

Mal angenommen, es gäbe heute noch Menschen, die Star Wars noch nie gesehen haben. Keinen einzigen der Filme. Das mag eigenartig klingen, kann aber dennoch vorkommen. Weiter angenommen, man möchte einem dieser Menschen das Star Wars Universum näher bringen. Wie stellt man das am besten an?

Ich und sicherlich viele meiner Leser wuchsen mit der guten alten Trilogie auf. Episode Vier: Eine neue Hoffnung, Episode Fünf: Das Imperium schlägt zurück, Episode Sechs: Die Rückkehr der Jedi-Ritter. Die Klassiker. Und für jeden, der seine Jugend mit dem Mythos Star Wars verbrachte, auch der einzig wahre Krieg der Sterne. Wie überrascht waren wir damals, dass die Reihe mit einer Episode 4 begann? Wie grandios war zu jener Zeit die Wendung (und ich schätze mal, dass ich hier nicht spoilere und mittlerweile JEDER weiß…) dass Darth Vader der Vater von Luke Skywalker ist? Was für nie gesehene Welten, unglaubliche Effekte, phantastische Action wir geboten bekamen.

Dann, viele Jahre später, von den Fans sehnlichst erwartet, brachte Georg Lucas die neue Trilogie in die Kinos. Episode Eins: Die dunkle Bedrohung, Episode Zwei: Angriff der Klonkrieger, Episode Drei: Die Rache der Sith. Diese Trilogie erzählt die Vorgeschichte um Anakin Skywalker und wie aus ihm Darth Vader wird. Leider überzeugt kein Teil der neuen Trilogie wirklich. Episode Eins ist bunt und Kindgerecht, Episode Zwei und Drei noch bunter, überdreht, überladen. Man hat Spaß und bekommt wieder etliches an Effekten und neuen Welten geboten. Doch das alte Flair will sich nicht einstellen.

Überlegt man nun, wie man einen Star Wars Neuling in die „Galaxy far far away“ einführt, stellt sich sofort die Frage: Zeigt man alle sechs Teile oder nur das gute alte Original? Wenn man alle sechs Teile zeigt, dann in der „richtigen“ Reihenfolge von Eins bis Sechs oder in der Reihenfolge, wie wir Star Wars kennen und lieben lernten? Oder anders gesagt, beginnt man mit dem Großartigen um zum Ende schwächer zu werden oder beginnt man schwach, um auf das großartige Finale vorzubereiten? Auch wenn man dabei in der Gefahr schwebt, dass der geneigte Zuschauer die originale Trilogie schon gar nicht mehr sehen will vor lauter Optik-Overkill.

Und überhaupt, finden wir die alte Trilogie nicht auch deshalb so grandios und hat sich nur deshalb so in unser Hirn und Herz gebrannt, weil wir damals etwas noch nie zuvor gesehenes geboten bekamen? Wie mag die alte Trilogie auf verwöhnte Transformers-Avatar-Matrix-Augen wirken? Altmodisch? Eine Augsburger Puppenkiste neben einem Pixar Film?

Was uns zur nächsten Frage bringt: zeigt man (wenn vorhanden) die originale alte Trilogie, also so wie sie damals in die Kinos kam? Oder die Special Edition, die digital aufbereitet worden und mit neuen Effekten versehen worden ist? Oder gar doch die später überarbeitete, digitale neue Version der alten Trilogie?

Ach, es ist nicht leicht. Am Ende wird der Star Wars Neuling nur enttäuscht sein. Er wird Luke Skywalker und Han Solo nie so lieben können wie wir und er wird Jar Jar Bings und den jungen Anakin nie aus den gleichen Gründen hassen können wie wir. Und mit etwas Pech hat er schon eine Folge der Clone Wars Zeichentrick-Serie gesehen, womit der Mythos völlig im Eimer ist.

Am besten wir beginnen erst einmal mit Star Trek. Hm, mit der Serie oder den Filmen? Mit der original Serie oder der Next Generation….?

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hier bin ich. Eine derjenigen, von denen Du Dir gar nicht sicher warst, ob es uns gibt. Ich kann Dir sagen: es gibt uns. Ich selbst habe keinen der Star Wars Filme gesehen. Weder alt noch neu. Auch die Clone Wars Zeichentrickserie ist bislang an mir vorbei gegangen. Das einzige, was ich bieten kann: ein paar Folgen Raumschiff Enterprise in der frühen Kindheit – die, wo alle noch diese Schlafanzug-Uniformen anhatten.
    Gestehe ich diese Tatsache vor Menschen ein, so höre ich oft: „Was? Du hast Star Wars nicht gesehen? Keinen einzigen? Nicht mal die neuen?“ – als ob man zumindest die neuen aus dem Grund gesehen haben müsste, weil die ja erst vor kurzem im Kino waren und ja alle reingegangen sind. Ein ähnliches Phänomen gibt es übrigens bei James Bond Filmen (von denen ich auch keinen einzigen gesehen habe).
    Aber ich muss sagen, dass ich mir durchaus auch schon diese Fragen gestellt habe, die Du hier anbringst. Tatsächlich habe ich mir schon das eine oder andere Mal vorgenommen, die Filme endlich anzuschauen. Doch jedes Mal stellte sich mir die Frage: wie fange ich an? Am neuen oder am alten Anfang? Wie mache ich mir eher was kaputt? Welche Reihenfolge hilft mir eher, mir die Filme näher zu bringen?
    Ich weiß es nicht genau. Und Dein Artikel hat mir nun leider auch nicht weitergeholfen… 😉
    Aber ich glaube, WENN ich eines Tages wirklich anfange, dann bei Teil 4. Einfach weil ich glaube, das wäre die richtige Reihenfolge. Warum? Keine Ahnung. Vielleicht, um die gleichen Voraussetzungen zu haben, wie alle, die wirklich damit aufgewachsen sind. Auch, wenn es sicher richtig ist, was Du sagst: Die Voraussetzungen haben sich durch die Weiterentwicklung der Welt und der Filmgeschichte verändert. Heißt für mich persönlich aber nichts. Phantastische, moderne Effekte machen keinen guten Film. Ich kann vor Langeweile einschlafen, wenn ich ein modernes Effektefeuerwerk sehe – aber genauso mit rasendem Puls und gebannt vor einem alten Hitchcock Film sitzen, der ohne große Effekte auskommt.

  2. Kürzlich wollte ich meine Grossmutter in diesen Kult einführen – leider schrie sie beim Anblick von Joda laut auf und fand (Zitat) „Dieses grässlich, schreckliche Monster“ furchterregend.

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