Übers Bloggen

Vor fast einem Monat las ich Anke Gröners Gedanken über das Bloggen. Kurze Zeit später dachte auch Diana über ihr Hobby nach. Und auch mir kribbelt es schon länger in den Fingern, etwas über das Bloggen zu sagen. Denn ich stellte auch in anderen Blogs fest, dass die Schreiber sich derzeit einige Gedanken machen. Über das Bloggen an sich, über Besucherzahlen, über Werbung und über die Position der Blogs im Vergleich zu anderen Medien.

Nun, über letzteres denke ich ehrlich gesagt nicht allzu sehr nach. Meine Erfahrung dahin gehend ist eher, dass der durchschnittliche Internet Benutzer noch immer nicht weiß, was ein Blog ist. Weshalb ich noch immer gerne „Homepage“ sage, wenn ich von allesroger.net spreche. Die Erklärung, was ein Blog ist, kommt ohnehin nicht an. Weiterhin wissen noch immer zuviele Leute nicht, dass man ein Blog abonieren kann, kennen die Funktion und Nutzung von RSS Feeds gar nicht. Manchmal denke ich, das scheinen nur Featueres für uns Geeks zu sein. Traurig. So kommt es, dass ich immer wieder von Leuten höre „Was für einen Artikel? Ich war doch erst vor zwei Wochen auf deiner Homepage…“ Tja, in zwei Wochen kann eine Menge passieren.

Ihr merk schon, das wird wieder so ein Jammerartikel. „Buhu, keiner liest mich.“ Naja, lasst mich erklären, wieso es nicht ganz so schlimm ist.

Sehr oft höre ich von anderen Bloggern, sie würden nicht für die Leser schreiben, sondern nur für sich selbst. Das halte ich zunächst mal für Quatsch. Wenn ich tatsächlich nur für mich schreiben würde, müsste ich den getippten Text abspeichern, in einen Ordner auf meiner Festplatte verschieben und den Rechner runter fahren. Ich würde mir kaum die Mühe machen, ihn online zu stellen, die Seite nach meinen Wünschen zu gestalten und bei Google anzumelden. Sprich: sobald ich meinen Text online stelle, gebe ich ihn auch an die Öffentlichkeit und damit schreibe ich nicht für mich, sondern für die Öffentlichkeit, die ihn doch bitte lesen möge.

Bei mir ist es tatsächlich so, dass ich nur deshalb ein Blog habe. Ja, ich möchte gelesen werden. Und noch mehr: ich möchte auch das Feedback. Ich möchte mit meinen Artikeln unterhalten, hinweisen und manchmal auch etwas provozieren. Und ich möchte mich in den Kommentaren mit den Lesern darüber auseinandersetzen. Ich möchte wissen, dass meine Texte jemanden erreichen und eine Reaktion hervor rufen. Ganz gleich ob sie mit mir einer Meinung sind oder nicht. Ich möchte gehört werden. Die ewige Suche nach Anerkennung? Mag sein. Ich erinnere mich an die Zeit, als ich meine alte Homepage ebrake.de unterhielt. Dort stellte ich meine Romane, Kurzgeschichten, Gedichte und Fotos aus. Liebend gern hätte ich von den Menschen etwas dazu gehört. Denn nur so bringt es einen als „Künstler“ weiter. Man braucht das Feedback. ebrake.de war allerdings eine typische, starre HTML Homepage und nicht auf Interaktivität ausgelegt.

Mit meinem Blog hoffte ich, würde sich das ändern. Allerdings stelle ich noch immer fest, dass sich die Kommentare erschreckend in Grenzen halten. Und, was noch schlimmer ist, gerade bei mir wichtigen Artikeln ist dies der Fall. Schreibe ich über die Ungerechtigkeit in dieser Welt (um es mal so auszudrücken) meldet sich niemand zu Wort. Schreibe ich allerdings darüber, dass ich einen Fleck auf meinem Hemd habe (um es mal so auszudrücken) habe ich plötzlich acht Kommentare. Ich finde das eigenartig.

