Monat: November 2008

  • Vom Umziehen vorm Umziehen

    Und wieder ist es soweit. Die Kartons stapeln sich, die Wände leeren sich. Ich ziehe um. Aber diesmal nicht allein, denn die damalige Freundin zieht mit. Wir ziehen zusammen, in eine riesige Drei-Zimmer-Wohnung (in der man sich zur Not auch wunderbar aus dem Weg gehen kann), mit Badewanne, trockenem Keller und Edeka auf der anderen Straßenseite. Es geht diesmal in den Süden Duisburgs, fast an die Stadtgrenze zu Düsseldorf und man sagte uns, die Einwohner dieses Stadtteils zählten sich auch eher zur Landeshauptstadt und würden sich als Rheinländer bezeichnen, nicht als Potter. Sehr sympathisch. Ich freu mich riesig.

    Seit Wochen steh‘ ich auch etwas neben mir. Selten zuvor hat mich ein Umzug bereits im Vorfeld so gestresst wie dieser hier. Aus vielfachen Gründen, die ich hier gar nicht alle aufzählen kann/darf/will. Morgen kommen die ersten Freunde/Kollegen, wir holen einen Transporter aus einem hiesigen Baumarkt, dann geht es los. Erstmal nur Kartons und Kleinteile. Am Sonntag dann helfen uns zwei kräftige Kollegen/Freunde bei den schweren Sachen wie Küche, Kühlschrank, Waschmaschine etc. Am Montag dann erreicht uns die erste Lieferung neuer Möbel, inklusive wunderbarem neuen Sofa. Auf dem ich garantiert sofort einschlafe, sobald die Folie entfernt ist.

    Für mein Onlineleben bedeutet der Umzug natürlich wie immer kürzer treten. Nicht nur, weil mir in den nächsten Tagen die Zeit fehlen wird. Sondern weil es ja Wochen und Monate geht, bis man wieder eine funktionierende Internet- und Telefonleitung hat. Und das obwohl ich mich diesmal nur mit einem Anbieter ärgern muss. 1&1 kündigte an, es könne etwa fünf bis sechs Wochen gehen. Ob ich damit einverstanden sei, hatte die Dame von der Hotline gefragt. Hatte ich denn eine Wahl? Vor zwei Wochen dann ein weiterer Anruf, diesmal beruhigte man mich ein wenig und erklärte, ich könne damit rechnen, spätestens in der zweiten Dezemberwoche wieder online zu sein. Mit voller Geschwindigkeit und Home-Server. Warten wir es ab.

    Es wird also erst mal wieder etwas ruhiger hier. Und wie immer gilt: bleibt mir treu, stellt nichts an, wir lesen uns dann. Bis bald.

  • Where the Hell is Matt 2008

    Matt sollte jedem Internet-Nutzer ein Begriff sein. Denn was Matt veranstaltet, ist einfach wunderbar. Er reist um die Welt um vor beeindruckenden Kulissen, in abgelegenen Orten, an verrückten Plätzen oder schlicht um die Ecke einen lächerlichen Tanz aufzuführen. Immer in der Mitte des Bildschirms, immer schnell weiter zum nächsten Land, dessen Name im Untertitel eingeblendet wird. Dazu spielt jedesmal eine wunderbare Musik. Jetzt hat Matt sein Dancing Video 2008 veröffentlicht und ich finde es das schönste bisher. Lasst euch einfach die nächsten paar Minuten bezaubern.

    https://youtube.com/watch?v=zlfKdbWwruY%3Fcbrd%3D1%26ucbcb%3D1

    Gefunden bei sebbi.

  • Umzugslicht und Umzugsradio

    Schon mal aufgefallen? Licht von unten erinnert immer an Umzugslicht. Radio aus kleinen Transistorgeräten klingt immer wie Umzugsradio. Ihr merkt schon, ich hänge voll drin.

