Weltmeister der Herzen

Nun ist es vorbei. Und Deutschland ist Weltmeister. Zwar nur Weltmeister der Herzen, aber das genügt vollauf. Eben ging das Finale zu Ende, welches Italien für sich entscheiden konnte und Frankreich einen fast unwürdigen Abschied bescherte (zumindest, wenn man diese völlig beknackte Aktion von Zidane betrachtet). Doch obwohl Italien es schlussendlich doch geschafft und meiner Meinung nach nicht wirklich verdient hat, ist es überall ruhig. Ich höre kein Gehupe, ich höre keinen Jubel. Ich bekam sogar meine Pizza während des Spiels von meinem Lieblingslieferanten gebracht (war das fies, gerade jetzt eine zu bestellen?). Auch wenn in Italien nun gefeiert wird, die italienischen Mitbürger hier bei uns scheinen in keiner Jubelstimmung zu sein. Da war am Samstag aber mehr los, als Deutschland Dritter wurde.

Ich habe mir ohnehin Gedanken darüber gemacht, ob ein guter dritter Platz nicht besser ist als der Titel des Vizeweltmeisters. Nehmen wir mal an, Deutschland hätte es ins Finale geschafft. Wären sie Weltmeister geworden, wäre Deutschland ausgeflippt vor Freude. Klar. Hätten sie allerdings verloren, wären sie tatsächlich Verlierer gewesen. Und stünden bestürzt da, wie die Franzosen jetzt. Nun aber konnten sie ihr letztes Spiel triumphal beenden. Die deutsche Mannschaft hat vom ersten bis fast zum letzten Tag der WM begeistert. Welchen Unterschied macht es nun, ob sie tatsächlich Weltmeister sind? Das Finale war für mich am Samstag.

Die WM ist vorbei. Und ich kann mich an keine WM erinnern, die mich so begeistert hätte wie diese hier. Schön war’s. Weniger schön ist, dass wir uns von überraschend vielen großen Namen werden verabschieden müssen. Figo, Zidane, Kahn etc… Nur einer zögert noch mit einer Entscheidung, ob er weitermachen will. Unser Klinsi.

Ich bin selten mit dem Bild Kolumnist Wagner einer Meinung und meine Meinung ist bestimmt nicht populär zur Stunde. Aber so sehr ich Klinsmann mag, seine Leistung atemberaubend finde und ihn gerne weiterhin als Nationaltrainer sehen würde, so sehr würde ich mir in seinem Sinne einen Abschied wünschen. Denn Klinsmann hat sich ein Denkmal gesetzt, das ab sofort fast nur noch zerstört werden kann. Er hat im Grunde beinahe alles erreicht, was im Fußball zu holen ist. Er könnte nur noch versuchen Europameister und 2010 Weltmeister als Trainer zu werden. Aber das wird eine elende Plackerei. Nach der Euphorie werden die Kritiker wieder lauter werden. Die Diskussionen um seine Methoden würden wieder angefacht, die Wohnortfrage erneut auf den Tisch kommen. Und wehe, es geht irgendwas schief.

Ich möchte nicht schwarz malen, aber zu welchem Zweck sollte sich Klinsmann das alles nochmal aufhalsen? Ich hoffe er entscheidet weise. Und ich hoffe, dass im Falle seines Bleibens der Schwung dieser WM bis zur EM und zur nächsten WM weiter getragen werden kann. Ich wiederhole mich gerne (wie Beckmann sagen würde), es hat sich was gedreht in Deutschland und ich hoffe, es dreht sich noch lange weiter.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Schade eigentlich, dass Italien gewonnen hat. Ich wollte, nachdem ich eigentlich Wochen und Monate keine Pizza mehr bestellen wollte, mir dann zumindest, nachdem ich sicherlich früher oder später wieder schwach werde, wenigstens den Spass erlauben immer eine Pizza „tragische Niederlage in Berlin“ zu bestellen.

    PS: Mein Mac läuft nach der nach der Halbfinal-Niederlage angekündigten „Reinigunsaktion“ (löschen der überflüssigen Sprachen) irgendwie flüssiger, hm….

  2. Ich finde es auch schade, daß Italien Weltmeister geworden ist. Und ich Wette, daß das ausgemacht war den Zidane so lage zu reizen, bis er die Nerven verliert. Armer Zidane – unwürtiges Italien. Könnt ihr eure Titel nicht mal auf eine anständige und faire Art holen?
    Trotz allem hatten wir eine tolle WM und der Präsident von Südafrika hatte recht wenn er sagte:“Wie sollen wir das 2010 toppen?“

    😀

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