Das Ikea Küchen Drama

by Roger Graf

Vielleicht war es doch etwas verfrüht zu behaupten, ich sei mit Ikea nach dem Arbeitsplatten-Fauxpas wieder versöhnt. Denn das Küchendrama war noch nicht beendet. Und ist es auch jetzt noch nicht ganz. Doch der Reihe nach. Nachdem ich eine kleine Entschädigung für die falsch bestellte Platte bekommen hatte, wartete ich auf den Ikea-Monteur, der mir eine Basis Montage machen sollte. Das beutetet, dass ich die Schränke selbst zusammenbauen und später die Türen und Griffe selbst anbringen musste. Nachdem meine Wohnung so gut wie komplett mit Ikea ausgestattet ist, sollte es natürlich kein großes Problem für mich sein, Schränke zusammenzubauen. Eine Küchenzeile aber richtig auszurichten, die sanitären und elektrischen Geräte anzuschließen und die Platte auszuschneiden aber schon eher. Daher die Entscheidung, dies von einem Profi machen zu lassen.

239 Euro für vier Stunden lässt Ikea sich das kosten (wobei Oberschränke nicht dabei sind). Geht das Montieren länger als vier Stunden, haut der Monteur entweder ab oder der Preis erhöht sich pro Stunde um weitere 40 Euro. Nun, die Lieferfirma, die auch den Monteur schicken wollte (und die nur sehr schwer per Telefon in ihren Bochumer Büros zu erreichen ist), versicherte mir, dass der Aufbau in vier Stunden locker zu machen sei. Ich glaubte ihnen und empfing eine Woche nach Lieferung (solange standen in meiner Küche nur halb zusammengebaute Schränke und restliche Kartons herum – eine Baustelle also) die beiden russischen Monteure. In dieser Woche hatte ich Nachtschicht und die Monteure daher erst um 13 bestellt.

Müde sah ich ihnen bei der Arbeit zu und hatte tatsächlich den Eindruck, dass der Aufbau sehr schnell vorbei sein könnte. Nach einer Stunde lag die Platte bereits zugeschnitten, die Schränke waren ausgerichtet, die Geschirrspülmaschine bereits an ihrem Platz. Ich war guter Dinge. Die Monteure fragten mich sogar, ob sie die Türen und Schubladen einbauen sollen. „Na, eigentlich ist das ja nicht bei der Basismontage dabei“ sagte ich. Sie fingen aber dennoch an, Türen anzubringen. Dann fragte man mich, ob ich denn kein Stromkabel für den Herd hätte. Hatte ich nicht. Und erinnerte mich an den Tag der Bestellung. Zweimal hatte ich die Frage gestellt: „Und bei der Küche ist auch alles dabei? Ich muss nichts mehr vorher besorgen im Baumarkt? Keine Schläuche oder Dichtungen oder Kabel?“ „Nein!“ war die Antwort der Mitarbeiterin, die auch meine Platte falsch bestellt hatte. Ich hätte gewarnt sein sollen.

Die Uhr tickte, die Monteure sollten weiter machen, also fuhr ich los in den Baumarkt und besorgte ein passendes Stromkabel. (Schließlich kann man von einem Küchenmonteur auch nicht erwarten, das er Materialien für eine Küchenmontage bei sich hat.) Wieder zuhause wurde ich gefragt, ob ich denn keine Dichtung für den Siphon hätte und keine Schläuche für die Mischbatterie. Nein, verdammt, auch das hatte ich nicht. Also fuhr ich ein zweites Mal in den Baumarkt, nur um bei meiner Rückkehr festzustellen, dass die Sachen der vom Monteur diktierten Einkaufsliste nicht passten. „Hätten sie dieses holen sollen. Und jenes. Haben sie falsch geholt“, musste ich mir vorwerfen lassen. „Stecke ich Siphon einfach so hinein. Müssen sie schauen ob tropft.“ Die Zeit begann knapp zu werden. So knapp, dass ich kein drittes Mal zum Baumarkt fahren konnte. Und auch nicht wollte. Zwar waren nun Schubladen und Türen angebracht, aber weder war der Wasserhahn noch der Siphon richtig installiert. Von Geschirrspülmaschine testen oder Wäsche waschen würde ich mich erst einmal verabschieden müssen.