  • iPhone-Besitzer und Hunde-Besitzer

    Hundebesitzer kommen bei ihren Spaziergängen immer wieder ins Gespräch. Anfangs vielleicht nur mit den Sätzen "Ist das ein Rüde?", "Keine Angst, der will nur spielen." oder "Nehmen Sie gefälligst ihren Scheißköter an die Leine!" Doch mit der Zeit begegnet man sich allnachmittäglich, plaudert, tauscht sich aus und sieht den Hunden zu, wie sie tollen und schnuppern. Mit einem Hund hat man immer Gesprächsstoff und die Besitzer haben sich immer was zu sagen.

    Mit iPhone-Besitzern ist das genauso, wie mir neulich im Zug auffiel. Als iPhone-Besitzer gehört man automatisch einer ganz speziellen Gruppe von Menschen an, die sich ebenfalls austauschen und immer Gesprächsthemen finden. Sobald man das iPhone herausholt, werfen einem die Leute Blicke zu, die einen neidisch, die anderen mit wohlwollendem Lächeln, während sie ebenfalls ihr iPhone auspacken. "Kommen Sie mit der Tastatur zurecht?" "Haben Sie schon die neue Firmware-Version?" "Darf ich fragen, wo Sie diese Tasche für ihr iPhone gekauft haben?" Letzte Frage habe ich vorgestern im Zug gestellt und so auf einfache Art und Weise einen Weihnachtswunsch entdeckt.

    Wenn ich dann doch irgendwann mal einen Hund habe, werde ich dann gar nicht mehr in Ruhe gelassen?

  • Am Arsch der Welt

    Ich habe ihn entdeckt. Den Arsch der Welt. Denn ich war dort. Zwei Tage lang oder besser gesagt knapp 36 Stunden. Es ist ein Land, in dem die Erde rot ist und die Berge schroff. In dem die Einwohner kantig sind und eigenartig sprechen. Ein Land, dass nur aus Industrie zu bestehen scheint oder aus dem Weinanbau, was konträrer kaum sein könnte. Ein Land, in dem Firmen, die Porzellanartikel herstellen, am Eingang in Leuchtschrift verkünden, dass seit 167 Tagen kein Unfall mehr passiert sei (und ich frage mich seitdem, was vor 168 Tagen passiert sein mag – ein Teller runtergefallen? Eine Kloschüssel einen Sprung bekommen?) Ein Land, das man nur durch ein langes, tiefes, gewundenes Tal erreichen kann. Oder von der anderen Seite. Die ich nicht gesehen habe. Es ist ein Land, das trostloser kaum sein könnte und in der Attraktivität Duisburg kaum nachsteht. Es ist … der Arsch der Welt.

    Ich kann euch leider nicht sagen, wo sich dieses Land befindet. Aus zwei Gründen. Zum ersten möchte ich mir nicht den Unbill seiner mit Sicherheit freundlichen Einwohner auf mich ziehen. Zum zweiten gibt es in dem ganzen Land weder ein GPRS- oder ein EDGE-Netz, weshalb mir Google Maps meines iPhones gar nicht sagen konnte, wo ich mich befand. Tja, Pech.

    Interessiert es euch eigentlich, weshalb ich den Arsch der Welt besuchte? Ich war beruflich dort und bekam die Chance, mir einen der vielen Verkehre unserer Firma anzusehen. Ich stand in einem Stahlwerk, wenige Meter neben einem 5 Meter hohen Kübel voller 1400 Grad heißem, flüssigem Eisen. Ich sah zu, wie dieser aus speziell dafür gefertigten Waggons entladen, oder besser gesagt gekippt wurde. Ich ließ mir erklären, welche Gefahren diese Transporte bergen und in welch genauem Zeitfenster all das geschehen muss. Ich nahm an einer Übergabefahrt teil von der Eisenhütte zum Stahlwerk. Und ich lernte einige der Kollegen kennen, die ich sonst nur am Telefon höre.

