Raus aus dem Bush. Es ist vollbracht und wie erwartet, wurde John F. Barack Obama zum neuen amerikanischen Präsidenten gewählt. Yo. Voll cool das. Die Welt wird nun endlich wieder eine bessere werden...
Nicht wahr?
Oder?
Ja?
Raus aus dem Bush. Es ist vollbracht und wie erwartet, wurde John F. Barack Obama zum neuen amerikanischen Präsidenten gewählt. Yo. Voll cool das. Die Welt wird nun endlich wieder eine bessere werden...
Nicht wahr?
Oder?
Ja?
Nein, die Band, die den Song geschrieben hat, heißt nicht Crash. Und die CD muss so in den Player gelegt werden, dass die spiegelnde Seite nach unten zeigt. So manches ist den Senioren fremd, die sich mehrmals die Woche treffen, um ihren nächsten großen Auftritt zu proben. Sie alle gehören zum Ensemble des Young@Heart-Chors. Kaum einer der Mitglieder ist unter 80 Jahren alt. Doch das ist nicht das erstaunliche an dem Chor. Sondern die Auswahl der Songs, die sie vortragen. Eigentlich nicht ihrer Altersklasse entsprechend, studieren sie Rock- und Pop-Songs ein, Punk und Soul ist ihnen ebenfalls nicht fremd. Obwohl - eigentlich ist ihnen das alles so fremd, dass die Auftritte erfrischend anders, schräg aber doch wundervoll authentisch klingen.
Stephen Walker begleitete und filmte den äußerst erfolgreichen Chor mehrere Wochen bei den Proben. In dieser Zeit probten die Senioren für den nächsten Auftritt in ihrer Heimatstadt und die Kamera ist von Anfang an dabei, wenn Bob, der Chorleiter die neuen Songs vorstellt, die es zu lernen gilt. Im Laufe des Films lernt man einige der Sänger näher kennen. Estelle, die ehemalige Stripperin oder Joe, der jeden Text innerhalb eines Nachmittags auswendig kann. Jeder von ihnen ist ein herrliches Original. Ihnen allen gemein ist die Liebe und die Begeisterung für das Singen. Kaum einer von ihnen kann es wirklich gut, aber dafür mit umso mehr Inbrunst.
Walker begleitet den Chor, lässt seine Hauptpersonen im Interview zu Wort kommen und entlockt ihnen so manches Bonmot und wunderbare Anekdoten. Sie erzählen, wie wichtig es ihnen ist, Mitglied des Chors zu sein, welche Kraft ihnen das gibt. Sie zeigen sich teils fast jugendlich verspielt und übermütig. Sehr schnell gewinnt man als Zuschauer jeden Einzelnen lieb. Was auch gewisse Gefahren birgt.
Denn nicht nur die Leidenschaft für den Chor ist den Senioren gemein, sondern auch die unumgängliche Nähe zum Tod. So trifft es einen bis ins Mark, wenn Bob Silvani nach langem, schwerem Kampf letztlich doch verstirbt. Und man kann sich der Tränen spätestens dann nicht mehr erwehren, wenn der Chor eine Stunde nach Erhalt der Nachricht über den Tod ihres Freundes in einem Gefängnis den Häftlingen "Forever Young" von Bob Dylan vorsingt. Und die Knackis wie versteinert dreinblicken.
Die Dokumentation bietet überraschend viele solcher Momente, in denen sich die Stimmung schlagartig ändert. Teils weiß man gar nicht mehr, ob man aus Trauer weint, oder weil man so entzückt ist ,oder weil wieder etwas so unfassbar lustiges passiert ist. Ich habe es schon so oft geschrieben, dieses Zitat "der hat kein Herz" aber ich nutze es gerne wieder. Wer spätestens bei Coldplays "Fix You", das eigentlich ein Duett hätte sein sollen, nicht weint, der hat kein Herz.
