iTunes Match – Fluch oder Segen

Etwas überraschend startete vergangene Woche iTunes Match auch in Deutschland. Kaum jemand hatte mit einem so plötzlichen Start gerechnet, da bislang die GEMA hierzulande jegliche Streaming-Services unterband. Doch ganz still und heimlich scheint man sich geeinigt zu haben. iTunes Match wurde veröffentlicht und für 24,99€ pro Jahr hat man als iTunes-Kunde nun nicht nur seine ganze Musik in der Wolke, sondern kann diese auch noch mit dem iTunes Store abgleichen lassen.

Wie man iTunes Match genau einrichtet und nutzt möchte ich hier nicht nochmals erklären. Das haben Richard Gutjahr und Appforthat schon besser gemacht und sollte für den Normal-Nutzer auch genügen. Dennoch bleiben auch mit diesen Anleitungen einige Fragen offen, beziehungsweise Aspekte, die Fragen aufwerfen. Wie zum Beispiel die Fragen, die auch aptgetupdateDE bereits stellten.

Nicht alles ist ein Match

Ich kaufte mir iTunes Match und ließ iTunes meine Musiksammlung einlesen und abgleichen. Insgesamt besitze ich über 4000 Titel und iTunes war einige Stunden beschäftigt (das war direkt am Start-Tag, vermutlich geht es mittlerweile etwas schneller) Am Ende des Abgleichs lag meine komplette Musiksammlung in der Wolke bei Apple. Ob das nun Vor- oder Nachteile bringt, habe ich bereits in diesem Artikel versucht herauszufinden.

Auffällig ist nun erst einmal folgendes: von den über 4000 Songs wurden 700 nicht von iTunes Match erkannt und hochgeladen. Bei manchen Titeln absolut verständlich, bei anderen schlicht nicht nachvollziehbar. Ein Coldplay Album wurde mit 8 Titeln gematcht, die restlichen nicht, obwohl ID3-Tags, Songlänge etc. stimmen und genau so im iTunes Store gefunden werden. Mit anderen Worten: der iTunes Store hat diese Songs, gleicht sie aber nicht ab (matcht sie nicht), sondern nimmt meine Version.

Eigentlich ist das ja nicht schlimm und Jammern auf höchstem Niveau. Möchte man allerdings den nächsten Clou von iTunes Match nutzen, ärgert man sich ein wenig. Denn mit iTunes Match können alle Songs, die erkannt werden und in die Wolke geschoben werden als astreine 256kbit-AAC Versionen herunter geladen werden. Und zwar frei von DRM und auch über das Jahresabo hinaus nutzbar. Ein großartiger Deal, den viele als Generalamnestie für Raubkopierer bezeichnen. Man lädt eine schlampige Version eines Songs aus Youtube herunter, gleicht sie mit iTunes Match ab und holt sich dafür die verbesserte Version. Für 24,99€ pro Jahr hat man damit quasi (mit einigen Umwegen) die Möglichkeit, sich jeden Song in großartiger Qualität zu besorgen. Und das völlig legal (von dem rechtlich vielleicht bedenklichen Youtube-Mitschnitt abgesehen). Auch CD-Importe, die man vor vielen Jahren mit dem damals Standard-mäßigen 128kbit mp3 Format machte, können so auf ein besseres Niveau angehoben werden. Wenn iTunes Match den Song abgeglichen hat.

Nachteil: die Dateigröße steigt natürlich immens an. Nachdem ich die Songs in schlechter Qualität gelöscht und mir bei iTunes in der Wolke wieder herunter geladen hatte, war meine Musiksammlung auf insgesamt 35 GB angewachsen. Knapp 10 GB mehr als zuvor und zuviel für jeden portablen Player. Doch auch hier hat sich jetzt alles geändert.

