Viele volle Füller

Mir ist noch etwas zum Thema Glaubenskriege (oder hier) eingefallen. Und ich frage mich, ob die Kids diesen Krieg heute immer noch ausfechten. Denn als ich jung und in der Schule war (ist schon verdammt lange her) tobte die Schlacht um die Frage, welcher Füller der beste sei. Es gab damals nur drei Fraktionen. Die Basis rangelte sich um die Vorherrschaft von Geha und Pelikan. Diese beiden Füller waren das übliche Proletariatsschreibwerkzeug. Jedes Schulkind entschied sich für einen von beiden und schloss sich damit auch wissentlich der entsprechenden Gruppe an.

Ich war ein Pelikan-Kind. Ein überzeugtes. Geha kam für mich nie in Frage (obwohl die Patronen glaub‘ ich billiger waren – aber wenn ich mich recht erinnere, waren damals nicht alle Patronen kompatibel, ähnlich wie heute mit den Druckerpatronen). Höchstens den Geha-Tintenkiller ließ ich mir gefallen. Doch ansonsten galt Pelikan als das Nonplusultra. Bis wir den Lamy entdeckten, die dritte Fraktion (inklusive der Frage, ob man ihn "Lahmie" oder "Lämmie" aussprach – die ganz Coolen wählten die internationale Aussprache). Lamy-Füller waren mit einem Male das In-Schreibzeug. Jeder mußte einen haben, wenn man dazu gehören wollte. Ich erinnere mich noch, wie ich diese Dringlichkeit damals versuchte meiner Mum klar zu machen (und Unverständnis erntete, die sich bis heute gehalten hat – ich sage nur iPod-Affinität).

Aber ich bekam einen. Zuerst einen weißen, den ich mit Edding farb schwärzte, dann einen schwarzen, bis er kaputt ging. Schließlich einen roten. Was war ich stolz auf das Ding. Keine Ahnung wieso, schließlich hatte fast jeder einen. Aber der Lamy gab mir damals das Gefühl, dazu zu gehören. Die Kids, die damals beharrlich bei ihrem Geha blieben – nun, die waren zwar damals die Loser, haben aber mittlerweile bestimmt Doktorentitel und laufen nun mit einem Mont Blanc Schreiber in der Jackettasche herum. Ich selbst habe schon ewig nicht mehr mit Füller geschrieben. Es würde auch nichts bringen, denn egal, welche Marke ich nun nähme, man könnte das Gekrakel ohnehin nicht entziffern. Ich habe eine Logitech-Tastatur.

Wie war das bei euch? Welchen Füller hattet ihr damals und musstet ihr auch für eure Überzeugung gerade stehen?

17 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich hatte natürlich auch einen Pelikan. Bis ich dann Parker entdeckte und haben „musste“. Ich habe sowieso einen ziemlichen Schreibgerätefimmel und so schreibe ich heute noch am liebsten mit einem schönen Füller.

    Achja… Meine Tastatur ist von Apple. Auch die externe. Mit Bluetooth. Versteht sich 😎

  2. Parker. Natürlich. Für die ganz Gscheite. 🙂 Ne Apple Tastatur. Natürlich. Für die ganz ganz Gscheite. 😀 Ne, ernsthaft, Parker war bei uns damals noch überhaupt kein Thema. Komischerweise. Dafür gab es aber auch Einzelgänger, die mit der anderen Seite des Tintenkillers schrieben (fällt mir grad so ein)…

  3. Also… ich glaube meine Oma hat mir zur Einschulung einen Geha geschenkt… den hab ich allerdings nie benutzt. Ich habe Schreiben mit einem Pelikan gelernt. Desweiteren begleiteten mich in meiner Schulkarriere ein Füller von Rotring (relativ billig, aber schön leicht) und einer von Lamy, bis ich in der Oberstufe wieder bei Pelikan angekommen war. Der ist zwar mittlerweile kaputt, aber ich entsorge doch nicht den Füller mit dem ich mein Abi geschrieben habe. 😉 Als Ersatz habe ich mir dann irgendwann wieder einen Lamy gekauft (die haben irgendwie die weicheren Federn) allerdings – als Linkshänder schreibt es sich mit Kuli am besten und man ruiniert über kurz oder lang jede Füllfeder. Und ach ja, durch mein langes Studium habe ich auch das Schreiben per Hand noch nicht verlernt. Die Muskeln lassen nur langsam nach – ich glaub die 5 Stunden Deutschabi würde ich heute nicht mehr überstehen.

