Das ist nicht .net

Wenn man mit dem Namen Roger Graf aufwächst, denkt man zunächst, relativ einzigartig zu sein. Namenstechnisch. Schließlich heißt man ja nicht Michael Schmidt oder Peter Müller oder Christian Meier. Und dann wird man älter, entwickelt Interessen, versucht diese auszuleben und stellt fest, dass schon andere Roger Grafs vor einem da waren. Verdammt. So ergangen ist es mir, als ich meinen ersten Roman auf den Markt werfen wollte. Und im Amazon-Katalog dann zwischen Dutzenden anderer Romane von Roger Graf stand. Wer weiß, wie viele Leute sich meinen aus Versehen gekauft haben. Förderlich für den Verkauf war die Existenz des anderen Grafs mit Sicherheit nicht. Ich meine, Hallo, Namensvetter okay, aber muss der dann auch noch schreiben?

Und nicht nur das. Was das Internet betrifft, war der Kerl ebenfalls schnell. RogerGraf.ch war natürlich vergeben (klar, er ist Schweizer) aber auch die .de und .com-Domain hatte er sich bereits unter den Nagel gerissen. Als ich meine Homepage damals startete, kam ich mangels Alternativen auf den äußerst kreativen Namen ebrake.de (wenn sie jemand will, bitte melden). Und ärgerte mich insgeheim, nichts mit meinem nicht alltäglichen Namen anfangen zu können.

Dann kam die Zeit meines Blogs. ebrake.de musste sterben, etwas griffigeres sollte her. Nun war ich ja in der glücklichen Lage, eben nicht Peter, Christian oder Michael zu heißen, für die es keine witzigen Sprüche gab á la "Super Chris" oder "Machma Micha" oder "Nicht jeder, Peter" gibt. Mein Name lautet Roger und alles, was ich in meinem Blog präsentiere, schreibe und offenbare, ist von mir. Alles von Roger. Alles Roger. Prima. Griffiger geht es nicht.

War natürlich klar, dass ein gebräuchlicher Spruch wie "Alles Roger" schon in Beschlag genommen worden war. Unfassbar für mich allerdings, nicht von irgendeinem anderen Roger, sondern wiederum von Roger Graf. Aber nicht dem Schweizer Autor. Es gab weit mehr Roger Grafs als mir lieb sein konnte. Und alle waren schneller als ich. Allesroger.de war vergeben. Und alle anderen Endungen ebenfalls, bis auf allesroger.net. Weshalb mein Blog auch so heißt.

Okay, ich musste mich damit abfinden. Ich nenne mein Blog absichtlich stets allesroger.net. Das .net steht deshalb immer in der Überschrift, um die Leser und Besucher zu konditionieren. Mehr als einmal bekam ich Rückmeldungen, dass man bei allesroger.de gar nichts fände. Dem war und ist  tatsächlich so. Allesroger.de liegt brach, wird nicht genutzt. Und ihr ahnt es. Das ärgert mich noch viel mehr. Vollkommen ungenutztes Potential. Wie gerne hätte ich diese Domain, könnte mein Blog nur noch "Alles Roger" nennen und darauf bauen, dass ein jeder es sofort findet (abseits der Google Suche).

Dann erreichte mich vor wenigen Wochen eine Mail. Geschickt von Roger Graf, dem Inhaber der .de-Domain, der mir seine Grüße hinterlassen wollte und mir erklärte, weshalb er seinen guten Namen nicht "sinnvoller" verwendete. Ich grüßte zurück. Natürlich nicht ohne die Gunst der Stunde zu nutzen und die Frage zu stellen, ob er bereit wäre, sich von seiner Domain zu trennen. Es dauerte lange bis eine Antwort kam. Gestern abend sah ich wieder überrascht in mein Postfach und fragte mich erst, weshalb ich mir selbst eine Mail schickte. Ich Dummerle, es handelte sich um die lang erwartete Antwort. Roger schrieb, er überlege sich schon lange, die Domain abzutreten, eine Flugschule sei schon auf ihn zugekommen und laut einer Prüfung bei sedo (ein Marktplatz für Domains) sei allesroger.de etwa 1600 Euro wert.

