Schöne, aktuelle Medienwelt

Was ist eigentlich aus den beleidigten Muslime geworden? Haben die aufgehört beleidigt zu sein? Und wütend? Einfach so? Oder hat sich jemand bei ihnen entschuldigt? Verzeihung, ich habe es irgendwie nicht mitbekommen. Tagelang hörte, sah und las man in allen Medien von Ausschreitungen, Gewaltausbrüchen, von Angriffen und Hassparolen (im Namen des „richtigen“ Glaubens). Und nun hört, sieht und liest man nichts mehr darüber. Oder geht es nur mir so?

Irgendwie kann ich nicht glauben, dass es den Leuten langweilig wurde, schließlich ist Mohammed immer noch verarscht und seine Verarsche ist noch nicht gerächt (ich glaube Dänemark existiert noch – oder habe ich da auch was verpasst?)

Und da ich nicht daran glauben kann, gehe ich mal davon aus, dass sich die Medien ein neues, spannenderes Thema gesucht haben. Und wir somit die restliche Welt ausgeblendet haben. Zumindest die beleidigte.

Es gibt doch diesen schönen alten Sponti-Spruch: Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin. Heute könnte man sagen: Stell Dir vor, es passiert etwas, aber keiner berichtet darüber.

Wie würde ich mich als Muslime fühlen, wenn ich aufs Höchste beledigt wäre und meinem Ärger Luft machen möchte, aber feststellen muss, dass es keine Sau interessiert? Gut, die Fahnen sind gewiss nicht nur verbrannt worden, um ins Fernsehen zu kommen. Nicht nur.

Tatsache ist doch, dass die Dinge in unserer Welt nur solange für die Welt interessant sind, solange jemand darüber berichtet. Ansonsten sind die Dinge ja nur für die Betreffenden wichtig. Was denkt also die Welt, wenn niemand mehr darüber berichtet, wie Botschaften angegriffen werden? Die Welt denkt, dass die Botschaften eben NICHT angegriffen werden.

Wie wäre es zum Beispiel, wenn sich die Presse einigen würde, nicht aus dem Gaza Streifen zu berichten? Im Ernst, wer zählt eigentlich noch mit oder hört überhaupt noch zu, ob gestern 4 Palästinenser und heute 8 Israelis getötet wurden? Oder andersherum?

Wie wäre es, wenn man die das da unten unter sich ausmachen lassen würde und die erste Meldung die nach ein paar Jahren aus Israel käme, wäre: Endlich Frieden!

Ich gebe zu, das ist Menschen verachtend. Und es stellt sich die Frage, ob die das da unten denn alleine hin bekommen mit dem Frieden. (Stoppt die Waffenlieferungen und die Subventionen und schaut mal, ob man sich nicht irgendwie einigen kann)

Die Welt besteht nur aus dem, was wir sehen, lesen und hören. Umkehrschluss: was wir nicht sehen, lesen oder hören existiert nicht. Fehler.

Wir alle sind aufgeklärt genug, um zu wissen, dass Dinge und Ereignisse in diesem Universum existieren, egal, ob jemand guckt oder nicht.

Letztendlich bilden wir uns unsere Welt aus dem, was wir wissen wollen. Und die Medien handeln entsprechend. Sie berichten über die Dinge, die die Welt interessiert. Oder wovon die Medien ausgehen, dass es uns zu interessieren hat.

So wie mit dieser unsäglichen türkischen „Popgruppe“ mit diesem unfassbar beschissenen Song, die gerade in den Schlagzeilen herum geistern. Hier soll ein Kult gestaltet werden, der keiner ist. Hier schaffen es ein paar Leute, sich dadurch berühmt zu machen, indem man einfach über sie spricht. Indem die Medien sie wichtig machen und zwar unabhängig davon, ob diese Leute irgendetwas zu Wege gebracht haben. Man kann sich ja nicht mal über diese „Sänger“ aufregen, ohne ihnen weiter Plattform zu liefern. (Das ist auch der Grund, weshalb ich hier weder Namen noch Links nenne).

Es gibt immer wieder Stellen, wo Medien einfach versagen und uns ein Weltbild geliefert wird, dass ich so einfach nicht glauben kann oder will. Ich als Vernunft begabter Mensch weiß, dass es im Gaza Streifen lange nicht zu Frieden kommen wird, dass die Muslime weiterhin humorlos und verbissen sein werden und dass diese „Popgruppe“ in wenigen Wochen durch etwas Neues ersetzt werden.

