Aus dem Jenseits bloggen

Wir alle sterben früher oder später. Und hinterlassen dabei traurige Menschen, kostbare Dinge und viel Unerledigtes. Wenn man alleine in Basel am Dachfenster seines Wohnklos steht und dem Regen zu sieht, so kommt einem irgendwann der Gedanke, wie die Welt aussähe, wenn man nun stürbe. Was würde man zurück lassen? Was hätte man noch nicht erledigt? Und wie sollten die Menschen mit allem zurecht kommen, was man nicht beenden konnte?

Dass meine Gedanken zu diesem Thema nicht ganz so dramatisch und ernst gemeint sind, wie es sich im ersten Moment vielleicht anhört, bemerkt man daran, dass ich mir überlegte, was aus meinem Blog würde, wenn ich jetzt (oder in den nächsten Minuten) tot umfallen würde (aber hey, ich bin immerhin schon 35). Tausende von Lesern würden hierher finden, alte Beiträge lesen und ständig auf Neuigkeiten warten. Sie würden diesen Artikel hier immer als den neuesten angezeigt bekommen, selbst in einem halben Jahr oder in zehn Jahren. Oder gar nicht mehr, wenn mein Provider einfach alles löscht, weil die Zahlungen ausbleiben. Ich würde verschwinden und niemand (außer dem engen Familien- und Bekanntenkreis) würde bemerken, dass ich weg bin. Meine Leser wüssten von nichts. Was also tun?

Eine Idee wäre es sicherlich…

…einem vertrauenswürdigen Menschen die Zugangsdaten zu meinem Blog anzuvertrauen. Und ihn (per Testament?) anzuweisen, im Falle meines Ablebens einen letzten kurzen Beitrag zu verfassen, in dem auf meinen Tod hingewiesen wird. Oder aber ich bereite diesen Text schon einmal vor. "Hallo liebe Leser von allesroger.net. Leider ist gar nicht mehr Alles Roger, denn Roger ist tot. Und somit ist dies auch der letzte Beitrag. Kondolenzbekundungen bitte in die Kommentare." Oder so.

Eine andere Möglichkeit wäre es, dies zu automatisieren. Es sollte sich doch ein Plugin für meine Blogsoftware entwickeln lassen, die überprüft, wann der letzte Beitrag verfasst wurde und im Falle einer Dauer von mehr als drei Monaten ohne Updates, automatisch einen letzten Beitrag online stellt. Denn ganz ehrlich, wenn ihr hier länger als drei Monate keine neuen Beiträge mehr seht, stimmt wirklich etwas nicht. Und zur Not ließe sich dieser Countdown zu meinen Lebzeiten auch anpassen und erweitern (falls längere Urlaube oder Safaris oder Mars-Exkursionen anstehen (was ja immer wieder mal passiert))

Letztlich fragte ich mich aber auch, ob es im Jenseits vielleicht Internet-Zugang gibt. Ein WLAN im Himmel. Sozusagen ein Wolken-LAN. Das wäre doch eine Sensation, oder? Bloggen aus dem Jenseits. Roger berichtet nicht über Nahtod-Erfahrungen, sondern direkt aus dem Zentrum des Lebens danach. Wobei – nun, da ich aus der Kirche ausgetreten bin, kann ich nicht mehr sicher sein, in den Himmel zu kommen und/oder dort auch freien Netzzugang zu bekommen (Wie das halt so ist, wenn man das Abo storniert). Gleichzeitig könnte ich wetten, dass die Hölle einen eigenen, super schnellen Backbone hat, mit freiem Zugriff zu allen illegalen und pornoesquen Seiten.

Wie auch immer, solltet ihr zu lange auf neue Beiträge hier warten, so geht schon mal davon aus, dass ich tot bin, hängt eine schwarze Fahne Halbmast an euren Balkon und klickt eifrig auf meine Werbebanner, um meine Familie finanziell zu unterstützen, die sich ein teures Begräbnis und einen Sarg mit Stromanschluss, USB-Ports und Internetflat leisten muss.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ach.. Das zeigt mir mal wieder, dass ich nicht so lange warten sollte, wenn ich die Idee zu einer Geschichte habe. o_O Denn jemand, der nicht so faul ist wie ich, könnte schließlich auch auf die gleiche Idee kommen und dann zuerst eine coole Story daraus machen.. Huch, jetzt muss ich mich beeilen.. 🙂

  2. Yennefa, ich schätze mal, du meinst damit, dass du ebenfalls darüber nachdachtest, wie man nach seinem Tod weiter bloggt. Du kannst deine Geschichte doch immer noch schreiben. Denn, ich kenne das Problem. Ein Freund und ich entwickelten ein Musical und dann kam Matrix in die Kinos, was unsere Geschichte um echte und virtuelle Realität zu meisten Teilen so erzählte. Wir beschlossen, das Projekt aufzugeben. Später sagte mir ein anderer Freund, dass es scheissegal wäre – es gäbe soviele ähnliche Geschichten. Es kommt nur darauf an, wie sie erzählt werden.

    Und dazu passend fällt mir auch ein, irgendwo gelesen zu haben, dass es in der Literatur dieser Welt im Grunde nur 7 verschiedene Geschichten gibt. Alle anderen sind nur Abwandlungen und Vermischungen. Also nur zu. Schreib. Und lass sie mich lesen.

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