Kleiner Hai und großes Marketing

Ich bilde mir ja gerne ein, mitverantwortlich für den Erfolg des kleinen Hais zu sein. Schließlich zeigte ich das Originalvideo hier bereits, als der Song noch nicht in den Charts war. Bei uns im Büro hörte man lange "Dumm dumm"-Gesänge auf den Fluren. Und erst als eine Kollegin auf mich zukam und mir ihren neuen Hai-Klingelton vorspielte, wusste ich, dass hier ein neuer Hype entstand. Der bei allesroger.net seinen Anfang genommen hatte.

Nun ja. Leider nicht ganz. Und vermutlich überhaupt nicht. Aber der Hype ist da, der Song in den Charts, der Klingelton höchst beliebt. Und plötzlich stellt sich die Musik-produzierende- und die sie beobachtende Berichterstattungswelt die Frage, wie es so weit kommen konnte. War das alles geplant? Ist es eine virale Kampagne gewesen? Stecken dahinter böse mächtige Agenturen? Oder ist die "Sängerin" Alemuel selbst Drahtzieherin des Ganzen? Immer mehr Details kommen ans Licht. Und gleichzeitig bleiben Fragen.

Fragen, die spätestens dann vergessen sind, wenn der Song vergessen ist. Also im Herbst. Dann wird sich ein neues grusliges, verrücktes, bescheuertes Video bei Youtube auf Stefan Raabs Spuren begeben und einen neuen Hype losbrechen. Ich werde der erste sein, der darüber berichtet und die Welt wird sich wieder fragen, ob das nicht von vornherein von mir so geplant worden war. Man kann echt keinem mehr trauen in diesem Internet.

Ein paar Links für Interessierte: Ein Interview mit Alemuel. Gedanken der Netzzeitung. Oljo Blog deckt auf. Christiane Schulkzi-Haddouti analysiert sehr gekonnt. Und EKM Consult rechtfertigt sich.

8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Endlich zuhause. Nachdem wir heute im Büro noch ein bisschen damit beschäftigt waren klarzustellen, dass wir nicht mit der Vermarktung des kleinen Hais verantwortlich sind, musste ich mich auch schon sputen, um pünktlich zum Abschiedsgrillen der Wuk…

  2. Das wäre wirklich interessant. Sie sieht mir aber eher danach aus, als würde sie etwas soziales oder psychologisches studieren.

  3. ich fand den Song super, ich fand die Tussi so krank und schräg, dass das schon fast gut war. Jetzt, da ich weiss, dass das Ganze eine Inszenierung ist, bin ich irgendwie enttäuscht. Und ich summ es nicht mehr vor mir her. Da nehm ich doch wieder das Sektenlied: jede Zelle meines Körpers… 😀

  4. Na, in wie weit es nur eine Inszenierung war, ist ja noch nicht so ganz deutlich. WENN alles durchgeplant war, muß man dem natürlich schon ein wenig Tribut zollen. Der Song bleibt so oder so großer Quatsch und ist bald wieder vergessen wie Schnappi.

    Aber du hast Recht: „Jede Zelle meines Körpers ist glücklich…“ lalalala

  5. *Viral Televangalism*

    Gut geplant – geschickt gemacht… einfache Mittel – fatale Wirkung. Ist doch klar wer dahinter steckt …
    Gerüchten zufolge geht der „Kleiner Hai“ auf ein bewegtes Singspiel der al-Qaida zurück. Es ist längst bekannt, dass Osama Bin Laden Einsätze der al-Quaida mit Hilfe sogenannter Terror-Lyrik organisiert:
    > http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/200/171695/

    Der Weiße Hai könnte ein Verweis auf das übermächtige Spielberg-Imperium und damit auf Hollywood und die mediale Übermacht der USA im Krieg der Bilder sein. Die Geschichte des Mädchens, das vom Hai gefressen wird, ist übrigens ein typisches Beispiel für die Märtyrer-Thematik, die in den Gedichten der al-Quaida vorherrscht.

    In speziellen Trainingscamps geschulte Kinder können bereits mit vier Jahren anspruchsvollste arabische Lyrik rezitieren:
    > de.youtube.com/watch?v=lqtW92Nlv64

    Ob es sich bei der stark vereinfachten deutschen Version des Liedes „Kleiner Hai“ um einen geschickten Agitations-Versuch handelt, der Jugendliche für den Islam gewinnen soll, oder ob die islamistischen Youtube-Prediger lediglich Trittbrettfahrer sind, bleibt offen:
    > de.youtube.com/results?search_query=kleiner+hai+allah

    Möglicherweise ist Alemuels Video aber auch ein Akt der Verhöhnung westlicher Popkultur, die von radikalen Islamisten als abscheulich und primitiv empfunden wird. So wird ganz offensichtlich die Emanzipation der Frau ins Lächerliche gezogen, indem der männliche Märtyrer und seine jungfräuliche Belohnung (das Mädchen) in Alemuel zu einem flachbrüstigen Zwitterwesen verschmelzen.

    Mit Gewissheit kann das sicherlich nur Alemuel selbst sagen, aber die scheint ihre Identität bewußt zu verschleiern. Gerüchte, dass ihr Künstlername auf den Wortstamm „Alem“ (arab. = Wissen, Weisheit) zurückgehe, sowie ihre Beziehung zur Muslimischen Internationalen (Rabitat-ül Alem-ül Islam) versuchte sie jedenfalls zu zerstreuen, in dem sie behauptet, ihr bürgerlicher Name sei Alexandra Müller, und der Künstlername lediglich daraus abgeleitet…

  6. @ El alem Allah: Es fällt mir sehr schwer zu unterscheiden, wo bei deinem Beitrag nun der Ernst aufhört und die Satire anfängt. Irgendwie kann ich nicht glauben, dass du deine Aussagen und Mutmaßungen auch tatsächlich so glaubst. Auf der anderen Seite hast du dir natürlich viel Mühe gegeben, hier einen glaubwürdigen, satirischen Text zu erstellen. Nett Idee also. Ob für ein kurzweiliges, zugeben nerviges Phänomen wie der kleine Hai ausgerechnet wieder der böse böse Islam und die wirklich böse Al-Quaida herhalten muss, ist eine andere Frage. Mir sind solche Vergleiche mittlerweile zu ausgelutscht und erinnern gar zu sehr an die billigen Freitag-Nacht-News-Gags von RTL.

  7. Was eine Inszenierung, jetzt bin auch ich enttäuscht. Ich habe echt Gedacht das der eine Gehirnwelle fehlt und sie nix dafür kann. Aber so durchdacht….mehr als enttäuschend. Aber cool ist es trotzdem.

    Wie ihr das so schön gesagt habt, uns bleibt ja immernoch „…. jede Zelle ist voll gut drauf“

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