Und Pipi Langstrumpf würde singen: “Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt.“

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Sehr guter Beitrag! Du sprichst mir aus der Seele.
    Dass die Medien Trends und Hypes erschaffen und auslöschen, wie es ihnen in den Kram passt, das ist unumstritten. Und die politische Macht, bei welcher sie sich selbst missbrauchen lassen, auch. Das wirklich schlimme und für mich total unverständliche daran ist, dass es tatsächlich funktioniert! Wie kann es sein, dass irgendein Mist tatsächlich Erfolg hat, nur weil ständig über ihn berichtet wird? Dass dadurch tatsächlich Menschen derart beeinflusst werden, dass sie in den Laden rennen, und Geld dafür ausgeben… haben die keine eigene Meinung? Anscheinend nicht.. somit wäre auch die Existenz der Bildzeitung geklärt.
    Liegt das am Stand der Bildung oder daran, dass es irgendwo eine rießen Bushaltestelle gibt, von welcher ich nichts weiß und zu der täglich Milliarden Menschen pilgern um vor die dort ankommenden Verkehrsmittel zu rennen? Es ist beinahe schon eine Frechheit, mit welcher Dreistigkeit die Medien diese Trendgeilheit der Bevölkerung ausnutzen.. es ist eigentlich zu offensichtlich, um tatsächlich zu funktionieren…

  2. Tja, beinahe zu offensichtlich. Das dachte ich, als ich diesn Artikel schrieb. Warum schreibe ich hier über etwas, das ohnehin jeder weiß oder wissen müßte?
    Die Frage ist doch, ob diese Bewegung wirklich von den Medien ausgeht oder wollen die Mediennutzer das wirklich? Wer beinflusst hier wen? Was war zuerst? Das Huhn oder das Ei?
    Wenn wir unsw in der Blogosphäre umsehen erkennen wir, das die bisherigen Medienformen irgendwann abgelöst werden und Nachrichten immer inividueller werden. Jetzt zum Beispiel schon per RSS. Und nun achte man mal darauf, wieviel Blogs (selbst der gute alte Spreeblick)über diese unsägliche Popgruppe berichtete (mich eingeschlossen). Egal wie, wir bilden uns unserer (Medien)-Welt selbst, egal wie bescheuert sie ist. Ich hoffe auf eine baldige Revolution gegen die (absolute) Blödheit. Die Instrumente haben wir schon in der Hand.

  3. Tja. Das Huhn und das Ei.

    Die „beleidigten Muslime“ findest Du in der Form von irgendwelchen radikalen Spinnern, die davon faseln, Dänemark mit schmutzigen Bomben zu vernichten, in diversen Foren. Mit einer von dieser Sorte hatte ich einen kurzen Mailverkehr. Sehr spannend und wenn Dummheit weh tut, dann rennt sie den ganzen Tag schreiend durch ihr Kinderzimmer. Vermutlich daher auch der Hass auf uns deutsche Verräter, denen „sie“ (die Muslime) damals (als der von ihr heroisierte Hitler an der Macht war) gegen die Juden zu kämpfen geholfen hätten und die wir ihnen heute in den Rücken fallen, wenn wir Dänemark unterstützen. Kurz: Eine komplett verwirrte Person. Nicht minder verwirrt, als die andere Seite, übrigens. Irgendwelche fanatischen Moslem-Hasser, für die die ganze Geschichte deswegen willkommen ist, weil sie die vermeintliche Gewaltbereitschaft der Muslime als Ganzes beweisen würde. Wenn sich diese beiden Gruppen verbal fetzen, ist das ein recht unterhaltsames Schauspiel und man möchte alle in einen Sack packen und draufhauen. Trifft keinen falschen. Beruhigend ist allerdings auch das Vorhandensein besänftigender Autoren – auf beiden „Seiten“. Allerdings verschwenden sie natürlich ihre Energien, weil kein Extremist sachlich diskutieren will.

