Haarig

Friseurbesuche sind der pure Stress für mich. Bisher kam es erst zweimal vor, dass ich wirklich völlig zufrieden einen Salon verließ. Die anderen Male dachte ich beim Blick in den Spiegel stets: Oh Gott, hoffentlich kann ich das zu Hause retten. Wenn ich unter dieser Plastikplane sitze, die Finger in die Armlehne kralle und zu schwitzen beginne, bete ich leise vor mich hin, die Friseuse möge mich nicht allzu sehr entstellen. In jedem Friseurgeschäft, bei jeder Friseuse versuche ich aufs Neue zu erklären, wie ich die Frisur gern hätte. Erfolglos bisher. Jede schneidet einfach so wie sie es am besten kann. Kurz.

Natürlich kann es auch an meinem Haar liegen, dass ich danach immer schrecklich aussehe. Es ist dünn, kerzengerade und glatt, hat an zwei unsäglichen Stellen Stellen Wirbel und ist schlicht unstylebar. Außerdem beginnen meine Geheimratsecken langsam größer zu werden.

Hin und wieder bin ich allerdings sogar ein klein wenig zufrieden. Dann nämlich, wenn die Friseuse unter Zuhilfenahme ihrer überteuerten Pflegeprodukte und Spezialklebern, deren Gramm-Preis über dem von Cannabis liegt, es schafft, die Resthaare auf meinem Kopf in kurzzeitig adäquate Form zu wuscheln.

Die ganze Pracht ist natürlich nach der ersten Haarwäsche unwiederbringlich verloren und nicht mehr rekonstruierbar. Ich lebe mit einem ständigen Kompromiss auf dem Kopf. (Okay, manch einer lebt mit einem ständigen Kompromiss im Kopf. Haha)

Gerne würde ich einmal zum Friseur gehen, der mein Gewäsch einfach ignoriert und mit Kennerblick erst einmal mein Gesicht, meinen Kopf und mein Haar analysiert, um mir dann zu sagen, welche pflegeleichte Frisur mir tatsächlich unter den vorgegebenen Bedingungen stünde und wie ich diese selbst jeden Morgen wieder gestylt bekomme. Dann möchte ich, dass er mir diese Frisur schneidet und sich dabei merkt, was er tut, so dass ich bei meinem nächsten Besuch nicht wieder alles neu erklären muss, sondern einfach sagen kann: "So wie das letzte Mal bitte. Das sah klasse aus."

Vielleicht sollte ich mal auf diese Wald und Wiesen Friseure und die Chickas, die in Läden arbeiten, die sich Hunter und Killer oder so nennen, verzichten, die zwar bestimmt alle eine tolle Lehre gemacht haben, aber am liebsten nur mit dem elektrischen Langhaarschneider über mein Haupt fahren.

Also lieber Udo Walz, Gerhard Meir und wie ihr Star Friseure alle heißt, ich werde demnächst einen Termin bei einem von euch machen, wenn mein Haar wieder lang genug ist, dass ihr damit arbeiten könnt. Und wehe ich sehe danach nicht geil aus.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Mir fiel noch eine kleine Ergänzung zu meinem haarigen Beitrag ein. Frisurentechnisch habe ich nun wirklich schon fast alles versucht (Vokuhila, Dauerwelle und Locken fehlen noch). Auch eine ganz kurze Variante wagte ich vor knapp zwei Jahren. Und da di

  2. Wen ich Dir mal einen Frisörsalon empfehlen darf:
    Kopfsalat (http://guter-friseur.de/).
    Die ist bei uns im Ort (Schallstadt/Leutersberg). Ich gehe da immer Donnerstags Abends hin und genieße das Südfrankreich Flaire des Salons. Hier schneidet keine Azubine, sondern NUR die Meisterin. Im Hintergrund läuft Dido, Faithless oder Cafe Del Mar (relaxe).
    Dazu ist die auch noch recht günstig.

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