Irgendwann sagt Joe, es sei der Gesang, der ihn so lange am Leben gehalten hätte. Dieses Ziel, wieder auf der Bühne zu stehen und dort das Publikum zu verzücken. Die Kamera entfernt sich dabei von ihm, während er seine sechste Bluttransfusion erhält und man bereits weiß, dass der Krebs wieder da ist. Für einen Moment bleibt alles still.
Young@Heart ist ein wunderbarer Film, nicht nur über einen Chor von Senioren. Er ist eine Ode an die Leidenschaft, ein Lobgesang auf das Älterwerden mit Freude und Lust. Ein Denkmal gegen das Aufgeben und für die Begeisterung für das Leben an sich. Am Ende sagt eine der Zuschauerin: "Ich werde mich nie wieder darüber beklagen, älter zu werden oder mich müde zu fühlen." Dem kann ich nur zustimmen. Alt werden ist nach diesem Film nur noch halb so schlimm.
Genau so sollen Kinofilme sein. Sie sollen interessante Geschichten erzählen, mit interessanten Darstellern und sie sollen einen zum lachen und zum weinen bringen. Manchmal glaube ich doch daran, dass Kino nicht verloren ist. Übrigens fand ich es sehr begrüßenswert, dass lediglich die Stimme des Erzählers synchronisiert und die Dialoge, Interviews und Gesänge im englischen (untertitelten) Original belassen wurden.
"Die Politik hat nicht über Architektur zu entscheiden." Dies sagt Dietmar Cremer auf die Frage, wer das neue Kunstprojekt Duisburgs denn bezahlen wird und ob die Stadt in die Entscheidung überhaupt eingebunden gewesen wäre. Das war sie also nicht. Und wo die 24 Millionen Euro für den Anfang 2009 beginnenden Bau herkommen sollen ... in der Zeiten der Finanzkrise, Pest und Cholera ... warten wir es ab.
Ach, vielleicht sollte ich noch erzählen, worum es hier eigentlich geht. Die Küppersmühle am Duisburger Innenhafen bekommt eins aufs Dach. Ein Museum, ein leuchtendes, architektonisch fragwürdiges Museum. Aufs Dach. Dieser liebevoll Schuhkarton genannte, weigerte sich so dermaßen, sich einzufügen oder irgendwie zu passen, dass einem glatt der Mund offen stehen bleibt. Designet wurde der Schuhkarton vom renommierten Architektenbüro Herzog und de Meuron. Die haben nicht nur die Allianz Arena in München und das Vogelnest in Peking, sondern auch das Vitra Haus in meiner Geburtsstadt Weil am Rhein gebaut. Und, jetzt haltet euch fest, auch viele Gebäude für meinen Arbeitgeber. Die Zentrale am Bahnhof SBB in Basel stammt ebenfalls aus deren Büro.

Dennoch. Dieses leuchtende Bricket auf der Küppersmühle geht gar nicht. Da kann Duisburg noch so sehr eine der Kulturhauptstädte 2010 sein. Das macht den Rest von Duisburg auch nicht schöner. He, liebe Stadtverwaltung, kümmert euch mal lieber um die Innenstädte. Seht mal lieber zu, dass der Bahnhofsbereich attraktiver wird. Versteckt mal die Autobahnen. Ersetzt diese hässlichen Konjunkturbauten. Es gibt soviel zu tun.
Aber ich hab grad eine Idee, was man mit dem Schukarton machen könnte: den hässlichen Vogel aus der Fußgängerzone darin einsperren und beides vergraben. Macht man das nicht so mit hässlichen, verendeten Vögeln und nutzlosen Schukartons?
Ich, weiß, ich schulde euch noch einen Artikel, wie es dazu kommen konnte, dass ich für 90 Sekunden im Fernsehen war. Ich habe lange selbst mit mir gerungen, wie ich diesen Artikel schreiben sollte, denn viel gab es dazu ja nicht zu sagen. Mittlerweile hat sich das geändert.
Die Frage "Komm ich jetzt ins Fernsehen?" kennt der eine oder andere vielleicht noch aus der Sat1 Wochenshow, in der Herr Görgens mit sinnlosen Erfindungen versuchte, berühmt zu werden. Er schaffte es nie. Und irgendwie doch.