  4. Mit Pelikan habe ich angefangen, in der siebten Klasse bekam ich einen Lamy in weiß, der mich auch heute noch begleitet, also seit ca. 20 Jahren. Ist nicht kaputt zu kriegen:-). Nur die Feder wurde im Laufe meiner Schulzeit gegen die weichere Feder meiner Schwester ausgetauscht.
    Seit wenigen Jahren liegt zusätzlich zum Lamy auch ein geschenkter Pelikan herum, der den Vorteil hat, dass man keine teuren Tintenpatronen braucht. Die kaufe ich immer nur im Gläschen.

  5. Ich musste mit einem Pelikan schreiben. Dann in der 7. Klasse versuchte ich meinen Eltern klar zu machen, dass ein Geha viel besser wäre (nur weil ich mal was anderes haben wollte). Also ging ich in ein Schreibwarengeschäft und kaufte einen Geha. Da meine Eltern aber auf einen Pelikan bestanden haben, log ich ihnen einfach vor, dass die Verkäuferin (und die ist schließlich vom Fach)gesagt hätte, der Geha wäre viel besser als der Pelika. Ich weiß nicht ob sie mir geglaubt haben, aber ich durfte meinen Geha behalten. Jetzt habe ich so ein unbekanntes Schickimickiteil aus Chinalack. Wenn ich den benutze, erkenne ich meine eigene Handschrift nicht mehr.
    Ich bleibe beim guten alten Kugelschreiber. Und wie es aussieht habe ich auch keine so coole Tastatur wie ihr alle. :'( Da müsste jmich wirklich mal jemand aufklären. 🙂

  6. pelikan forever! als das mit den lamys aufkam wechselte ich zu kulis und finelinern.

  7. Na, bis jetzt liegt tatsächlich der Pelikan in Führung. Und offenbar kam nach dem Pelikan tatsächlich meist der Lamy. Interessant. Nett auch, wieviel Gefühl und Überzeugung ein im Grunde schnödes Schreibgerät im Besitzer erzeugt.

  8. Geha. Nur der hatte den roten Knopf unter der Feder, der den Tintenreservetank aktivierte. Später als der Lamy-Fetisch um sich griff, schrieb ich mit den billigsten Werbekulis, die ich kriegen konnte.

  9. Da ich nie aus der Schule rauskommen werde, hab ich mir jetzt einen neuen LAMY gegönnt. Der ist auf beiden Seiten noch beliebt 😉 Der Parker ist ein Schreib- Highlight, aber das Design, naja…jetzt übe ich fleißig Füller schreiben, denn ich steckte bis eben noch in der Kugelschreiber- Fraktion fest 🙂

  10. Pelikan !!! und zwar den alten, den traditionellen, den, der immer cool sein wird…

  11. Bei uns war der Lamy Script (das ist dieser mit der breiten Feder) total in. Ich hatte auch einen, hab aber lieber mit dem normalen Lamy geschrieben.

  12. Ich hatte sowohl Pelikan als auch Geha. Besonders die Aktivierung des Tintenreservetanks beim Geha hat mir gefallen. Bis ich nach den Parker Kugelschreibern auch die Parker Füller entdeckte. Heute habe ich wohl 2 Dutzend Parker Füller, auch im Büralltag schreibe ich stets mit Parkerfüllern. Meine Handschrift ist mit Füller geschrieben viel leserlicher, man muß nur im guten Schreibwarengeschäft verschiedene Federstärken und Federschrägungen ausprobieren um zu „seiner“ Feder zu gelangen. Allgemeine Texte schreibe ich in Türkis da meine Auge den Textinhalt in Türkis am schnellsten erfassen kann. Doch setze ich auch gleichzeitig weitere Parkerfüller gefüllt mit blauer, schwarzer, grüner und roter Tinte ein um Akzente zu setzen. Nur einen Pelikan verwende ich heute noch, da die Patronen von Didl mit orangefarbener Tinte nicht in Parkerfüller passen.

