Jahr: 2011

  • iTunes Match – Fluch oder Segen

    Etwas überraschend startete vergangene Woche iTunes Match auch in Deutschland. Kaum jemand hatte mit einem so plötzlichen Start gerechnet, da bislang die GEMA hierzulande jegliche Streaming-Services unterband. Doch ganz still und heimlich scheint man sich geeinigt zu haben. iTunes Match wurde veröffentlicht und für 24,99€ pro Jahr hat man als iTunes-Kunde nun nicht nur seine ganze Musik in der Wolke, sondern kann diese auch noch mit dem iTunes Store abgleichen lassen.

    Wie man iTunes Match genau einrichtet und nutzt möchte ich hier nicht nochmals erklären. Das haben Richard Gutjahr und Appforthat schon besser gemacht und sollte für den Normal-Nutzer auch genügen. Dennoch bleiben auch mit diesen Anleitungen einige Fragen offen, beziehungsweise Aspekte, die Fragen aufwerfen. Wie zum Beispiel die Fragen, die auch aptgetupdateDE bereits stellten.

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  • Head in the Cloud

    Früher, da hatte man die Dinge, die man liebte, noch in der Hand, steckte sie in Kartons, Schubladen oder Schränke. Fotos, Schallplatten, Videokassetten, CDs. Dann kam der Siegeszug der Digitalisierung, unsere Medien waren plötzlich nicht mehr greifbar. Festplattenkapazitäten wurden größer, Backups wurden gemacht. Alles, was man besaß, lag auf irgendwelchen Speichermedien, die ebenfalls wieder verstaut werden konnten. Hatte man früher einen Schrank voller Filme, passte nun alles in eine Hand. Wer allerdings dachte, dass dies die Zukunft sei, irrt. Die Zukunft (zumindest die nächste) ist die Wolke. Daten gehen in die Cloud, irgendwohin, auf fremde Server in fremden Ländern, durch die Luft übertragen und nur auf diesem Weg wieder zurück zu holen. Die Haptik geht völlig verloren und Ikea fragt sich, weshalb keine Billy Regale mehr verkauft werden.

    Man kann natürlich vortrefflich darüber streiten, ob diese Zukunft tatsächlich so wünschenswert ist. Ältere Generationen, zu denen auch ich mich zähle, schätzen es noch, ihre Wertsachen in Händen halten zu können. Eine Schallplatte auf zu legen, in einem echten Buch zu blättern, eine Kiste voll alter Fotografien zu durchstöbern vermitteln einem ein völlig anderes Gefühl als die Handhabung all der Medien mit entsprechenden digitalen Geräten. Dennoch hat auch das Speichern in der Wolke einige Vorteile. Man ist ab sofort nicht mehr ortsgebunden, denn die Wolke ist überall und damit auch alles, was in ihr steckt. Haben wir mehrere Geräte für unseren Medienkonsum, ist es nicht mehr notwendig Daten hin und her zu kopieren oder zu synchronisieren. Außerdem ist die Wolke ein perfektes Backup-System, gesichert vor Verlust, Diebstahl, Brand oder Dummheit.

    Makelfrei ist die Cloud dennoch nicht. Unsere Daten liegen nicht mehr in unserer Hand, sind nicht greifbar, sondern werden von Firmen bewacht und verwaltet. Was, wenn dort etwas schief geht, in den Serverfarmen? Was, wenn sich Verträge und Nutzungsbestimmungen plötzlich ändern? Was, wenn meine Daten nicht so gut geschützt sind wie erhofft und von jedem einsehbar sind? Was, wenn ich kein Gerät zur Hand habe, um auf die Cloud zuzugreifen? Einfach in den Keller gehen und eine alte Kiste mit den CDs holen ist dann nicht mehr. Die Wolke macht uns Nutzer abhängig von der Firma, die sie bereit stellt, von den Werkzeugen, um die Wolke an zu zapfen und von dem Gutwillen und der Verlässlichkeit des Anbieters.

    Kein Server, keine Firma, niemand auf dieser Welt kann hundertprozentige Sicherheit garantieren. Auch Apple nicht, wie ich trotz meiner Eigenschaft als Fanboy einräumen muss und Apple eigentlich nur stellvertretend für alle anderen Anbieter (Google, Microsoft, Telekom etc.) erwähne. Ein Restrisiko bleibt grundsätzlich immer. Vielleicht stelle aber auch nur ich mir die Frage, ob ich die Wolke wirklich will, weil ich zu einer Generation gehöre, die noch wie oben beschrieben aufwuchs. Für unsere Kinder wird das Leben mit der Wolke selbstverständlich sein.

