Mit Fundamentalisten ist nicht gut Kirschen essen. Sie verstehen keinen Spaß. Man kann nicht mit ihnen diskutieren. Ganz egal ob sie religiös, politisch oder sonst irgendwie motiviert sind. Ebenfalls schlimm sind die Technik Fundamentalisten. Ich weiß das, denn ich war selbst mal einer. Heute gehe ich das alles etwas lockerer an, wobei ich aber gestehen muss, dass ich nur ungern etwas auf meinen iPod kommen lasse.
Damals, als ich noch dazu gehörte, entbrannte ein Glaubenskrieg zwischen den Amiga Jüngern und den Atari ST-Anhängern. Zwei Homecomputersystem, die sich recht ähnlich waren, sich aber doch soweit voneinander unterschieden, das man sich für eine Seite entscheiden musste. Entweder aus Pragmatismus, aus Geldgründen, Überredung oder schlichter Überzeugung. Jeder Fundamentalist versucht die anderen zu überzeugen und ist selbst absolut überzeugt, dass alle anderen falsch liegen. Also alle, die sich für den falschen Homecomputer entschieden hatten. Den Atari ST. Ich meine, es war doch offensichtlich, dass der Amiga die eindeutig bessere Maschine ist.
Interessanterweise entbrennen die meisten Glaubenskriege nur zwischen zwei Kontrahenten, selbst wenn es unzählige Alternativen gibt. Diese Kontrahenten kämpfen meisten auch direkt gegeneinander, während die Alternativanbieter einfach im Strom mit schwimmen und von den Resten leben (also von den Leuten die sich nicht entscheiden können, wollen, dürfen). Deshalb fängt ein Alternativnutzer auch keine Diskussion an. Er ist froh, überhaupt mitmachen zu dürfen. Das genügt ihm. Meist behauptet er sogar, absichtlich eine Alternative zu nutzen, um sich dem Stress mit den ewigen Diskussionen zu entziehen. Echte Fundamentalisten lächeln über derartige Aussagen. Echte Fundamentalisten wählen einen der Großen in ihrer Sparte und unterstützen und verteidigen diesen auch bis zum bitteren Ende (bis das Produkt langweilig, eingestellt, oder durch etwas besseres ersetzt wird. Geeks sind hiervon übrigens ausgenommen; die kaufen und nutzen einfach alles).
Früher gab es zum Beispiel auch den schönen Streit zwischen Sega und Nintendo Fans. Heute laufen ähnliche Diskussionen zwischen X-Box und Playstation (vielleicht auch demnächst ein bisschen mit der Wii, aber das glaub ich nicht). Auch zwischen Nintendo DS und der PSP wird es wohl nie Einigkeit geben.
Es ist noch gar nicht lange her, da stritt man darum, ob Nokia oder Siemens Handys besser seien. Mercedes und BMW ist auch ein Beispiel. Oder einfach nur Coca Cola gegen Pepsi. Die Liste ist lang, die Kriege stets sinnlos, aber leidenschaftlich.
So lernte ich letztens einen Kerl kennen, dem ich mit den Worten vorgestellt wurde: „Er hat übrigens eine Nikon D50.“ Die prompte Antwort von ihm beim Händeschütteln lautete: „Ach eine Nikon. Ich habe eine Canon, denn ICH will richtige Fotos machen.“ Aha, dachte ich, ein humorloser Canon Fundamentalist. Und damit war das Gespräch für mich beendet (für ihn übrigens auch). Wie gerne hätte ich mich über Fotografieren unterhalten, gerne auch über unsere Kameras, Erfahrungen ausgetauscht. Doch wie gesagt, mit solchen Leute kann man einfach nicht reden. Schon gar nicht, wenn so ein Satz gleich zur Begrüßung fällt. Um es mal kurz klar zu stellen, ich habe überhaupt nichts gegen Canon Kameras. Mein Nikon war nur zur rechten Zeit, zum rechten Preis am rechten Ort. Ich zweifle nicht daran, mit einer Canon EOS ebenso glücklich geworden zu sein.
Was mir ebenfalls langsam auf den Senkel geht, ist der ewige Streit, ob denn Apple Rechner oder Windows Rechner besser seien (wie damals bei Amiga und Atari. Und ja, ich weiß, euch Linux User gibt es auch noch und ihr kämpft hart um Anerkennung. Aber mal ehrlich, seid ihr nicht die Volvo Fahrer auf einer BMW-Mercedes Straße? Just kidding).
