Kölle Alaaf

Aschermittwoch. Der perfekte Tag um über Karneval zu schreiben. Denn jetzt ist es endlich vorbei. Ich muss gestehen, ein ausgemachter Karnevalsmuffel zu sein. Oder Fastnachtsmuffel, wie man bei uns sagen würde (oder, was ebenfalls erlaubt ist, Fasnacht, ohne t. Oder Fasnet…) Jedenfalls war es schon etwas besonderes für mich als Faschingsmuffel, ähm, Karnevalsmuffel zusammen mit meinem besten Freund Chris auf die Idee zu kommen, am Rosenmontag nach Köln zu fahren. Er sagte, wenn ich nun schon mal so nah dran wohnen würde, sollte man das auch wirklich mal gemacht haben. Und sei es nur, um hinterher sagen zu können, man hat es mal erlebt.

Es war kalt in Köln, es regnete, heftige Winde machten einem das Leben schwer. Dafür gab es aber glücklicherweise Platz in diversen Kneipen, wo überteuerte Gläschen Kölsch ausgeschenkt wurden. Dort in diesen Kneipen konnte man sich als Karnevalsmuffel und Nicht-Kölner so richtig fremd fühlen. Denn nicht eines der Lieder, zu denen gegröhlt und getanzt wurde, war mir bekannt. Zugegeben, irgendwann hat man genügend Kölsch getrunken und lalalat einfach mit, aber ich bin sicher, jeder sah uns, zwei meiner Arbeitskollegen, Chris und mir an, dass wir völlig fremde Karnevaltouris waren.

Der Karnevalsumzug sah ebenfalls etwas anders aus, als bei uns zuhause. Die Wagen größer und pompöser, um einiges politischer das Ganze auch und auch witziger. Dafür aber weniger Verkleidungen, nicht ganz soviel laute Musik und – und das fiel mir sofort auf – so gut wie kein Konfetti. Während in meinem geliebten Südbaden das Konfetti untrennbar dazu gehört, in Zentnern geworfen wird, in Wagen mitgeschleppt wird, um junge Mädchen aus den Zuschauerreihen zu ziehen und in dem Papierschnipselhaufen einzuseifen, so warf man in Köln nur Kamelle und Strüßje.

Und es erinnerte doch sehr an mittelalterliche Szenen, wenn die Erlauchten und Betuchten auf ihren stolzen Rössern und hohen Wagen durch die Straßen zogen, sich vom jubelnden Volke feiern ließen und zum Dank einige Almosen warfen, um die sich das Volk dankbar prügelte. Teilweise fühlte auch ich mich wie ein Straßenkind in Bangladesh, das um eine milde Gabe schrie. Und diese Gaben wurden mit vollen Händen geworfen

Und irgendwann am Abend, als der letzte Wagen an uns vorbei gefahren war, wir durchnässt und durchgefroren den Weg antraten zum Bahnhof, zusammen mit gefühlten drei Millionen weiterer Narren, begann ich ein klein wenig zu philosophieren. Mir fielen die Parallelen des Karnevals zum Leben an sich auf. Wie man als Mensch in der Kälte steht und die Wagen des Schicksals an einem vorbei ziehen und die Chancen und Möglichkeiten und die Träume mit vollen Händen hinaus werfen. Wie man versucht, soviel wie möglich davon zu fangen. Wie man sie teilweise schon fast in der Hand hat und dennoch wieder fallen lässt. Wie manche Menschen um einen herum einfach mehr fangen können, weil sie besser sind oder längere Arme haben. Wie man manche Chancen sogar noch vom schmutzigen Boden aufklaubt, wo schon jeder darauf herum getrampelt war, nur weil man noch keine fangen konnte. Wie sehr man sich irgendwann doch noch freut, dass einem etwas direkt in den Schoß gefallen war, oder man sich dem Nachbarn gegenüber durchsetzen konnte. Und schließlich, wie man ganz böse ein paar ins Gesicht bekommt, wenn man nicht aufpasst (ist mir dreimal passiert).

