Gib CO2ntra

16.Juli 2007
Autor: Roger Graf

Hmm, wo ist denn nur diese untergestellte 2, um korrekt CO2 schreiben zu können? CO2. Ah, da ist sie ja. Na, dann kann ich meinen Artikel über das vermaledeite CO2 beginnen. Ihr habt vermutlich alle schon einen der Pro7-Spots gesehen, die auf die Aktion mit dem gar nicht mal so schlechten Slogan "Gib CO2ntra" hinweisen. Ein bekanntes Pro7 Mitglied steht dabei nur in Shirt und Jeans gekleidet vor der Kamera, ein Schild mit besagtem Slogan in der Hand und erzählt die Geschichte vom bösen Gas. Währenddessen steigt rund um den Pro7-Fuzzi das Wasser, ein ganz und gar nicht subtiler Hinweis für den Unterschichtenzuschauer, was mit der Erde passiert, wenn wir dem Kohlendioxid keinen Einhalt gebieten. Mit den Pro7 Gesichtern indes passiert nichts. Das steigende Wasser stoppt, noch bevor sie ertrinken. Schade, möchte man manchmal denken. Noch schader (noch mehr schade, noch schaderer) finde ich aber hin und wieder, wenn das Wasser nicht sofort wieder sinkt. Wie zum Beispiel bei dieser Moderatorin, deren Namen ich zwar nicht kenne, ihre sonstigen Vorzüge aber umso mehr. Lasst es mich so sagen: ich vermute einfach mal, dass ihr IQ in etwa den gleichen Wert hat wie ihr BMI. Und der ist optimal. Dann steht sie da, in ihrer engen Jeans und dem engen Top, das Wasser steigt und der dämlich-männliche Zuschauer wünscht sich mehr denn je, die Fluten würden zurück gehen und den Blick auf das nun nasse, enge Top freigeben. Sofort beschließt man, weniger CO2 zu verbrauchen.

Und da liegt ja schon gleich der Fehler in der Aktion. Denn wir Menschen verbrauchen ja gar kein CO2, wir produzieren es. Unter anderem. Aber egal, das sind Spitzfindigkeiten, die niemandem auffallen. Ich persönlich habe jedenfalls beschlossen, meinen CO2 Haushalt sofort zu halbieren. Also auf CO1 Niveau. Haha. Leicht wird das allerdings nicht.

Auch wenn ich mein Auto aus bekannten Gründen nun öfter stehe lasse, als früher (ich möchte meinen Parkplatz nicht verlieren), ist es gerade in Duisburg nicht leicht, Energie zu sparen. Okay, ich habe immer noch keine Deckenleuchten installiert. Das spart schon einiges. Aber mit diesen blöden Vorheizgeräten komme ich überhaupt nicht klar. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass sie energiesparend sind. Sobald ich meinen Wasserhahn einschalte, höre ich ein Klacken aus dem Gerät unter der Spüle und das Wasser beginnt sofort kochend heiß zu werden. Eine kleine Regulierung, klack, das Wasser ist eiskalt. Einen Nanometer zurück in die andere Richtung, klack klack, kochend. Irgendwann, ich habe bereits Erfrierungen und Verbrennungen gleichzeitig, schaffe ich es, eine angenehme Temperatur einzustellen. Ihr glaubt doch nicht im Ernst, dass ich diesen angenehmen Wasserfluss wieder stoppe? Nein, seit ich in Duisburg wohne, läuft das Duschwasser weiter, während ich mich einseife. Oder so. Nicht gerade umweltfreundlich.

Oder nehmen wir das Thema Rollladen. Diese Erfindung hat sich im Ruhrpott noch nicht wirklich durchgesetzt (obwohl er jetzt sogar ein l mehr als früher hat). Selbst viele Gebäude neuerer Bauart verzichten schlicht darauf. Oft haben die Parterre-Wohnungen welche, aber, wie man mir sagte, nur aus Gründen des Einbruchschutzes. Dass man mit Rollläden im Sommer die Hitze aus der Wohnung und im Winter die Wärme in der Wohnung halten kann (besonders nachts) und man nebenbei auch Dunkelheit im Schlafzimmer herbei zaubern kann, wenn man früh morgens aus der Nachtschicht kommt und gerne schlafen würde, das hat den Hausbesitzern offenbar noch niemand gesagt. Was ist eigentlich aus dieser Idee mit dem Hausausweis geworden, wo festgehalten werden sollte, wie energiesparend und ökologisch eine Immobilie ist?

Immerhin ist mein neuer, riesengroßer Kühlschrank mit dem Energieeffizienz-Buchstaben A ausgezeichnet. Und er hat sogar einen Button neben seinem Frontdisplay, auf dem Vacation steht. Das bedeutet, wenn ich demnächst in Pakistan Urlaub mache, werde ich zuhause einfach meinen Kühlschrank in den Stromsparmodus versetzen. Denn dann kühlt der Kühlschrank nur noch gerade so, dass die Lebensmittel nicht schlecht werden. Hmm, wieso mache ich das eigentlich nicht immer? Zeigt mir nochmal diese Pro7-Moderatorin in ihrem Wet-Shirt, dann gebe ich CO2ntra.

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4 Kommentare Sag was →
  1. 2007 Juli 17
    Nielsson permalink

    Ich denke: Solange du in einer normalen (alten) Wohnung mit einer normalen Heizung lebst, dann ist das der mit Abstand größte Posten.
    Alles andere ist Kleinkram und macht keinen wirklich Unterschied.

  2. 2007 Juli 18

    Für den Einzelnen betrachtet ist es natürlich Kleinkram, aber wenn jeder den Kleinkram auch beachtet, macht es wohl einen Unterschied. Und das ist der Punkt, oder nicht? Es geht hier ja nicht vorrangig um’s Geld sparen sondern um’s Energiesparen.

  3. 2007 Juli 18

    Nunja, es stimmt schon, dass es einen Unterschied machen würde, wenn jeder sich auch um diesen Kleinkram kümmert. In einer perfekten Welt wäre das bestimmt auch so. Dummerweise leben wir aber nicht in einer perfekten Welt. Deshalb ist jedem einzelnen sein Geldbeutel grundsätzlich erstmal wichtiger, als der Umweltschutz. Sich um die Natur zu kümmern wird umso mehr umgangen, je aufwändiger oder teurer es wird. So ist zumindest meine bisherige Beobachtung.

  4. 2007 Juli 19

    So Dinge wie Fernseher vom Standby trennen, Router etc Nachts ausmachen, Glühbirnen gegen Energiesparlampen eintauschen, öfter mal das Auto stehen lassen… es ist eigentlich relativ einfach und kostet nicht unbedingt mehr. Aber ich bin da auch ziemlich idealistisch veranlagt. ;)

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