Under Pressure

Man kann sich das Leben wirklich ganz leicht ganz schwer machen. Ich kann davon ein langes Lied singen. Denn ich setze mich selbst immer wieder unter Druck. Und lasse mich auch gern unter Druck setzen. Als ich vor kurzem eine Mail bekam, in der man mich für mein Blog und für meine Texte lobte, bekam ich prompt eine kleine Panikattacke. Denn ich hatte keine Idee für einen neuen Text. Und nun, da ich wußte, das man von mir und meinem Geschribbsel wohlwollende Notiz nahm, durfte ich es nicht zulassen, in meiner Qualität abzusteigen. Was also sollte ich tun? Worüber schreiben? Entsetzlich.

Erstmal schrieb ich nichts. Das ist immer eine gute Taktik. Besonders, wenn man nur sich selbst gegenüber Rechenschaft schuldig ist. Allerdings kann man sich nicht lange selbst damit verarschen. Plötzlich steht man hinter sich (wenn man nicht gerade neben sich steht) und tippt sich mahnend an die Schulter. Da bemerkt man, daß man unter Druck steht. Und hat somit ganz leicht ein Thema gefunden, das man in einem Artikel ansprechen könnte.

Ich habe folgendes Problem: Offensichtlich (so höre ich von Freunden und Familie) verlange ich immer zuviel von mir, will stets so perfekt wie möglich sein und scheitere natürlich dabei. Denn niemand und nichts ist perfekt. Wenn man mit dieser Einstellung durch die Welt marschiert, wird man sehr schnell unzufrieden, man erkennt seine eigenen Macken, die man nicht in den Griff bekommt. Und man entdeckt die Macken, die diese Welt für einen bereit hält. Und man steht ständig unter dem Druck, es besser machen zu wollen.

Als ich vor zwei (oder sind es schon drei) Wochen mit diesem Blog begann, hatte ich eine klare Vorstellung davon, wohin diese Reise gehen sollte. Nach längeren Recherchen auf anderen Blogs war mir sofort klar, daß ich kein Tagebuch darüber scheiben wollte, was ich an diesem Morgen im Kühlschrank gefunden habe und wie es mir gestern Abend ging, als mal wieder keiner meiner Freunde Zeit für mich gehabt hatte (was echt ätzend war!). Meine Idee war es, kleine Geschichten zu erzählen, selbst wenn es nur Banalitäten waren. Aber ich wollte zumindest versuchen, diese Banalitäten, die ja bestimmt 90% unseres Lebens ausmachen, so amüsant wie möglich zu beschreiben.

Große Pläne. Wie gesagt. Da hat man gleich mal den Streß, auch immer was Gutes zu schreiben und Banalitäten zu finden, die man auch für eine Geschichte verwenden kann.

Gestern stieß ich beim stöbern auf folgende Seite und war recht amüsiert über diesen Artikel. Wenn man ihn denn so nennen darf. Es waren ja nur zwei Sätze, die der Welt einmal mehr sagen wollten, wie schrecklich es ist, Fussel im Bauchnabel zu haben. Mal davon abgesehen, daß es leider wahr und es beruhigend ist, wenn auch andere Menschen darüber klagen, so fragte ich mich doch: Wer will denn das wissen? Kann man in seinem Blog wirklich über so einen Quatsch schreiben?
Antwort: Klar. Warum denn nicht? Der Autor macht sich nicht den Druck, zu überlegen, was dem Publikum gefallen könnte. Denn das Publikum entscheidet das ganz allein. Es gibt tausende und abertausende von Blogs und jeder hat sein eigenes Publikum gefunden. Man kann nicht alles lesen und man kann nicht alles mögen. Ich selbst lese in drei oder vier Blogs regelmäßig – allein nur, weil mir deren Stil gefällt. Oben erwähnter Blog gehört dazu. Denn es ist einfach witzig, einen solchen Satz vorgesetzt zu bekommen: Fusseln im Bauchnabel. Und dann auf zum nächsten Thema. Prima.

Warum also mach ich mir den Streß? Ich schreibe, worüber ich möchte, was mich gerade bewegt, worüber ich mir Gedanken machen. Und ich bin mir fast sicher (ich hoffe und bete), daß es Menschen auf dieser Welt gibt, die sich das gerne durchlesen. Und sei es nur, um feststellen zu können: „Zum Glück bin ich nicht der einzige, der so empfindet.“
Und wer nicht so denkt, kann das ja gerne in einem Kommentar zum Besten geben. Das ist ja das herrliche an diesem System.
Also an alle, die sich selbst immer wieder unter Druck setzen: Macht was ihr wollt. Macht, was euch nahe liegt, was euch bewegt. Schert euch nicht darum, wie andere darauf reagieren, das bemerkt ihr früh genug. Aber egal was ihr macht: Versucht es so gut wie möglich zu machen.

Das werde ich auch. Ich möchte mich nicht mehr unter Druck setzen, sondern werde nur die Themen behandeln, die mich beschäftigen. Aber ich verspreche, daß ich das so amüsant und interessant tun werde, wie ich nur kann.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Kann es sein, dass nur Männer Fussel im Bauchnabel haben? Die hab ich nämlich auch ständig (bemerkt mein Schatz immer) und witzigerweise Fussel in Farben, die ich garantiert nicht am Leib getragen habe. Zählt definitiv zu den bisher der Menschheit unerklärlich gebliebenen Rätseln dieser Welt. 🙂

  2. Vor vielen Jahren wurde ich von einer lesbischen Freundin dazu gezwungen, ein Buch von Hera Lind zu lesen. Ich kam bis zu Seite 50, bevor es mir zum Hals raushing. Sie motzte in diesen paar Seiten ständig über uns Männer und über die Fussel in unseren Bauchnäbeln. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich mir dieser Problematik gar nicht bewußt gewesen. Von daher: Vielen Dank, Lesbe und Hera.

  3. Hi, ich habe mich sehr amüsiert. Es ist wirklich toll deine Berichte zu lesen. Jetzt solltest Du deine Einsichten nur noch auf die anderen Bereiche deines Lebens übertragen. Mach weiter so und wir werden alle viel Spaß haben.

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