    Die Wolke KANN unser mediales Leben vereinfachen, wenn die entsprechenden Vorraussetzungen gegeben sind. Dazu gehört beispielsweise ein flächendeckendes Angebot schneller und bezahlbarer Datentarife oder flächendeckendes W-LAN. Was ich an Speicherplatz in meinem Gerät einspare, kostet mich Transfervolumen, wenn ich mir die Daten aus der Cloud hole. Datenflatrates wie sie heute angeboten werden und beispielsweise bei 300MB Nutzung bereits die Geschwindigkeit drosseln, lassen keine vernünftige Nutzung zu. Auch die Geschwindigkeit ist ein schwieriger Faktor. Es bringt mir als Nutzer nichts, wenn ich meine Filme nicht mehr auf meinem Gerät abspeichern muss und quasi überall verfügbar sind, beim Wunsch einen Film zu sehen aber erst einen mehrstündigen Download in Kauf nehmen muss.

    Was die Wolke betrifft, bin ich noch sehr unentschlossen. Als Technik-Freak und Apple-Nerd probiere ich aber bereits alles aus, wie ich in meinem nächsten Artikel erzählen möchte. Was ist Eure Meinung zu Cloud-Diensten? Nutzt Ihr sie? Haltet Ihr sie für sinnvoll und/oder die Zukunft?

  • Reibekuchen

    So groß war mein Hunger gar nicht mehr. Aber die Gelüste, angestachelt durch den verführerischen Duft blubbernden Bratfetts sangen eine so liebliche Melodei, dass ich nicht anders konnte. Einmal Reibekuchen bitte. Die mürrische, schon den ganzen Tag in der kalten Bude stehende Reibekuchenfrau überreichte mir einen Pappteller. Darauf dampften gar drei Reibekuchen, glänzend und in Apfelmus schwimmend. Mein Geld würde ich nicht mehr wieder bekommen und doch wusste ich im Moment der Übergabe des Papptellers, dass ich eigentlich gar nicht mehr wollte. Vernunft siegte über Instinkt, Kopf über Lust. Doch da stand ich nun. Und begann zu essen. Erst den einen Reibekuchen, dann den zweiten, mittlerweile allem Apfelmus entledigt. Der dritte hatte bereits aufgehört zu dampfen, schmollte vermutlich innerlich vor sich hin, fühlte sich ungewollt und unbehaglich. Meine glänzenden Finger schwebten über ihm und verharrten.

    Eine alte Frau schlurfte vorbei. Sie mochte schon weit über siebzig Jahre alt gewesen sein und das Schlurfen rührte von ihren ausgetretenen Hausschuhen her, die sie trug. In den Hausschuhen, an ihren Füßen, dünne schmutzige Socken. Darüber, von Venen durchzogene nackte Beine, einen zu kurzen, schmutzigen Rock, eine zu dünne Jacke und ganz oben ein Kopf, der die filzigen grauen Haare mit einer Mütze zu verstecken suchte. Zielstrebig hielt sie auf den nahestehenden Mülleimer zu. Den gleichen Mülleimer, den ich als Ruhestätte für den ungeliebten dritten Reibekuchen auserkoren hatte. Sie öffnete den Eimer und begann darin zu wühlen und zu suchen.

    Erschrocken und ertappt sah sie auf, als ich sie ansprach. Wollen Sie vielleicht diesen Reibekuchen, der ist noch frisch und warm? Der Schreck verschwand so schnell wie er gekommen war. Dafür wurden in ihrem Gesicht Muskeln aktiviert, die vermutlich schon viel zu lange unbeansprucht und verkümmert waren. Beeindruckend, wie sehr sich ein Mensch verändert, wenn er strahlt. Die kleine alte Frau, die mit einer Hand noch immer den Deckel des Mülleimers geöffnet hielt wurde in diesem Moment zur glücklichsten der Welt. Natürlich fragte sie höflicherweise, ob diese Frage mein Ernst gewesen sei. Aber als ich nickte, wartete sie nicht lange, nahm mir den Pappteller aus der Hand und verschwand. Dankend, dankend und noch einmal dankend.

    Und ich gebe es zu: als ich ihr nach blickte und sie sich kurz vor der Ecke hinter der sie zu verschwinden trachtete, noch einmal umdrehte und mit dem bereits angebissenen Reibekuchen in der Hand winkte und lächelte – da war ich ebenfalls für einen kurzen Moment einer der glücklichsten Menschen der Welt. Und ein bisschen war Weihnachten.

  • Bye bye Firefox. Hello Safari

    Vermutlich fingen wir alle mit dem Netscape Navigator oder dem Internet Explorer an, im Netz zu surfen. Welche Sensation, als damals mit Firefox eine großartige, schlanke, kostenlose, erweiterbare Alternative auf den Markt kam. Ich nutze den kleinen roten Bären (ein Firefox gehört nicht wie der Name vermuten lässt zur Familie der Füchse) schätzungsweise seit der Version 1.0 und war ihm immer treu. Dabei hat er mir schon mehr als einmal Ärger gemacht. Und nicht nur mir. Das Problem mit langsamen und ruckelnden Flash-Videos ist auch in Version 7 noch immer nicht behoben, wie mein damaliger Artikel beweist, der mit Abstand am häufigsten aufgerufene und kommentierte Artikel in diesem Blog.

