Im Moment erschlägt uns eine wahre Flut an Animationsfilmen im Kino. Den Trend, den Pixar einst mit „Toy Story“ sehr erfolgreich begann, wird nun konsequent weiter verfolgt. Doch wie so oft, wenn die Quantität steigt, leidet irgendwann die Qualität darunter. So habe ich in diesem Artikel bereits mokiert, dass die jüngsten CGI-Filme mehr Wert auf Klamauk legen, als auf ausgefeilte Charaktere und interessante Geschichten. Pixar war seit je her ein Garant für diese Wertvorstellung und die Frage stellt sich nun, ob sie es mit „Cars“ wieder geschafft haben.
Mit einem Wort: Ja. „Cars“ bietet die gleiche Wärme, die gleichen, witzigen, teils stereotypen aber immer sympathischen Figuren, unzählige liebenswürdige Details und eine (genügend) interessante Geschichte wie alle Pixar Filme. Klar, ich gebe zu, die Story vom eitlen Star, der in die Einöde gerät und dort von den „Hinterwäldlern“ etwas über den Sinn des Lebens, Freundschaft und die wahren Werte lernt, ist alles andere als neu. Aber selten wurde sie so herrlich umgesetzt wie hier.
Die Idee, Autos zum Leben zum Erwecken erscheint ebenfalls erst befremdlich und man muss sich die ersten Minuten zunächst daran gewöhnen, dass in dem Film weder Menschen noch Tiere auftauchen. Doch schnell ist vergessen, dass die Figuren fast allein durch ihre Augenmimik agieren. Es funktioniert. Man kauft ihnen ihre Gefühle und Beweggründe ab. Der Film hat ebenso nachdenkliche und ruhige Momente, wie auch unfassbar lustige (Trecker Schrecker – ich hab Tränen gelacht). Die Rennsequenzen sind von wahrer Spannung und atemberaubend. Und die Technik, also die Grafik, sucht wieder einmal ihresgleichen. Faszinierend ist allerdings, dass man irgendwann gar nicht mehr darauf achtete, wie phantastisch alles aussieht, man folgt der Geschichte, lacht, zittert und ist bewegt. Also genau das, was ein Film erreichen sollte.
Gut, man hätte sich so manches verkneifen können. So ist die deutsche Übersetzung des Randy Newman Songs wie immer eine Enttäuschung und sört die Atmosphäre nur (man schmunzelt eher über das holprige Deutsch). Auch die große Anzahl an Promistimmen wäre nicht nötig gewesen. Nikki Lauda kann es einfach nicht, einen Mikka Häkkinnen erkennt man (außer am Akzent) genauso wenig wie die Almsick oder Cora Schumacher. Allein Heiko Wasser, Christian Danner und Michael Schumacher fand ich doch recht witzig in Szene gesetzt (obwohl auch die es nicht können – bitte in Zukunft lieber Profis engagieren).
Der Film ist eine klare Empfehlung wert und zeigt wieder einmal, wer der König unter den Animationsfilmemachern ist. Auch wenn es zugegebenermassen nicht der beste aller Pixar Filme ist. Doch er hat mehr Charme und Witz als alles, was in diesem Jahr bisher auf die Leinwand kam. Schon der übliche Vorfilm ist so köstlich, dass man perfekt eingestimmt wird. Und ein kleiner Tipp: Unbedingt bis ganz zum Ende sitzen bleiben.