Monat: Oktober 2006

  • Fehlkauf

    Es ist ein im wahrsten Sinne des Wortes unbezahlbares Talent. Ich neige, gerade in letzter Zeit verstärkt dazu, mir zu viele Fehlkäufe zu leisten. Von der Brotbackmaschine bis zur Multifunktionsfernbedienung. Von der PSP bis zum achten Kissen. Von der unbequemen Toilettenbrille bis zum neuen Chefsessel, meiner neuesten Errungenschaft. Als ich ihn im Ikea ausprobiert hatte, fühlte er sich gut an, sah gut aus und kostete nicht allzu viel. Die fünf Minuten, die ich in ihm verbringen durfte, waren bequem und kuschelig und versprachen mir einen ganzen Tag unbeschwerter Arbeit am Schreibtisch (und das obwohl das Sitzmöbel nur als Halbtagstuhl deklariert war).

    Zuhause schließlich musste ich feststellen, dass mein Schreibtisch für diesen Stuhl zu hoch war und die Rückenlehne zu weit entfernt. Das bedeutet, um die Tastatur und die Maus bequem zu erreichen, musste ich ihn so hoch einstellen, dass meine Füße im Freien baumelten. Stellte ich ihn weiter runter, konnte ich mich nicht mehr anlehnen, womit ich im Grunde auch nur einen Hocker mit Kissen hätte kaufen können. Nach etwa dreißig Minuten tat mir der Rücken weh.

    Ikea ist im Allgemeinen recht kulant, doch ein Anruf bei der Hotline brachte mir nicht mehr als die übliche Aussage, dass jedes Produkt mit Rechnung und in Originalverpackung zurück gegeben werden kann. Diesen Stuhl wieder so auseinander zu bauen, dass man lügen könnte ihn jemals ausgepackt zu haben ist leider ein Ding der Unmöglichkeit. Womit ich wohl auf ihm sitzen bleiben werde (Haha).

    Die Angst vor weiteren Fehlkäufen treiben mich auch regelmäßig von einem Teufelskreis in den nächsten. Jeder weitere Einkauf wird noch genauer analysiert, durchdacht und durch gerechnet. Jedesmal lese ich noch mehr Testurteile, Meinungen und Beschreibungen durch, auf der Suche nach genau dem richtigen Produkt. Nur um am Ende doch wieder festzustellen, dass es das Falsche war, was mich beim nächsten Mal noch genauer recherchieren und überlegen lässt. Schrecklich.

    Spontankäufe gibt es fast keine mehr. Doch ich arbeite daran. Als ich mir den Nintendo DS holte, musste ich nur 15 Minuten überlegen, bis ich ihn endlich mitnahm. Und… naja, mehr Spontankäufe gab es bisher nicht, aber wie gesagt, ich arbeite ja auch noch daran.

    Auf meinen neuen Stuhl liegt nun ein (vor ewigen Zeiten fehlgekauftes) Keilkissen. So hebt sich wie in der Mathematik ein Negativ mit einem anderen Negativ auf. Jetzt geht es nämlich fast eine Stunde, bis ich Rückenschmerzen bekomme.

  • Curiosity killed the cat

    Katzen sind von Natur aus eingebildet faul neugierig. So auch die süße kleine Muschi Katze meiner Nachbarin. Und ihre Zwillingsschwester (also die von der Katze). Seit neustem haben die beiden herausgefunden, wie man von Terrasse zu Terrasse klettern und meinen Balkon erreichen kann. Dort saß die eine heute morgen und miaute um Einlass, während die Schwester Schmiere stand. Süüüß. Ich ließ sie natürlich herein und sie begann sofort jeden Winkel meiner Wohnung zu inspizieren und Wollmäuse unter dem Sofa zu fressen. Braaav. Am liebsten hätte ich sie hier behalten. Aber dann zeigen mich die Nachbarn vielleicht noch wegen ‚Catnapping‘ an.