Wenn man als Blogger tätig ist, denkt man erstmal nicht daran, damit berühmt zu werden (und/oder Geld damit zu verdienen). Hin und wieder schielt man vielleicht herüber zu den etwas berühmteren Bloggern, die wichtige Dinge von sich geben, die von wichtigen anderen Medien aufgegriffen werden, doch im ersten Moment ist einem das egal. Man bloggt nur, weil man der Welt etwas mitteilen möchte. Man bloggt um des bloggens Willen. Und nimmt damit (wissentlich oder auch nicht) ebenso aktiv an der Medienlandschaft teil, wie Print, Funk und Fernsehen.
Hin und wieder kann es nun passieren, dass die Wege in der Medienlandschaft sich kreuzen. Man hat einen Bericht geschrieben, für den sich die örtliche Presse interessiert? Man hat ein Foto online gestellt, das ein Verlag gerne nutzen würde? Man hat sich mit seinen Artikeln als Profi hervorgetan, der sein Wissen im Fernsehen mitteilen soll? Die Möglichkeiten sind mannigfaltig, lassen sich kaum erzwingen und nur schwer steuern. Was aber egal ist, da die große Mehrzahl der Blogger meiner Ansicht nach ohnehin nicht nur aus dem Grund bloggen, um ins Fernsehen zu kommen.
Als mich vor mittlerweile über einem Jahr unsere Lokalzeitung anschrieb und um ein Interview bat, war ich entsprechend überrascht. Und, ich gebe es zu, ich fühlte mich geehrt. War diese Anfrage doch ein kleiner Beweis für mich, in der Welt wahrgenommen zu werden. Nicht nur von Freunden, Bekannten und Menschen, die zufällig per Google einen Artikel von mir finden. (Wobei der Journalist damals natürlich auch nur per Zufall bei seiner Recherche über mein Blog stolperte) Nein, offenbar gefiel meine Meinung auch jemandem, der so etwas professionell macht, der damit sein Geld verdient und der der Meinung war, dass ich geeignet sei, meine Meinung einem etwas breiteren Publikum mitzuteilen.
Das breite Publikum war wie gesagt eine Lokalzeitung, der Artikel ist mittlerweile vergessen und verstaubt in einem Archiv. Natürlich bin ich kein Star, natürlich war es ein Einzelfall, von den mir versprochenen 15 Minuten Ruhm hatte ich vielleicht ein paar Sekunden bekommen. Ich kenne auch Blogger, für die das normal ist. Die beinahe täglich von Magazinen oder Sendungen angefragt werden. Ich bloggte einfach weiter.
Bis dann plötzlich doch das Fernsehen vor der Tür stand. Oder zumindest in meinem Postfach lag. Ein Redakteur der 3sat Sendung "neues" recherchierte für einen Beitrag, in dem Firmen-Images beleuchtet und "Glaubenskriege" aufgedeckt werden sollten. Weshalb Apple einen besseren Ruf hat als Microsoft. Und weshalb die Playstation-, Xbox- und Wii-Fans sich gegenseitig fertig machen. Da ich bereits mehr als einmal meinen Senf dazu in meinem Blog veröffentlicht hatte und dem Redakteur mein Stil wohl gefallen hatte, bat er um ein Interview.
Wow. Das Fernsehen will mich. Und dann auch noch 3sat. Nicht die Putzteufel von RTL2. Nein, 3sat, mit einer Sendung, wie sie ohnehin wie für mich gemacht worden zu sein schien. Ich fühlte mich geehrt. Schon wieder. Und sagte zu.
Schon wenige Tage später empfing ich den Redakteur bei mir zuhause. Wir unterhielten uns über das Thema, erörterten im Vorfeld, welche Fragen er mir stellen wollte und wir überlegten uns den besten Ort für das Interview. Der war schnell gefunden. Auf meinem Fernseher ließen wir Wii Tennis laufen, während ich mich etwas davor setzte. Er richtete seine Kamera ein, hielt mir irgendwann das Mikrofon vor und mein erster Satz war: "Ähh." Jegliche Eloquenz war von mir gewichen. Es war so peinlich. Und so typisch für jemanden, der noch nie vor laufender Kamera Fragen beantworten musste.
