Verspielte Zeit

In den letzten Tagen wagte ich mich an einige neue und ältere Spiele. Manche davon habe ich mir gekauft, manche nur in der Videothek ausgeliehen und eines war nur eine Demo Version. Fangen wir damit am besten gleich mal an. Crysis (DVD-ROM) für den PC ist seit kurzem als Download verfügbar. Das Spiel ist unbestreitbar das neue State-of-the-Art was Graphik und Präsentation in Spielen angeht. Selbst auf meiner alten Maschine konnte ich manche Schieberegler der Einstellungen auf High setzen. Natürlich nur bei geringerer Auflösung und mit Einbußen beispielsweise bei den Schatten und selbstverständlich ohne DirectX 10 Unterstützung. Doch bereits so sieht der Shooter unverschämt gut aus. Man wähnt sich tatsächlich in einem Film. Die Story scheint ebenfalls spannend zu sein. Magische Momente gab es natürlich keine in der Demo. Man läuft von einem Checkpoint zum anderen und ballert die Feinde um. Diese agieren sehr clever, ducken sich, weichen aus und umzingeln den Helden. Es wird jedesmal ein Katz und Maus Spiel, denn die Vegetation ist so dicht, dass man die Gegner teilweise gar nicht sieht, sondern nur von irgendwo getroffen wird.

Doch ehrlich gesagt konnte mich das Spiel nicht wirklich begeistern. Für mich persönlich stimmt die Atmosphäre einfach nicht, da habe ich bei Half Life 2 mehr Stimmung gehabt, mehr Grusel, mehr Anspannung. Und einige Details nerven mich einfach. Beispiel Munition: Getroffene Gegner lassen ihre Waffen liegen. Diese liegen dann irgendwo im hohen Gras und anders als bei anderen Shootern, wo man einfach drüber läuft und die Munition automatisch aufsammelt, muss man die Waffen hier per Tastendruck aufnehmen. Wenn man sie denn gefunden hat. So wird man von links und rechts beschossen, ist aber zwecks Munitionsmangel dazu verdammt den Boden nach einer Waffe abzusuchen. Das nervt. Wie gesagt, ein Urteil nur anhand einer Demo abzugeben ist vielleicht falsch. Kaufen werde ich mir das Spiel aber definitiv erst, wenn es mal günstig zu haben ist und mein Rechner eine Aufrüstung erfahren hat.

Da wir gerade bei Half Life 2 waren. Ich habe mir die Orange Box gegönnt und zwar ebenfalls für den PC, weil mir Shooter mit Maussteuerung einfach doch noch besser gefallen. In der Half-Life 2 – The Orange Box (DVD-ROM) befinden sich Half Life 2, Episode 1 und, ganz neu, Episode 2. Außerdem kann man noch Team Fortress 2, ein Multiplayer-Game und das geniale Portal genießen.

Half Life 2: Episode 2 knüpft nahtlos an das Ende der ersten Episode an, erzählt die Geschichte der Rebellion, von Gordon und Alyx weiter und verfrachtet die beiden Helden diesmal nicht mehr nach City 17, sondern in die Wälder. An der noch immer grandiosen Graphik wurde nur etwas Feinschliff betrieben und mein Rechner kann sie mit vollen Details hoch aufgelöst darstellen. Die Story wird wie immer sehr spannend erzählt, ständig passiert etwas unerwartetes, manche Szenen treiben das Adrenalin hoch. Beispiel: Ameisenlöwenangriff in den Höhlen. Das sind Szenen wie bei Starshipp Troopers und bleiben in Erinnerung. Perfekt. Wer Fan der Half Life Reihe ist, kommt an diesem Spiel nicht vorbei und selbst Spieler, die von Episode 1 enttäuscht waren, sollten dem zweiten Teil eine Chance geben.

Portal ist ein Knobelspiel. Ausgestattet mit einer Kanone, die Portale in die Wände schießen kann, gelangt man von einem Übungsraum in den nächsten, muss knifflige Aufgaben erledigen und den Ausgang finden. Begleitet wird der Spieler von einer genialen Computerstimme, die mich mehr als einmal zum lachen brachte. Schade nur, dass es so wenig Level sind, ich hoffe auf baldigen Nachschub. Ich werde demnächst noch etwas ausführlicher auf das Game eingehen.