  • Samstag, der Vierzehnte

    Heute ist der berühmt-berüchtigte Samstag der 14. Und um es noch schlimmer zu machen, die Quersumme des heutigen Datums (14.10.2006) ist ebenfalls 14. Herrje. Ich hoffe, ihr habt diesen Tag gut hinter euch gebracht, ohne Unfälle oder Katastrophen. Und übrigens, gestern, am Freitag den 13. war die Quersumme eine 13. Aber wer interessiert sich schon dafür?

  • Der optimale Freundeskreis

    Ehrlich gesagt, ich habe einen etwas eigenartigen Freundeskreis. Zwei meiner besten Freunde stehen unter dem Pantoffel ihrer Lebensabschnittspartnerinnen und sind dadurch für mich oft unerreichbar (der eine mehr, der andere weniger). Der nächste zog vor langem in den Schwarzwald, wo er alleine friert und immer wieder feststellt, wie weit Freiburg doch weg ist. Ein weiterer verließ das Land schon vor langer Zeit gen München und wir hören uns mittlerweile nur noch an Geburtstagen und Weihnachten. Die nächsten beiden sind vor einem halben Jahr Eltern geworden und es ist verständlich wie sehr so ein Baby die Unternehmungsmöglichkeiten und die Spontaneität einschränkt. Die restlichen sind beruflich so angespannt, so sehr mit ihrem eigenen Leben beschäftigt oder ebenfalls im Begriff, sich eine neue Existenz aufzubauen, dass auch diese Kontakte eher im Ruhezustand sind. Trotz allem liebe ich aber alle so sehr wie man Freunde eben lieben kann ohne sexuell oder romantisch zu werden.

    Es wäre dennoch an der Zeit, neue Freunde zu finden. Das ist leichter gesagt als getan. In meinem Alter haben ja schon alle ihren festen Freundeskreis und/oder eine eigene Familie. Da ist es schwer, hinein zu kommen. Außerdem möchte man ja nicht nur geduldet werden.

    Mir fiel vor kurzem wieder ein, wie ich mir früher den optimalen Freundeskreis vorstellte. Ich meine abgesehen von vorhandenem Vertrauen, ähnlichen Interessen und Humor und grenzenlosem Verständnis und nun ja, eben Freundschaft. Ich dachte mir, optimal sei es, wenn man immer einen Freund zur Hand hätte, der einem bei irgendetwas helfen könnte.

    So ist es immer praktisch, eine Friseuse im Freundeskreis zu haben (man kommt an einen günstigen Haarschnitt). Ein Automechaniker erleichtert einem so manches, ebenso wie ein Elektriker, ein Schlosser und ein Maler. Einen Anwalt kann man immer um Rat fragen. Ein Arzt beschafft einem günstig Medikamente und man kann ihm jeden verdächtigen Fleck auf der Haut zeigen (Krankenschwestern gehen auch, aber die sind nicht ganz so hilfreich wie ich schon feststellen musste). Jemand, der sich perfekt mit Technik und Computern auskennt ist sehr praktisch (mittlerweile könnte ich diese Rolle selbst übernehmen). Einen Bar-Besitzer sollte man um sich haben. Wahlweise auch Café oder gleich ein Restaurant. Jemand, der in einer Videothek arbeitet. Und in einer Pizzeria. Jemand, der eine Go-Kart Bahn und/oder ein Billardzentrum besitzt. Einen, der im Thermalbad an der Kasse arbeitet und einen, der im Kino die Eintrittskarten ausgibt. Einen Freund bei McDonalds, damit man nachts nach dem Kneipenbesuch noch bei ihm vorbei schauen kann.

    Nun, mir könnten da noch viel mehr Möglichkeiten einfallen. Und all die Vorschläge gelten für Männer wie Frauen gleichermaßen. Wer möchte zu diesem Freundeskreis gehören? Wer hat einen von den oben genannten Vorzügen aufzuweisen und ist dazu noch nett, witzig und vertrauenswürdig?

    Ich selbst bin einigermaßen vorzeigbar, man kann stundenlang mit mir philosophische Gespräche führen, ich bin lustig, gebildet, aber nicht eingebildet. Ich bin hin und wieder etwas faul, aber stets für meine Freunde da. Ich liebe Kinobesuche, DVD-Abende und Pizza-Essen-Gehen. Also alles in allem bin ich ganz schön dufte.

