Bestseller

Obwohl ich eingefleischter Amazon-Fan bin, gehe ich zum Bücher kaufen doch lieber in eine Buchhandlung. Ich mag es einfach, die Schmöker auf mich wirken zu lassen, an den Regalen und Tischen vorbei zu schlendern und mich von Titeln und Covern locken zu lassen. Bin ich interessiert, nehme ich es in die Hand, drehe es um und lese die kurze Inhaltsangabe/Zusammenfassung/Beweihräucherung und entscheide dann, ob sich ein Kauf lohnen könnte. Was ich gerne ignorieren würde, aber dennoch immer wieder bemerke, sind die Hinweise weiter unten. Da steht dann zum Beispiel, dass dieser Roman auf Platz der Times Bestseller-Liste war. Oder auf der Spiegel Bestseller-Liste. Wann und wie lange wird nicht erwähnt. Manchmal steht sogar dabei, dass das Buch auf Platz 1 in dieser Liste stand. Wow.

Manchmal ist das aber nicht überzeugend genug. Vielleicht kauft ja nur jeder den Schrott, weil jeder es kauft. Deshalb sollten auch noch ein paar Meinungen genannt werden von Menschen, die sich mit sowas auskennen. Dann liest man zum Beispiel „eine umwerfende Komödie – gnadenlos komisch“ Brigitte. Ich frage mich dann zunächst, ob dies ein Satz war, den Brigitte, die Putzfrau des Verlags bei einer Zigarette fallen ließ, oder ob mit Brigitte die Frauenzeitschrift gemeint ist. Vermutlich letzteres.

Was aber ist davon zu halten wenn man folgendes zu Lesen bekommt: „Superspannend“ Inquirer. Ok, welcher Inquirer denn bitte? Und „superspannend“ ist alles, was die zu dem Buch zu sagen hatten? (Ich sollte doch Kritiker werden. Ich schätze, ich kenne genug Adjektive) Oder: „Astrein“ Fit for Fun. Naja, also wenn sich jemand mit Büchern auskennt, dann ist das ja wohl das Literaten Magazin schlechthin: Fit for Fun.

Derzeit lese ich ein Buch, dessen Werbespruch aber den Vogel abschießt. Es heißt „Die Kunst des stilvollen Verarmens“ von Alexander von Schönburg und macht mit folgenden Satz Lust auf mehr: „Platz 1 der Bestsellerliste!“ Wirklich, genau so wie es hier geschrieben steht. Ich meine, da MUSS man doch einfach zugreifen, oder? Immerhin ist da ein Ausrufezeichen. Ein Punkt würde dem Ausmaß dieses Wahnsinns nicht gerecht werden. Nein, nein, immerhin war (oder ist – man weiß es nicht) das Buch auf Platz 1 der Bestsellerliste. Welcher Bestsellerliste eigentlich? Ich würde das gerne mal überprüfen. Der norwegischen Bestsellerliste? Der Fit for Fun Bestsellerliste? Egal, Hauptsache auf Platz 1. Was mich aber am meisten fertig macht, sind die Anführungszeichen. Im allgemeinen wird somit ein Zitat kenntlich gemacht. Das bedeutet, der Satz „Platz 1 der Bestsellerliste!“ ist kein Fakt, keine Tatsache, sondern ein Zitat, eine Aussage. Vom wem? Das steht nicht dabei. Vielleicht von Brigitte, der rauchenden Putzfrau. Vielleicht auch von einem Chefredakteur, der dem Buchrücken-Praktikanten beim Hinausgehen zurief: „Und schreib noch dazu, dass es auf Platz 1 der Bestsellerliste war. Und vergiss das Ausrufezeichen nicht.“

Ich werde es wohl nie erfahren. Und will es auch gar nicht. Letztendlich kommt es ja nur darauf an, ob MIR das Buch gefällt. Mal sehen, ob es meine persönliche Bestsellerliste erreicht.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Super Beitrag! 😀
    Das Thema „Vielleicht kauft ja nur jeder den Schrott, weil jeder es kauft“ trifft auch hervorragend auf Kinofilme zu.
    Dass sehr viele Menschen sich einen Film im Kino angesehen haben, sagt überhaupt nichts über seine Qualität aus. Die Leute, die sich den angesehen haben, haben die Kinokarte ja gekauft, BEVOR sie den Film gesehen haben. Ob die danach gähnend aus dem Kino gekommen sind und sich darüber aufregten, dass sie schon wieder auf eine blöde Werbekampagne reingefallen sind, kümmert solche Statistiken wenig.
    Genausowenig wird beachtet, ob der Film nur in Kommunalen Kinos oder in jedem verdammten Cineplex des Planeten gelaufen ist.

    Man kann es nicht oft genug sagen: die verkauften Stückzahlen sagen nichts über die Qualität des Produktes aus, sondern über die Qualität der Vermarktung.

  2. Kann mich meinem Vorredner nur anschließen. Schließlich hat Alexander Roda-Roda schion festgestellt: “Man kauft das Buch zuerst und liest es dann. Das Auflagenglück so vieler Autoren beruht auf dieser zeitlichen Anordnung.”
    Die Gründe, warum die breite Masse etwas kauft, sind so vielschichtig und teilweise ziemlich belanglos. Nur weil ein von mir verhasster Promi meint, seine Gedanken auch noch in Buchform zu packen, muss ich das Buch noch lange nicht lesen, weil etliche andere Leute auf diesem Planeten denken, sie müssten den Promi auch noch für diese sinnlose Aktion entlohnen. Und dabei hat er wahrscheinlich nicht ein Wort davon selbst geschrieben.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: