Monat: März 2007

  • Bestseller

    Obwohl ich eingefleischter Amazon-Fan bin, gehe ich zum Bücher kaufen doch lieber in eine Buchhandlung. Ich mag es einfach, die Schmöker auf mich wirken zu lassen, an den Regalen und Tischen vorbei zu schlendern und mich von Titeln und Covern locken zu lassen. Bin ich interessiert, nehme ich es in die Hand, drehe es um und lese die kurze Inhaltsangabe/Zusammenfassung/Beweihräucherung und entscheide dann, ob sich ein Kauf lohnen könnte. Was ich gerne ignorieren würde, aber dennoch immer wieder bemerke, sind die Hinweise weiter unten. Da steht dann zum Beispiel, dass dieser Roman auf Platz der Times Bestseller-Liste war. Oder auf der Spiegel Bestseller-Liste. Wann und wie lange wird nicht erwähnt. Manchmal steht sogar dabei, dass das Buch auf Platz 1 in dieser Liste stand. Wow.

    Manchmal ist das aber nicht überzeugend genug. Vielleicht kauft ja nur jeder den Schrott, weil jeder es kauft. Deshalb sollten auch noch ein paar Meinungen genannt werden von Menschen, die sich mit sowas auskennen. Dann liest man zum Beispiel „eine umwerfende Komödie – gnadenlos komisch“ Brigitte. Ich frage mich dann zunächst, ob dies ein Satz war, den Brigitte, die Putzfrau des Verlags bei einer Zigarette fallen ließ, oder ob mit Brigitte die Frauenzeitschrift gemeint ist. Vermutlich letzteres.

    Was aber ist davon zu halten wenn man folgendes zu Lesen bekommt: „Superspannend“ Inquirer. Ok, welcher Inquirer denn bitte? Und „superspannend“ ist alles, was die zu dem Buch zu sagen hatten? (Ich sollte doch Kritiker werden. Ich schätze, ich kenne genug Adjektive) Oder: „Astrein“ Fit for Fun. Naja, also wenn sich jemand mit Büchern auskennt, dann ist das ja wohl das Literaten Magazin schlechthin: Fit for Fun.

    Derzeit lese ich ein Buch, dessen Werbespruch aber den Vogel abschießt. Es heißt „Die Kunst des stilvollen Verarmens“ von Alexander von Schönburg und macht mit folgenden Satz Lust auf mehr: „Platz 1 der Bestsellerliste!“ Wirklich, genau so wie es hier geschrieben steht. Ich meine, da MUSS man doch einfach zugreifen, oder? Immerhin ist da ein Ausrufezeichen. Ein Punkt würde dem Ausmaß dieses Wahnsinns nicht gerecht werden. Nein, nein, immerhin war (oder ist – man weiß es nicht) das Buch auf Platz 1 der Bestsellerliste. Welcher Bestsellerliste eigentlich? Ich würde das gerne mal überprüfen. Der norwegischen Bestsellerliste? Der Fit for Fun Bestsellerliste? Egal, Hauptsache auf Platz 1. Was mich aber am meisten fertig macht, sind die Anführungszeichen. Im allgemeinen wird somit ein Zitat kenntlich gemacht. Das bedeutet, der Satz „Platz 1 der Bestsellerliste!“ ist kein Fakt, keine Tatsache, sondern ein Zitat, eine Aussage. Vom wem? Das steht nicht dabei. Vielleicht von Brigitte, der rauchenden Putzfrau. Vielleicht auch von einem Chefredakteur, der dem Buchrücken-Praktikanten beim Hinausgehen zurief: „Und schreib noch dazu, dass es auf Platz 1 der Bestsellerliste war. Und vergiss das Ausrufezeichen nicht.“

    Ich werde es wohl nie erfahren. Und will es auch gar nicht. Letztendlich kommt es ja nur darauf an, ob MIR das Buch gefällt. Mal sehen, ob es meine persönliche Bestsellerliste erreicht.