    Wer mich zum Freund haben und mit mir den perfekten Freundeskreis aufbauen möchte, schreibe mir einfach eine Mail.

  • Und zwar

    Und zwar kam ein junges hübsches Ding auf mich zu und fragte: „Und zwar würde ich gerne wissen, wo ich denn ein Semsterticket bekomme.“ Ich antwortete, sie solle am Schalter fragen, wunderte mich aber doch über diese Fragestellung. Sie sagte weder „Hallo“, noch „Guten Morgen“, noch etwas wie „Entschuldigen Sie…“. Ihr Satz begann einfach mit „Und zwar“. Ich persönlich bin ja der Meinung, dass man alleinstehende Sätze und schon gar nicht Dialoge mit „Und zwar“ beginnen sollte. Oder beenden.

    Vermutlich wollte sie folgendes sagen: „Guten Morgen. Es tut mir schrecklich leid, Sie zu stören, denn obwohl Sie sehr gut aussehen, habe ich den Eindruck, dass Sie noch nicht so ganz fit sind und sicherlich Ihre Ruhe möchten. Allerdings strahlen Sie eine solche Kompetenz aus, dass ich Ihnen eine Frage stellen muss, die mir den Schlaf raubt und die mir niemand sonst beantworten kann, und zwar…“

    Keine Ahnung, warum sie das Gespräch nicht so begonnen hat. Was ich aber weiß, ist, was ich von Gesprächen, die nicht so beginnen halte, und zwar.

  • Muh

    „Jedenfalls mache ich mit meinen Kindern mal Urlaub auf dem Bauernhof. Dann sehen die auch mal was anderes. Können Eier einsammeln, mit den Eseln und Enten spielen und anscheinend darf man auch zuschauen, wenn eine Kuh kalbt.“
    „Ja, das stelle ich mir entzückend für kleine Kinder vor, wenn sie sehen, wie aus einer großen, schreienden Kuh hinten eine kleine schleimige Kuh raus kommt.“
    „Idiot.“
    „Muh.“

  • Das Drama von nebenan

    Wie ihr wisst, wurde ich vor kurzem beschuldigt, meine Freundin verprügelt zu haben. Man drohte mir mit der Polizei und es war wie immer in solchen Situationen schwer, für Aufklärung zu sorgen. Gestern Abend nun nahm die Geschichte weit größere Ausmaße an. Die damalige Freundin und ich saßen gemütlich auf der Couch, als wir draußen eine Frauenstimme schreien hörten. Wir stürmten sofort auf den Balkon und sahen auf der Terrasse unter uns die Nachbarin, kämpfend, um Hilfe rufend, weinend. Sie versuchte sich mit Leibeskräften aus dem Schwitzkasten ihres Mitbewohners/Freundes/Lebensgefährten (?) zu befreien. Eben jenem Kerl, der mir damals die Polizei auf den Hals hetzen wollte. Nun war es an mir, zu handeln.

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  • Ein Tag mit gutem Verkehr

    An diesem Wochenende habe ich frei und ich werde mir die Zeit nehmen, einen Tag lang einfach nur in meinem Auto herum zu fahren. Und zwar so, wie ich es tagtäglich auf Deutschlands Straßen erleben muss. Auf der Hutablage meines Wagens wird ein Hut liegen, weil er dahin gehört. Und ich werde es nicht eilig haben, werde mich nicht provozieren lassen und werde die Ruhe selbst sein.

    Am wichtigsten ist es, auf allen Straßen 70 Stundenkilometer nicht zu überschreiten. Besser ich fahre noch etwas langsamer. Dass die Straße vor mir frei ist und hinter mir etwa 20 Wagen her fahren (inklusive LKW) wundert mich nicht. Ich beachte es gar nicht, sondern freue mich über meine Freiheit. An Ortsschildern werde ich zweierlei tun. Wenn mir das Dorf gefällt, bremse ich am Ortseingang scharf auf 30 km/h ab und halte diese Geschwindigkeit bis etwa einen Kilometer hinter den Ortsausgang. Oder ich bleibe einfach bei meinen 70 Stundenkilometern, wenn ich das Dorf nicht mag. Ansonsten sind 30 Stundenkilometer Innerorts das maximale, das ich mir zutraue.

