Kino: Casino Royale

Mit etwas Verspätung (ich habe den Film in der Vorpemiere am Mittwoch schon sehen können) möchte ich meine Rezension nun auch hier präsentieren. Die leicht abgewandelte und wieder mit einem schlimmen Titel versehene Version gibt es wie immer auch bei fudder.

Bond ist tot, es lebe Bond. Das 21. Kinoabenteuer des englischen Geheimagenten führt 007 endlich auch ins 21.Jahrhundert. Nie war Bond so verletzlich, nie so ambivalent, nie so hart und nie so gut. Mit „Casino Royale“ beginnt eine neue Bond-Ära, die beinahe mit allem aufräumt, was die bisherigen und besonders jüngsten Filme zu einer Parodie ihrer selbst verkommen ließ. Pierce Brosnan spielte Bond so snobistisch und überheblich, dass alles von ihm abprallte. Wie zum Beispiel die Glaubwürdigkeit. Die Gadgets, die er nutzte, wurden immer abgefahrener und dabei immer lächerlicher. Das Publikum wurde eher durch leichtes Schmunzeln als durch Spannung unterhalten.

Nun gibt Daniel Craig den Bond. Blond, blauäugig aber genial. Er lässt sich schwer mit den anderen Darstellern vergleichen, da er die Rolle völlig anders angeht, sie quasi neu erfindet. Außerdem wurde auch die Thematik etwas abgewandelt. 007 steht in Casino Royale noch am Anfang seiner Karriere und muss sich seine Sporen erst verdienen. Das tut er auf schmerzhafte Weise, physisch wie psychisch. In dem neuen Abenteuer erfährt der Zuschauer endlich wie Bond zu dem wurde, was er ist. Weshalb er keine wahren Gefühle zulassen will. Weshalb er niemandem wirklich vertraut.

Craig spielt den Agenten dabei herrlich zerrissen. Einerseits selbst verliebt und völlig von sich überzeugt. Andererseits sich ständig fragend, welchen Weg er eingeschlagen hat und ob es der richtige ist.

Wenn er vor dem Spiegel steht, sich das Blut aus dem Gesicht wäscht, nachdem er gerade zwei Männer getötet hat und sich selbst in die Augen sieht, meint man die Frage laut zu hören: Was hast du nur getan?

Diese Zerrissenheit zieht sich durch den ganzen Film. Als M ihm einbläut, er solle auch über die moralischen Konsequenzen einer Taten nachdenken, stellt er trocken fest: „Sie wollen also, dass ich halb Mönch, halb Killer bin.“ Der Satz trifft es genau.

Trotz allen Zweifeln geht 007 konsequent seinen Weg. Das er dabei Fehler macht und einige Male böse in die Bredouille gerät, macht ihn nur noch menschlicher. In Zeiten, in denen jeder Superheld Gefühle zeigt und von Zweifeln geplagt ist, muss auch ein Superspion nun mal erkennen, dass er nur ein Mensch ist. Früher konnte man immer davon ausgehen, dass Bond das alles locker schafft. Ab jetzt fragt man sich aber nicht nur ob, sondern auch wie er alles schaffen will. Eine völlig neue Spannung entsteht.

Worum geht es überhaupt? James Bond wurde eben erst die Lizenz zum Töten überreicht, da hat er auch schon seinen ersten Auftrag. Er soll LeChiffre, den Geldverwalter einer internationalen Verbrecherorganisation stoppen, indem er ihm sein gesamtes Geld beim Pokern in besagtem Casino Royale abnimmt. Bond zur Seite steht die attraktive Vesper Lynd (Eva Green), die aufpassen soll, dass Bond nicht das gesamte Geld verspielt und England somit indirekt den internationalen Terrorismus unterstützt. Bonds Chefin M (Judi Dench) ahnt natürlich noch nichts von dessen Charme. Vesper und James verlieben sich und mit einem Mal erscheint alles in einem anderen Licht und nichts ist mehr, wie man es vermutet.