Das Interview dauert vermutlich eine gute Viertelstunde. Ich gab meine Meinung kund, weshalb es keinen sinn machte, dass Wii-Spieler und Playstation-Fans sich gegenseitig fertig machten. Ich erzählte, worin ich die Unterschiede zwischen Xbox360 und PS3 sah. Ich mutmaßte, wie Nintendo es geschafft hatte, sich ein so gutes Image zu zu legen. Dann machten wir uns noch den Spaß, ein wenig Wii Action zu filmen. Ich spielte Tennis, wie man das mit Wii Sports eben so macht. Im Großen und Ganzen waren wir eine Stunde beschäftigt.
Als ich zwei Wochen später vor dem Fernseher saß und "neues" begann, spürte ich mein Herz klopfen. War das aufregend. Ich war im Fernsehen. Letztlich nur für etwa 90 Sekunden, die so schnell vorbei gingen, dass ich im ersten Moment nur baff war und zur Liebsten an meiner Seite sagte: "Ich habe bloß gestottert."
Meine 15 Minuten Ruhm hatten ein paar Sekunden dazu gewonnen. Und dann kam RTL und klopfte an meine Tür.
Wie manche von euch vielleicht wissen, schrieb ich vor einer halben Ewigkeit auch für das Freiburger Online Magazin fudder und steuerte damals einen Artikel bei, in dem ich von meinen Erfahrungen als Lokführer berichtete. Um genau zu sein, wie ich die Nachtschicht erlebte, als ich zum ersten Mal mit meinem Zug einen Menschen überfuhr. RTL plante eine Reportage über das Thema und fragte bei fudder an, ob man mit mir in Kontakt treten könne. Dann ging alles recht schnell. Schon am nächsten Tag telefonierte ich mit dem RTL Journalisten, erzählte nochmals meine Erlebnisse, beantwortete Fragen und muss dabei eine so gute Figur gemacht haben, dass er fragte, ob ich bereit wäre, damit auch in dem Beitrag aufzutreten.
Zugegeben, Medienschlampe die ich nun mal bin (haha), sagte ich zu. Zugegeben, es war RTL und nicht arte. Zugegeben, ich bin noch nicht abgebrüht genug, um solche Anfragen auch zu hinterfragen. Im ersten Moment war das alles nur aufregend. Wie zuvor auch schon hatte die Welt von mir Notiz genommen und wollte etwas von mir hören. So fühlte es sich zumindest an. Der Journalist besprach mit mir Ideen, wie wir das Interview gestalten könnten, wo ich mich mit seinem Kamerateam treffen sollte und was es hierfür vorzubereiten gäbe. Ein Termin war schnell gefunden.
Der Ball kam ins Rollen. RTL stellte Anfragen, checkte Locations und holte sich Genehmigungen ein. Bis dahin wohl nicht wissend, wie empfindlich die Bahn auf das Thema reagiert. Natürlich möchte die Bahn nicht mit dieser Problematik in Verbindung gebracht werden, auch wenn sie täglich auf Deutschlands Schienen Realität wird. Natürlich wird das Wort Suizid oder Selbstmord niemals kommuniziert, sondern stets von Personenunfällen gesprochen. Und letztlich möchte die Bahn natürlich auch vermeiden, dass es zum sogenannten Werther Effekt kommt (also das Menschen durch die Berichterstattung erst auf die Idee gebracht werden, sich auf der Schiene das Leben zu nehmen).
