Monat: Januar 2007

  • Station Voice

    Eine Station Voice ist die markante Stimme, die einem TV- oder Radiosender Profil gibt, ihn wieder erkennbar macht und für alle möglichen Einsatzmöglichkeiten genutzt wird. So hört man sie in Trailern, bei Ankündigungen, in der Werbung, bei kleinen Einspielern. Die Station Voice ist meist exklusiv, einprägsam und gehört somit zur Corporate Identity des Senders. Im Radio ist sie natürlich etwas wichtiger als im Fernsehen, da es hier darauf ankommt, dem Hörer sehr schnell zu vermitteln, auf welchem Sender er sich gerade verbindet.

    Ok, wollen wir mal nicht darüber sprechen, wie viel dummes Geschwätz im deutschen Radio zu hören ist. Wollen wir auch nicht darüber sprechen, welch beknackte und leicht zu verwechselnde Slogans die Sender uns immer wieder um die Ohren hauen und  uns versprechen, nur SIE spielten die besten Hits und die tollsten Oldies ohne Pause. Lasst uns auch nicht wieder lamentieren, dass auf allen Sendern ständig die gleiche Musik in Rotation läuft. Ich möchte stattdessen einen kleinen Aufruf an Antenne Südbaden starten. Bitte sucht euch endlich eine neue Station Voice!

    Ich höre Antenne Südbaden (früher FR1) zugegebenermaßen nur selten. Meist dann, wenn in allen anderen Sendern nur Schrott kommt. Und jedesmal, wenn ich umschalte, höre ich diese Stimme. Diese gewollt tiefe, knurrige, machoeske Stimme, die mir sofort erzählt, dass die Musik vom höchsten Berg des Schwarzwalds kommt. Und dass es nur hier die längste Musikstrecke Südbadens gibt. Und das die Uhrzeit von irgendeinem Autohaus in Emmendingen präsentiert wurde (inklusiver aller Sonderangebote). Das schlimmste ist aber immer der Spruch: „Südbaden, Südbaden.“ Hallo? Hallo? Soll das ein Slogan sein? Soll uns das irgendwas sagen? Irgendwas sagen?

    Und warum wird diese Stimme immer so stümperhaft zusammen geschnitten? Soll das der Stil sein? Soll das Dynamik und Esprit vermitteln? Und bitte, warum überhaupt diese Stimme, dieses gekünstelte Timbre, dieses Brummeln? Denkt ihr, liebe Radiomacher, die weiblichen Zuhörer werden dabei rollig? Schafft endlich diese Station Voice ab und hört endlich auf, sie nach jedem zweiten Songs abzuspielen.

    Es gibt viele Menschen, die Freiburg als Provinz bezeichnen. Mir als Freiburg Fan tut das immer ein wenig weh, wenn ich auch zugeben muss, dass Freiburg natürlich ein großes Dorf ist und nicht mit Metropolen mithalten kann. Und es auch gar nicht will. Aber muss der Provinz Status dadurch unterstrichen werden, dass der Haussender kein vernünftiges Radio machen kann? (Ich spreche nicht von der Musikauswahl) Sich durch dämliche Slogans und Promotion Sprüche lächerlich macht? Und das alles mit einer Stimme, die Coolness vermitteln soll und nur beweist, wie schlecht es um die Radiokultur in Freiburg bestellt ist?

    In einer Metropole wie Berlin oder München fallen billige kleine Privatsender nicht so auf. Aber in Freiburg ist die Auswahl nicht besonders groß, da sollte der Sender, der Freiburg am meisten repräsentiert doch ein wenig mehr auf der Pfanne haben und etwas Professionalität ausstrahlen (wenn wir schon dabei sind: ersetzt endlich mal diesen unsäglichen Kino-Werbespot, der viel zu leise, viel zu scheußlich und viel zu lächerlich ist).