Hätte ich das nötige Kleingeld, würde ich mir sofort ein MacBook kaufen. Keine Frage. Dennoch bin ich mit meiner Windowsmaschine höchst zufrieden. Alles läuft und funktioniert so, wie ich es will. Denn seien wir wieder mal ehrlich, Apple Rechner sind nicht sooo toll, wie sie von den Jüngern dargestellt werden. Ebenso sind Windows Rechner nicht sooo schlecht, wie sie von allen gemacht werden. Beide Systeme haben Ecken, Kanten, Unzulänglichkeiten, Probleme und sind weit von jeglichem Perfektionismus entfernt. Auf beiden System können böse Dinge geschehen, auf beiden Systemen kann man ganz schöne Scheisse anstellen. Denn letztlich kommt es doch ohnehin nur auf den User an der Tastatur an. Hat der keine Ahnung, was er eigentlich macht, hilft ihm das beste System nichts. (Oh, ich höre schon, wie das Bashing gleich wieder beginnt)
Andererseits, wie erwähnt, lasse ich auf meinen iPod nichts kommen, obwohl es gewiss günstigere, besser ausgestattete, reichhaltigere Mp3-Player gibt (aber halt keine schickeren. Gell, das ist es, ihr Apple Jünger.)
Zu meiner wilden Zeit als Womanizer (haha) hatte ich eine kleine Liste von Glaubensfragen. Geschickt in ein Gespräch eingestreut, konnte ich so recht einfach heraus finden, wie die umworbene Frau in grundlegenden Fragen tickte. So erkannte man schnell ob es Übereinstimmungen (und eine gemeinsame Zukunft) gab. „Wenn du die Wahl hättest, wofür würdest du dich entscheiden? Pepsi oder Coke? BMW oder Mercedes? Siemens oder Nokia? SC Freiburg oder Bayern München? Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang? Berge oder Strand? Oben oder unten?“ Wusste eine Frau bei der letzten Frage nicht mal, wovon ich hier spreche, war die Sache klar. Mit solchen Frauen kann man nicht sprechen. Da bin ich echt ein Fundamentalist.
Und Apple-Jünger sind nicht nur völlig kritiklose, seelige Verklärer von Steve Jobs sondern gehen mit ihrer Lieblingsfirma durchaus auch knallhart ins Gericht. Härter vielleicht als die Windows-Nutzer mit Microsoft, so kommt es mir zumindest vor. Nur wie jede Minderheit muss man sich, weil man es wagt aus der Reihe zu tanzen, ständig rechtfertigen warum man denn keinen "normalen PC" hat. Ich hab jetzt deinen Eintrag xmal gelesen und werde den Verdacht trotzdem nicht los, dass du eifersüchtig auf die mit einem Mac bist. Vielleicht irre ich mich da aber auch. Und: ich hab in den letzten 3 Jahren 5 Betriebssysteme gehabt und bin erst seitdem ich einmal Linux hatte zu der Überzeugung gekommen dass man durchaus auch ohne Windows glücklich sein kann. Vorher fand ich das auch toll.
Ich bin davon überzeugt, dass Microsoft Windows derzeit nur den Markt halten kann, weil ein Grossteil der Nutzer schlicht und einfach Angst vor dem Switch hat. Ich habe das an meinem Vater selbst sehen können. Was habe ich bei seinen Besuchen in Nürnberg an Aufwand getrieben ihm durch Besuche bei allen lokalen Apple-Händlern den Mund wässrig zu machen. Beim dritten Händler (beim zweiten Besuch in Nürnberg) wollte er schon seine Kreditkarte zücken und einen iMac mitnehmen, was ich ihm mit Blick auf die damals neu anstehenden Modelle jedoch ausredete. Um so grösser war mein Erstaunen, dass bei meinem letzten Besuch in der Heimat vor knapp einem Monat auf einmal ein neuer Medion-PC vor seinem Schreibtisch stand, den ich (leicht masochistisch veranlagt) dann auch noch für ihn installierte. Seine Begründung für diesen Schritt war einfach: Angst vor dem neuen, Angst nicht mehr zurecht zu kommen, Angst davor seine Daten nicht mehr lesen zu können. Alle Ängste sind unbegründet, aber Du kannst sie den Leuten einfach nicht nehmen.