Vielleicht stellt sich jetzt der eine oder andere die Frage, weshalb ich dann als ehemaliger Lokführer so offen darüber spreche. Und so gewillt gewesen wäre, dies vor laufender RTL Kamera zu tun. Nun, mir liegt viel daran, ein wenig Aufklärung zu betreiben. Den Leuten klar zu machen, wie traumatisch das für einen Lokführer und die Rettungshelfer sein kann. Ich möchte auch an die Passagiere appellieren, die ich immer wieder verständnislos meckern höre, wenn ein Zug durch einen Personenunfall große Verspätung macht. Und ich möchte auch vor Dummheit warnen, denn Personenunfälle geschehen nicht nur aus Selbstmordgedanken, sondern auch aus schierer Blödheit. Kinder, die auf den Gleisen spielen, Erwachsene, die mal eben über das Gleis rennen wollen, um den Weg abzukürzen. Mein zweiter Personenunfall war ein Mann Mitte Dreißig, der nur noch schnell seine S-Bahn erwischen wollte und über die Gleise rannte, statt die Unterführung zu nehmen. Dass ich mit meinem IC mit 140 km/h um die Ecke kam, damit hatte er nicht gerechnet und bezahlte für diese Dummheit mit seinem Leben. Auch wenn man die Selbstmordrate auf den Schienen vielleicht nicht verkleinern kann, so will ich doch wenigstens versuchen, Unfälle aus purer Blödheit zu verhindern.
Letztlich musste ich das RTL Interview aber wieder absagen. Denn nicht nur, dass die Bahn eine Berichterstattung auf ihrem Gelände untersagte, sie informierte auch meinen derzeitigen Arbeitgeber darüber, dass ich vor hätte, ein Interview zu diesem Thema zu geben.Und mit einem Male machten sich beide sehr große Sorgen, was ich sagen würde und, vielleicht noch schlimmer, was RTL aus dem Gesagten letztlich machen würde. Im Grunde, so sicherte mir mein Arbeitgeber auch zu, hätte ich natürlich die Freiheit, das Interview zu geben. Niemand könne es mir verbieten. Allerdings musste ich bereits hier schon feststellen, dass einige Details falsch kommuniziert worden waren. Von wessen Seite, möchte ich nicht beurteilen. Und auf Details möchte ich ebenfalls nicht eingehen. Letztlich wurde mir mit einem Male flau im Magen und ich fürchtete, mich, meinen Arbeitgeber und meinen ehemaligen Arbeitgeber falsch dargestellt zu bekommen. Und damit noch weitaus größere Scherereien hervor zu rufen.
So komme ich also nicht erneut ins Fernsehen. Und habe eine wichtige Lektion gelernt. Alles, was ich hier scheibe, kommt an. Die Welt nimmt mich wahr, liest, speichert und verwertet, was ich hier tue. Ich muss mir bewusst sein, dass alles, was ich hier schreibe, Konsequenzen haben kann. Kleine oder Große. Vielleicht bereite ich jemandem eine kleine Freude, vielleicht trete ich aber auch jemandem auf den Schlips und muss meinen Anwalt einschalten. All das kann passieren.
Vielleicht wird wieder einmal eine Zeitung oder ein Fernsehsender anfragen, ob ich zu diesem oder jenem etwas sagen könnte. Und ich werde mich wieder geehrt fühlen. Aber auf jeden Fall auch für mich hinterfragen, ob ich es wirklich vertreten kann. Die Medienlandschaft ist ein Minenfeld, für das ich nicht trainiert und ausgebildet wurde. Ich bin ein kleiner Schrei(b)er am Rande des Feldes, der hin und wieder hinein gelockt wird und aufpassen muss, wohin er tritt.
Wahrscheinlich geht es noch lange, bis ich meine 15 Minuten voll habe.
Jeder, der aus der Kirche ausgetreten ist, hatte sein Gründe. Mag sein, dass er vom Glauben abgefallen war, oder seinen Glauben geändert hatte. Mag auch sein, dass er der Institution Kirche einfach keinen Glauben mehr schenkte. Bei den meisten dürfte das Argument "Geld sparen" maßgeblich gewesen sein. Bisher hatte ich selbst nie daran gedacht, aus der Kirche auszutreten. Ich wurde getauft, später konfirmiert und seit ich denken kann, zieht mir der Staat im Namen der Kirche Geld von meinem Lohn ab. Ich hatte das nie hinterfragt. Es war einfach so. Ähnlich wie beim Solidaritätszuschlag musste ich es hinnehmen und tat das auch.
