Beowulf ab 12 Jahren – WTF???

Eben habe ich mir Beowulf auf DVD angeschaut. Und ich bin sauer ohne Ende. Warum, erzähl ich euch gleich, lasst mich erst noch kurz berichten, weshalb dieser Film in meinen Augen kompletter Schrott ist: Der ganze Film wurde ähnlich wie der Polarexpress per Motion Capturing gefilmt, was bedeutet, dass die Bewegungen realer Schauspieler auf Computergrafik übertragen wurde. Das sah beim erstgenannten Film schon blöd aus und tut es jetzt immer noch. Die Charaktere bewegen sich teilweise noch immer wie Figuren aus Shrek (dort wurde zumindest der Comic-charaker beibehalten) und strahlen keinerlei Leben aus. Ich habe schon Computerspiele mit besseren Sequenzen gesehen. Die Story könnte langweiliger und spannungsärmer kaum sein, die Dialoge sind an Dämlichkeit oft nicht zu überbieten ("Er hat keinen Schwengel." – "Kein Schwengel."). Und dann sind da noch so kleine Details, bei denen man sich fragen muss, was die Macher wohl gedacht haben. Beispielsweise die viel zu häufigen sexuellen Andeutungen. Das wird spätestens dann lächerlich, wenn der Dämon Angelina Jolie aus dem Wasser steigt, Goldwasser von ihr abperlt und sie mit High-Heels-Füßen (Haha!!!) auf den Held zugeht, um ihm so lange sein Schwert (!!!) zu reiben, bis es schmilzt. Völlig unpassend fand ich. Nervtötend auch die Szene mit dem Drachen an der Kette, der Esel jemanden auf einer Steinbrücke mit Feuerstößen am Entkommen hindert. Wem kommt diese Szene shrek-lich bekannt vor?

Aber genug davon. Was mich wirklich so dermaßen ärgert, ist die Einstufung der FSK. Die gaben diesen Film ab 12 Jahren frei. Und hätte ich ein Kind von 12 Jahren, würde ich einen Teufel tun, es diesen Film sehen zu lassen. Beim ersten Angriff von Grendel, dem Monster, spritzt unglaublich viel Blut, Menschen werden auseinander gerissen, aufgespießt, später werden Köpfe abgebissen und genüsslich und lautstark zerkaut. Grendel reißt den Körper eines Menschen auf und trinkt in gemütlicher Langsamkeit sein Blut. In weiteren Szenen (die natürlich an Lächerlichkeit wieder einmal fast nicht zu überbieten sind) werden Augen von Monstern aufgestochen, werden Ohren zerquetscht, werden wieder Menschenteile durchs Bild geschleudert oder Menschen als Waffe benutzt, um andere Menschen damit zu verprügeln. Es ist ein Gemetzel, das dem einiger Horrorschocker oder einem "300" (freigegeben ab 16 Jahren) in nichts nachsteht.

Was um Himmels Willen dachtet ihr euch dabei, ihr FSK-Dummies?

Genügt es nicht, dass man hierzulande nicht mal als Erwachsener an Spielfilme kommt, die nicht komplett durch Schnitte zerstört sind? Genügt es nicht, dass man Computerspiele komplett verbieten möchte? Dass die Politik schwachsinnige Diskussionen über gewaltverherrlichende Spiele und Filme führt und zensiert, wo es nur geht? Genügt es nicht, dass ich bereits jetzt darum bangen muss, GTA 4 jemals legal kaufen zu können? Dass ich keinen Stirb langsam Film um Mitternacht ungeschnitten im TV sehen kann? Dass ich Jahre brauchte, um endlich an eine 18er Version von Lethal Weapon 2 zu kommen, die nur ein paar Schusswechsel mehr zeigt? Dass ihr Spielefirmen vorschreibt, Blut grün zu färben oder menschliche Gegner gegen Roboter auszutauschen? Genügt es nicht, dass ihr uns erwachsene, mündige Kunden in diesen Fällen gängelt wo es nur geht? Genügt das alles nicht?

Und dann gebt ihr so einen Film bereits ab 12 Jahren frei, lacht uns damit hämisch ins Gesicht und gebt eure ganzen Bemühungen um "Jugendschutz" der Lächerlichkeit preis?

