Eigentlich wollte ich ja viel öfter über Bücher schreiben. Doch irgendwie kommen mir ständig andere Themen dazwischen. Außerdem komme ich seit Duisburg nicht mehr so oft zum lesen wie früher in der gemütlichen Heimat. Und nun muss ich feststellen, dass ich nur noch über Bücher schreibe, wenn ich sie nicht mag. Seltsam, oder?
So wie "Wandelgermanen" von Oliver Uschmann. Wandelgermanen. Hartmut und ich stehen im Wald
ist der dritte Teil der "Hartmut und ich" Reihe. Die ersten beiden Hartmut Bücher "Hartmut und ich.
" und "Voll beschäftigt. Ein Hartmut-und-ich-Roman
" hatte ich sehr gemocht. Ich mochte die Charaktere, ich mochte die verrückten Ideen. Mir gefiel, wie "Hartmut und ich" diese kleinen nervtötenden oder schiefen Details in unserem Leben entlarvten und zu beheben wussten. Ich mochte den Stil des Autors Oliver Uschmann, seines Zeichens wohl großer Playstation 2 Fan. Die Bücher waren sehr locker, mit einem eher leisen Humor und einigen großartigen Gags. Hin und wieder neigte der Autor zum Übertreiben und es wurde gar etwas arg phantastisch oder doch nur eine neuerliche Traumsequenz. Doch insgesamt hinterließen die beiden Hartmut Bücher ein wohliges Gefühl.
Deshalb zögerte ich auch nicht, als die Wandelgermanen erschienen. "Hartmut und ich" zieht es aufs Land, in die schwäbische Alb, wo sie auf germanische Aktivisten, stures Volk, Bürokratie und ein zerstörtes Haus treffen.
Alles, was die ersten beiden Hartmut Bücher charmant gemacht hatte, wird in diesem Roman leider übertrieben und komplett zerstört. Spätestens nach der dritten Traumsequenz verliere ich die Konzentration. Die Feste und Gesänge der Germanen interessieren mich überhaupt nicht und ist für die Geschichte auch völlig irrelevant, weshalb ich seitenweise weiter blättern konnte. Die Möchtegern-Kriegsszenarien sind komplett langweilig und die Übertreibungen (Stichwort: Baumarkt-Diskussionen und das Amt mit den tausend Gängen und Türen) strapazieren doch arg die Nerven des Lesers. Nicht mal mit Zwinkern in den Augen und Schalk im Nacken finde ich diese Szenen gut beobachtet, witzig oder in irgendeiner Form unterhaltsam.
Am meisten ärgert mich aber das komplett weltfremde Verhalten der Figuren. Okay, wir kaufen ein Haus bei ebay für 8000 Euro ohne es je gesehen zu haben. Ist klar. Und die Frauen, eine davon begandete Handwerkerin, haben kurz darauf nichts besseres zu tun, als zu einem reichen Typen zu fliehen und sich nicht mehr bei den Männern zu melden. Diese wiederum schließen sich der örtlichen Wehrsportgruppe an und gehen auf jede Germanenveranstaltung. Motzen und lamentieren zwar ständig, tun aber nichts dagegen. Hoffen auf einen Restaurateur, der auch irgendwann erscheint und wie durch Zauberhand und kostenlos das Haus renoviert. Und plötzlich ist der Leser in einem Krieg zwischen grünen Hippies und naturverbundenen Germanen. Häh?
Als dem "Ich" am Ende dann doch endlich mal der Kragen platzt und er auf den Punkt bringt, was auch den Leser schon seit 200 Seiten nervt, wird er von seiner Liebe verlassen und ist der Böse. Na prima. was für eine Quintessenz. Beklag dich nie und lass jeden Scheiß über dich ergehen, oder wie muss ich das verstehen? Quintessenz für "Hartmut und ich": sie hauen ab in den Wald und leben für Wochen von Beeren und im Einklang der Natur. Ist klar, ne? Blätter, blätter, blätter.
Ich hoffe, Oliver Uschmann hat Hartmut und ich mit diesem Roman endgültig begraben. So oder so war es der letzte Roman, den ich mit diesen beiden gekauft habe.
Sehr schön ist übrigens wieder die komplett übertriebene Eigenwerbung auf dem Buchrücken. Von "brüllend komisch" wird hier geschrieben und "zum erstaunen wahr". Nunja. Am besten gefällt mir allerdings das Zitat eines gewissen Michael Birbaek: "Tot sein hat einen Nachteil: Man verpasst das neue Uschmann-Buch." Das muss man erstmal wirken lassen. "Tot sein hat einen Nachteil..."
Der größte Nachteil vom Tot sein ist für mich persönlich die Tatsache, dass man nicht mehr lebt. Und irgendwo auf Platz zwölfmillionenhastenichtgesehen kommt dann vielleicht, dass ich ein Buch verpasse. Was bitteschön, hat die Formulierung "Tot sein hat einen Nachteil..." hier zu suchen? Hat das irgendwas mit dem Buch oder dem Autor zu tun? Ist dem Herrn Birbaek da nicht besseres eingefallen? Genauso gut hätte er schreiben können: "Mit Badehose in der Antarktis zu stehen hat einen Nachteil..." oder "Sein gesamtes Geld für Sandwiches ausgegeben zu haben hat einen Nachteil..." oder einfach "Analphabet zu sein hat einen Nachteil..." Das würde wenigstens Sinn machen und sogar stimmen, aber das war dem Herrn wohl doch zu frech und politisch unkorrekt.
Deshalb würde ich folgendes vorschlagen: "Auf dem Mond in einer Forschungsbasis zu leben, und dort Pilze zu züchten, um daraus irgendwann Pflanzen zur Atmospährenbildung und Kolonisierung des Erdtrabanten zu erhalten und einen letzten Anruf aus Houston zu bekommen, dass außerirdische Mächte mit gewaltigen Raumschiffen unterwegs seien, den Saturn bereits passiert haben und als erstes die Basis auf dem Mond zersören würden und keine Gegenmassnachmen ergriffen werden können, weil der Präsident der USA das gesamte Geld in die Vertuschung von Kindesmißhandlung gesteckt hat und daher keine Waffen mehr zu finden seien, weshalb man wohl oder übel in den nächsten Minuten sterben würde, außer man erreiche in letzter Sekunde die Fluchtkapsel, die aber nicht aufgetankt sei, hat einen Nachteil: man verpasst das neue Uschmann-Buch." Tja, also DAS würde ich tatsächlich auch so sehen.