Meine Gedanken zur Fußball WM

Zeit, dass sich was dreht. Und wie es sich dreht. In ganz Deutschland. Und auch bei mir, denn ich bin im WM-Fieber. Und das, obwohl ich sonst eigentlich kein ausgemachter Fußball Fan bin. Aber diese Stimmung und Spannung zu ignorieren, ist fast unmöglich. Deutschland zeigt sich von seiner besten Seite. Eine berauschende Party jagt die nächste, eine losgelöste Stimmung zieht durch das ganze Land. Euphorie.

Niemandem entgeht dieses Wir-Gefühl, das bisher keine Kampagne und auch kein Ereignis so herbei zaubern konnte. Deutschland zeigt ein Nationalgefühl, ohne die sonst so übliche Scham oder einem schlechten Gewissen. Fahnen werden geschwenkt, die Hymne gesungen, alles ist schwarz-rot-gold. Noch habe ich so viele „Diplomaten Autos“ auf den Straßen gesehen. Selbst die Slogans zur WM passen. Die Welt scheint wirklich zu Gast bei Freunden zu sein.

Natürlich ist das Ereignis WM an sich schon eine große Sache, doch letztlich hat die deutsche Nationalmannschaft nicht unwesentlich zu diesem Freudentaumel beigetragen. Soviel Spielfreude, so ein Siegeswillen, so ein Zusammengehörigkeitsgefühl war bis jetzt eher selten zu sehen. Die Mannschaft hat das Zeug zum Weltmeister (und ich hatte von Anfang an einen Einzug ins Halbfinale stets vorher gesagt- jetzt mal gucken wie es weiter geht).

Die anderen Mannschaften überraschten auch. So wurden aus einigen Geheim-Favoriten Geh-Heim- Favoriten. England spielt öden Rumpelfußball. Brasilien ist überragend und auch schon beinahe arrogant, was ihnen hoffentlich demnächst zum Verhängnis wird. Holland bewies wieder einmal aufs Neue, dass sie in Sachen Fußball einfach eine an der Klatsche haben und möglichst von jedem Turnier fern gehalten werden sollten (auch Portugal spielte in jener Partie natürlich alles andere als zahm, aber da kann es sich doch nur um südländisches Temperament gehandelt haben und nicht um Schwachsinnigkeit).

Selbst die Songs zur WM begeistern. Wann hatte man denn alle Fußballlieder zuletzt so kompakt in den Charts stehen? Wann konnte jeder, aber auch wirklich jeder jede Textzeile mit gröhlen? Selbst die Kleinsten zählen 54,74,90,2006 (diesen Song werden wir bei der nächsten WM wieder singen können). Und Herbert Grönemeyer steuerte einen Song bei, dessen Refrain als schlicht genial gehandelt werden muss (schade, dass gerade im Mittelteil vieles von dem Schwung verloren geht – ich stelle mir immer vor, wie 70000 Menschen auf den Rängen stehen und darauf warten, dass Herbert seinen Sprechgesang endlich beendet hat und wieder „was dreht, was dreht“ gerufen werden kann).

Das Land steht ganz einfach Kopf. Und es dreht sich (was).

Ich frage mich, wo all die Nörgler sind, die schon vor Monaten Tag für Tag etwas zu meckern hatten. Die nie auch nur ein gutes Haar an der Mannschaft oder dem Teamchef lassen konnten. Sie alle sind verstummt, warten auf den ersten Fehler, ein Ausscheiden im Halbfinale, ein erneuter Vize-Weltmeistertitel. Nur um dann lautstark analysieren zu können, was Klinsmann alles falsch gemacht hat. Ich hoffe, man wird, egal wie die WM beendet wird, nicht mehr allzu sehr auf sie hören.

So wie man auch nicht auf die Totalverweigerer hören sollte. Wie nervig ist es, in diversen Blogs, Podcasts und Passanten-Interviews auf der Straße von Menschen zu hören, die die WM komplett boykottieren. Meist nur aus dem Grund um mit einer Kontrahaltung aus der Masse hervorzustechen (das sind die mit dem abgedroschenen Argument, Fußball sei ein blödes Spiel, bei dem 22 Männer dumm einem Ball hinterher laufen). Spaßbremsen. Ich finde die Tour de France auch öde (die kommt jedes Jahr und da fahren einen ganzen Mittag lang ein paar Männer Berge hoch und runter), aber das muss ich ja nicht jedem aufs Auge drücken. Diese Fußball WM ist für uns ein einzigartiges Erlebnis. Selbst schuld, wer sich da selbst verweigert.

Es wird wohl traurig werden, wenn am 10.Juli so langsam der Alltag wieder einkehren wird. Wenn jeder bemerkt, dass diese Party vorbei ist und wie nach jeder Party die Rechnung kommt. Wenn Deutschland nicht nur Deutschland, Papst und Fußballweltmeister ist, sondern eben auch ein Land, in dem eine große Koalition beschlossen hat, dem Volk soviel Geld wie möglich abzuknöfpen.

Wäre es nicht schön, wenn wir so lange wie möglich von dem jetzt herrschenden Gefühl zehren könnten? Wenn wir wie die Nationalteams umschlungen da stehen könnten? Für eine Sache, ein Ziel kämpfen?

Ich unterstelle Grönemeyer grundsätzlich Tiefsinn, selbst bei einem Laune und Mitsing-Lied wie dem aktuellen. Und so glaube ich auch hier, dass er mit dem Titel „Zeit, das sich was dreht“ nicht NUR die Fußball WM meinte.

Es wird Zeit, das sich was dreht. Es dreht sich. Wir müssen nur zusehen, dass es jetzt nicht mehr gestoppt wird.

Nachtrag: Soeben sind auch die Engländer aus dem Turnier geflogen. Wie schön kann es noch werden? (Ist eigentlich jemand auf die Idee gekommen Beckhams Kotze aufzusammeln um sie bei eBay zu ersteigern? Die sollte doch mehr Geld einbringen Lehmanns Kaugummi, oder?)

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