Kommt mir bloß nicht mit dem Argument, dass es sich bei Beowulf um eine alte Sage handle und diese nun mal grausam seien. Und wagt es nicht zu bemerken, dass es ja kein realer, sondern ein Computer-animierter Film sei und damit nichts mit der Realität zu tun habe. (Und falls doch, überlegt bitte nochmal genau, was Computerspiele sind). Und verschont mich mit dem vielleicht auf der Zunge liegenden Argument, dass die Gewaltszenen hier künstlerisch wertvoll dargeboten wurden. Oder irgendein Quatsch idieser Art.

Verschont mich mit all euren Erklärungen. Ihr habt mächtig Sche… gebaut bei dieser Einstufung. Und falls diese Entscheidung doch gerechtfertigt sein sollte und ich die Sache einfach zu eng sehe und falsch liege, dann habt ihr mit allen anderen bisherigen Entscheidungen Sche… gebaut. In Zukunft wird sich für mich jede Alterseinstufung an Beowulf messen müssen.

Ach ja, ich weiß natürlich, dass für die Einstufungen und Indizierungen von Spielen ganz andere Gruppen zuständig sind, als beim Film. Ich möchte mit diesem Artikel alle gemeinsam angesprochen haben.

13 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Se_x ist ja für Europäer nicht so schlimm wie Gewalt, deshalb die FSK6 bei Keinohrhasen 😉

    Was den Film angeht, so sollte man ihn eigentlich nur in einem 3D Kino anschauen und dann als das hinnehmen was er ist: ein geniales 3D Spektakel. Bei jeder Szene habe ich mir gedacht wie „lame“ das wohl auf einem kleinen Fernseher und flach aussehen muss, wo doch beinahe alles nur für diese Effekte so gedreht wurde. Zumindest schien es mir so.

  2. Ich habe Keinohrhasen bisher leider noch nicht sehen können und kann die Freigabe da nicht beurteilen. Aber Sebbi hat da schon Recht. Bei uns in Europa sind se_xuelle Themen nicht so ausschlaggebend wie in USA. Dort dürfen sich die Leute 90 Minuten lang in Zeitlupe abknallen, am besten mit detaillierten Headshots, aber sobald man einen Nippel sieht, ist der Ofen aus und der Film muss geschnitten werden oder darf nur noch Erwachsenen gezeigt werden. Bei uns in Deutschland ist das eher anders herum. Vermutlich dachte man sich, dass 6-Jährige mit dem Thema Se_x ohnehin noch nichts anfangen können und sich nur auf die komödiantischen Anteile des Films konzentrieren.

    Ich halte Beowulf übrigens auch nicht für ein geniales 3D Spektakel und würde das auch im 3D Kino nicht. Denn der Film selbst ist auch in 3D immer noch langweilig, ohne richtige Story, ohne vernünftigen Spannungsaufbau, dafür mit dämlichen Dialogen und Figuren, die agieren, als stünden sie in der Augsburger Puppenkiste. Ich finde es schon bezeichnend, dass selbst jede modellierte und handanimierte Randfigur in einem Pixar Film mehr Leben und Esprit ausstrahlt als alle Figuren in Beowulf zusammen.

  3. …und dann das andere Extrem, dass der Fünfeinhalbjährige nicht mit Eltern und Geschwister zusammen in „Asterix bei den Olympischen Spielen“ gehen darf.

    Der Kinoangestellte: „Tut mir leid, wir müssen da ganz streng sein“. Damit hätte (bzw. habe) ich eigentlich gar kein Problem – wenn dann nicht solche Einstufungen wie die obigen vorkämen.

    …wobei Asterix ja auch äußerst brutal ist. Ich habe die Bücher jetzt ins obere Regal gestellt, dass die kleinen nicht mehr drankommen… 🙂

  4. Ich sehe es genau so. Es KANN nicht sein, daß Beowulf für 12 Jährige geeignet ist. Da hat jemand mächtig sch…. gebaut (Bestechung?). Ich dachte bisher, man kann auf das Siegel der FSK vertrauen. Seit Beowulf bin ich eines Besseren belehrt worden. Von mir aus kann also dieser Verein abtreten. Wer Beowulf für 12 Jährige zuläßt, hat sie nicht mehr alle.