Und am Ende? Bleiben Schmutz, Müll und Nässe zurück. Aber vielleicht hatte ich zu diesem Zeitpunkt auch bereits ein paar Kölsch zu viel. Nächstes Jahr wollen wir Düsseldorf ausprobieren. Alaaf.

9 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Mutig, mutig ;o)
    Ich hab mich mal schööön da raus gezogen…wahrscheinlich besser so- und mit dem schlechten Wetter hatte ich somit auch nichts am Hut *g

  2. Mutig. Aber offenbar war es nicht traumatisierend genug. Sonst hättet Ihr Euch nicht Düsseldorf vorgenommen 😎

  3. Mutig scheint das erste Wort zu sein, dass euch bei Kölner Karnevalsbesuchern einfällt. 😉 Ne, ich fands eigentlich gar nicht traumatisierend. Und nächstes Jahr in Düsseldorf weiß ich besser, worauf es zu achten gilt…

  4. ich weigere mich innerlich Karneval zu feiern, da ich – als südbadnerin – natürlich die richtige echte Fasnacht kenne, mit Guggenmusik und echten Kostümen und den wirklich guten Umzügen…
    aaaaber, da ich ja jetzt hier wohne, versuche ich mich doch an dieses gejaule hier zu gewöhnen, nimmst mich also nächstes Jahr mit nach Düsseldorf? 😉

  5. Ja, ja wir Südbadener sind halt unsere Fasnacht gewöhnt, unser Konfetti, unsere Guggemusik! Da mag der rheinische Karneval noch so schön sein: Unsre Fasnacht ist schöner! Narri, narro!

  6. Hehe, DAS ist wohl auch ein Glaubenskrieg, wo der richtige Karneval oder Fasching gefeiert wird. Gestern musste ich mir sogar anhören, dass alles, was nicht Karnval heißt, auch keiner ist. Das mag wohl sein. Fasnacht ist halt was bess… äh anderes. 😉

  7. An Aschermittwoch ist alles vorbei… dachte ich bis zu diesem Jahr. Ich habe dieses Jahr quasi mit Roger die Plätze getauscht und durfte – musste – mir die Fasnacht in Basel anschauen. Zugegeben, ich wurde mittels Plakette gekauft (die hat mir eine Gruppe von Arbeitskollegen geschenkt. Als Gegenleistung musste ich mich natürlich auch mal sehen lassen und so war ich heute am Mittwoch in der Stadt und habe mir den Umzug angesehen.

    Fast alles ist anders….

    Zunächst fiel mir das ganze Konfetti auf… tonnenweise. Die Straßen (das ß habe ich mir aus Deutschland mitgebracht) sind wortwörtlich bunt. Bunter sind auch die Menschen, zumindest was die Verkleidung angeht. Allerdings verkleiden sich die Besucher hier recht selten. Das ist in Köln anders.

    Die Wagen sind kleiner (größer geht auch nicht, wegen der Straßenbahn-Oberleitungen überall), die Gruppen auch, alle anders organisiert. Zwei gegenläufige Züge, deren Gruppen (Wagen) zwischendurch Pause machen an vorher festgelegten Orten. Im Rheinland gibt es keine Pausen – und auch nur ein Zug.

    Wenn ich das richtig beobachtet habe, sind die Menschen hier am Nachmittag noch nicht so betrunken. Es kommt mir auch alles etwas volkstümlicher vor. In Köln greift schon sehr der Kommerz durch, das ist leider so.

    Besser? Schlechter? Nein, es ist anders und jedes für sich ist in Ordnung und darf so sein.

    Der Kollege

    PS: Ich bin übrigens ein Karnevals-Muffel
    PPS: Nein, ich möchte nächstes Jahr nicht mit in die Stadt mit dem D vorne im Namen 😉

  8. Anders ist immer gut. 😉 Vielleicht hatte ich auch deshalb in Köln mehr Spaß als bei „unserer“ Fasnacht daheim. Eben weil’s was anderes war.

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