    Ich bin kein Profi und verstehe natürlich auch nichts vom Radiomachen (leider), aber ich bin ein besorgter Hörer, also die Zielgruppe. Und die Zielgruppe sagt euch: Wenn ihr schon gezwungen seid, immer wieder die gleiche Hit Rotation abzuspielen, so solltet ihr wenigstens an eurer Reputation und eurem Image etwas arbeiten. Vielleicht schalte ich dann auch etwas öfter und freiwillig wieder zu euch. Ich bin für besseres Radio in Südbaden, Südbaden.

  • Das Ende der Amiga Zeit

    Vor kurzem schrieb mich ein Unbekannter in ICQ an und fragte, ob ich Interesse an seinen Amigas mitsamt Zubehör (Hardware, Spiele, Joysticks, Mäuse, Speichererweiterungen, Festplatten etc.) hätte. Er surfte durchs Netz auf der Suche nach Nostalgikern und Fans der alten Rechner und fand dabei mein Blog, in dem ich hin und wieder über den Amiga schrieb. Er wollte mir alles überlassen, wenn ich es selbst in Darmstadt abholen würde. Also machten wir uns einen schönen Tag, holten die Kisten ab und besuchten Heidelberg, da es direkt auf dem Weg lag.

    Wieder zuhause, inspizierte ich den Inhalt der Kisten. Vorhanden war ein Amiga 2000 und ein 500er. Im Grunde interessierte mich an dem 2000er nur der Festplattencontroller, da ich auf die Festplatte meines 2000ers nicht mehr zugreifen konnte.Dort lagen alle meine Texte, alle Bilder und überhaupt alles, was ich in meinen Jugendjahren mit dem Rechner machte. Backups hatte ich natürlich keine. Leider, denn es stellte sich schnell heraus, dass meine Daten auf ewig verloren waren. Auch der ausgeschlachtete 2000er von Dirk war nicht mehr zu gebrauchen.

    Der 500er sprang gar nicht erst an. Was nicht defekt war, war schmutzig, alt und von Nikotin vergilbt und verklebt. Bald erkannte ich, dass die vermeintliche Goldgrube nicht so ergiebig war, wie erhofft. Faszinierend waren lediglich die drei Boxen mit Original-Software und Original-Anleitung. Ja, ich seufzte hin und wieder und schwelgte in Erinnerungen. Manche Disk schob ich ins Laufwerk und stellte dabei folgendes fest:

    • früher hatte man offenbar mehr Zeit und Geduld. Denn es dauerte eine Ewigkeit, bis die Programme und Spiele geladen waren.
    • die grafischen Qualitäten sehen in meiner Erinnerung einfach besser aus. Kennt ihr das, wenn ihr etwas Großartiges aus eurer Kindheit in Erinnerung habt und es nun im Erwachsenen-Alter wieder seht, dass ihr dann eher enttäuscht seid? Kennt ihr diese romantische Verklärung, die unsere Vergangenheit weitaus strahlender erscheinen lässt, als sie es vermutlich war?

    Da die meisten Sachen von Dirk nicht zu benutzen waren und ich auch die Hoffnung begraben musste, meine Festplatte wieder zum Laufen zu bringen, habe ich nun einen großen Stapel Schrott auf meinem Balkon stehen. Schrott, den es zu entsorgen gilt. 

    Ich möchte mich nicht beklagen, zumindest nicht über Dirks Geschenk. Was mich eher traurig macht, ist die Tatsache, dass ich meine alte Freundin wohl doch hinter mir gelassen habe. Keine Ahnung, warum ich dennoch so an ihr hänge. Ist es tatsächlich der Computer und seine wunderbare Technik? Oder ist es nur die schöne Erinnerung daran? Die Erinnerung an bessere Tage? Als „die Welt noch in Ordnung war“?

    Vielleicht gibt es auch in eurem Leben etwas, woran ihr euch gern zurück erinnert. Euer erstes Auto, mit dem ihr so viel erlebt habt? Eure damaligen Lieblings-Comics oder Lieblings-TV-Serien. Und vielleicht stellt ihr heute ebenfalls fest, dass sie euch nicht mehr so verzaubern können, wie sie es damals taten. Vielleicht versteht ihr, warum ich mich fühle, als würde ich den Amiga zu Grabe tragen.

