Filmkritiken

Kommen wir einmal zur – ich möchte sagen – Quintessenz des Bloggens. Zur Veröffentlichung des persönlichen Standpunktes. Der persönlichen Meinung. Die Frage lautet wie immer: weshalb blogge ich? Und ja, natürlich um meine Geschichten zu erzählen, meine Anekdoten, meine Abenteuer. Und auch um der Welt meine Sicht der Dinge zu präsentieren. In der Hoffnung, damit auf Gleichgesinnte zu treffen und Menschen anzusprechen oder um eine Diskussion mit Menschen anderer Meinung zu führen. Beides ist gleichermaßen reizvoll und beides erhoffe ich mir mit jedem Artikel.

Nun bin ich ja passionierter Film-Fan und was läge näher als über genau dieses Thema zu referieren? Schließlich ist das Thema Film ein unerschöpfliches und volgestopft mit soviel persönlicher Meinung, dass man grundsätzlich immer auf Gleichgesinnte oder Abgeneigte trifft. Film und Kino wären doch perfekt geeignet für ein Blog. Dennoch mag ich einfach nicht mehr über Filme schreiben.

Zum einen, weil der große Vorteil des Themas (jeder hat eine eigene, persönliche Meinung) auch der größte Schwachpunkt ist. Denn jeder hat eine eigene, persönliche Meinung. Und was bringt es der Welt, wenn ich ihr erzähle, dass ich Stirb langsam 4.0 extrem klasse fand, Shrek 3 dafür aber erschreckend fade. Manch einer mag mir zustimmen, viele andere eben nicht. So what?

Erfahrungsgemäß ernte ich auf meine Filmkritiken keinerlei Reaktionen, weshalb es mir auch müssig erscheint, angestrengt einen Text aus den Fingern zu saugen, um meine Meinung zu begründen. Okay, eigentlich könnte man das über jedes Thema sagen, über das ich hier schreibe. Aber aufhören zu bloggen möchte ich deshalb nicht. Nur aufhören, lange Texte über Filme zu schreiben.

Es ist ganz einfach: Mittlerweile lasse ich mich auch im privaten Umfeld auf keine Diskussionen mehr ein. Wozu auch? Hey, ich fand Armageddon spitzenklasse. Und ich kenne Leute, die mich dafür gerne steinigen würden. Gleichzeitig würde ich mir lieber einen Schraubendreher ins Auge stechen, als noch einmal Ice Age 2 anschauen zu müssen. Und auch mit dieser Meinung stehe ich weitestgehend alleine da.

Wirklich jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er einen Film mag. Da helfen keine Kritiken, keine Empfehlungen. Da kann ein Kritiker noch so eloquent sein und noch so lange Filmwissenschaften studiert haben. Da mag jemand noch soviel Hintergrundwissen besitzen und noch so leidenschaftlich bei der Sache sein. Es ändert nichts an der Tatsache, dass jeder für sich selbst entscheidet, ob ein Film gefällt oder nicht.

Warum also sollte ich in langen Texten begründen, warum ich einen Film mag oder nicht? Weil das die Quintessenz des Bloggens ist, die eigene Meinung zu vertreten? Sicherlich. Vielleicht bin ich ja auch einfach zu sehr Filmfan. Denn am liebsten möchte ich hinausschreien: „Seht ihn euch selbst an! Und hört nicht darauf, was andere darüber sagen.“

Gleichzeitig muss ich aber auch gestehen, dass ich liebend gerne Berichte und Kritiken zu Filmen lese (Anke Gröner, 5 Filmfreunde etc.). Das hat aber noch nie etwas an meiner Meinung zum Film geändert. Im Grunde hätte ich mir das Lesen auch sparen können. Aber ich kann nunmal nicht anders.

Wie auch immer: lange Filmrezensionen wird es hier nicht mehr geben. Aber – um des leidenschaftlichen Bloggens Willen – und für die Leidenschaft zum Thema Film, werde ich dennoch nicht darauf verzichten, meine Meinung kundzutun. Viel zu lange habe ich das schon nicht mehr gemacht (denn ich sehe leider weitaus mehr DVDs als Kinofilme).

Also: Stirb langsam 4.0 fand ich äußerst klasse. Die Action stimmt, die Sprüche sind knackig, die Story reicht für den Film, die Logik darf dabei gerne hinten an stehen und Bruce Willis hat’s einfach immer noch drauf. Ein Actionkracher, der (mir) Spaß macht. Punkt.