Bis vor kurzem, als mein Steuerbescheid ins Haus flatterte. Bislang bekam ich immer Geld vom Staat zurück. Zwar jedes Jahr weniger, aber immerhin. Nur diesmal verlangte man von mir eine Nachzahlung. In Höhe von Fünf Euro. Skandal. Als ich den Steuerbescheid endlich verstanden hatte, wurde mir klar, dass diese fünf Euro bei der Kirchensteuer fehlten. Also bei der Steuer, die ich nie angefasst hatte, die mir automatisch abgezogen wurde, über die ich bisher noch nie nachdachte.
Nun dachte ich darüber nach. Und mein erster Gedanke war: So oft habe ich Gott um Hilfe gebeten und nie eine Antwort bekommen. Und für diesen miesen Service soll ich jetzt auch noch nachzahlen? Ich kündige mein Abo. Zugegeben, das war nicht ganz so ernst gemeint. Dennoch blieb mit einem Male die Frage im Raum, weshalb ich Kirchensteuer zahlte.
Weil ich Angst hätte, niemals kirchlich heiraten zu können. Weil ich Angst hätte, nicht begraben werden zu können, wenn ich sterbe. Weil ich Angst hätte, meiner Familie gestehen zu müssen, dass ich ausgetreten war. Weil ich Angst hätte, mir vorwerfen lassen zu müssen, nur aus niederen Gründen (Geld) ausgetreten zu sein. Weil ich Angst hätte, dass die Weltordnung zusammen bräche. Weil ich Angst hätte, in die Hölle zu kommen.
Nun gut, ich recherchierte. Und fand heraus, dass ich sehr wohl kirchlich heiraten könnte (wenn die Braut noch in der Kirche ist und der Pfarrer mitspielt) aber letzten Endes nicht wirklich muss. Dass ich sehr wohl begraben werden kann. Oder zumindest eingeäschert. Dass meine Familie vermutlich nicht so konservativ ist. Dass ich natürlich des Geldes wegen austreten würde (dazu gleich mehr). Dass die Welt auch ohne mich in der Kirche weiter drehen würde (und die Welt ohne Kirchen und Glaubenskriegen vermutlich eine bessere wäre - aber diese Diskussion würde den Rahmen hier sprengen). Und schließlich beschloss ich, dafür nicht in die Hölle zu kommen.
Der Entschluss, aus der Kirche auszutreten, hat letztlich nichts damit zu tun, meinen Glauben zu ändern. Man kann meinen Glauben nicht mit mit Zahlen vor einem Euro Zeichen festmachen und sagen: je kleiner die Zahl, umso weniger glaubst du. Letztlich ist es dem/der/denen da oben doch egal, wie viel wie hier unten ausgeben, um so zu tun, als glaubten wir an sie. Entweder wir glauben, oder eben nicht. Das geht den Staat, der das Geld für die Kirchen einreibt, letztlich gar nichts an. Und für mich persönlich würde der Austritt aus der Kirche auch nichts an meinem Glauben an eine höhere Institution, an Gott oder die Dämlichkeit der Menschen ändern.
Auch das Argument, die Kirche mit meinen eingestellten Zahlungen nicht mehr bei karitativen Hilfen zu unterstützen, zählt kaum, wenn ich den recherchierten Statistiken Glauben schenken darf (ha, an irgendwas muss man glauben, oder?). So las ich mehrmals davon, dass knapp 90% der Steuereinnahmen nur für Verwaltung, Personalkosten und Instandhaltung ausgegeben werden und lediglich 10% für Karitatives und Gutes eingesetzt wird. Das ist verdammt wenig. Und verdammt traurig.
Da beruhige ich mein vielleicht vorhandenes schlechtes Gewissen doch besser einmal im Jahr mit einer Spende an eine Institution, die mir am Herzen liegt und von der ich weiß, dass das Geld auch ankommt. Diese könnte alles beinhalten, von Walschützern, über Hilfe für querschnittsgelähmte Kinder oder Flutopfer, bis hin zu Aufbauhilfe in Afrika.