  5. Beowulf ab 12 ist tatsächlich der größte Witz! Da könnte man echt vermuten, dass die von der FSK Filme gar nicht wirklich anschauen, sondern nur anhand oberflächlicher Informationen beurteilen?

    Nach dem Motto: „Ah, der ist ja „nur“ computeranimiert, somit ja gar nicht real – okay, geben wir das Teil ab 12 frei…“

    Ich habe seit Langem keinen so brutalen Film mehr gesehen – und da sich (wie bereits gesagt die Figuren zwar nicht unbedingt real) bewegen, jedoch trotzdem real genug aussehen und vor Allem METZELN (in wahrlich unnötiger und viel zu übertriebener Brutalität!) sollte so ein Film ab 18 sein!

    Nun, mir kann es egal sein – ich bin alt genug, aber kann nur sagen: Es ist eigentlich egal, denn DIE ELTERN sollten sich darum kümmern, was ihre Kinder kaufen, sehen und konsumieren und nicht irgendwelche unfähigen FSK Leute urteilen lassen.

  6. Folgende Antwort kam von der FSK, als ich die Herrschaften darauf angesprochen habe:

    Sehr geehrter Herr Eberle,

    bevor wir näher auf den genannten Film eingehen, lassen Sie uns einige
    Informationen zu unserer Arbeit vorausschicken: Die FSK ist im Auftrag der
    Obersten Landesjugendbehörden für die Freigaben von Kinofilmen, Videos und
    vergleichbaren Bildträgern sowie auch von Trailern und Werbefilmen
    zuständig. Sie vertritt damit den gesetzlichen Jugendschutz im Bereich
    audiovisueller Medien. Die Entscheidungen treffen pluralistisch
    zusammengesetzte Ausschüsse, deren Prüferinnen und Prüfer von der
    Öffentlichen Hand sowie Bundes- und Länderministerien bzw. von der Film- und
    Videowirtschaft entsandt werden und ca. 3 Wochen pro Jahr bei der FSK
    ehrenamtlich tätig sind. Die Ständigen Vertreter der Obersten
    Landesjugendbehörden haben in den Arbeitsausschüssen den Vorsitz.

    Die Fantasy-Heldensaga über Beowulf versetzt den Zuschauer in eine auf
    Perfektion ausgerichtete, computeranimierte mittelalterliche Welt. Die
    erzählte Geschichte wirkt schlicht bezüglich ihrer inhaltlichen Gestaltung.
    Auch die filmischen Figuren, abgefilmte und in Computertechnik präsentierte
    prominente Darsteller, bleiben in ihrer Zeichnung blass. Der Ausschuss war
    der Meinung, dass im Film keine Identifikationsfiguren für die Altersgruppe
    der 12-Jährigen angeboten werden. Beowulf ist ein ambivalenter Held, ein
    starker Kämpfer, doch ohne Erfüllung in sozialer Hinsicht. Prägend für die
    Rezeption des Fantasyspektakels ist nach Auffassung der Ausschussmitglieder
    die filmische Umsetzung: Opulente Bilder, die eine mittelalterliche Welt
    perfekt inszenieren, aufwendig gestaltete Kulissen und Kostüme, eine
    beeindruckende Farb- und Lichtdramaturgie und eine auf Effekte ausgerichtete
    Ton- und Musikuntermalung. Als problematisch im Sinne einer Übererregung und
    Ängstigung 12-Jähriger diskutierte der Ausschuss die drastisch in Szene
    gesetzten Gewalt- und Tötungsszenen. Insbesondere die Eingangskampfszene, in
    der Grendel vorgestellt wird, zeigt drastische Gewaltbilder, wie das
    Zerreißen von Menschen. Da im Fortgang des Films diese explizite Darstellung
    von Gewalt einer stärker auf Action ausgerichteten, temporeichen und einer
    fantastischen Welt zuzuordnenden Kämpfinszenierung weicht, konnten die
    Ausschussmitglieder für eine Freigebe des Films für 12-jährige Mädchen und
    Jungen votieren. Dieser Altersgruppe ist zuzutrauen, dass sie das Tempo, die
    Geräuschkulisse und die gewaltgeprägte fantastische Welt verkraften und die
    nötige Distanz zu den Protagonisten und deren gewalttätigem Vorgehen
    aufbauen.