Theorie und Praxis

In der Theorie hat nun jedes an die Wolke angeschlossene Gerät die gleichen und damit alle Songs zur Verfügung. Im konkreten sieht das so aus: Auf meinem iPhone (iPod touch, iPad, Apple TV) habe ich iTunes Match aktiviert (Achtung, dieser Schritt kann nicht rückgängig gemacht werden, bzw. es werden dann alle Titel gelöscht). Füge ich einen Titel in meine Musiksammlung hinzu, ändere ich die Bewertung oder das Cover, steigt der Wiedergabezähler beim Anhören, so passiert das alles ohne mein Zutun auch auf allen Geräten. Völlig automatisch. Auch muss ich mir keine Gedanken machen, welche Songs ich synchronisiere, da ich quasi immer und überall meine Songs aus der Wolke herunterladen kann.

Schön und gut. In meinem Fall ärgert mich dieses Verfahren aber aus folgendem Grund: ich kann iTunes nicht mehr anweisen, was ich auf dem iPhone haben möchte und was nicht. Die Organisation der Songs geschieht nicht mehr in iTunes sondern auf dem iPhone. Habe ich zum Beispiel eine Wiedergabeliste mit meinen liebsten Weihnachtsliedern, so muss ich diese nun einzeln (!) per WLAN (im besten Falle!) auf mein iPhone laden. (Ganze Alben gehen natürlich auch). Ich bin zwar unabhängig von meinem Rechner, aber abhängig von einer schnellstmöglichen Datenleitung. Und diese sind immer langsamer als eine Synchronisation per Kabel. Möchte ich keine Weihnachtssongs mehr auf dem iPhone haben, muss ich sie auch dort wieder einzeln löschen.

Auch scheint es noch immer Probleme mit den Cover der Songs zu geben, die entweder nicht auf das iPhone übertragen werden oder nochmals heruntergeladen werden müssen. Im schlimmsten Fall wenn ich nicht mehr in einem WLAN bin und mein Datentarif angegriffen wird.

Ich hoffe natürlich, dass ich einfach etwas übersehen habe, falsch verstehe oder Apple noch nachbessert. So großartig iTunes Match in der Theorie klingt, so hakt es doch noch an Details oder einfach an der Infrastruktur. Vielleicht haben meine geneigten Leser ja ähnliche Erfahrungen mit iTunes Match oder neue Vorschläge.

Mein Fazit nach jetzigem Wissensstand:

Segen:

  • abgleichen aller Songs, egal welcher Herkunft oder Qualität für 24,99€ pro Jahr
  • ständiges Backup der Musiksammlung
  • die Möglichkeit, Songs in schlechterer Qualität (z.B. Mitschnitte) in einwandfreie Versionen zu tauschen
  • ständige Verfügbarkeit aller Songs, egal, wo man sich befindet (mit Einschränkungen der Datenleitung)

Fluch: 

  • viele Songs, die im iTunes Store sind, werden aus unerfindlichen Gründen nicht erkannt und nicht gematcht
  • Die Synchronisation eines Gerätes geschieht nur noch auf dem Gerät und nicht mehr per iTunes.
  • Die Songs müssen stets aus der Wolke geladen werden, selbst wenn eine Synchronisation per Datenkabel und heimischem Rechner schneller ginge.
  • Cover werden gar nicht oder nur mit Verzögerung und Nachladen angezeigt.

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2 Kommentare

  1. Leider funktioniert bei mir, wie auch bei manch anderen, der Abgleich des Wiedergabezählers oder der zuletzt gespielten Songs zwischen Mac und iOS Geräten nicht. Ich habe darüber geschrieben http://acky.de/xDUwEN

    Wenn ich es richtig verstanden habe, funktioniert das bei Dir: Kannst Du mir bitte sagen, wann der Wiedergabezähler aktualisiert wird? Beim Sync mit dem iOS Gerät oder wenn iTunes Match wieder mal aktualisiert? Oder sofort nach dem Abspielen?

  2. Der Wiedergabezähler wird, soweit ich es beobachten konnte, immer sofort aktualisiert, sobald der Song beendet ist.