    Faszinierend war das Ganze auf jeden Fall. Leider durfte ich keine Fotos schießen (ich könnte diese ja an die Chinesen verkaufen, die noch immer nicht wissen, wie man die Qualität deutschen Stahls nach macht), also müsst ihr mir einfach vertrauen, wenn ich euch erzähle, dass das alles sehr groß, sehr heiß und sehr schmutzig ist.

    Übrigens verkündete die Leuchtschrift bei der Rückreise heute mittag 168 Tage Unfallfrei. Und der Arsch der Welt hat übrigens kein Geweih. Ah jooo.

  • Beowulf ab 12 Jahren – Antwort der FSK

    Vor gut einem dreiviertel Jahr hatte ich mich hier etwas über einen Film namens „Beowulf“ echauffiert. Doch nicht die Qualität des Streifens an sich brachte mich zur Weißglut, sondern die Tatsache, dass der Film bereits ab 12 Jahren freigeben war. In einer Zeit, in der Politiker und gewisse Medien immer lauter nach Verboten schreien, nach Zensur und der obligatorischen Schnittschere, war diese Entscheidung der FSK wie ein Schlag ins Gesicht für mich. Denn selten zuvor habe ich einen Film gesehen, der einem Kind so offensichtliche und übertriebene Gewalt und Blut entgegen wirft, wie Beowulf. 

    Ich bekam einige Kommentare auf diesen Artikel. Der interessanteste davon stammte von Christian Eberle, der mit mir einer Meinung war und diese der FSK kund tat. Und siehe da, sie antworteten auch. Christian veröffentlichte das Antwortschreiben ebenfalls in den Kommentaren. Da ich aber befürchte, dass es dort etwas untergeht, möchte ich es hier noch einmal aufgreifen. Und zwar weitestgehend kommentarlos von meiner Seite. Denn ich denke, der Brief spricht genug für sich, zeigt deutlich, wie die FSK arbeitet, wie es zu solchen Beurteilungen und Feststellungen kommt und was man selbst als mündiger Bürger und Kunde davon halten sollte. 

    Lest also selbst und teilt mir mit, was ihr davon haltet. Auf dass euch genauso die Spucke weg bleibt, wie mir.

    „Sehr geehrter Herr Eberle,

    bevor wir näher auf den genannten Film eingehen, lassen Sie uns einige
    Informationen zu unserer Arbeit vorausschicken: Die FSK ist im Auftrag der
    Obersten Landesjugendbehörden für die Freigaben von Kinofilmen, Videos und
    vergleichbaren Bildträgern sowie auch von Trailern und Werbefilmen
    zuständig. Sie vertritt damit den gesetzlichen Jugendschutz im Bereich
    audiovisueller Medien. Die Entscheidungen treffen pluralistisch
    zusammengesetzte Ausschüsse, deren Prüferinnen und Prüfer von der
    Öffentlichen Hand sowie Bundes- und Länderministerien bzw. von der Film- und
    Videowirtschaft entsandt werden und ca. 3 Wochen pro Jahr bei der FSK
    ehrenamtlich tätig sind. Die Ständigen Vertreter der Obersten
    Landesjugendbehörden haben in den Arbeitsausschüssen den Vorsitz.

