Geblitzte Schleicher

Deutschland droht im Verkehrschaos stecken zu bleiben. Immer mehr Autos fahren auf den Strassen, immer mehr Güterverkehr, immer mehr Durchreiseverkehr. Dazu kommen die üblichen Baustellen und Unfälle. Radiosender geben mittlerweile nur noch die Verkehrsbehinderungen über 5 Kilometer Länge durch. Schuld ist laut einer Studie nicht nur die ständig zunehmende Anzahl von Verkehrsteilnehmern, sonder auch die Langsamfahrer. Dies soll sich womöglich demnächst ändern.

Ab nächstem Jahr sollen auch die Langsamfahrer kontrolliert werden. Ein Sprecher des Verkehrsministeriums sagte, auch die Schleicher würden jetzt geblitzt. Gemeint seien damit weder LKW, landwirtschaftliche Fahrzeuge, PKW mit Anhänger oder Behindertenfahrzeuge. Ins Visier der Fahnder werden jene Autofahrer kommen, die ohne ersichtlichen Grund den Verkehr behindern.

„Der deutsche Staat steckt eine Menge Geld in den Unterhalt und Ausbau unserer Strassen. Wenn eine Strasse für 100 km/h zulässig ist und auch die Witterung keinen Grund erzwingt, langsamer zu fahren, kann es nicht sein, dass sich auf einer solchen Strecke Staus bilden, nur weil ein Autofahrer ohne triftigen Grund nur 70 km/h fahren möchte.“

So werden in Zukunft die Radarfallen nicht nur an strategischen Punkten wie Ortsausfahrten oder beginnenden Langsamfahrzonen aufgestellt, sondern auch auf freier Strecke und neuralgischen Punkten, wo die Polizei immer wieder Verkehrsverstopfung feststellen kann. Wenn ein Fahrzeug auf einer geraden Strecke 20 km/h unter dem zulässigen Wert aufgenommen wird, so gilt dies ab nächstem Jahr als Verkehrsbehinderung. Diese soll (noch) nicht mit einer Strafe geahndet werden. Der Verkehrsteilnehmer wird zu einer Anhörung gerufen und darüber befragt, was der Grund für sein langsames Fahren war. Das heißt, in Zukunft wird man sich dafür rechtfertigen müssen, weshalb man den Verkehr aufhält.

„Wir wollen niemanden zum rasen zwingen und jedem steht es natürlich frei, die Geschwindigkeit selbst zu wählen. Es muss natürlich immer abgewogen werden, ob die geblitzte Geschwindigkeit wirklich nötig war. Es ist aber nicht einzusehen, dass ein Autofahrer nur aus Lust und Laune im Feierabendverkehr eine Schlange hinter sich her zieht, die gerade durch fehlende Konzentration auch zu Auffahrunfällen führen kann, und nicht gewillt ist, die verfügbare Geschwindigkeit zu nutzen, um den Verkehr in einem steten Fluss zu halten.“

Es kommen also harte Zeiten auf die notorischen Schleicher zu. „Es muss darüber nachgedacht werden, solche Menschen zu einem neuerlichen Fahrtraining zu schicken und daraufhin zu überlegen, ob sie überhaupt noch fähig sind, am Straßenverkehr teilzunehmen.“

Laut der oben genannten Studie würde bei einem weiteren Wachstum des Verkehrs wie bisher, alle Hauptverkehrswege in etwa zehn Jahren komplett ausgelastet sein. Da macht es schon Sinn, darüber nachzudenken, wie man weitere Störungen dieser Auslastung behandeln kann. Sonst stehen wir demnächst alle.

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