Trotz der neuen Gefühle bleibt dem Film genug Platz für atemberaubende Action (wie beispielsweise die Free Running Verfolgungsjagd gleich am Anfang), spannende Duelle (wie das gut inszenierte Pokerspiel oder die Folterszene die genauso auch in Ian Flemmings Romanvorlage stand), zahlreiche Gags („Sie sind nicht mein Typ.“ „Zu klug?“ „Single!“) und Product Placement. Letzteres zum Glück nicht gar so penetrant wie beim Vorgänger. Auch M ist wie erwähnt wieder mit von der Partie, dafür mussten Q, R und Monypenny ihren Platz räumen. Coole Sprüche, böse, charismatische Gegner, schöne Frauen, exotische Drehorte – all das ist zum Glück erhalten geblieben.

Dafür gibt Craig seinem Bond ein breiter gefächertes Mienenspiel als nur böse zu gucken oder smart zu lächeln. Casino Royale ist somit einer der besten Actionfilme des Jahres und mit großer Wahrscheinlichkeit einer der besten Bond Filme aller Zeiten. Und wenn 007 am Ende des Films endlich den Satz sagt „Bond. James Bond.“ dann freut man sich wie schon lange nicht mehr auf den nächsten Film mit dem Geheimagenten.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Super Rezension. Gut geschrieben!
    Ich werde den neuen Bond mal wieder, wie so immer lieben. Schon allein Mads Mikkelsen, den ich wegen „Flickering Lights“ und „Dänische Delikatessen“ verehre.
    Dann ein Bond mit latenten Segelohren und insgesamt endlich mal der ursprüngliche Look aus den alten Büchern. Härter, oder einfach anders.

    Und wegen diese quote war für mich klar, dass ich zumindest Spass haben würde:

    „Bartender: Shaken or stirred?
    James Bond: Do I look like I give a damn? “
    So herrlich selbstironisch. So mag ich Bond 🙂

    PS: Ich vermisse es immer noch, in meine Kommentare vernünftige Absätze machen zu können 🙁

  2. Danke für das Lob.Ich wünsche Dir viel Spaß im Kino. Den wirst du mit Sicherheit haben. Und die angesprochenen Filme muss ich mir demnächst auch mal zu Gemüte führen um das dänische Sexsysmbol zu sehen (Zitat aus Cinema über Mikkelsen).
    Da fällt mir eine andere tolle Szene aus dem neuen Bond ein: Er steigt wohlgeformt mit blauer Badehose aus den Fluten, das weibliche Publikum macht einen tiefen Seufzer, während ich neidisch Sven zu raune: Mistkerl. 🙂
    Jedenfalls, an den Diaologen zwischen Vesper und Bond wirst du deinen Spaß haben.
    PS: Wer braucht schon Absätze 😉

  3. Grandiose Rezension, wirklich. Hat mich wahnsinnig geärgert, dass ich nicht mit ins Kino konnte.

    Die Überschrift bei Fudder ist allerdings wirklich unterirdisch!

  4. Ich kann fudder nicht lesen (’s haut mich aus dem Netz). Wieso tunken?

    Roger: Absätze strukturieren und sind optische Denkpausen oder so. Danke 🙂

    Die dänischen Filme liegen hier rum. Lust? Der TV ist allerdings recht klein.
    Hätte auch noch den Besten von allen anzubieten: In China essen sie Hunde. Wenn Du den noch nicht kennst. 🙂 Das dänische Sexsymbol ist eher http://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaj_Lie_Kaas
    , der spielt in allen dreien mit. Dachte ich zumindest immer.

  5. derSo mache ich mich also auf den Weg. Zu Fuß, den iPod endlich mal wieder nutzend, die Hände tief in die Jackentaschen vergraben und einem eisigen Wind trotzend. Damals, als ich noch für das Freiburger Online Magazin fudder die Filmkolumne schrieb, hätte

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