    Die Fantasy-Heldensaga über Beowulf versetzt den Zuschauer in eine auf
    Perfektion ausgerichtete, computeranimierte mittelalterliche Welt. Die
    erzählte Geschichte wirkt schlicht bezüglich ihrer inhaltlichen Gestaltung.
    Auch die filmischen Figuren, abgefilmte und in Computertechnik präsentierte
    prominente Darsteller, bleiben in ihrer Zeichnung blass. Der Ausschuss war
    der Meinung, dass im Film keine Identifikationsfiguren für die Altersgruppe
    der 12-Jährigen angeboten werden. Beowulf ist ein ambivalenter Held, ein
    starker Kämpfer, doch ohne Erfüllung in sozialer Hinsicht. Prägend für die
    Rezeption des Fantasyspektakels ist nach Auffassung der Ausschussmitglieder
    die filmische Umsetzung: Opulente Bilder, die eine mittelalterliche Welt
    perfekt inszenieren, aufwendig gestaltete Kulissen und Kostüme, eine
    beeindruckende Farb- und Lichtdramaturgie und eine auf Effekte ausgerichtete
    Ton- und Musikuntermalung. Als problematisch im Sinne einer Übererregung und
    Ängstigung 12-Jähriger diskutierte der Ausschuss die drastisch in Szene
    gesetzten Gewalt- und Tötungsszenen. Insbesondere die Eingangskampfszene, in
    der Grendel vorgestellt wird, zeigt drastische Gewaltbilder, wie das
    Zerreißen von Menschen. Da im Fortgang des Films diese explizite Darstellung
    von Gewalt einer stärker auf Action ausgerichteten, temporeichen und einer
    fantastischen Welt zuzuordnenden Kämpfinszenierung weicht, konnten die
    Ausschussmitglieder für eine Freigebe des Films für 12-jährige Mädchen und
    Jungen votieren. Dieser Altersgruppe ist zuzutrauen, dass sie das Tempo, die
    Geräuschkulisse und die gewaltgeprägte fantastische Welt verkraften und die
    nötige Distanz zu den Protagonisten und deren gewalttätigem Vorgehen
    aufbauen.

    Hierbei ist allerdings zu sagen, dass die FSK-Kennzeichnungen keine
    pädagogischen Empfehlungen sind sondern lediglich sicherstellen sollen, dass
    das körperliche, geistige oder seelische Wohl von Kindern und Jugendlichen
    einer bestimmten Altersgruppe nicht beeinträchtigt wird. Die Ausschüsse der
    FSK, die unter anderem aus Jugendamtsleitern, Jugendbildungsreferenten,
    Lehrern, Kinderärzten, Psychologen, die natürlich auch Eltern sind,
    bestehen, versuchen mit großer Sorgfalt die mögliche Wirkung eines jeden
    Filmes zu beurteilen. Eine letztlich „objektive richtige“ Freigabe
    kann es
    nicht geben. Zu unterschiedlich sind die Filme, zu unterschiedlich sind die
    Rezeptionsbedingungen und -möglichkeiten von Kindern und Jugendlichen. Die
    Prüferinnen und Prüfer versuchen dies zu berücksichtigen.

    Mit freundlichen Grüßen

    T…
    Assistent der
    Ständigen Vertreter der Obersten Landesjugendbehörden bei der FSK
    Kreuzberger Ring 56
    65205 Wiesbaden“

  • Alexander Marcus – Electrolore

    Treuer Leser W.S. sandte mir neulich eine Mail, mit dem Link zu einem Musikvideo und der Frage, ob das etwas für mein Blog sei. Nun, nicht das erste Mal stelle ich hier kranke Musik vor, deshalb sind solche Geschichten jederzeit willkommen. Bei dem Video handelt es sich um ein Stück von Alexander Marcus mit dem Titel Papaya. Wie, kennt ihr nicht? Alexander Marcus? Über den bereits MTV und Spiegel Online berichtet haben? Der in den etwas schrägeren Clubs gerade mächtig gefragt ist? Der demnächst wieder auf Tournee gehen wird? Der deutsche Superstar, der es geschafft hat, Electro-Pop mit Schlager und Volksmusik zu kreuzen? Nun denn, macht euch auf was gefasst.

    https://youtube.com/watch?v=7XzLbGssArQ%3Fcbrd%3D1%26ucbcb%3D1

    Das Verrückte ist: der Beat hat was. So verrückt und schräg Papaya auch ist, er geht ins Ohr. Aber das machte der kleine Hai und die glücklichen Zellen schließlich auch. Dennoch scheint Marcus mit seinem von ihm getauften Electrolore Style sehr erfolgreich zu sein. Das erste Album ist raus (Kontor, oha), die aktuelle Single wurde mit B-Tight produziert und heißt „Sei kein Frosch.“ und klingt noch massentauglicher als Papaya.