  • Die eigene TV-Serie

    Oh ja, es ist wirklich beinahe lächerlich, wie mich das Ende einer Serie so fertig machen kann. Nachdem ich gestern die letzte Folge von Six Feet Under gesehen hatte, war mit mir den restlichen Abend nichts mehr anzufangen. Ständig den Song „Breathe me“ von Sia im Kopf und die letzten Bilder dieser Abschlußsequenz vor Augen, fragte ich mich, woher das eigentlich kommt. Schließlich weiß ich ja, dass alles nur Fiktion ist. Dass die ganze Serie nur produziert wurde, um Geld zu verdienen und alles Marktwirtschaftliche Hintergründe hat (obwohl man dem produzierenden PayTV-Sender HBO tatsächlich noch etwas wie Kreativität zutrauen kann). Wieso also tut dieses Ende weh?

    Nun, zunächst muss ich mir einfach eingestehen, dass ich Abschiede hasse. Egal welcher Art. Ich trenne mich nur äußerst ungern. Von Menschen, Dingen, Erinnerungen. Und eben auch von so abstrakten Sachen wie dem Inhalt von Serien, Filmen und Büchern. Das liegt ganz einfach daran, dass einige Inhalte es schaffen, mich emotional zu packen, mich gefangen zu nehmen. Ich möchte es ungern als Sucht bezeichnen, denn das ist es eigentlich nicht. Ich komme auch sehr gut ohne klar und natürlich ist das Ende einer Serie kein Beinbruch. Mein Leben wird natürlich weitergehen.

    Bei Serien, die einen gepackt haben ist es nun mal so, dass man sich mit den Figuren und den Geschichten über Jahre hinweg auseinander setzt. Man erlebt alles, was ihnen zustößt, ist gespannt, freut sich und leidet mit ihnen. Das Fiktive rückt für eine Stunde in den Hintergrund, die Tatsache, dass dies eine einseitige, unwahre Beziehung ist wird für einen Moment bedeutungslos. Diese Figuren erscheinen real und es fühlt sich an, als würden wir Freunde treffen. Man sieht wie sie sich entwickeln, man spricht mit anderen über sie, man erwischt sich sogar dabei über sie nachzudenken. Und sich zu fragen, ob es ein gutes Ende nehmen wird.

    Dann kommt das Ende, die letzte Folge, in der man sich verabschieden muss. Nie wieder von ihnen hören wird. So dumm das nun alles klingen mag, bei entsprechender Dramaturgie, den passenden Charakteren und interessanten Geschichten kann man sich kaum dagegen wehren, sich hingezogen zu fühlen. Und sich verletzt zu fühlen, wenn sie gehen.

    Dabei ist es für mich unerheblich, ob die Serie ein glückliches oder trauriges Ende nimmt. Der Abschied ist immer ein Abschied. Als Frasier sich entschloß seiner Liebe zu folgen und sich ein letztes Mal in der nun leeren Wohnung umsah, in der ich ebenfalls irgendwie zehn Jahre Gast gewesen war, wurde es mir schwer ums Herz. Aber auch als Carrie glücklich mit ihrem Big telefonierend in der Masse verschwand, war ich irgendwie traurig. Als Ally McBeal die Stadt verließ und all ihre Freunde auf der Straße standen um sich zu verabschieden, musste ich eine Träne unterdrücken, obwohl es letztendlich an der Zeit war, die Serie zu beenden. Aber ein Abschied ist immer ein Abschied.

    Ich kenne diesen Effekt auch von manchen Büchern. Auch hier ist man länger als nur ein paar Stunden mit der Geschichte beschäftigt und erfährt im Vergleich zu anderen Medien ungleich mehr über die Gedanken und Gefühle der Figuren. Die Beziehung wird noch etwas enger. So, als würde man der Geschichte eines guten Freundes lauschen. Manch ein Buch klappte ich zu und wünschte, ich hätte nie die letzte Seite erreicht.

    Bei Filmen passiert das eher selten. Zwei Stunden reichen nun mal nicht aus, um so eine tiefe Beziehung mit den Figuren aufzubauen. Zumindest in den seltensten Fällen. Filmen, denen das gelingt sind die Kleinode, die ich mir aus diesem Grund auch immer wieder anschauen möchte.