    Die anderen „beleidigten Muslime“, das waren vor allem ein paar Regierungen, denen es durchaus gelegen kam, ihre Bevölkerung mit den Karikaturen von ernsthafteren Problemen ablenken zu können und die ganze Maschinerie der Medienagenda ins Rollen gebracht haben. Dafür karrt man dann auch ein paar angebliche Studenten in Diplomatenviertel, damit sie dort widersinniges Skandieren können (wie etwa, dass wir Deutschen von den Juden gesteuerte Faschisten seien *hust*) und ein paar Fahnen anzünden. „And now that we got your attention“ gehen solche Bilder um die Welt. Abfallprodukt. Und wir können hier zwei drei Wochen vom Kampf der Religionen sprechen, der eigentlich nur ein Kampf der Regierungsformen ist und hierzulande auch nur so lange interessant ist, bis über Deutschland ein paar Vögel tot vom Himmel fallen.

    Der normale Moslem interessiert sich nicht sonderlich für Karikaturen in dänischen Zeitungen. Die wurden übrigens bereits kurz nach Erscheinen mindestens von einer ägyptischen Zeitung nachgedruckt und kommentiert. Ohne nennenswertes Echo. Klar: diese Menschen drücken andere Schuhe, so wie uns auch.

    Übrigens ist die Frage nach Huhn und Ei sehr berechtigt. Manipulieren Politiker Medien oder Medien Politiker? Und: Bestimmt der Medienkonsument die Medienagenda oder umgekehrt? Gar nicht so eindeutig zu klären – weil das keine Einbahnstraßen sind. Beruhigend, dass die Medienvielfalt so manches nivelliert.

    Wichtig bleibt, dass der Medienkonsument nie aus dem Auge verliert, dass alles mit Vorsicht zu genießen ist, was ihm da vorgekaut wird. Viele tun das. Die anderen glauben alles, was „Bild“ schreibt.

  4. Dem ist kaum mehr etwas hinzu zu fügen. Erschreckend aber, dass gerade diese radikalen Minderheiten, egal auf welcher Seite, unser Weltbild gestalten. Und ich schätze, das liegt eben an den Medien, die genau wissen, dass sich radikale Meldungen besser verkaufen lassen als die gemäßigten. Und dass Panik mehr Geld einbringt als Wissen und Verstand.
    Und was diese Popgruppe angeht: da haben wir ja mal wieder gesehen, wie etwas künstlich hoch gehypt wird. Nun, da sich heraus stellt, dass alles nur ein Fake war. Aber… die Kiddies werden die CD trotzdem kaufen und den Klingelton dennoch herunter laden. Was die Panik und Hype Geilheit der Medien wieder einmal unterstreicht.

  5. Einfaches Beispiel: Du gehst durch die Straße. Welche Leute fallen Dir auf (ausser hübschen Mädels vielleicht *g*)? Der Punker, die Frau mit Kopftuch, der Beamte in Uniform. Auffällt, was heraussticht.

    Und ähnlich ist es mit Nachrichten. Das ist nicht unbedingt die Panikgeilheit der Medien – zumindest: nicht nur. Auch die des Konsumenten. Und wir, die Bürger, könnten das durchaus nutzen. Blick über den Rhein: Der Kündigungsschutz für junge Arbeitnehmer soll massiv aufgeweicht werden, die Franzosen sind auf der Straße. Bei uns überlegt die große Koalition ähnliches (Probezeit wird von 6 auf 24 Monate verlängert), nichts passiert. Ich habe gestern einen französischen Artikel dazu gelesen, der Autor hat sich (und das ist die Regel, wenn Franzosen unsere quasi nichtexistente Demonstrations- und Streikbereitschaft betrachten) gewundert, was wir Deutschen uns von unserer Politik gefallen lassen, ohne aufzubegehren. Wenn es hoch kommt, gibt es bei uns die Quittung an der Wahlurne – aber dann ist es halt zu spät, denn unpopuläre Gesetze und Regelungen werden dann auch nicht mehr zurückgenommen, wenn es einen Machtwechsel gibt. Wir erinnern uns an die Angriffslust der Union bezüglich der Ökosteuer. Und was macht Kanzlerin Merkel nun dagegen? 😉

    Die Medien sind einfach ein Spiegel der Gesellschaft. Wir vergessen immer gerne, dass die Macher damit Geld verdienen wollen. Und da gelten die ganz normalen Gesetze des Marktes: ein Produkt muss für den Käufer interessant sein. Also wird uns Big Brother verkauft, solange die Einschaltquoten stimmen. Und wenn es keine Käuferschicht für die Bild-Zeitung gäbe, müsste sie beispielsweise von ihren Kampagnen – etwa gegen „Grinsi-Klinsi“ – Abstand nehmen.

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