    Allen Songs gemein ist der eingängige Sound, die unüberhörbaren Referenzen zum deutschen Schlager und die banalen Texte. Allen Videos gemein sind die kranken Ideen und die bewusst billige Produktion. Trash at its best. Und natürlich das dämiche Grinsen von Alexander Marcus selbst. Ja, man braucht schon Nerven wie Stahlseile, um das alles ertragen zu können. Aber hey, seid mal kein Frosch.

    Interessant bleibt die Frage, ob Marcus tatsächlich so krank ist, wie er sich in Musik und Video gibt, oder ob wir hier wieder einmal clever ausgeklügeltem Marketing auf den Leim gehen. Mit schrägen Ideen bei Youtube berühmt werden hat er zumindest nicht erfunden. Egal, vielleicht ist er genau so schnell wie der kleine Hai wieder verschwunden sein und in die Analen eingehen als weiterer moderner Hype und die Lust am schnellen Trash der Generation Web2.0. Bis dahin rollt der Wagen weiter, 1,2,3.

    https://youtube.com/watch?v=jJq8OkDYVyE%3Fcbrd%3D1%26ucbcb%3D1
  • Schuhe auf der Autobahn

    Ach ja, man nimmt sich so viel vor, verspricht sich und anderen eine Menge und stellt dann doch irgendwann fest, sich zuviel vorgenommen zu haben. Mein Anspruch wieder öfter zu schreiben, konnte ich bisher nur schwer einhalten. Der anstehende Umzug und die Arbeit halten mich zu sehr auf Trab. Irgendwie bleibt die Kreativität auf der Strecke. Aber ich habe ja meine treuen Leser, die besten, cleversten und hübschesten Leser der Welt, die mich mit Material versorgen. So hat Leserin M.W. eine Frage, die sie schon seit Jahren quält und die sie mit Hilfe von euch gerne beantwortet hätte. Es geht um Schuhe, die auf Deutschlands Autobahnen herum liegen. Und zwar stets einzeln. Ist euch das auch mal aufgefallen, dass man immer wieder einen einsamen Schuh auf der Straße sieht? Habt ihr eine Erklärung dafür? Oder vielleicht eine abgefahrene Idee, wie das kommt? Zufall? Außerirdische? Unfall? Oder staatlich organisierte Absicht? Was meint ihr?

  • Der nackte Mann in Duisburg

    Mittlerweile rechne ich ja mit allem möglichen hier in Duisburg. Nichts, so dachte, vermag mich mehr zu überraschen. Doch weit gefehlt. Am Wochenende schlurfte ich schlaftrunken zum Fenster und öffnete es. Sofort entdeckte ich den Polizeiwagen, der direkt vor meiner Haustür zum Stehen kam. Ich beobachtete die beiden Polizisten, die dem Auto entstiegen und auf einen Mann zu gingen, der … was? Der komplett nackt war. Gut, bis auf die Schuhe und die Umhängetasche. Der Rest seines alten Körpers war unbekleidet und ich schätze, auch die Polizisten konnten sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Wo er denn hin wolle, fragten sie. Und wie sein Name sei. Beides wusste der Nackte nicht konkret zu beantworten. Ob er denn einen Ausweis dabei habe, hörte ich Polizist Eins fragen. Diese Frage wäre so schön lächerlich gewesen, denn ich hätte mich gefragt, wo er seine Papiere versteckt haben könnte. Aber clever wie der Mann war, hatte er zumindest an seine Umhängetasche gedacht. Er deute die Straße hinunter, brabbelte seltsames Zeug vor sich hin und zeigte sich wenig kooperativ. Seine Arme zitterten, er sah recht hilflos aus. Sie frieren doch, stellte Polizist Zwei fest, was der Alte verneinte. Trotzdem solle er erstmal ins Auto steigen, dann würde man seine Personalien feststellen und ihn dorthin bringen, wo er hingehörte wollte. Das tat der Mann und das Auto fuhr davon. Ich ging kopfschüttelnd vom Fenster weg und fragte mich, weshalb nur immer hässliche alte Männer, nackt und verwirrt auf der Straße sind und nie junge, hübsche Frauen. Nunja. Duisburg jedenfalls überrascht mich immer wieder.