Letztlich würde ich mir vorstellen, dass Gott dabei ein friedliches Lächeln aufsetzt und sich mit mir freut. Natürlich hätte auch ich dazu beigetragen, dass der örtliche Pfarrer im Winter die Heizung in der Kirche nicht mehr einschalten könnte. Oder keine Programme mehr anbieten könnte, um Straßenkindern zu helfen. Das wäre natürlich traurig. Ich wäre aber zu einer Spende bereit. Zu einer Spende, die direkt an den Pfarrer geht und direkt die Heizung anwirft oder den Raum bezahlt, in dem die Straßenkinder sofort bezahlten Kuchen bekommen. Ohne dass zuvor schon ein Dutzend Hände in meinen Steuerbeutel gelangt haben.
Austreten ist gar nicht so schwer. Und ich bin sicher, dafür NICHT in die Hölle zu kommen. (Oder?)
Die ganzen letzten Wochen wollte ich etwas über das iPhone schreiben. Mein derzeit liebstes Must-Have-Gadget. Ständig kam mir etwas dazwischen. Ständig passierte etwas auf dem Markt. Und doch blieb meine Meinung dazu immer gleich.
Erst meckerten die Leute (also alle, die das iPhone nicht schon von Anfang an liebten), weil die Tarife bei T-Mobile so teuer sind. Dann meckerte Vodafone und zwang T-Mobile, das iPhone auch ohne SIM-Lock anzubieten. Dann meckerten die Leute (also alle, die das iPhone nicht schon von Anfang an liebten) über den nun noch höheren Preis. Zwischendurch meckerten die Leute (also alle, die das iPhone nicht schon von Anfang an liebten) darüber, das iPhone sei minderwertig und hätte gar nicht so viele Funktionen wie andere Handys. Dann wurde bekannt, dass man in Frankreich entsperrte iPhones würde kaufen können. Allerdings ohne Garantie, ob diese mit deutschen SIM-Karten überhaupt funktionieren. Dann meckerten die Leute (also alle, ach ihr wisst schon...) wieder über den französischen Preis. Dann kam plötzlich Debitel mit einem Angebot, ein T-Mobile iPhone für 999 Euro zu kaufen und dafür bei Abschluß eines Vertrages 600 Euro erstattet zu bekommen. Dann gab es Gerüchte, schon im nächsten Jahr würde die zweite iPhone Generation erscheinen, vielleicht sogar schon im Frühjahr in der Schweiz. Dann passte T-Mobile seine Tarife etwas an. Dann gewann T-Mobile in erster Instanz den Rechtsstreit mit Vodafone und kann das iPhone wie früher exklusiv anbieten.
Und soll ich euch was sagen? Zum Glück. Denn derzeit schafft es kein Anbieter in Deutschland einen ähnlichen Tarif überhaupt anbieten zu können, um das iPhone wirklich nutzen und (ganz wichtig) genießen zu können. 399 Euro für das Gerät? Da habe ich mir schon teuere Sachen gewünscht. 50 Euro im Monat? Nun, das wäre zwar das doppelte meines momentanen Tarifs, aber dafür auch viermal soviel Spaß, wie ich im Moment mit meinem Handy habe. Das iPhone kann nicht so viel, wie andere Handys? Das mag stimmen, allerdings nutze ich die Funktionen anderer Handys zu 95% deshalb nicht, weil sie unsinnig sind oder keinen Spaß machen. Womit das iPhone für mich weit mehr kann, als alle andere: es begeistert mich.
Werde ich mir demnächst ein iPhone holen? Leider nein. Derzeit stecke ich noch in meinem O2 Vertrag. Außerdem werde ich wirklich erstmal abwarten, was das nächste Jahr bringt in Sachen zweiter Generation und Tarifanpassung seitens T-Mobile. Aber nächstes Weihnachten... nun, wer weiß...