Anke Gröner schrieb in ihrem Artikel, dass sie sich gar nicht mehr mit den Kommentaren auseinandersetzen will und sie deshalb deaktiviert habe. Sie hatte gemerkt, dass sie nur noch für die Diskussion schreibt und nicht mehr dafür, was sie eigentlich schreiben will. Gut, vielleicht meinte sie das damit, dass sie nur noch für sich selbst schreiben will und keinen Pfifferling darauf gibt, was man von ihr und ihrem Geschreibe hält (ich mag es übrigens und würde gerne hin und wieder einen Kommentar abgeben). Bei mir ist es allerdings etwas anders. Auch ich scheibe grundsätzlich nur über Themen, die mich interessieren. Ich habe noch nie und werde auch nie einfach ein populäres Thema suchen, nur damit ich es auch mal angesprochen habe, wenn ich doch eigentlich gar nichts dazu sagen kann. Man könnte sich ja einfach nur über die meist gesuchten Technorati Begriffe etwas aus den Fingern saugen.

Nein, mein Blog bleibt mein Blog, was Design und Inhalt angeht. Ich werde mir das weder von Besucherzahlen oder von Kommentaren madig machen lassen. Obwohl ich etwas zugeben muss. Ich hatte vor einiger Zeit die Tendenz, mehrmals täglich meine Besucherzahlen zu checken. Der Grund war, dass sie überraschend hoch waren. Ich konnte es mir nicht erklären, stellte aber fest, dass es mich ungemein motivierte. Plötzlich schrieb ich teils drei Artikel am Tag. Nur weil ich meiner neu gewonnenen Leserschaft etwas bieten wollte. Auch hier waren es nur Artikel, die ich auch schreiben wollte (ich habe noch dermaßen viel in Petto). Und dann… waren die Leser plötzlich wieder weg. Feedburner sagte mir mit einem Male, dass zwanzig Abonnenten abgesprungen seien. Und ich fiel in ein Loch.

So ist das mit uns Löwen. Wir wollen die Aufmerksamkeit. 🙂 Mir wurde dabei eines klar. Ich schreibe zwar was ich will, aber ich schreibe definitiv nicht für mich. Ich lasse mich wirklich von äußeren Einwirkungen beeinflussen. Das Bloggen wurde ein klein wenig zur Sucht, ich war high als meine Zahlen nach oben gingen, ich ging auf Entzug, als die Zahlen nach unten gingen.

Was dazu führte, dass ich Anke Gröner verstehen kann. Sie wollte kein Sklave ihres Publikums sein.

Dennoch könnte man natürlich die Frage stellen, weshalb man sich dann die Mühe macht. Wenn es keine Sau interessiert, was man von sich gibt, was soll dann der Stress? Ich bin immer wieder leicht beleidigt, wenn ich fest stelle, das selbst die Menschen in meiner unmittelbaren Nähe nicht lesen, was ich schreibe. Schließlich ist bloggen für mich auch eine Art Kunst. Zumindest ich versuche, meine Texte auch entsprechend zu gestalten, entsprechend zu formulieren, dass sie wie kleine Geschichten daher kommen. Und auch hier wieder: Jeder Künstler möchte ganz einfach wahrgenommen werden. Würden meine Freunde schreiben, malen, musizieren oder regelmäßig auf dem Sportplatz kämpfen, wäre ich gerne dabei und würde gerne meine Kritik und Lob loswerden. Einfach, weil ich weiß, warum. selbst wenn jeder von ihnen nur deshalb schreibt, malt, musiziert oder über den Platz rennt, weil es ihm einfach nur Spaß macht.

Quintessenz des Ganzen? Ich werde genauso weiter schreiben wie bisher. Die Themen und die Artikel, die ich möchte. Ich werde mich in keine Richtung verbiegen und anfangen, nur der Zahlen wegen etwas zu ändern. Ich werde lernen, dass Besucherzahlen nicht alles sind. Dass die wenigen Leser, die ich habe, gerne kommen (wenn auch meist nur über Google und mit den immer wieder gleichen Suchbegriffen). Ich werde mich damit abfinden müssen, dass man als kleiner Blogger eben nicht die Resonanz und das Feedback bekommt, das man sich wünscht. Und gerade deshalb werde ich mich über jeden Kommentar freuen und auch über jeden Tag, an dem die Besucherzahl die Hundertermarke überschritten hat.