Auch auf der Wii habe ich mal wieder etwas gespielt. Und zwar das Spiel, von dem derzeit jeder Wii-Besitzer spricht: Metroid Prime 3 – Corruption. Um es kurz zu machen: nach einer Stunde hörte ich genervt und gelangweilt wieder auf. Die Möglichkeit mit der neuartigen Steuerung tatsächlich auf die Feinde im Bildschirm zu schießen ist zunächst reizvoll. Technisch ist das auch ganz gut umgesetzt. Aber es ist anstrengend ohne Ende. Besonders bei schnellen Gegnern, die wild herumwuseln, artet es in Arbeit aus, sie zu erledigen. Da war mir die Steuerung dann doch zu träge. Die Graphik ist blass, die Story öde und schon tausendmal gesehen. Und auch hier wieder nerven einige Details, die nicht nötig wären. Wenn ich etwas nutzen oder öffnen möchte, kann ich das nicht einfach so tun. Ich muss das Objekt anvisieren, mit einem Knopf auf Scannen drücken, mit einem weiteren Knopf den Scan Modus aktivieren, abwarten und erst dann kann man mit dem Objekt tun, was man eigentlich auch schon gleich hätte tun können. Nichts gegen Rätsel, aber solche immer wieder kehrenden Fingerverrenkungen nerven.

Wesentlich besser macht das alles BioShock. Diesmal auf Xbox360. Ein Shooter mit einzigartiger Story und grandiosem Design. Die Graphik ist superb, der Sound kommt in knackigem Dolby Digital aus den Boxen. Die Geschichte um den Helden, der nach einem Flugzeugabsturz im Atlantik in einer Unterwasserstadt namens Raputure landet, in der die Zeit in den Fünziger Jahren stehen geblieben ist und die nun von Zombieartigen Menschen, Big Daddys und Little Sisters bevölkert ist, entfaltet sich nur nach und nach. Bioshock bietet einige Rätsel, coole Spezialfähigkeiten und eine phantastische Atmosphäre. Die Sprachausgabe mit den professionellen Sprechern ist genial und man ist ständig gespannt, was sich die Produzenten hinter der nächsten Tür wieder haben einfallen lassen. So sieht spannende Unterhaltung aus. (Übrigens ist Bioshock auch per Gamepad ganz gut spielbar)

Ebenfalls für die Xbox360 habe ich mir mal Jericho angesehen. Ein Horrorshooter aus der Feder von Clive Barker, bekannt als Erfinder der Hellraiser Reihe. Durchgeknallter ekliger Horror also. Jericho macht genauso viel richtig wie falsch. Die Grafik ist ganz schick, die Story verspricht einiges an Spannung, die Soundeffekte und die besonders die Musik sind filmreif. Leider hat das Spiel keine Seele. Man läuft einen vorgegeben Weg entlang und knallt einfach die heran stürmenden Gegner um. Die Teammitglieder werden nicht vorgestellt, sind zwar geschwätzig, wer aber was und warum labert bleibt unklar. Und es interessiert leider auch nicht. Genauso unnütz sind die Taktikmöglichkeiten. Genretypisch ist alles sehr dunkel, so dunkel, dass man im Getümmel nicht mal mehr die Gegner von den Teammitgliedern unterscheiden kann. Also ballert man halt auf alles, was sich bewegt. Gähn. Witzig fand ich, dass die Spezialeinheit, die vor den unschlagbaren Amis (sic) losgeschickt wird um die Dämonen in der Wüstenstadt al-Khali (was für ein Name) zurück zu treiben, ausgerechnet die Schweizergarde ist. Vermutlich im Auftrag des Vatikans. Und der Colonel unterhält sich auch auf Schweizerdeutsch mit uns über Funk. Nunja. Wenig später werden sie brutal ausgelöscht. Da ist jemandem wirklich die Phantasie durch gegangen.

