Wenn man wie ich relativ ländlich aufgewachsen ist, in die große Stadt zieht und dann im Urlaub wieder in die Heimat fährt, so fällt einem ein gewaltiger Unterschied auf, den man zuvor gar nicht beachtet hatte. Die Umgebungsgeräusche ändern sich. Zwangsläufig. Und so fragte ich mich vor zwei Tagen, als ich erneut unter Schlafmangel leidend viel zu früh erwachte und nur das Zwitschern, Singen und Tirilieren der Vögel vernahm, wieso diese Geräuschkulisse nicht nervend ist. Weshalb sind natürliche Umgebungsgeräusche im allgemeinen nicht nervend? Wellenrauschen, Vogelgezwitscher, Wind in den Bäumen, Grillengezirp. Liegt es in unseren Genen? Oder ist reine Gewohnheit, weil man im allgemeinen mit diesen Geräuschen aufwächst? Ist für jemanden, der Zeit seines Lebens nur die Großstadt kennt, fahrende und hupende Autos, Sirenen, Stimmengemurmel und Geschrei die natürliche Geräuschkulisse? Ist so jemand schon nach kurzer Zeit gestresst, wenn er ein paar Vögeln beim Zwitschern zuhören muss? Ich hoffe nicht. Ich lauschte weiter den gefiederten Wesen vor dem Fenster und schlummerte über meine Gedanken ein.
Ich denke, dass es nicht nur an der Gleichmäßigkeit, sondern auch an den vertrauten Geräuschen liegt... an den Erinnerungsklängen und -düfte! Verbindet man damit nicht auch Heimat?
Ach, ich werde melancholisch
Michael
Ja und den Trubel, mit dem ich aufgewachsen bin könnte ich nicht mehr auf Dauer ertragen.
Babs
Würde nun die Lautstärke geringer sein wäre sogar ein leiser presslufthammer ein angenehmes umgebungsgeräusch.
Nur - Es fehlt das schöne daran. Zwitschert ein Vogel, schaut man gerne, woher der schöne gesang herkommt. Bei presslufthammern und hupen will man erst gar nicht wissen wo diejenigen sind (es sei denn man will sich beschweren).
Wie es aber wäre, wenn man sich einen Strand vorstellt an dem man sich gerade erholt - die sonne scheint, es herrscht Urlaubsatmosphäre und die wellen bewegen sich mit leisem Presslufthammergeräusch übers Meer - würden wir das als angenehm empfinden, wenn es schon immer so gewesen wäre?
Ich bin jahrelang, mehrmals im Jahr, nach Sizilien geflogen, um dort Urlaub zu machen. Für mich war das Kindergeschrei, die offenen Türen aus denen überall Lärm kam, hupende Autos, lautes Grüssen auf den Strassen etc. immer sehr beruhigend und schön. Es gehört einfach zum Gefühl Sizilien dazu, eben die Gewohnheit.
Wäre all das plötzlich verstummt, wäre das für mich sehr schlimm gewesen.
Oft lag ich nachts im Bett wach und habe den bellenden Hunden zugehört, andere würden dies als störenden Krach bezeichnen - ich hab mich wohl gefühlt dabei!