Jens Cornelis und ich stellten letzte Woche fest, dass wir zufällig fast gleichzeitig den Thriller "The Number 23" mit Jim Carrey in der Hauptrolle im Kino sehen. Wir hatten die Idee, getrennt voneinander eine Rezension zuschreiben und die beiden Meinungen in unseren Blogs zu verlinken, so dass der geneigte Leser sich schnell an zwei (womöglich) unterschiedlichen Meinungen orientieren kann. Vielleicht ein Konzept, das wir wiederholen?
Ich sollte voraus schicken, dass ich noch nie ein Fan von Joel Schumachers Filmen war. "Nicht auflegen" hatte sicherlich seine Momente und "8MM" war vielleicht ganz gut gedreht, "Falling Down" bestach durch Michael Douglas, sogar die Flatliners sollte man als einen wichtigen Film der 80er bezeichnen. Aber spätestens nach seinen zwei Batman Gurken war der Mann bei mir unten durch. So ist es kaum verwunderlich, dass ich mit gewissen Vorbehalten in "The Number 23" ging. Und warum dann? Hauptsächlich weil derzeit nichts anderes im Kino läuft, das mich interessiert und der Trailer eigentlich recht faszinierte. Ich war schon immer ein Fan von Verschwörungstheorien, finde solche Gedankenspiele sehr interessant und stelle mir auch gern die „Was wäre wenn“-Frage. Die Zahl 23 scheint tatsächlich eine gewisse Faszination auf die Menschen auszuüben, wie man beispielsweise auch in dem Dan Brown Thriller "Iluminati" entdeckt.
So kommt ein Mystery Thriller gerade Recht, in dem es um einen Hundefänger geht, der sich während der Lektüre eines Romans immer mehr in die Welt der Zahl 23 begibt, paranoid wird, überall nur noch Zeichen sieht und sich alles auf die Zahl 23 herunter rechnen lässt. Was will ihm diese Zahl sagen? Ist sie tatsächlich verflucht? Ist er mit dieser Zahl auf der Spur eines Killers, der noch immer frei herum läuft?
Die Idee ist faszinierend, man hätte verdammt viel daraus machen können. Mehr als nur eine lange Akte X Folge. Doch Schumacher gelingt das nicht. Carrey spielt den langsam in den Wahnsinn gleitenden Kerl ganz passabel, wobei die komischen Moment vielleicht etwas deplatziert wirkten. Den harten Cop allerdings nahm ich Carrey einfach nicht ab.
Was dem ganzen Film fehlt ist ein Ziel, er plätschert vor sich hin und lässt den Zuschauer ständig im Unklaren. Nichts neues eigentlich, aber das können andere Filme weitaus besser. Ich brauche keine zwei, manchmal gar drei Erzählebenen, die dann auch noch durch eine jeweils andere Optik heraus gestellt werden, nur um mir die Tragweite der ganzen Story bewusst zu werden. Die Spannweite der Optik reicht von harten Sin City Kontraste bis zu Hamilton Weichzeichner. Manchmal schien es, als würde Schumacher einfach mal zeigen wollen, dass auch er es drauf hat, mit verschiedenen Pinseln zu malen. Selbst wenn es Malen nach Zahlen ist.
Der Zuschauer weiß ganz schnell, dass nichts in dem Film ist, wie es scheint. Irgendwann kommt sicherlich der Twist, der alles auf den Kopf stellt und verblüfft. Und tatsächlich, das Drehbuch hält wirklich so etwas bereit. Allerdings ist die Story an diesem Punkt schon so komplex (das ist nicht positiv gemeint) geworden, dass die Auflösung des Twist mehr als zehn Minuten Erklärungen und Rückblenden benötigt und danach trotzdem den faden Beigeschmack hat, so oder ähnlich schon mal da gewesen zu sein. Ich erinnere dabei nur zu gern an den Moment in "Fight Club", wo in einer Sekunde, in einer Szene alles klar wurde, alles einen Sinn ergab und es den Zuschauer förmlich aus dem Sitz schlug. Dieser Moment gelingt "The Number 23" nicht. Schlimmer noch. Selbst nach der Auflösung und den Erklärungen kommt noch ewiges Geschwafel aus dem Off und führt zu einem moralischen Happy End, dass dann auch noch als Nicht Happy End angepriesen wird. Na toll.
Die Story ist zu verworren und bietet keine neuen Impulse. Die Optik ist passabel, wenn auch teilweise zu sehr nach Anleitung gefertigt. Die Dialoge sind hölzern und die Stimmung trocken. Spannung oder gar Schockmomente kommen erst gar nicht auf. Schwach für einen Thriller. Lediglich die Details wissen zu gefallen. Wenn man erfährt, wo überall die Zahl 23 steckt, dann fängt man schon an zu grübeln. Auch sind während des ganzen Films irgendwo im Hintergrund Zahlen und Buchstaben zu sehen, die man automatisch auf die 23 herunter rechnen kann. Dafür also ein Lob. Aber letztendlich gliedert sich "The Number 23" ein in die lange Reihe erfolgloser Versuche Schumachers, endlich mal wieder einen Hit wie Flatliners zu landen. Und Jim Carrey sollte sich ernsthaft überlegen, ob es eine gute Idee war, die Hauptrolle für die Fortsetzung seines letzten Erfolges "Bruce Allmächtig" (2003) abzugeben.
Ich war ja einen Tag vor dir in der Vorstellung und hätte dich gerne gewarnt, hätten wir da nicht unseren Feldversuch gehabt. War echt spannend, können wir gerne mal wieder machen. Bin schon gespannt, wann wir mit den Meinungen mal komplett unterschiedlich liegen.
Was die Optik betrifft: das liegt vermutlich daran, dass Schumacher sie so aufgesetzt und exzessiv nutzt. Bei "300" wird man auch zwangsläufig hauptsächlich über die Optik reden.