Der Russe erklärte mir, was ich besorgen und wie ich die restliche Installation durchführen sollte. „Und die Wandleisten?“ wollte ich wissen. „Wandleisten geht nicht mehr. Oder sollen wir länger machen?“ fragte der Monteur. „Und das kostet mich dann nochmal 40 Euro?“ „Ja, aber dafür haben wir ja auch Türen angebracht und Schubladen.“ Klar, was gar nicht eure Aufgabe gewesen wäre, grummelte ich in meinen Bart. Mit einem Male hatten die beiden es sehr eilig, Feierabend stand vor der Tür. Das Spülbecken und alle Wassergeräte nicht zu gebrauchen (ich hatte probiert „ob Siphon tropft“ und die ganze Soße floss sofort heraus), die Wandabschlußleisten nicht angebracht, verließen sie meine Wohnung und ich stand in einem Haufen von Schmutz, Kartons und halb aufgebauten Küchenteilen. Also immer noch Baustelle.

Bis zu diesem Zeitpunkt war ich bedingt durch meine Müdigkeit noch einigermaßen ruhig. Ich hatte den Herd und die Schubladen vor der Abfahrt der Russen getestet, nur die Lade unter dem Herd hatte ich vergessen. Ich zog sie auf. Oder besser gesagt, versuchte es. Erst jetzt fiel mir auf, dass der Herd schräg hing und an einer Ecke auf die Lade drückte. Ein beherztes Ziehen später hatte ich die komplette Schubladenfront in der Hand, herausgerissen aus provisorisch eingebohrten Löchern der Russen. Nun platzte mir der Kragen, doch die Bochumer Firma war natürlich nicht mehr zu erreichen.

Am nächsten Tag hatte ich nach 15 Minuten fruchtlosen Probierens den Chef der Monteure endlich am Apparat. Ich erklärte ihm, was vorgefallen und in welchem Zustand meine Küche sich befände. Er entschuldigte sich und sicherte mir zu, den Monteur gleich am nächsten Morgen wieder zu mir zu schicken. „Um neun Uhr ist er bei ihnen“, sage er. „Um Neun? Geht es nicht auch ein bisschen später? So ab 12 vielleicht? Sie wissen doch, das ich Nachtschicht habe“, fragte ich, stieß aber leider auf taube Ohren. Schließlich hätte der Monteur ja auch noch andere Termine. Auf meine Frage, ob ich mich denn dann auch darauf verlassen könne, dass er pünktlich kommt und alles dabei hat um die Küche fertig zu machen, bekam ich ein definitives Ja.

Um 6 Uhr kehrte ich von meiner Nachtschicht nach Hause zurück und beschloss, für die lumpigen drei Stunden nicht extra schlafen zu gehen. Vor Wut hätte ich eh nicht einschlafen können. Also vertrieb ich mir die Zeit und wartete. Es wurde neun Uhr. Es wurde zehn Uhr. Es wurde halb Elf. Ich rief bei der Firma an und erreichte niemanden. Einmal kam ein Freizeichen und dann gleich ein Besetztzeichen. Ich stellte mein Handy auf Rufnummernunterdrückung und probierte es nochmals. Siehe da, der Chef nahm meinen Anruf entgegen und fragte erstaunt, ob sein Monteur noch nicht erschienen sei. Er würde sich darum kümmern, versprach er. Das dauerte weitere eineinhalb Stunden. Um zwölf Uhr klingelte es. (Man beachte, dass dies die Uhrzeit ist, die ich tags zuvor noch vorgeschlagen hatte.) Ich war auf 180, übermüdet und ernsthaft sauer.