  • Traumkaffee – die zweite

    Notiz an mich selbst (schon wieder): Darauf achten, den Tetrapak mit der Milch aus dem Kühlschrank zu nehmen. Kaffee mit Traubensaft schmeckt nämlich nicht ganz so gut.

  • Alles Roger Graf

    Wenn man mit dem Namen Roger Graf aufwächst, denkt man zunächst, relativ einzigartig zu sein. Namenstechnisch. Schließlich heißt man ja nicht Michael Schmidt oder Peter Müller oder Christian Meier. Und dann wird man älter, entwickelt Interessen, versucht diese auszuleben und stellt fest, dass schon andere Roger Grafs vor einem da waren. Verdammt. So ergangen ist es mir, als ich meinen ersten Roman auf den Markt werfen wollte. Und im Amazon-Katalog dann zwischen Dutzenden anderer Romane von Roger Graf stand. Wer weiß, wie viele Leute sich meinen aus Versehen gekauft haben. Förderlich für den Verkauf war die Existenz des anderen Grafs mit Sicherheit nicht. Ich meine, Hallo, Namensvetter okay, aber muss der dann auch noch schreiben?

    Und nicht nur das. Was das Internet betrifft, war der Kerl ebenfalls schnell. RogerGraf.ch war natürlich vergeben (klar, er ist Schweizer) aber auch die .de und .com-Domain hatte er sich bereits unter den Nagel gerissen. Als ich meine Homepage damals startete, kam ich mangels Alternativen auf den äußerst kreativen Namen ebrake.de (wenn sie jemand will, bitte melden). Und ärgerte mich insgeheim, nichts mit meinem nicht alltäglichen Namen anfangen zu können.

    Dann kam die Zeit meines Blogs. ebrake.de musste sterben, etwas griffigeres sollte her. Nun war ich ja in der glücklichen Lage, eben nicht Peter, Christian oder Michael zu heißen, für die es keine witzigen Sprüche gab á la "Super Chris" oder "Machma Micha" oder "Nicht jeder, Peter" gibt. Mein Name lautet Roger und alles, was ich in meinem Blog präsentiere, schreibe und offenbare, ist von mir. Alles von Roger. Alles Roger. Prima. Griffiger geht es nicht.

    War natürlich klar, dass ein gebräuchlicher Spruch wie "Alles Roger" schon in Beschlag genommen worden war. Unfassbar für mich allerdings, nicht von irgendeinem anderen Roger, sondern wiederum von Roger Graf. Aber nicht dem Schweizer Autor. Es gab weit mehr Roger Grafs als mir lieb sein konnte. Und alle waren schneller als ich. Allesroger.de war vergeben. Und alle anderen Endungen ebenfalls, bis auf allesroger.net. Weshalb mein Blog auch so heißt.

    Okay, ich musste mich damit abfinden. Ich nenne mein Blog absichtlich stets allesroger.net. Das .net steht deshalb immer in der Überschrift, um die Leser und Besucher zu konditionieren. Mehr als einmal bekam ich Rückmeldungen, dass man bei allesroger.de gar nichts fände. Dem war und ist  tatsächlich so. Allesroger.de liegt brach, wird nicht genutzt. Und ihr ahnt es. Das ärgert mich noch viel mehr. Vollkommen ungenutztes Potential. Wie gerne hätte ich diese Domain, könnte mein Blog nur noch "Alles Roger" nennen und darauf bauen, dass ein jeder es sofort findet (abseits der Google Suche).

