500px oder: Warum zuviel Zucker ungesund ist.

Foto-Comunitys und Galerien gibt es mittlerweile einige im Netz. 500px ist eine unter vielen. Und doch, sieht man sich einmal auf der Startseite um oder wählt die derzeit beliebtesten Fotos oder die Tipps der Redaktion, so bemerkt man schnell, dass hier eine andere Qualität geboten wird. 500px ist eine Community richtiger Fotografen. Hier wird zum allergrößten Teil Kunst präsentiert, keine Urlaubsschnappschüsse. Was zählt ist Qualität, nicht Quantität. Ein Umstand, der schon bei der Anmeldung, beziehungsweise beim ersten Upload der eigenen Fotos klar gestellt wird. 500px weist darauf hin, nur die allerbesten Fotos hoch zu laden. Die maximale Anzahl liegt bei zehn Fotos pro Woche. Also keine fünfzig Fotos aus dem schönen Venedig, sondern nur das eine besondere, mit dem perfekten Licht und der perfekten Stimmung.
Golden Ladder by Roger Graf (allesroger)) on 500px.com
Golden Ladder by Roger Graf

Als Gelegenheits-Fotograf ist man da schnell eingeschüchtert. Nur das beste Foto? Mein Gott, welches ist das denn? Besonders im Vergleich zu all den anderen großartigen Werken. Schnell wird deutlich, dass hier in den meisten Fällen Profis am Werk waren, mit genügend Erfahrung, der besten Ausrüstung, der tollsten Location und der großartigsten Nachbearbeitung. Man klickt sich durch die Galerien und ist berauscht. So viele Favoriten kann man gar nicht speichern, jedes Bild möchte man „liken“, unter jedes ein „Awesome!“ kommentieren. All die Fotos mit einer fast hundertprozentigen Zustimmung der Community haben diese zu Recht. Hier noch ein grandioses Foto einer Wüste, dort verrostete Boote, hier wieder wunderschöne Models, Meere, Architekturen, Tiere, Pflanzen…

Und dann – hat man einen wahren Zuckerschock. Zu viel Perfektion, zu viel Zucker, das ist ungesund. Wendet man sich von 500px ab und klickt sich durch die zwar einfachen aber dafür bedeutend authentischeren Fotos bei Instagram, verblassen diese zwangsläufig. So matt, so trivial, so… kunstlos.

Doch der Schock geht vorbei. Die Welt ist keine Aneinanderreihung der perfekten Momente, wo Pose, Licht, Stimmung und Standort minutiös vorbereitet und nachbereitet worden sind. Die Welt ist eine Aneinanderreihung von Schnappschüssen. Manchmal matt, meist trivial und hin und wieder überraschend glänzend und süß. Und dadurch weitaus süßer. Und gesünder.

Und das Leben ist auch Kunst. Deshalb ist 500px ist eine großartige Plattform mit sensationellen Fotos und tollen Features. Das Design ist durchdacht, die Community sehr stark. Und letztlich sind derartig tolle Fotografien kein Grund eingeschüchtert zu sein, sondern herausgefordert. Man kann von ihnen lernen, sich inspirieren lassen, selbst versuchen, diesen einen perfekten Moment einzufangen. Und ihn dann zu präsentieren. Vielleicht gelang mir das als Gelegenheitsfotograf noch nicht oft, aber ich werde nicht aufhören, es weiter zu versuchen. Die Ergebnisse werdet ihr sehen. Zwischen all den anderen Zuckerwürfeln.

9 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. toll zusammengefasst, schließe mich jürgen an: word!

    „Zuckerschock“ trifft’s echt gut. Die Welt und die eigene Fotografie ist in den seltensten Fällen so perfekt, wie das was die Profis mit Hi-End Equipment auf 500px hinzaubern.

  2. 500px ist schon eine tolle Sache, die einen aber auch immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt.

    Auf meinem Blog habe ich auch ein ausführliches Review über 500px geschrieben (ich habs als Webseite verlinkt, wer es sich durchlesen möchte)

    Auf 500px findet man mich unter 22Millionenpunkte – ich freu mich über jeden Follower und Kommentar

    Grüße
    Simon

  3. Pingback: Ausprobiert: Fotocommunity 500px | Der Kamener

  4. @ Simon: Sehr tolles Fotos und auch ein sehr tolles Blog. Du bist in meinem Feedreader.