Der Monteur (gleicher Russe wie zwei Tage zuvor) fragte sofort, ob ich die Teile besorgt und alles so geklappt hätte, wie er es mir aufgetragen hatte (!). Mir platze erneut der Kragen. In dem folgenden Wortgefecht, indem ich dem Mann klar zu machen versuchte, welche Stümperarbeit er hinterlassen hatte und welche Aufgaben die seinen und die meinen seien, musste ich mir doch tatsächlich auch noch vorwerfen lassen, die Schublade unter dem Herd absichtlich und durch zuviel Gewalt zerstört zu haben. Außerdem würde der Herd ja gar nicht schief hängen, das sähe nur so aus. Und außerdem könne er ja nicht alle Schläuche und und Dichtungen dabei haben und außerdem und sowieso…

„An die Arbeit!“ waren meine letzten Worte, ab diesem Moment sprach keiner von uns mehr und ich sah ihm nur noch zu, wie er den Herd richtig ausrichtete, die Schublade richtig einsetzte, die Front richtig anbrachte, den Wasserhahn installierte, den Siphon mit einer passenden Dichtung versah und schließlich wortlos die Wohnung verließ. Warum nicht gleich so?

Und nun? Muss ich noch immer die Leisten und Griffe selbst anbringen. Bis die Küche also wirklich fertig ist, werden noch ein paar Tage vergehen. Ein befreundetes Pärchen hat sich vor kurzem auch eine Küche bestellt und zwar in einem professionellen Küchenstudio. Sie zahlten 4000 Euro dafür, die Monteure kamen zum vereinbarten Termin, bauten und installierten alles, hatten alle Teile dabei, schickten niemanden zum Baumarkt, nahmen den Müll am Ende wieder mit und ließen sogar noch ein Regal und Küchenbeleuchtung als Bonus da. Die Küche sieht sehr gut aus, professionell gebaut und installiert. Es sind etwa 12 bis 14 Unter- und Oberschränke, elektrische Geräte wie Herd, Geschirrspülmaschine und Kühlkombi, dazu der Aufbau und der Service.

Meine Küche von Ikea besteht aus zwei Unterschränken und einem Hochschrank, die ich selbst aufbauen musste, einer Geschirrpülmaschine und einem Herd. Dafür habe ich zusammen mit dem unfassbar schlechten Service insgesamt 2000 Euro hingeblättert. Man muss kein Genie sein, um sich auszurechnen, was mich eine entsprechende Küche bei Ikea gekostet hätte. Man muss auch kein Genie sein, um zu sehen, was hier schief läuft. Und wie mein Fazit nach diesem Küchenkauf aussieht:

Niemals im Leben würde ich wieder eine Küche bei Ikea kaufen und sie mir von Ikea (und seinen Subunternehmern) aufbauen lassen.

Sicherlich gibt es viele Ikea Kunden, die hoch zufrieden mit ihrer Küche und dem Service sind. Vermutlich hatte ich einfach nur Pech. Das ist mir klar. Aber wenig tröstlich 

[Nachtrag] Nun, da das Drama überstanden ist, gilt es zu erwähnen, dass ich Ikea Küchen prinzipiell empfehlen könnte. Aber auf keinen Fall den hausinternen Aufbauservice. Wie ihr in den Kommentaren sehen könnt, ist die Diskussion zu diesem Drama sehr hitzig verlaufen. So hitzig, dass ich unverschämte und beleidigende Kommentare rigoros gelöscht und die Kommentarfunktion geschlossen habe. Leider war es offenbar nicht möglich, das Thema auf gesittete Art und Weise zu behandeln. Mir ist bewusst, dass dieser Artikel sehr oft geklickt und gelesen wird und natürlich auch polarisiert. Für all die Küchen-Neukunden bei Ikea sei folgendes gesagt: Was ich hier erlebt habe, mag ein Einzelfall sein. Ikea-Küchen selbst sind qualitativ nicht schlecht. Wer sie allerdings aufbaut, sollte gut überlegt sein. Heutzutage gibt es vielerlei Möglichkeiten, Anbieter zu finden.

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