    An Ampeln halte ich so, dass etwa zwei Wagenlängen Platz zu meinem Vordermann bleiben. Dann ruckle ich im Standgas langsam vorwärts, so dass die hinter mir stehenden Fahrzeuge gezwungen sind, ebenfalls langsam vor zu watscheln (oder eine peinliche Lücke in der Schlange zu lassen). Wenn die Ampel auf grün springt, gebe ich Gas, rolle aber so lange im ersten Gang, bis ich fast zum Stillstand komme, bevor ich in den zweiten Gang schalte und wieder eine Zeit lang warte, bis ich weiter beschleunige. Meist habe ich die 50 km/h erreicht, wenn die Ortschaft zu Ende ist (oder die nächste bereits anfängt).

    Kreisverkehre sind ganz besondere Gebilde, die einer besonderen Sorgfalt und Aufmerksamkeit bedürfen. Wenn ich einen Kreisverkehr erreiche, so blinke ich zunächst mal rechts, bleibe aber abrupt stehen und vergewissere mich, dass von keiner Seite auch nur irgendein Fahrzeug in den Kreisel fährt. Erst wenn ich mir dessen absolut sicher bin, schleiche ich hinein in den Kreisel, blinke sofort links, nehme den Bogen extra weit, halte weiter Ausschau, blinke wieder rechts und verpasse vor lauter Gucken und Blinkerwechseln meine Ausfahrt, so dass ich noch zwei bis drei Runden drehen muss. Fährt ein anderes Auto in den Kreisel bleibe ich vor Schreck stehen.

    Wenn unterwegs Traktoren oder Fahrradfahrer oder Motorroller die Fahrbahn versperren, bleibe ich hinter ihnen. Niemals würde ich es wagen zu überholen, selbst wenn die Gegenspur (die ja nur leidlich ausreichen würde) völlig frei ist. Fährt das, ich sage mal, Hindernis auf die rechte Seite um mich endlich vorbei zu lassen, so blinke ich erst, mache zwei bis drei Schulterblicke und fahre im Schritttempo an der Gefahrenstelle vorbei. Dann „beschleunige“ ich, wie oben beschrieben.

    Natürlich fahre ich Vorausschauend. Biegt weit vor mir ein Auto auf meine Fahrbahn ein, bremse ich sofort stark ab. Nicht dass der Vordermann den Eindruck gewinnt, ich würde dicht auffahren oder gar drängeln. Nichts liegt mir ferner. Meist lasse ich ohnehin einen so großen Abstand zum Vordermann, dass der mich nicht mal im Rückspiegel sehen kann.

    Hin und wieder werde ich gewiss auf die Autobahn müssen. Ich muss wohl kaum erwähnen, dass 100 km/h hier für mich die Höchstgrenze ist. Und die linke Spur gehört selbstverständlich mir.

    Der Beschleunigungsstreifen muss sofort verlassen werden, selbst wenn ich noch nicht mal 50 Stundenkilometer schnell bin. Ähnlich verhält es sich bei der Ausfahrt. Hier sollte schon auf der Autobahn so extrem und abrupt abgebremst werden, dass man die Spur keinesfalls verpassen kann.

    Natürlich ist mir klar, dass ich mir mit diesem Verhalten den Zorn so manchen Rasers aufhalse. Aber das kümmert mich nicht. Ich habe schließlich Zeit, muss keinen Termin einhalten, muss nicht zur Arbeit, habe keine schwangere Frau auf dem Rücksitz oder einen Koffer voller guter Ausreden, weshalb rasen erlaubt sein müsste.

    Schließlich tue ich etwas für die Umwelt und die Verkehrssicherheit, wenn ich die anderen Autofahrer dazu erziehe, gefälligst langsamer als erlaubt zu sein. Ich hoffe wirklich, dass mein Beispiel weiter Schule machen wird, sich mehr diesem Grundsatz anschließen und plädiere hiermit für maximale 30 Stundenkilometern auf allen Straßen.