Aber ist mir das 1600 Euro wert? Das ist echt nicht net(t).

allesroger.net ist mittlerweile seit drei Jahren im Netz, hat mittlerweile einen Besucherschnitt von knapp 250 täglich und wird mit vielen Begriffen auf den ersten Seiten bei Google gefunden. Ich glaube, so schlecht stehe ich bzw. mein Blog nicht da. Auch ohne .de-Domain. Bei meinem nächsten Design-Update wollte ich sogar auf das .net verzichten und mein Blog auch dann ofiziell nur noch "Alles Roger" nennen. Wer allesroger.net finden will, wird es finden, auch ohne .de am Ende. Alles andere wäre nicht net(t).

Shake it like a Polaroid Picture

Wer von euch vermisst in Zeiten von Megapixeln und digitalen Spiegelfreflexen die guten alten Polaroid Fotos mit ihrem eigenen Charme? Das Geräusch der Kamera, das endlose Warten und Schütteln um den Entwicklungsprozess zu beschleunigen und die Magie, wenn plötzlich das Motiv erschien.

Wer diese Atmosphäre wieder aufleben lassen möchte, muss nun nicht mehr zu diversen Photoshop-Aktionen greifen, sondern kann sich kostenlos Poladroid herunter laden. Natürlich nur für den Mac. Die Bedienung könnte einfacher nicht sein. Man zieht ein Foto auf die Kamera, es knackt und knirscht und auf dem Desktop liegt nun ein Polaroid, das sich langsam entwickelt. Ungeduldige können es mit der Maus hin und her schütteln und das fertige Bild abspeichern.

Viele schöne Beispiele für nostalgische Bilder mit Flair finden sich in der entsprechenden Flickr-Group. Gefunden bei surfgarden.

Ganz schön nuttig

Auf unserem Balkon stehen riesige Blumentöpfe in denen Palmgras seit langem verzweifelt versucht zu überleben. Mein Vormieter hatte sie mir überlassen und das Gestrüpp sah bis zwei Monate nach seinem Auszug auch recht hübsch aus. Dann wurde es braun. Und grau. Und lichter. Und dann kamen Brennnesseln und Pilze dazu, Ameisen und Birkenbäumchen und ach – mit einem Male bildete sich ein Biotop auf meinem Balkon. Die damalige Freundin kultivierte und schnitt und pflegte, doch es war eine Sisyphusarbeit. Nun, da der Umzug ansteht und die liebe Hausverwaltung plötzlich bemerkt hat, dass die Kübel seit etwa zehn Jahren nicht da stehen dürften, hat man uns aufgetragen, alles zu entfernen. Doch wohin mit soviel Erde, Steinen, Wurzeln und Grünzeug?

Ein Anruf bei der Duisburger Abfallwirtschaft fruchtete wenig. Man verwies uns an private Entsorgungsfirmen. Diese verlangen für Schnittgrün Geld und Erde nehmen die schon gar nicht. Bei der zweiten Firma war ein junger Kerl am Telefon. Dieser riet mir tatsächlich, die Kübel ins Auto zu packen, raus aufs Land zu fahren, an einem Feldweg stehen zu bleiben und den Dreck einfach auszukippen. "Ist ja alles Natur und Grün. Und vielleicht hat ja sogar noch ein Tierchen seine Freude dran", sagte er. "Und das ist legal?" wollte ich wissen. "Natürlich. Aber vielleicht sollten sie dennoch einen Blick in den Rückspiegel werfen, bevor sie alles ausladen."

So trugen die damalige Freundin und ich heute die unfassbar schweren Kübel hinunter und wuchteten sie ins Auto. Es war kurz nach Sechs und bereits dunkel, als wir los fuhren. Ganz in der Nähe meiner Wohnung befindet sich ein riesengroßer Parkplatz in einem Waldstück. Der Plan war, auf diesen Parkplatz zu fahren und die Erde in den Wald zu kippen. Schon in der Einfahrt zum Parkplatz kamen mir zwei Autos entgegen, weitere fuhren weiter hinten auf dem Parkplatz herum. Eigenartig, dachte ich mir, vermutlich letzte Besucher aus dem Zoo. Wir parkten unser Auto, mit der Heckklappe zum Wald. Ein weiteres Auto fuhr an uns vorbei. Langsam, im Schritttempo. Dieter saß darin. Sein Name stand auf einem Schild im Rückfenster. Und noch bevor ich die Tür öffnen konnte, kam schon das nächste Fahrzeug. Und dahinter wieder eines. Erst jetzt fiel uns auf, dass diese Wagen alle im Kreis fuhren, im Schneckentempo, mit gebührendem Abstand. Eine Parade?