  13. Ich schreibe seit jeher mit ein- und demselben Füller, einem uralten schwarzen Pelikan 100N von 1938. Der hat mich noch nie im Stich gelassen, heil durch Schulalltag, Abitur und Examina gebracht und sieht trotz seiner inzwischen 70 Jahre noch richtig edel aus.Die beiden Zierringe aus Walzgold, die die Kappe umschließen haben sich inzwischen gelockert, aber man hat mir gesagt daß dies nicht weiter tragisch sei. Mein Pelikan hat eine Feder aus 14 Karat Gold die sehr flexibel ist und ein wenig „Biß“ hat. Der Tintenleiter unterhalb der Feder ist aus Ebonit, einem Hartgummi das die Tinte aufnimmt wie ein Schwamm und immer genügend Tinte abgibt, auch wenn man sehr schnell schreibt. Das Ebonit verhindert auch daß der Füller verstopft und man kann ihn stundenlang offen liegen lassen – er schreibt sofort wieder an.
    Auf der Kappe oben prangt das Wappen der Familie Pelikan mit dem Vogel auf dem Nest der seine Jungen mit seinem Herzblut füttert. Der Kolben hat eine Gummidichtung aus einem Material das die bei Kolbenfüllern übliche Korkdichtung ablöste. Die Dichtung ist bis heute vollkommen dicht geblieben, obwohl sie viele tausend Mal an der Kolbenwandung entlanggleiten mußte wenn der Tintenraum gefüllt oder geleert wurde. Das Modell 100N war damals der Nachfolger des Ur-Pelikan Modell 100.
    N bedeutete einfach Neu und das Neue an diesem Pelikan war ein größerer Tintentank und ein größerer Schaft mit ein wenig abgerundeteren Formen.
    Die heutigen edlen Kolbenfüller von Pelikan aus der Souverän-Baureihe orientieren sich bis heute an den beiden Urmodellen, obwohl sie nicht aus Zelluloidblöcken geschnitten und aufwendig poliert werden müssen wie damals, da man heute Celluloseacetat verwendet und modernere Fertigungsmethoden kennt. Sonst wären diese Füller heute für Normalsterbliche nicht mehr bezahlbar.

  14. Wow. Spätestens jetzt denke ich selbst wieder darüber nach, mir mal wieder einen guten Füller zu gönnen. Doch der Füller kann noch so gut sein, an meiner Sauklaue ändert das leider nichts.

  15. Ich habe in meiner Schulzeit so ca. 20 Füller besessen. In der Hauptsache Pelikan, Geha und Lamy. Gekauft habe ich, soweit ich mich erinnern kann, vielleicht 2-3 Geha.
    Irgendwann habe ich mal einen Kalligrafie-Kurs in der VHS besucht und mir dann einen Kalligrafiefüller mit breiter Feder geholt. Den benutze ich hauptsächlich um Grusskarten zu schreiben und zu unterschreiben.
    Im Alltag und Berufsleben benutze ich Werbekulis. Wobei ich da auch schon Qualitätsunterschiede festgestellt habe und die, die nichts taugen, mittlerweile rigeros entsorgt werden.

    Am Besten ist, wenn man Kulis von einer Firma bekommt, die schlechte Leistung bringt und die Werbekulis dann auch nichts taugen.

    Thom

  16. Mein erster Füller war ein roter Pelikano, gefolgt von einem schwarzgoldenen Pelikan M150 mit vergoldeter Stahlfeder. Nachdem dieser Low-Budget-Kolbenfüller nach 14 Jahren Dauergebrauch undicht wurde kaufte ich mir einen – ebenfalls schwarzen – Pelikan 100N von 1938, der mir bis heute treue Dienste leistet und eine herrliche 14 Karatfeder mittlerer Stärke besitzt. Die Korkdichtung des 100N habe ich gegen eine langlebigere Neoprendichtung aus einem 100N der Mittvierziger Jahre ausgetauscht. Für mich ist der alte Pelikan das ultimative Schreibgerät. Er ist trotz seines großen Tintentanks sehr leicht und haptisch sehr angenehm. Man kann damit studenlang ermüdungsfrei arbeiten und er geht auch trotz seines methusalemhaften Alters von 72 Jahren nicht gleich zu Bruch wenn er mal runterfällt und man versehentlich drauftritt. Der Hartgummitintenleiter ermöglicht die Verwendung von Tinten mit hohem Rußanteil und ist schnell und leicht wieder zu reinigen. Ein wahrgewordener Traum von einem guten Füllfederhalter.

    Happy

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