Und Shrek 3 war schlechter als Teil 2, der schlechter als Teil 1 war. Die Story ist fade, die Gags nicht mehr so zündend, die Musikuntermalung teilweise unpassend, platt und auf CD-Verkauf getrimmt. Außerdem hatte ich sehr oft das Gefühl, als hätten die Macher keine Ideen mehr gehabt (Esel und Kater tauschen ihre Identitäten – was völlig unnötig reingepfuscht wurde). Deshalb: bitte keinen vierten Teil mehr (er befindet sich bereits in Produktion).

Das soll als Filmkritik von mir genügen. Wer mit mir einer Meinung ist: herzlich Willkommen. Wer anderer Meinung ist: und Tschüß. Und wer die Filme noch nicht gesehen hat: vergesst, was ich hier geschrieben habe und seht sie euch selbst an.

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich überlege auch bei vielen Filmen, die ich sehe, ob ich im Anschluss etwas ausführlicher dazu schreiben soll (ich wollte sogar einmal eine Website mit eigenen Besprechungen von Horrorfilmen starten. Daher übrigens der Name „dyingeyes“).

    Meiner Erfahrung nach reifen jedoch meine Erkenntnisse zur Qualität eines Films erst in längeren Zeitabschnitten; ich könnte zu einem frühen Zeitpunkt oder gar unmittelbar nach dem Sehen eines Films bestenfalls oberflächliche Geschmacksurteile abgeben der Art „hat mir sehr gefallen, weil…“.

    Erst kommt das reine Geschmacksurteil (was bestenfalls für den engsten Freundeskreis Relevanz hat). Nach ein paar Tagen dann hat man viele besprechenswerte Deteils schon so weit vergessen, dass man nicht mehr sicher kritisch dazu schreiben kann. Und schließlich bildet sich, auch im Vergleich mit anderen Filmen, ein zuverlässigeres kritisches Urteil heraus. Aber wer interessiert sich ein dreiviertel Jahr später noch für eine Filmkritik zu einem Film, der längst schon wieder aus dem Neuheitenregal in der Videothek verschwunden ist?

    Ich bewundere durchaus die Fähigkeiten einiger professioneller Filmkritiker, die manchmal wirklich in der Lage sind, unmittelbar nach dem Kinobesuch eine profunde Filmkritik abzugeben, nach der ich mir tatsächlich ein Bild davon machen kann, was mich beim jeweiligen Film erwartet.

  2. Willkommen zurück erstmal. 🙂

    Schade dass du aufhören willst ausführliche Filmkritiken zu schreiben, ich hab die immer sehr gerne gelesen. Ich kann nur nie was dazu schreiben, weil ich unglaublich selten Filme im Kino angucke. Aber ich mag deine Art Filme zu rezensieren und es macht mir Lust auf die Filme. Wenn du keine Lust mehr auf ellenlange Texte hast kannst du ja auch Top-5-Listen machen: die Top 5 für verregnete Sonntage, die Top 5 zum Gucken mit der Freundin, etc… da müßten doch bestimmt auch einige Perlen zu finden sein. 😉

  3. So geht es mir auch. Deine Idee finde ich Klasse. „Roger, bitte übernehmen Sie!“ 😀

  4. Hmm, Diana, das klingt zwar reizvoll, würde aber irgendwie wieder genau gegen meine Argumentation gehen. Ich würde 5 Filme empfehlen, die zwar mir gefallen, die andere aber gar nicht mögen. Auch hier denke ich, dass jeder selbst am besten weiß, welche Filme er zu welchem Zweck am liebsten sieht. Mal davon abgesehen, dass ich mich selbst gar nicht auf (nur) 5 einigen könnte. Dazu gibt es zu viele.
    Nunja, ich werde das Rezensieren vermutlich eh nicht ganz lassen können. Von daher wird es sicherlich weiterhin Filmkritiken von mir geben. Nur eben nicht ganz so ausführlich, dafür aber vielleicht sogar häufiger. Schauma mal.

  5. Hm.. klar, nur 5 Dinge ist immer schwer… aber hey, wer damit nicht einverstanden ist kann ja seine 5 Filme unten drunter schreiben was Kommentare zur Folge hätte. *triumphierend schau*

  6. Okay, das ist tatsächlich eine Überlegung wert. Ich werde mal schauen, ob mir etwas einfällt. Meine bisher ige Erfahrung mit Filmdiskussionen zeigt aber, dass die Antworten stets so oder ähnlich lauten: „Was? Den Scheißfilm findest du gut? Ne ne, dabei ist der hier doch viel besser.“ Völlig ignorierend, dass es per se eigentlich keinen „guten“ oder „schlechten“ Film, sondern nur persönliche Vorlieben gibt. Aber gut. Mal schauen, ob man aus dieser Idee etwas machen kann.

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