Dann sahen wir sie. Eine junge Frau, die neben ihrem Auto stand. Die Dicke ihrer Jacke hob sich auffällig von der Dünnheit ihres Röckchens ab. Und das Röckchen war nicht nur dünn, sondern auch kurz, legte den Blick frei auf Netzstrümpfe, die in schwarzen Stiefeln mündeten. Ein Wagen hielt neben ihr, sie beugte sich vor, dann fuhr das Auto weiter. Die anderen warteten geduldig, fuhren wieder an und drehten weiter ihre Runden. Etwa dreißig bis vierzig Autos umrundeten die junge Frau wie Motten das einzige Licht.

Ich gebe zu, man hatte mir von diesem Parkplatz schon erzählt. Allerdings war ich davon ausgegangen, dass hier nur Samstag Nachts oder so, ab Mitternacht oder so, etwas los sei. Nicht unter der Woche nach Einbruch der Dunkelheit. An ein Entsorgen der Erde war natürlich nicht mehr zu denken. Wir sahen zu, von diesem Parkplatz herunter zu kommen, reihten uns in die Parade ein und fuhren langsam Richtung Ausgang. Und mieden Blickkontakt mit den mittlerweile zwei Damen die bestiefelt im regennassen Laub standen. Wer weiß wie viele von ihnen später hier stehen würden. Im Drei Meter Abstand? Die ganze Nacht?

Bald fanden wir einen anderen Parkplatz, kippten die Kübel aus und sahen zu, wie die Blumenerde und die Wurzeln eins wurden mit Mutter Natur. Und den anderen Parkplatz werden wir nur noch bei Tageslicht aufsuchen. Übrigens, wir haben die Plastikkübel natürlich mit genommen und wirklich nur Erde und etwas Grün verschüttet.

In Da House

Eine meiner absoluten Lieblingsserien derzeit ist Dr.House. Ich finde ihn einfach klasse, seine Art, seine Sprüche und seine konsequente Art, wirklich niemals auch nur aus Versehen nett zu sein. Eigenartig, wie man so jemanden mögen kann. Ich mag die Atmosphäre der Serie, den lakonischen Humor, die Beziehungen zwischen den Figuren (in der vierten Staffel übrigens nicht mehr ganz so – wenn Cameron und Chase nicht mehr zum Team gehören und nichts beizutragen haben, sollten sie weg. Ebenso ist Foreman sehr ungeschickt wieder eingeführt worden) und natürlich auch die meist absurden Fälle. Es ist nie Lupus.

Man kann Serien ebenso wie Filme, Musik und Bücher mögen oder eben nicht. Ich mag Dr.House. Aber ich muss etwas gestehen. Ich verstehe es nicht immer. Klar, in keiner Serie wird mit mehr Fachbegriffen um sich geworfen als hier. Manchmal werfen sich die Leute minutenlang Namen von Krankheiten und Körperteilen an den Kopf, ohne dass ich nur den geringsten Schimmer habe, wovon sie sprechen. Egal. Was mir mehr zu schaffen macht, ist, dass ich viele Dialoge nicht verstehe. Dass ich nicht weiß, was House gerade zu sagen versucht. Dass ich nicht weiß, was Wilson, sein einziger Freund, gerade meint. Oder worauf Cuddy hinaus will.

Oft springen die Dialoge im Sekundentakt hin und her. Es geht um den Fall und im nächsten Satz wieder um persönliches, wieder um den Fall, dann eine Beleidigung. Ein Stakkato an Sprüchen, die so oft nicht zusammen passen wollen. Oder erst, wenn ich Zeit hatte, darüber nachzudenken. Das alles ist natürlich sehr cool, weil House sehr cool ist. Umso uncooler ist es, zugeben zu müssen, manchmal recht ratlos da zu sitzen.

Wovon haben die jetzt gesprochen? Wen hat er jetzt gemeint? Wie kam er jetzt darauf? Ich glaube, ich bin zu langsam für die Serie. Oder zu doof. Aber ich mag sie trotzdem. Sehr sogar. Und irgendwann ist es bestimmt doch Lupus.

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