    Dann erreichte mich vor wenigen Wochen eine Mail. Geschickt von Roger Graf, dem Inhaber der .de-Domain, der mir seine Grüße hinterlassen wollte und mir erklärte, weshalb er seinen guten Namen nicht "sinnvoller" verwendete. Ich grüßte zurück. Natürlich nicht ohne die Gunst der Stunde zu nutzen und die Frage zu stellen, ob er bereit wäre, sich von seiner Domain zu trennen. Es dauerte lange bis eine Antwort kam. Gestern abend sah ich wieder überrascht in mein Postfach und fragte mich erst, weshalb ich mir selbst eine Mail schickte. Ich Dummerle, es handelte sich um die lang erwartete Antwort. Roger schrieb, er überlege sich schon lange, die Domain abzutreten, eine Flugschule sei schon auf ihn zugekommen und laut einer Prüfung bei sedo (ein Marktplatz für Domains) sei allesroger.de etwa 1600 Euro wert.

    Aber ist mir das 1600 Euro wert? Das ist echt nicht net(t).

    allesroger.net ist mittlerweile seit drei Jahren im Netz, hat mittlerweile einen Besucherschnitt von knapp 250 täglich und wird mit vielen Begriffen auf den ersten Seiten bei Google gefunden. Ich glaube, so schlecht stehe ich bzw. mein Blog nicht da. Auch ohne .de-Domain. Bei meinem nächsten Design-Update wollte ich sogar auf das .net verzichten und mein Blog auch dann ofiziell nur noch "Alles Roger" nennen. Wer allesroger.net finden will, wird es finden, auch ohne .de am Ende. Alles andere wäre nicht net(t).

  • Shake it like a Polaroid Picture

    Wer von euch vermisst in Zeiten von Megapixeln und digitalen Spiegelfreflexen die guten alten Polaroid Fotos mit ihrem eigenen Charme? Das Geräusch der Kamera, das endlose Warten und Schütteln um den Entwicklungsprozess zu beschleunigen und die Magie, wenn plötzlich das Motiv erschien.

    Wer diese Atmosphäre wieder aufleben lassen möchte, muss nun nicht mehr zu diversen Photoshop-Aktionen greifen, sondern kann sich kostenlos Poladroid herunter laden. Natürlich nur für den Mac. Die Bedienung könnte einfacher nicht sein. Man zieht ein Foto auf die Kamera, es knackt und knirscht und auf dem Desktop liegt nun ein Polaroid, das sich langsam entwickelt. Ungeduldige können es mit der Maus hin und her schütteln und das fertige Bild abspeichern.

    Viele schöne Beispiele für nostalgische Bilder mit Flair finden sich in der entsprechenden Flickr-Group. Gefunden bei surfgarden.

  • Ganz schön nuttig

    Auf unserem Balkon stehen riesige Blumentöpfe in denen Palmgras seit langem verzweifelt versucht zu überleben. Mein Vormieter hatte sie mir überlassen und das Gestrüpp sah bis zwei Monate nach seinem Auszug auch recht hübsch aus. Dann wurde es braun. Und grau. Und lichter. Und dann kamen Brennnesseln und Pilze dazu, Ameisen und Birkenbäumchen und ach – mit einem Male bildete sich ein Biotop auf meinem Balkon. Die damalige Freundin kultivierte und schnitt und pflegte, doch es war eine Sisyphusarbeit. Nun, da der Umzug ansteht und die liebe Hausverwaltung plötzlich bemerkt hat, dass die Kübel seit etwa zehn Jahren nicht da stehen dürften, hat man uns aufgetragen, alles zu entfernen. Doch wohin mit soviel Erde, Steinen, Wurzeln und Grünzeug?