    Ich werde mir auch Six Feet Under wieder anschauen. Mit allen Folgen, allen Figuren, allen Dramen. Und werde wieder heulen, wenn ich am Schluß angelangt bin. An der Szene, die in einer Retrospektive die zukünftigen Geschehnisse aller Charaktere umreißt und jede einzelne immer mit dem Tod endet. So lange haben sich nach Glück gesucht in ihrem Leben, haben es schließlich gefunden, es für einen kurzen Moment genossen und sind am Ende doch dazu verdammt, zu sterben. Was bleibt ist Trauer, Schmerz und Tod.

    Eigentlich so wie im echten Leben. Streben wir nicht auch stetig nach dem Glück? Wohl wissend aber gekonnt ignorierend, dass es früher oder später mit uns zu Ende geht? Und das der unweigerliche Abschied naht?

    Manchmal stelle ich mir vor, der Star meiner eigenen Fernsehserie zu sein. Alles Roger – eine tägliche, dramatische, spannende, reale, lustige, traurige Fernsehserie. Sie hat ihre üblichen Locations, ihre immer wieder kehrenden Figuren und immer wieder einige Gaststars, die nur für ein paar Folgen erscheinen. Sie ist in Staffeln, also Abschnitte unterteilt und ständig passiert etwas Neues. Oder auch nicht. Würde man sie aber jede Woche auf 45 Minuten schrumpfen, käme vielleicht etwas dabei heraus. Und die Serie läuft und läuft, solange der Hauptdarsteller weiter seiner Suche nach dem Glück nachgeht.

    Vielleicht findet er es irgendwann. Eine Fernsehserie würde hier enden. Das Leben nicht. Und falls doch, so war es zumindest ein glückliches Ende. Aber ein verdammter Abschied wäre es doch.

  • Six Feet Under

    Ich schäme mich nicht meiner Tränen. Eben gerade habe ich die letzte Folge der Serie „Six Feet Under“ gesehen. Eine der mit Abstand grandiosesten TV-Produktionen überhaupt. Noch nie habe ich eine tiefschürfendere, emotionaler, verrücktere und doch lebensnahere Serie gesehen wie diese. Und mit lebensnah meine ich ebenso nah am Leben wie am Tod, worum es in jeder einzelnen Folge schließlich geht. Was mir Frasier bei den Sitcoms, Lost bei den Mystery Serien, Emergency Room bei den Krankenhausserien und CSI bei den Krimiserien ist, das ist/war Six Feet Under bei den dramatischen Serien.

    Und besonders nach diesem Ende (die letzten sechs Minuten der letzten Folge) kann ich mir nicht vorstellen, dass dies jemals getoppt werden kann. Ja, ich gebe zu, ich habe Rotz und Wasser geheult. Und es ist lange her, dass ein Buch/Film/Serie das geschafft hat. Und nun? Geht das Leben weiter, denn es war nur im Fernsehen. Irgendwie.

  • Wie Roboter schreiben

    Heute konnte ich mal wieder eine Instanz in WoW spielen. Mit mir in der Gruppe ein Hexenmeister der 3 Stufen über mir stand. Er fragte mich, wie alt ich sei. 33 antwortete ich und fragte ihn das gleiche. Er war 15, was mich zum ersten Mal schmunzeln ließ. Wirklich lachen musste ich aber später als er meinte:
    "Ich finde, du schreibst wie ein Roboter. So mit Großschreibung und so."
    "Wieso wie ein Roboter? Was meinst du?"
    "Naja, du vertippst dich nie."
    "Tja, gelernt ist eben gelernt."
    "Und du schreibst die Wörter alle groß, die groß geschrieben werden müssen und du machst auch Punkte und Kommas."
    "Das nennt sich Grammatik und Interpunktion. Genauso wie du es doch bestimmt auch gerade im Deutsch-Unterricht lernst, oder?"
    "Öh, ja."
    Ich sollte noch dazu erwähnen, dass beinahe jedes seiner Worte falsch geschrieben war. Nicht wie ein Roboter. Vielleicht fiel ihm deshalb nicht auf, wie oft ich mich vertippte. Als Hexenmeister war der Kleine übrigens auch nicht der Bringer.

