Ich lebe in einer Welt ohne Kakteen

Am Wochenende war ich mit der damalige Freundinn auf der Bildungsmesse Didacta in Stuttgart. Und ich hatte drei mehr oder weniger schwerwiegende Erkenntnisse:

1) Die bestehende und angehende Lehrerschaft besteht offenbar zu 95% aus weiblichem Personal, das vermutlich mehr durch Kompetenz, als durch Attraktivität glänzt. Gut, so etwas ist vollkommen egal, fällt aber irgendwann mal auf, wenn man völlig fertig nach vier Stunden Gedränge irgendwo Platz nimmt und die Menschenmassen an einem vorüber ziehen lässt.

2) Die Tafel wird multimedial. Ich testete fasziniert die neue Generation der allseits unbeliebten Wandtafel. Sie ist groß, sie ist per Stift bedienbar, sie kann multimediale Inhalte anzeigen, sie kann ins Internet, sie kann gleichzeitig durch Google Earth sausen, Bilder malen und Texte schreiben, während sie links oben noch ein Lehrvideo zeigt. Sie lässt sich per Knopfdruck löschen, womit der Tafelwischdienst in Zukunft der Vergangenheit angehört. (Mein Freund Chris sagte am Abend zu dem Thema übrigens, dass er den Tafelwischdienst eigentlich auch als erzieherische Maßnahme sähe. Woraufhin ich ihn beruhigte, dass die Schüler in Zukunft eben anders gemaßregelt werden müssen. Anstatt Tafel wischen vielleicht Festplatte defragmentieren oder so.)

3) Ich lebe ab sofort in einer Welt ohne Kakteen. Der Duden war nämlich auch mit einem großen Stand vertreten und ich ließ es mir nicht nehmen, dem Herrn Duden mal eine Frage zu stellen. Okay, letzten Endes war es nur ein Mitarbeiter, dem ich die Frage stellte, doch zumindest fand er eine Ausrede. Ich fragte ihn nämlich, wie es kommen konnte, dass laut Duden plötzlich das Wort "Atlasse" erlaubt sei. Ich wuchs noch mit Atlanten auf und konnte es nicht fassen, als ich neulich in einer Quizshow nämlich genau bei dieser Frage versagte. Atlasse, ich bitte euch. Dudens Mitarbeiter erklärte mir, die Atlasse würden vermutlich so stark im deutschen Sprachgebrauch Anwendung finden, dass sich das Duden Kollegium genötigt sah, es in das Wörterbuch aufzunehmen und damit sozusagen offiziell zu machen. Natürlich bleiben auch weiterhin die Atlanten erlaubt. Bis sie der Vergessenheit anheim fallen. "Es gibt ja keinen nachvollziehbaren Grund, weshalb der Plural dieses Worts so lautet. Man könnte es den Kindern, die heute Deutsch lernen, auch einfacher machen", so sein Kommentar.

Etwas gallig bemerkte ich, man dürfe dann wohl auch bald Kaktusse und Globusse sagen… nun, ein Blick in das aktuelle Werk verriet, dass es bereits so weit war. Ich lebe ab sofort in einer Welt voller Kaktusse, Atlasse und Globusse. Und wem sich bei diesem Satz der Magen krümmt (und die Rechtschreibkorrektur rot sieht), der möge "Hier!" schreien.

8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. HHHIIIIIEEEEERRR!!!!

    Aber wozu brauchen wir in Zukunft noch Atlanten, wenn die Georaf!ie-Stunde powered by Google Earth an der/dem High-Tech Tafel/Screen/Panel-Wasweissich stattfindet…. 🙁

  2. Hehe, genau das hab ich dem Messebabe auch gesagt, die mir einen schicken Atlas andrehen wollte. Ihr Gegenargument zu meinem Google Earth Einwurf war: „Da ist hinten drin auch noch ne CD-Rom dabei.“ Na dann…

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