  5. Der Artikel ist wirklich schön geschrieben. Natürlich gibt es viel scheinbar „perfektes“ auf 500px, aber ich sehe auch oft genug Leute die mit kleinen Kompaktkameras Bilder aufgenommen haben, die ganz wunderbar sind. Man sollte sich einfach von den Profis nicht einschüchtern lassen und sich durch solche Bilder eher inspirieren lassen.

    Grüße

    Dennis

  6. Über die Authentizität von Fotos kann man streiten wie über Kunst und Geschmack allgemein. Ästhetische Werturteile sind nun mal so verschieden wie die Menschen selbst, das ist auch nicht schlimm. Dennoch denke ich, dass die meisten sehr gute, hervorragende und brillante Photos mehr zu schätzen wissen als Schnappschüsse oder Durchschnittsphotos – von zu viele Zucker würde ich selbst nicht sprechen – eher von Freude, Begeisterung, Inspiration und der Erkenntnis wie schön doch unsere Erde sein kann.

    „Die Welt und die eigene Fotografie ist in den seltensten Fällen so perfekt, wie das was die Profis mit Hi-End Equipment auf 500px hinzaubern.“

    Da ist wieder die häufig gehörte und gelesenen Annahme, dass man nur mit High-End Equipment sehr gute Photos machen kann – das sollte man differenzierter sehen: Es stimmt, dass ab einem bestimmten Niveau oder ab einem gewissen Anspruch kostspieligere Ausstattung nötig wird. Eine weitere Frage bzw. ein weiterer Faktor bezüglich der Ausgaben ist, was man dann mit den Fotos machen will, online Präsentieren und/oder drucken und/oder in einer Ausstellung und/oder im Wettbewerb präsentieren und so weiter. Natürlich ist die Fotografie selbst ja ein teures Hobby, jedoch stellt man bei etwas intensiverer Beschäftigung mit der Fotografie schnell fest, dass neben einer guten Ausstattung/Kameratechnik und einem (zumindest bei der Digitalfotografie) guten Bildbearbeitungsprogramm (Adobe Photoshop oder Adobe Lightroom) der Fotograf der wichtigste ist. Er legt fest, was fotografiert wird, wie, wo und wann, sprich Bildgestaltung, Bildaufteilung, Komposition, Perspektive, Motiv, Lichtstimmung, Bildaussage etc. spielen ebenso eine große Rolle für ein „perfektes“ Photo.

    „Als Gelegenheits-Fotograf ist man da schnell eingeschüchtert.“

    Man sollte sich deshalb nicht mit Profis vergleichen – man will ja auch, dass Profisportler besser sind als Amateure. Die einen knipsen die anderen fotografieren – schließlich ist das auch ihr Beruf und sie bekommen Geld für sehr gute Photos (zumindest sollten sie das) und nicht für Schnappschüsse, die jeder machen kann. Zumal Profis einfach mehr Zeit und vor allem ARBEIT investieren (müssen)!

    Qualität statt Quantität – das gefällt mir sehr bei 500px.com, nur wenn man länger dort zugange ist, trifft man auch häufig auch viele schlechte und durchschnittliche Photos. Es sind aber nicht nur Profis dort, sondern auch ambitionierte Hobby- und semiprofessionelle-Fotografen. Aber auch bei Fotocommunity (http://www.fotocommunity.de/galerie) und Flickr (http://blog.flickr.net/en) gibt es genügend herausragende Photos und Photografen.

    Daher mein Rat an alle, die bessere Fotos machen wollen: Sich mehr beschäftigen mit Fotografie, gucken warum ein Foto gut oder schlecht ist, diszipliniert und mit Begeisterung, Hingabe sich ans Werk machen anstatt gleich aufzugeben.

  7. Hi, die Seite 500px empfehle ich meinen Fotokursteilnehmern auch sehr gerne. Mann sollte sich aber nicht einschüchtern lassen von so vielen guten Fotos. Hauptsache mann hat Spaß am fotografieren.
    Das will ich auf jedenfall auf meinen Fototouren durch Hamburg vermitteln.
    http://neue-perspektiven-fotoworkshops.de/
    Gruß Sven
    PS: Vielleicht trifft mann sich ja mal auf einem meiner Fotoworkshops

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