Ein ganzer Kerl

Jetzt mal ehrlich. Wo können wir Männer heute denn noch zeigen, dass wir richtige Kerle sind? Ich meine nicht diese Yappadayayippiyppiyeah-ich-machs-mir-selbst-im-Baumarkt-Kerle. Und auch nicht die Kerle, die jetzt schon Brat- und Bier-Vorrat für die WM gekauft haben. Nein, ich meine so richtige Kerle, die etwas schaffen, wovon sie selbst gar nicht gewusst haben, dass sie es können. Und dafür auch dementsprechend von den Frauen bewundert und angehimmelt werden. Tja, ich bin jetzt so ein Kerl.

Vor kurzem half ich nämlich der damalige Freundinn beim Um- und Einzug. Wir bestellten günstig einen kleinen Transporter, der für die paar Kisten und Möbel vollkommen ausreichend schien. Einen Tag vor dem gewünschten Termin hatte eben dieser Transporter einen Unfall und konnte nicht mehr genutzt werden. Man bot uns freundlicherweise einen größeren Laster zum gleichen Preis an.

Einen Laster, so fragte ich mich gleich. Und tatsächlich, der Vermieter wollte wissen, ob ich noch einen alten Führerschein hätte. Ja, sagte ich, einen alten, zerfledderten, rosaroten Babbedeckel (wie man bei uns sagt) mit einem Bild von mir, wo ich so um die 15 Jahre alt bin. Ganz egal, wie der Führerschein aussah, im Gegensatz zu den neuen Plastikscheinen war es mit dem alten noch erlaubt, LKW bis zu 7,5 Tonnen zu fahren

Erlaubt vielleicht, aber gemacht habe ich sowas noch nie.

Wir hatten keine andere Wahl (sprich: man ließ mir keine andere Wahl) und so sagten wir zu und ich hockte am nächsten Tag hinter dem Steuer eines Trucks! In knappen Worten wurde erklärt, wie das Teil bedient und behandelt werden sollte, wir hinterlegten die Kaution und ich fuhr los. Anfahren am Berg, in einem Geschoß, dass sieben Meter lang war. Ich fühlte mich gar nicht wie der König der Straße. Mir war eher flau.

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Denn der erste Weg, den ich fahren musste, war nach Freiburg in die Innenstadt. Durch kleine Gässchen, an einem belebten, zu geparkten Einkaufsmorgen. Es war die Hölle. Ich schwitzte. Ich zirkelte, blickte im Sekundentakt nach vorne und in die Seitenspiegel, beschleunigte, bremste und hatte das Gefühl in jedem Moment einen Radfahrer oder einen fremden Außenspiegel mitzunehmen.

Aber um es kurz zu machen, ich schaffte es. Ich parkte den Lastwagen sogar rückwärts ein. Ich schleppte zusammen mit der damalige Freundinn Möbel, fuhr im Lastwagen in ihr Heimatdorf im Schwarzwald um einige der Dinge abzuladen, fuhr das Höllental im Lastwagen wieder hinunter und brachte den Lastwagen sicher und ohne Schramme zurück (ich möchte nur immer wieder erwähnen, dass es sich um einen Lastwagen handelte).

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Und fühlte mich so gut. Erschöpft zwar, aber wie ein Held. Ein ganzer Kerl eben. Ich bin ein Trucker!

Als wir zuhause ankamen, schnappte ich mir eine Truck Stop CD, ein Glas Whisky und legte mich bei Kerzenlicht in ein entspannendes, heißes Bad. Oder machen echte Kerle so etwas gar nicht?

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8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Respekt…
    So in etwa ging es mir letzten Sommer, als ich eine Ford Transit für einen Kumpel zwecks Umzug kutschieren durfte. Weil alle anderen Führscheininhaber (merkwürdigerweise alle männlich) gekniffen haben.
    War zwar nicht ganz so groß, aber da ich nicht sehr oft überhaupt Auto fahre, kann ich deine Gummiknie, deinen Angstschweiß etc vollkommen nachvollziehen. *hutzieh*

  2. So, jetzt bin ich noch 2 cm größer. Danke. Und Diana: Ruf das nächste Mal nen richtigen Kerl an, nämlich mich. 😀

  3. Ja, so ’nen Kleinlaster habe ich auch mal durch die Innenstadt gefahren und ähnlich geschwitzt wie Du – vor allem, weil ich damit in einem zugeparkten Innenhof rangieren musste. Auf der Autobahn – es war der Umzug eines Freundes nach Stuttgart – merkte ich allerdings recht bald, dass die richtigen Kerls mit noch viel größeren Kisten Kilometer fressen 😎

  4. Das habe ich einfach übersehen. Zum ersten Mal in meinem Leben konnte ich keine LKW überholen, was mich zur Überzeugung brachte, dass wir Trucker am Ende alle gleich sind. 🙂 Ob sich ein Vespa Fahrer auch so fühlt, wenn ihm ein Suzuki oder Honda Fahrer entgegen kommt?

  5. Hm, Roger, falls ich jemals jemanden brauche um einen LKW zu bewegen, dann werde ich wohl meinen Bruder anheuern (so wie dieses Mal auch) denn der darf auch die richtig großen Teile fahren… die 40-Tonnen-Monster. Der ist vor zwei Wochen mit dem Transporter eingeparkt als wäre es ein Smart. Wenn man da zuguckt wird man neidisch…

  6. Ich gehe mal davon aus, dass unter Zweiradfahrern eine sehr differenzierte Hackordnung besteht. Die Fahrer von Rennmaschinen schauen auf die Fahrer gemütlicher Teile – wie Chopper oder die fette Goldwing – ‚runter und beide gemeinsam auf Rollerfahrer. Und ein Vespa-Fahrer hat natürlich nichts mit Besitzern von Camping-Klos (die kleinen japanischen Fuffzigerles aus Vollplastik) gemein 😉 – ganz wie es bei den großen Maschinen ja auch unterschiedliche, markenabhängige Klassen gibt. Ein Harley-Fahrer wird sich kaum mit dem Halter eines Baumarkt-Choppers in einen Topf werfen lassen 😎

    Ich mein’… wenn ich mit dem Range Rover durch’s Gelände fahren würde und mir dabei ein „Golf Country“ begegnete… ein mildes Lächeln würde sich auf meinen Lippen abzeichnen *g*

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