    Hierbei ist allerdings zu sagen, dass die FSK-Kennzeichnungen keine
    pädagogischen Empfehlungen sind sondern lediglich sicherstellen sollen, dass
    das körperliche, geistige oder seelische Wohl von Kindern und Jugendlichen
    einer bestimmten Altersgruppe nicht beeinträchtigt wird. Die Ausschüsse der
    FSK, die unter anderem aus Jugendamtsleitern, Jugendbildungsreferenten,
    Lehrern, Kinderärzten, Psychologen, die natürlich auch Eltern sind,
    bestehen, versuchen mit großer Sorgfalt die mögliche Wirkung eines jeden
    Filmes zu beurteilen. Eine letztlich „objektive richtige“ Freigabe kann es
    nicht geben. Zu unterschiedlich sind die Filme, zu unterschiedlich sind die
    Rezeptionsbedingungen und -möglichkeiten von Kindern und Jugendlichen. Die
    Prüferinnen und Prüfer versuchen dies zu berücksichtigen.

    Mit freundlichen Grüßen

    T…
    Assistent der
    Ständigen Vertreter der Obersten Landesjugendbehörden bei der FSK
    Kreuzberger Ring 56
    65205 Wiesbaden

  7. Wow, danke, Herr Eberle. Ich habe mir mal die Freiheit genommen, den Namen des Absenders zu entfernen, denn ich weiß nicht, ob die Person es gerne sieht, dass diese Antwort so öffentlich gemacht wird. Dennoch danke, dass Sie uns daran teilhaben lassen. Ich muss ehrlich gestehen, dass mir beim Lesen die Spucke weg blieb. Eigentlich könnte ich mich zu fast jedem Satz äußern und auslassen. Auf der anderen Seite denke ich, dass dieser ganze Brief für sich selbst spricht. Ich möchte es jedem selbst überlassen, sich ein Bild zu machen, wie Deutschland und besonders die FSK mit dem Thema Jugendschutz umgeht.

  8. Vor gut einem dreiviertel Jahr hatte ich mich hier etwas über einen Film namens „Beowulf“ echauffiert. Doch nicht die Qualität des Streifens an sich brachte mich zur Weißglut, sondern die Tatsache, dass der Film bereits ab 12 Jahren freigeben wa

  9. Hallo,

    ich war in Beowulf mit meinen Kindern im Kino. Diesen Film dürfen Kinder in Begleitung Erwachsener schon ab 6 besuchen und war auch mit meiner Tochter 8 und meinem Sohn 13 dort drin. Der Film selber war nicht der Hit. Es gibt bessere. Aber kompletter Schrott war er auch nicht. Wenn einem der Film nicht gefällt, gut, aber man muss kein Drama draus machen. Keinohrhasen würde ich mir z.B. nie ansehen, da ich Manta,Manta Schweiger nicht ab kann und die Filme die er bisher abgeliefert hat waren lächerlich.
    Brutal fande ich Beowulf auch. Aber so schlimm dass meine Kinder jetzt schlaflose Nächte hatten, war es auch nicht. Jedenfalls habe ich kein schlechtes Gewissen deswegen. Allerdings kann man die Einstufungen der FKS nicht immer nachvollziehen und dass sollte mal angesprochen werden.

    Thom

  10. Thom, hier geht es um zwei verschiedene Dinge. Natürlich fand ich den Film Schrott und zwar total. Daraus mache ich kein Drama, sondern stelle es fest, was auch mein Recht hier ist. Und ich weise immer wieder darauf hin, dass es sich hier um MEINE Meinung handelt. Jeder hat seine eigene. Aber worum es mir mehr geht, und deshalb auch das Drama ist die Tatsache, dass der Film ab 12 Jahren freigegeben wurde. Und wie du schon scheibst, sogar ab 6. In Zeiten, in denen unserer Politik im Namen des Jugendschutzes am liebsten alles verbieten würden, was Medien in Sachen Gewalt hervor bringen, finde ich diese Entscheidung mehr als lächerlich. Und ja, ich finde den Film eindeutig zu brutal. Wenn du anderer Meinung bist, okay.
    Im Übrigens fand ich Keinohrhasen ebenfalls beschissen, deshalb aber alle Schweiger Filme aufzuzählen geht so dermaßen am Thema vorbei.

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