    Ein Anruf bei der Duisburger Abfallwirtschaft fruchtete wenig. Man verwies uns an private Entsorgungsfirmen. Diese verlangen für Schnittgrün Geld und Erde nehmen die schon gar nicht. Bei der zweiten Firma war ein junger Kerl am Telefon. Dieser riet mir tatsächlich, die Kübel ins Auto zu packen, raus aufs Land zu fahren, an einem Feldweg stehen zu bleiben und den Dreck einfach auszukippen. "Ist ja alles Natur und Grün. Und vielleicht hat ja sogar noch ein Tierchen seine Freude dran", sagte er. "Und das ist legal?" wollte ich wissen. "Natürlich. Aber vielleicht sollten sie dennoch einen Blick in den Rückspiegel werfen, bevor sie alles ausladen."

    So trugen die damalige Freundin und ich heute die unfassbar schweren Kübel hinunter und wuchteten sie ins Auto. Es war kurz nach Sechs und bereits dunkel, als wir los fuhren. Ganz in der Nähe meiner Wohnung befindet sich ein riesengroßer Parkplatz in einem Waldstück. Der Plan war, auf diesen Parkplatz zu fahren und die Erde in den Wald zu kippen. Schon in der Einfahrt zum Parkplatz kamen mir zwei Autos entgegen, weitere fuhren weiter hinten auf dem Parkplatz herum. Eigenartig, dachte ich mir, vermutlich letzte Besucher aus dem Zoo. Wir parkten unser Auto, mit der Heckklappe zum Wald. Ein weiteres Auto fuhr an uns vorbei. Langsam, im Schritttempo. Dieter saß darin. Sein Name stand auf einem Schild im Rückfenster. Und noch bevor ich die Tür öffnen konnte, kam schon das nächste Fahrzeug. Und dahinter wieder eines. Erst jetzt fiel uns auf, dass diese Wagen alle im Kreis fuhren, im Schneckentempo, mit gebührendem Abstand. Eine Parade?

    Dann sahen wir sie. Eine junge Frau, die neben ihrem Auto stand. Die Dicke ihrer Jacke hob sich auffällig von der Dünnheit ihres Röckchens ab. Und das Röckchen war nicht nur dünn, sondern auch kurz, legte den Blick frei auf Netzstrümpfe, die in schwarzen Stiefeln mündeten. Ein Wagen hielt neben ihr, sie beugte sich vor, dann fuhr das Auto weiter. Die anderen warteten geduldig, fuhren wieder an und drehten weiter ihre Runden. Etwa dreißig bis vierzig Autos umrundeten die junge Frau wie Motten das einzige Licht.

    Ich gebe zu, man hatte mir von diesem Parkplatz schon erzählt. Allerdings war ich davon ausgegangen, dass hier nur Samstag Nachts oder so, ab Mitternacht oder so, etwas los sei. Nicht unter der Woche nach Einbruch der Dunkelheit. An ein Entsorgen der Erde war natürlich nicht mehr zu denken. Wir sahen zu, von diesem Parkplatz herunter zu kommen, reihten uns in die Parade ein und fuhren langsam Richtung Ausgang. Und mieden Blickkontakt mit den mittlerweile zwei Damen die bestiefelt im regennassen Laub standen. Wer weiß wie viele von ihnen später hier stehen würden. Im Drei Meter Abstand? Die ganze Nacht?

    Bald fanden wir einen anderen Parkplatz, kippten die Kübel aus und sahen zu, wie die Blumenerde und die Wurzeln eins wurden mit Mutter Natur. Und den anderen Parkplatz werden wir nur noch bei Tageslicht aufsuchen. Übrigens, wir haben die Plastikkübel natürlich mit genommen und wirklich nur Erde und etwas Grün verschüttet.