Wenn man seit einem Jahr regelmäßig bloggt und sogar einige Artikel in einem anderen Magazin veröffentlichen kann, muss man sich dennoch immer wieder vor Augen halten, dass eben nicht jeder liest, was man so schreibt. So kommt es immer wieder vor, dass ich mit meinem Gesprächspartner auf ein Thema komme, nach meiner Meinung gefragt werde und ich schelmisch antworte: „Darüber habe ich vor kurzem einen Blogeintrag gemacht.“ Die Antwort ist immer ein ausdrucksloses Gesicht. „Ach wirklich? Oh tut mir leid, ich komme sooo selten ins Netz – habe doch nur eine langsame Modemverbindung – habe doch nie Zeit – bin immer überwältigt, wie viel du schreibst – habe einen Hund, der meine Tastatur und meinen Monitor gefressen hat...“ Die Ausreden sind mannigfaltig.
Mir fällt es dann regelmäßig schwer, zu erzählen, was ich schon nieder geschrieben habe. Zum einen habe ich stets das Gefühl, mich zu wiederholen – einerseits im wörtlichen Sinne, andererseits in dem Sinne, dass ich mich wie ein Schwätzer fühle, der nur eine Story auf Lager hat und diese immer und immer wieder von sich gibt. Außerdem missfällt mir natürlich der Gedanke, dass ich hier meine Gefühle und Gedanken darbiete und kein Schwanz sich dafür interessiert. Klar, dem ist nicht wirklich so. Meine Besucherzahlen sind nicht schlecht für so ein kleines Blog und auch fast jeder Beitrag zieht anregende Kommentare nach sich. Aber kann es sein, dass Blogs doch nur was für Geeks sind? Also für Menschen, die tatsächlich online leben. Mir scheint, der normale T-Online und AOL User, der hin und wieder nach Last Minute Reisen sucht, sich auf der Tchibo Homepage umguckt und sein Web.de E-Mail Postfach checkt (ja, T-Online und AOL haben eigene, ich weiß), kommt nicht weiter rum in der Online Welt. Und möchte es auch gar nicht. Aus Zeitmangel? Aus Angst? Aus fehlendem Interesse? Keine Ahnung.
Wenn ich dann als Antwort bekomme „Ich war doch erste letzte Woche auf deiner Homepage“ und ich erwidere: „Aber seitdem sind 5 neue Artikel online gegangen“ ernte ich nur wieder verständnislose Blicke. „Was? Du schreibst so viel? Ich kann doch nicht jeden Tag....“ Blabla.
Stelle ich also eine soziologische Frage und mutmaße, das sich auch hier eine Zweiklassengesellschaft bildet? Die Menschen, die online leben und diejenigen, die sich verweigern und der Meinung sind, ich könnte all den Quatsch, den ich hier von mir gebe auch in einem persönlichen Gespräch loswerden.
Und während ich diesen Artikel schreibe habe ich die Probe aufs Exempel mit meiner alten Freundin Steffi gemacht, die gerade im ICQ unterwegs war.
Frage: Wann warst du zum letzten Mal auf meinem Blog?
Hmm, letzte Woche hab ich mal reingeschaut. Ich hab halt nur selten stille Momente. Also nicht dass du denkst, es würd mich ned interessieren.
Ah, okay, und weißt Du, dass ich auch Artikel für fudder schreibe?
Ne, fudder, was ist das?
Ich hab drüber geschrieben, was es ist.
Echt? Ich les halt immer nur, was vorne drauf steht, die aktuellen Sachen. Wenn ich mehr Zeit hätte würde ich mehr lesen.
Naja, macht ja nix. Jedenfalls bestätigst du gerade meine Theorie, über die ich einen Artikel schreibe und nachher online stelle.
Ach, und was ist das für eine Theorie?
Lies es nach. Grad sag ich, ich stell's online.
Tja, da haben wir es.
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