(Hinweis - dies ist kein Technik Artikel, sondern beinhaltet nur wenige Web-Begriffe)
Derzeit habe ich bei Trigami doch tatsächlich zwei Angebote am Start, die mich nun wirklich interessieren würden. Den Dienst eines der der Angebote teste ich gerade mit großer Freude und würde wirklich gerne etwas darüber schreiben. Da steckt meiner Ansicht nach großes Potential darin. Allerdings gibt es auch so einiges, was man meiner Meinung nach verbessern könnte. Eigentlich stünde einem differenzierten, ehrlichen Artikel nichts im Weg. Wie ich immer wieder betont habe, würde sich am Ton und der Art, wie ich den Artikel schreibe, nichts ändern, bloß, weil ich dafür einen kleinen Obolus bekomme.
Nun lese ich drüben bei Robert, dass Google wohl in der Tat gegen Blogs vorgeht, die bezahlte Links (ergo auch bezahlte Postings) veröffentlichen. Robert nennt Trigami hier als Beispiel und erklärt auch, dass Trigami empfehle, für solche Artikel einfach ein 'nofollow' zu nutzen, um von Google nicht bestraft zu werden. Dies allerdings wird nun gar nicht gern gesehen. Schließlich entspricht 'nofollow' nicht gerade dem, was das Netz ausmacht - nämlich die nachvollziehbare Vernetzung.
Mein Pagerank ist übrigens schon seit langem bei 3. Ich war bis vor einem halben Jahr auf 4, doch erst seit sich meine Leserzahlen verdoppelt und die damit verbundene Aufmerksamkeit für mein Blog mächtig gesteigert hat, rutschte ich einen Rang nach unten. Eigenartig das. Letztlich muss ich mich als B/C-Blogger ohnehin fragen, wie relevant der Google Pagerank für mich ist.
So stehe ich nun also erneut vor der Frage, ob ich denn gefahrlos einen Trigami Artikel schreiben kann, ohne alles, was ich mir bisher aufgebaut habe, zu verlieren.
Einen anderen Weg geht Raphael Nalezinski, der mich neulich direkt per Mail anschrieb und fragte, ob ich nicht einen kleinen wohlwollenden Artikel über seine Seite Vokabel-Poster.de schreiben könnte. Dort nämlich kann der geneigte Leser ein Poster bestellen, auf dem eine ganze Reihe Vokabeln und deren Übersetzung stehen. Geordnet nach Themenbereichen. Die Idee dahinter ist, dass man die Vokabeln dadurch mit der Zeit automatisch verinnerlicht, wenn man immer wieder an dem Poster vorbei läuft und einen Blick darauf wirft, oder beim Warten, bis der Tee fertig gezogen ist, etwas auf dem Poster liest.
Die Idee gefällt mir sogar, auch wenn ich zugeben muss, insbesondere beim englischen Poster nur einen Grundwortschatz behandelt zu sehen, den ich bereits kann. So wäre das französische Poster für mich beinahe interessanter. Und mehr gibt es leider noch nicht. Dabei würde ich doch so gerne spanisch lernen (Wink mit dem Zaunpfahl).
Nun habe ich zwar keinen speziellen Artikel darüber geschrieben, doch vielleicht, mein lieber Herr Nalezinski, sind Sie schon mit dieser Erwähnung hier zufrieden. Bleiben Sie am Ball, bringen Sie mehr Sprachen und vielleicht auch verschiedene Stufen, für Menschen, die etwas mehr als nur einen Grundwortschatz lernen wollen. (Haben Sie schon einmal daran gedacht, das Angebot auf Durschvorhänge auszuweiten?) Dann würde ich mir vielleicht so ein Poster tatsächlich kaufen. Oder mir von Ihnen schicken lassen.
Denn ein kostenloses Exemplar war das Angebot für einen Artikel und sofort stellt sich mir wieder die Frage, inwiefern eine derartige 'Bezahlung' verwerflicher ist als schnödes Geld. Das Thema bleibt schwierig. Vielleicht werde ich demnächst doch einmal testweise für Trigami schreiben müssen um endlich Klarheit zu bekommen.
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