Übrigens erzählte ich einem meiner neuen Arbeitskollegen, dass ich ein Blog betreibe. Seine Atwort war nicht wie erwartet „Oh, klasse, worüber schreibst du, wie lautet die Adresse?“ sondern leidiglich: „Wozu?“ Das war eine dermaßen gute Frage, dass ich heute noch darüber nachgrüble.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. hmmm wozu schreibt man einen blog? das frage ich mich auch immer wieder? was treibt einen menschen dazu sich so zu offenbaren? dein blog ist zwar privat, geht aber nicht allzu sehr ins detail… da habe ich schon viel privatere, detailliertere blogs gelesen und mit dem kopf geschüttelt! ich lese nur wenige blogs, insgesamt 4, 3 davon kenne ich persönlich, der 4. ist… na egal, jedenfalls habe ich bis heute nicht den sinn verstanden sich die ganze mühe zu machen, und was RSS ist, weiss ich auch (noch) nicht, aber du wirst mich ja aufklären… ab juli spätestens 😎

  2. Kann ich das, was du schreibst, irgendwo unterschreiben?
    😉

    Diese Gedanken hatte ich alle auch schon, der Punkt ist wohl einfach der, dass man sowohl für sich selbst schreibt als auch für eine Leserschaft.

    Für sich selbst nicht zuletzt, weil es einem selbst etwas bedeutet, dieses merkwürdige Dingens namens Blog zu betreiben, zu gestalten und stetig wachsen zu sehen.

    Für die anderen, weil sie vielleicht eine kleine Schar treuer Leser sind, denen es auch etwas bedeutet, in diesem Blog zu lesen und so etwas über den anderen zu erfahren.

    Ich vermute stark, dass die große Zahl der Blogs (nicht nur in Deutschland) lediglich einen kleinen Kreis von Stammlesern hat – und dass das meist auf Gegenseitigkeit beruht. Und ab und zu trifft man dann eben einmal mit einem Artikel ein „heißes“ Thema, einen Nerv, der einem kurzfristig mehr Leser und Kommentatoren vorbeischwemmt.

    Auf die Frage „Wozu“, die mir auch schon gestellt wurde, antworte ich übrigens normalerweise etwa: Was heißt „wozu“? Manche Dinge macht man um ihrer selbst willen, nicht „zu“ irgendeinem Zweck.

    Um weitergehende Nachfragen zu vermeiden, kann man auch einfach antworten: „Ich blogge, weil ich es eben kann!“
    😎

  3. Huch!
    Man muss einen Blog bei Google anmelden? 😉

    Und über Gestaltung habe ich mir auch noch nicht (besonders) viel Gedanken gemacht.

    Bin ich jetzt ein schlechter Blogger?

  4. MrsWilliams und Boris, ihr schneidet hiermit das Thema an, welches vermutlich auch das einzig relevante für ein kleines Blog ist. Die Stammleserschaft, die wohl immer aus Freunden, Verwandten und den wenigen Menschen besteht, die man auf irgendeine Weise begeistern konnte. Sollte man sich also als Blogger fragen, für wen man das alles schreibt, wenn nicht nur für sich selbst, dann wohl eben für die. Und das kann ja auch genügen.
    Nielsson, das anmelden bei Google sollte sinnbildlich gemeint sein, ebenso wie die Gestaltung. Egal, welche Mühen man auf sich nimmt und was man alles dafür tut – jeder, der ein Blog betreibt denkt über die Technik, das Design, den Namen, den Inhalt etc. nach, selbst wenn man einen Blogger Dienst nutzt. Würde man absolut keinen Wert darauf legen, gelesen zu werden, bräuchte man das nicht.

  5. Ich bin ein treue Leserin deines Blogs, aber keine eifrige Schreiberin in Kommentaren. Außerdem hätte mir mal einer sagen sollen, dass man ihn auch abonnieren kann.
    Mach weiter, denn ich lese gerne was Du zu sagen hast auch wenn ich manchmal das eine oder andere nicht verstehe ( wenn es zu technisch ist ). 😎

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