Nun hat Arcor die bösen Seiten des Netzes also doch wieder gesperrt. Zumindest eine davon. Nämlich YouPorn.com. Moment, YouPorn? War da nicht mal was? Genau. Es ist noch nicht lange her, da machte sich Arcor bereits mit einer Breitspektrumsperrung pornografischer Inhalte lächerlich, sperrte dabei aber auch unbedenklich Seiten aus und sah sich arger Kritik gegenüber. Damals machte man die Sperrung wieder rückgängig, nun ist sie also wieder da.
Und warum? Weil in Deutschland für pornographische Inhalte eine Altersüberprüfung nötig ist. Das bedeutet, man muß vor dem Betrachten pornographischer Videos ersteinmal bestätigen, dass man volljährig ist. Ein kleines Drop-Down Menü öffnet sich, in dem man sein Alter oder sein Geburtsjahr auswählt. Dann kann es munter weiter gehen. Dass eine solche Abfrage von allen Nutzern, auch den Minderjährigen, wahrheitsgemäß beantwortet wird, steht natürlich außer Frage. Jeder pubertierende 15-jährige ist plötzlich 30 Jahre alt.
Und selbst wenn solche Abfragen sinnvoller wären, weiß jeder pubertierende, wie er an pornographisches Material kommt, ohne erst ein gelogenes Alter anzugeben. An Alternativen mangelt es im Netz auf keinen Fall.
So scheint mir dieses Urteil und das Verhalten von Arcor eine Farce zu sein. Nicht zuletzt, weil die Sperre, die man nun eingebaut hat, sehr leicht zu umgehen ist. Aber, naja, wie gesagt, alle Sperren sind leicht zu umgehen und das Angebot an alternativem, freiem Material unfassbar groß. Weshalb also die Aufregung? Damit meine ich die Aufregung in der Blogosphäre.
Wenn ich mich da nämlich umschaue und Artikel zu dem Thema lese, stelle ich fest, dass etwa 90 Prozent aller Blogs nur das wiedergeben, was auch auf Informationsseiten wie beispielsweise Golem.de steht. Da ist kein Mehrwert, da ist keine persönliche Meinung, da ist kein Grund zu lesen. Es drängt sich der Gedanke auf, dass die meisten dieser Blogs einfach nur das Buzzwort "YouPorn" in der Überschrift haben wollen, um Leser anzulocken.
Es mutet eigentümlich an, wenn ein Katzen-Content-Blog plötzlich versucht, journalistisch tätig zu werden, über solche Urteile und die Folgen berichtet und dabei im Grunde nur Informationsseiten oder andere Blogs dabei zitiert und/oder kopiert. Und dabei nicht mal wenigstens auf das Thema Zensur eingeht, was ja ebenfalls sehr eng am Thema ist. Was bitteschön hat denn der Leser davon?
Nichts, sagt ihr? Genau wie in diesem Artikel auch, sagt ihr? Das stimmt natürlich. Auch ich schreibe doch jetzt nur, um etwas über YouPorn geschrieben zu haben. Um damit Suchmaschinenbesucher anzulocken, um möglichst ohne Aufwand an möglichst hohe Klickraten zu kommen. Oder doch nicht?
Einer der häufigsten Sätze, die ich in letzter Zeit zum Thema Bloggen hören und lesen durfte, ist folgender: "Das muss jeder für sich selbst entscheiden." Sei es, ob man Werbung in seinem Blog macht oder sich für Artikel bezahlen lässt. Sei es die Motivation, warum man scheibt oder die Themenwahl. Oder einfach nur die Quellen, die den Blogger reizen. Natürlich ist ein Thema wie YouPorn interessant und alles, was mit Sex zu tun hat, zieht doch immer. Jeder muss das für sich selbst entscheiden. Genau wie der Leser auch. Der entscheidet ja schließlich auch ganz schnell, ob einem dieser oder jener Artikel etwas gebracht hat.
Und im Falle eines Blogs und den Suchmaschinensuchern zeigt sich da auch schnell, ob ein YouPorn-Artikel sinnvoll ist. Stellt der Leser nämlich fest, dass der Artikel ihm nichts bringt und auf dem Blog auch sonst nichts geschrieben wird, das ihn interessiert, verpufft der Effekt und der Besucher kommt nie wieder. Man hat nur kurzzeitig hohen Traffic und Besucher, die immer nur auf das eine Wort anspringen. Am restlichen Katzen Content ändert das nichts.
Ich zum Beispiel bekomme die meisten Besucher noch immer mit dem Suchwort "Womanizer", das sich auf einen schon recht alten (einer meiner ersten) Artikel bezieht. Da kann man nichts machen. Ich wollte, die Besucher kämen auch aus anderen Gründen (mittlerweile wird der Begriff natürlich stark angegriffen von den Sportfreunden Stiller - ja ne, alles klar). Ob ich manche davon überzeugen kann, mein Blog weiterhin zu besuchen? Keine Ahnung. Ob ich sie mit einem Artikel wie diesem hier überzeugen kann? Wer weiß. Meine Gedanken zum Jugendschutz und Zensur habe ich hier ja nicht wirklich ausgebreitet, sondern eher über das Schreiben solcher Themen.
Ich schätze, die meisten Blogger wählen die Themen, die sie interessieren und die davon ausgehen, auch ihre Leser damit interessieren zu können. Ein schlagkräftiger Titel, ein Buzzwort, ein Reizthema kann da vermutlich nie schaden. Letztendlich kommt es auf die Qualität der restlichen Artikel an, ob die Besucher bleiben oder nicht. Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Und versteht mich nicht falsch, dass soll keine arrogante Anklage gegen die Blogospähre an sich sein, dass nur ausgewählte Blogs über ausgewählte Themen schreiben und Katzen Content auch Katzen Content bleiben sollte. Mich interessiert hierbei mehr der Effekt, den ein solcher Artikel erzeugt. Macht es langfristig Sinn, einen eher sinnlosen YouPorn-Artikel im Blog zu haben?
Wie seht ihr das? Hattet ihr auch schon mal das Gefühl, einen Blogartikel gelesen zu haben, der wohl nur dafür geschrieben wurde, Besucher anzulocken? Klammert ihr Reizthemen völlig aus, vermeidet ihr sie sogar? Oder ist euch das alles schnuppe? Was denkt ihr aus der Sicht des Lesers?
P.S.: Ich fand dieses Thema übrigens tatsächlich interessant, besonders im Hinblick auf den heuchlerischen Jugendschutz, wirkungslose Sperren und lächerliche Altersabfragen. Dass ich das Wort YouPorn in die Überschrift genommen habe, war dabei in der Tat Absicht. Mal sehen, wie die Suchmaschinen darauf reagieren.
Sicher gibt es einige Blogs die nur für den
Golem-Trackback darüber berichteten. Ich für meinen Teil bin froh mich auf meinem eigenen Blog so richtig über das Thema aufregen zu können.