Doch genug von diesen brutalen Spielen. Jetzt wird richtig gekämpft. Virtua Fighter 5 von Sega tritt an, den Thron der Prügelsüiele auf der Xbox 360 zu erobern. Keine Ahnung, wer diesen im Moment innehat. Ich erinnere mich noch selig an lange Tekken und Street Fighter Nächte. Ähnliches wird es mit einem Virtua Fighter nicht bei mir geben. Vielleicht bin ich auch einfach zu alt und zu langsam geworden. Aber das Game macht mir keinen Spaß. Den Karrieremodus habe ich erst gar nicht kapiert, die Möglichkeit, sich neue Kleidung zu kaufen ist so unglaublich kompliziert und undurchschaubar gestaltet, dass ich sie gar nicht nutzen wollte. Irgendwann fing dann einfach der nächste Kampf an. Diese sehen zwar ganz hübsch aus, aber nicht wirklich dynamisch. Da fliegen keine Körper übertrieben durch die Gegend, da krachen keine Bänke oder Fensterscheiben. Man haut sich halt gegenseitig auf die Fresse und kickt hin und wieder mal ans Schienbein. Nunja, da gefällt mir Dead or alive 4 weitaus besser (nicht nur wegen der knackigen Mädels), welches aber eindeutig zu schwer und unfair für mich ist. Ach, ich schätze ich bin doch zu alt.

A propos Sega. Kann denen mal bitte jemand sagen, dass wir nicht mehr im Zeitalter der Spieleautomaten aus den Achtzigern leben? Kann denen mal jemand beibringen, wie man Menüs, Soundeffekte und Bedienung massentauglich herstellt ohne Pling, Knall, Glitzer als wären man in einem japanischen Anime Spiel? Denn auch Virtua Tennis 3 kommt dermaßen übersättigt und eher für Epilepsieresistente 13 Jährige daher, dass ich schon im Menü wieder abrechen wollte. Aber ich durchspielte doch mal ein Turnier. Nur um folgendes festzustellen: Die Grafik ist nett, die Plätze sehen toll aus und von weitem machen auch die Spielfiguren ganz schön was her, ebenso wie die Animationen. Die Soundeffekte sind schlimm, das Publikum stöhnt immer mit dem gleichen Sample und auch die Spieler haben nur zwei Geräusche drauf. Besonders nervig ist die Musik. Und zwar während des gesamten Tennis Matches. Hallo? Atmosphäre? "Quiet please!!!" Die einzige Möglichkeit, die man hat, ist die Musik komplett im gesamten Spiel zu deaktivieren, wodurch die Siegerehrung entsprechend stumm verläuft. Spielerisch hat man die Wahl zwischen Topspin, Slice und Lob, das war’s. Man rennt nach links, man rennt nach rechts und der Gegner (und man selbst auch) erreicht Bälle, die eigentlich unmöglich sind. Ich weiß nicht wie lange ich die Gegner von links nach rechts scheuchte, ohne dass dieser mal müde wurde und er wirklich jeden Ball retournierte. Das Aus kennt das Spiel gar nicht.

Wesentlich besser ist da Rockstar Games präsentiert Tischtennis von den Machern der GTA Reihe. Die Leute sind nämlich dermaßen große Tischtennis Fans, dass sie beim Feierabend Ping Pong irgendwann mal beschlossen, das perfekte Tischtennisspiel herzustellen. Und es ist ihnen gelungen. Bri, die selbst erfolgreich im Verein Tischtennis spielt, begutachtete mit mir zusammen das Spiel. Und ihr Urteil war nicht nur, dass man die Sportart nicht besser rüber bringen könnte. Nein, aufgrund dieses Games will sie sich nun auch eine Xbox360 holen. Muss ich mehr sagen? Grafik: superb. Animationen, wunderbar. Sounduntermalung, herrlich, besonders das Publikum. Taktische Möglichkeiten während des Spiels, mannigfaltig. Spannung ohne Ende. Mehr als einmal schrien wir bei perfekten Schmetterbällen, bei langen Ballwechseln oder vergebenen Chancen auf. So muss ein Spiel sein.

Ach, und dann wären da noch MySims auf der Wii und Thrillville auf der Xbox360. Ersteres ist ein zuckersüßes Kinderspiel ohne Anspruch, dass mit immer gleichen Aufgaben nervt und spätestens nach einer Stunde keinen Spaß mehr macht. Letzteres sieht schick aus, bietet viel Möglichkeiten und ein witziges Setting, das an zu vielen Details nicht zu Ende gedacht worden ist. Hat man mal große Achterbahnen gebaut und kann mit ihnen mitfahren, macht das schon Laune – der Weg dorthin ist allerdings mühsam und beispielsweise durch nervige Minispiele gestreckt.

Puh, das waren ja doch mehr als ich dachte. Letztendlich begeistert haben mich aber ohnehin nur die Orange Box, Bioshock und Tischtennis. Und diese Spiele werde ich nun weiter genießen, bis Assassin’s Creed, Pro Street und Mass Effect auf den Markt kommen.

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