    Es ist einfach nicht mehr meine Welt. Ich habe meinen eigenen Amiga 2000er ebenfalls zu dem Schrotthaufen gelegt. In meiner Kiste liegen jetzt noch ein Amiga 500, viele Disketten, ein Monitor und ein Joystick. Der alten Zeiten wegen. Der Karton wird wieder zugeklebt und im Keller verstaut. Vielleicht bekomme ich irgendwann erneut einen Flashback, denke daran, den Karton zu öffnen und einen Abend lang in Erinnerungen zu schwelgen.

    Aber wohl eher werde ich meinem Emulator bemühen, mir zu zeigen, wie wunderbar die Zeit damals mit meiner Freundin war. Und wie lange diese Zeit schon hinter mir liegt.

  • Ich stehe zum Sitzpinkeln

    Ich bin überzeugter Sitzpinkler. Und dazu stehe ich! (Haha, was für ein Wortspiel) Ich gebe nichts auf Aussagen, im Sitzen zu pinkeln sei unmännlich. Denn ich denke, dass jeder Mann, der irgendwann einmal seine Toilette selbst reinigen muss, automatisch zum Sitzpinkler wird. Was ist männlicher? Beim Pinkeln zu sitzen oder jeden zweiten Tag um die Schüssel zu kriechen, um all die (beim Stehen unvermeidlichen) Spritzer zu entfernen?

    Dennoch hat so ein Pissoir natürlich etwas sehr bequemes. Keine Frage. Deshalb beschloss ich jetzt, dass in meiner zukünftigen Villa, trotz der dann vorhandenen Putzfrau, in meinem Bad folgendes eingebaut wird: neben den Whirlpool, der Duschkabine, den zwei Waschbecken, dem Bidet und der Kloschüssel muss unbedingt auch ein Pissoir hin. Und zwar auf jeder Etage.

  • Donald duck dich

    Habt ihr eigentlich auch zu den Kindern gehört, die immer Donald Duck sagten? Mit langem o und kurzem u? Und sagtet ihr auch immer Goofy? Mit einem ganz langen o? Hattet ihr auch ständig Diskussionen mit so Klugscheißern wie mir, die, noch bevor sie auch nur ein Wort Englisch konnten, darauf bestanden, die Namen auch englisch auszusprechen? Schließlich war ja sonst alles Deutsch in den Comics, sie lebten in Entenhausen, gaben Taler aus und Donalds Neffen hießen Tick, Trick und Track.

    Nun, da ihr alle Englisch könnt, würdet ihr eure Kinder die Namen falsch aussprechen lassen? Oder würdet ihr ihnen gleich beibringen, wie es tatsächlich heißt? Auch auf die Gefahr hin, dass sie dann so Klugscheißer werden wie ich?

  • N-Damen

    Jens fragte mich, ob ich ein von ihm erstelltes Programm testen könnte, das sich mit dem N-Damen-Problem beschäftigt. Aber natürlich, antwortete ich, mit diesem Problem kenne ich mich sehr gut aus. Man muss n Damen kennen lernen, bis endlich die Richtige dabei ist. Die gesuchte Zahl n tendiert dabei gegen unendlich. Nun, ich lag etwas daneben. Das n-Damen-Problem wird hier sehr schön erklärt. Und danach kapierte ich auch Jens‘ Programm, das die Aufgabe perfekt löste.

  • Eklig

    Was ich übrigens wirklich so richtig hasse im Winter, ist der blöde Duschvorhang, der ständig kalt und feucht versucht, sich an mich zu schmiegen, während ich eigentlich nur das heiße Wasser genießen möchte. Das alles hat natürlich physikalische Gründe, da die Luft im Bad kühler ist, die heiße Luft in der Wanne nach oben steigt und die kalte von unten her nachgezogen wird und dabei den Duschvorhang aufbläht. Scheiß Physik. Ich will nicht ständig gegen dieses kalte, rote Flattermonster kämpfen, das mich pausenlos bedrängt. Ich beneide alle, die eine Duschkabine haben (zusätzlich zur Badewanne, die einfach sein muss).