Ich bin überzeugt davon, dass Apple riesige Marktanteile zurückgewinnen könnte, wenn sie ein neues Test-Drive-Angebot auflegen würden, wie sie es für den Ur-MAC schon mal getan haben. Immerhin stimmt das Marketing jetzt, habe mir sagen lassen (warst Du das Roger?), dass die gravis-ShopinShops bevorzugt in der Damenunterwäscheabteilung aufegmacht werden, ist doch immerhin schon was, oder?
Aber egal: Jeder nach seinem Gusto, vielleicht gewinnt ja am Ende doch mal das bessere System (siehe Betmax vs. VHS).
Ich habe einem Freund sogar empfohlen, eine Canon EOS zu kaufen, obwohl ich von meiner Nikon D70 überzeugt bin: Er hatte "von früher" noch zwei Canon-Objektive, also wäre es schlicht blödsinn gewesen, das System zu wechseln.
Holger, es wäre klasse, wenn Apple eine größere Marktmacht bekommen würde. Und vielleicht wird es auch langsam so kommen. Ich würde es begrüßen und verweise wiederum darauf, dass ich natürlich gerne einen hätte. Aber nur, weil er, wie du beschrieben hast, eben hübsch und problemlos ist wie mein iPod. Ansonsten gibt es für mich keinen "vernünftigen" Grund, soviel Geld auszugeben. Auch mein Windows Rechner läuft seit Jahren stabil und problemlos. Vermutlich fehlt es den Leuten einfach nur an einem Killerargument, um umzusteigen.
JC, wir werden jetzt bald ähnliches mit BlyRay und der HD DVD erleben, ganz gleich welches der beiden Formate besser ist, am Ende gewinnt das System, das billiger ist und durch die Firma mit den größten Mitteln und dem längsten Atem etabliert wird (am Ende haben wir vielleicht sogar beide Formate bis die beiden Nachfolger kommen).
Das auf Windows so rumgehackt wird hat wahrscheinlich einfach den Grund, das die meisten Mac-User trotz allem immernoch irgendwie damit zu tun haben, im Büro oder bei Freunden, etc. Und irgendwann auch mal selbst einen PC hatten. Und wenn man die beiden quasi nebeneinander benutzt, dann fallen einem eben die Unzulänglichkeiten von Windows doppelt auf. Wenn man aber 100% von Windows überzeugt ist, dann sollte einen das Gemecker ja eigentlich nicht jucken, oder?
Ich verfolge diese "Glaubenskriege" auch immer sehr amüsiert und muss ich immer wieder wundern, dass es soviele Leute gibt, die anscheinend nicht schnallen, dass wir in Zeiten leben, in denen wir uns über ganz andere Sachen Gedanken machen sollten.
Aber mal zum Thema: Gerade diese Diskussionen um Betriebssysteme sind so dermaßen lächerlich, dass ich immer wieder darüber lachen muss. Wieso herrscht in diesen Dingen nicht auch das Motto "Jeder nach seiner Fasson"?
Ich weiß z.B., warum ich weder Linux noch Mac brauche: Weil mir WinXP all das bietet, was ich erwarte. Es läuft stabil, ich habe all die Anwendungen, die ich brauche, und es ist kompatibel zu dem meisten Usern, weil die meisten Leute es nutzen. Bei Apple hingegen ist mir einfach das Preis-Leistungs-Verhältnis zu schwach & ich müsste wahrscheinlich ewig nach adäquaten Software-Pendants suchen, was bei Linux derselbe Fall ist. Linux hatte ich schon einmal getestet, allerdings stellt sich da auch immer die Frage der Kompatibilität & es kostet einfach zuviel Nerv und Zeit, sich da richtig einzuarbeiten. Deshalb arbeite ich gerne mit Windows. Sicherlich hat jedes OS seine Vor- und Nachteile, aber es kommt halt immer darauf an, was man von einem System erwartet und was man damit machen will. Ich fahre mit WinXP jedenfalls sehr gut, nutze auch viel Open Source- und Freeware, weil die oftmals so mancher Shareware sogar überlegen ist.
Finde jedenfalls, dass du da einen sehr schönen Artikel verfasst hast, der es wirklich auf den Punkt bringt: "Jeder nach seiner Fasson".