  • Von O bis O

    Look at all this white shit, man. So oder ähnlich dachte ich heute morgen, als ich die Außenwelt komplett zugeschneit vorfand. Oh Mann. Ist es nicht erst ein paar Tage her, als ich nur mit einem T-Shirt bekleidet an meinem Auto stand und grübelte, ob ich die Sommerreifen wieder drauf packen soll? Und nun diese weiße Scheiße. Ok, ich weiß, unter meinen Lesern befinden sich einige Wintersport-Begeisterte, Enthusiasten gar. Auch ich war einmal angehend leidenschaftlicher Alpinist, damals, als ich noch jung war. Und ich gönne auch jedem den Spaß. Schnee? In den Bergen, auf den Pisten, großartig. Hier unten, kurz vor Ostern, auf den Straßen, beschissen. Zum Glück ist mittlerweile das meiste weg geschmolzen und das Radio sagt mir, der Frühling käme nächste Woche zurück. Wollen wir es hoffen. Denn die Sommerreifen stehen bereit.

    Mein bester Freund Chris sagte mir einst, Winterreifen seien von O bis O obligatorisch. Also von Oktober bis Ostern. Da scheint er verdammt Recht zu haben, auch wenn ich befürchte, dass sich diese Regel demnächst auf J bis J verändert.

  • Nichtraucherblog

    In Anbetracht geltender und kommender Gesetze muss ich meine rauchende Leserschaft darauf hinweisen, dass dies ein Nichtraucherblog ist. Bitte macht während der Lektüre eure Zigaretten (Zigarillos, Pfeifen, Bongs) aus oder begebt euch in die speziell ausgewiesenen Raucherzonen um die nichtrauchenden Leser nicht zu stören. Ihr könnt auch gerne mit eurem Laptop und einem Aschenbecher auf den Balkon gehen. Oder die Schrift vergrößern und durch die Balkontür weiter auf den Monitor schauen, wenn ihr das Rauchen gar nicht lassen könnt. Ihr könnt auch gerne das Geld, das ihr während der nichtrauchenden Lektüre gespart habt, an mich überweisen. Ich bin stets für frische Luft und Spenden zu haben. Ich wünsche euch ein atmungsaktives Restleben.

    nichtraucher

  • Hör zu

    Sagt ihr eigentlich auch "Hör zu…", wenn ihr zu einem wichtigen Monolog ansetzt? Wenn ihr in einer Diskussion steckt und die Gemüter wieder etwas beruhigen und in klaren Worten eure Sicht der Dinge nochmals verdeutlichen wollt? Beginnt ihr dies mit den Worten: "Hör zu…"? Sagt überhaupt irgendjemand "Hör zu…"? Ich persönlich kenne das nur aus Filmen und besonders aus Serien, wo, vermutlich aus Gründen der Spannungserhaltung, nie wirklich ein Thema ausdiskutiert wird. Früher oder später sagt dort immer irgendjemand "Hör zu…" und beginnt dann einen Monolog im Stile von "Hör zu… ich weiß, dass du aufgebracht bist und du hast auch jedes Recht dazu, aber es ist nun mal so, dass ich dich liebe, auch wenn du daran zweifelst, blablubb." Meist antwortet der andere nach einem "Hör zu…" mit einer Abfuhr, wie etwa "Du bist der Meinung, ich würde an deiner Liebe zweifeln? Du hast doch überhaupt keine blubbbliblubb." woraufhin ein dramatischer Abgang folgt.

    Dabei fällt mir auf, ich hatte auch noch nie einen dramatischen Abgang oder ergreifende letzte Worte. Die tollsten Sätze, die ich zum Schluss hätte sagen sollen, fallen mir immer erst nachts ein, wenn es zu spät ist. Vielleicht sollte ich "Hör zu…" einfach einmal ausprobieren. Ach und "Hör zu…" ist nicht zu verwechseln mit dem pfälzisch-hessischen "Bassemoluf…" Und auch nicht mit einer Fernsehzeitschrift.