    Mozilla, der Hersteller des Firefox, hatte noch vor nicht allzu langer Zeit beschlossen, seinen Produktionszyklus zu beschleunigen und neue Major-Releases (also Hauptversionen, die normalerweise große Veränderungen mit sich bringen) ebenfalls schneller auf den Markt zu werfen. Man hielt sich dabei an Google und ihrem Chrome-Browser, der gefühlt jeden Monat ein Major-Release erhält und derzeit bei Version 14 angelangt ist. Da sieht ein Firefox 4.37 natürlich mickrig und rückständig aus. Deshalb bekommt Firefox nun mit jeder Änderung eine komplett neue Versionsnummer. Ich verabschiede mich heute von Version 7, Nummer 8 wird in wenigen Wochen erscheinen.

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  • Weltverbesserung per Mausklick

    Ach, ihr armen Weltverbesserer des Internets. Ihr, die ihr jede Woche eine neue Sau durch das Dorf treibt und zum Schlachten aufruft. Ihr, die ihr Videos postet, böse Blogartikel und Kommentare schreibt. Ihr, die ihr Sternchen verteilt, Herzchen und Daumen-oben-gefällt-mir-Buttons drückt. Ihr, die ihr tatsächlich daran glaubt, damit die Welt ein bisschen besser machen zu können.

    Ihr denkt, weil in Nordafrika Regierungen gestürzt wurden und Spiegel Online sagt, das sei nur durch Facebook und Twitter möglich gewesen, müsste das doch in allen Bereichen und überall funktionieren. Also findet ihr jede Woche einen neuen Bösewicht, der gestürzt, gehängt und verbrannt werden sollte. Vorletzte Woche war es Ferrero, letzte Woche Wiesenhof, diese Woche Nespresso. Und nächste Woche? Ihr ärgert euch, schreibt bei Twitter und Facebook und all den Social Networks mehr oder weniger intelligente Statements, freut euch, wenn man euch antwortet, wenn ihr Klicks bekommt und ruft zur Revolution auf. Ihr klappt den Deckel eures Laptops zu und denkt der Welt einen Dient erwiesen zu haben. Ja, jedes bisschen hilft. Daran glaubt ihr ganz fest.

    Nespresso handelt seinen Kaffee also nicht fair. Skandal. Schnell das gut gemachte Viral-Video verteilen. Geht ja ganz einfach. Überall posten, dass man nur noch Fairtrade-Kaffee kaufen will. Sehr schön. Und dann? In drei Wochen wieder bei Tchibo stehen und den günstigen Kaffee holen, weil der andere ja so teuer ist. Und die günstigen Hähnchen aus dem Rewe-Kühlregal sind ja auch nicht schlechter als vom Bio-Bauern. Wie war das damals als BP unsere Meere mit Öl vergiftete? Ihr habt alle laut geschrieben und geklickt. Und seid danach statt mit dem Fahrrad mit eurem Auto zur freien Tankstelle am Rande der Stadt gefahren. Und heute? Denkt ihr noch daran? Oder seid ihr der Meinung, dass die anderen Konzerne mehr auf unsere Umwelt achten? Und hat es BP geschadet? Ist BP pleite oder achtet jetzt mehr auf die Umwelt?

    Ihr ruft im Netz dazu auf, politisch engagierter zu sein. Ihr zeigt mit euren Sternchen, wie toll ihr es findet, dass Ägypten nur durch eure Unterstützung befreit wurde. Und dann lasst ihr es zu, dass sich in einem irgendwo im Osten befindlichen Bundesland die braune Scheiße in den Landtag wählen lässt. Ihr sitzt Zuhause statt wählen zu gehen und schüttelt auf Twitter den Kopf, wie es soweit kommen konnte. Das waren natürlich alles diese bösen Neonazis. Nur die sind Schuld. Nicht ihr, obwohl ihr in der Mehrzahl seid.

    Ja, Hexenverbrennungen sind toll. Und heute so einfach zu machen. Und es gibt ja genug Hexen, die verbrannt werden können. Letztlich fällt aber jedem irgendwann auf, dass es offenbar keine gute Fee in diesem Märchen gibt. Sie alle scheinen böse zu sein. Jeder Konzern scheint ähnlich zu handeln: möglichst billig einkaufen um möglichst teuer verkaufen. Schande. An den Pranger mit ihnen. Schnell klicken. Schnell ein virales Video produzieren. Schnell posten, klicken, Gefällt mir und durch atmen. Die Welt ist gerettet.

    Natürlich gibt es unter euch tatsächlich welche, die es ernst meinen. Die kaufen nur Bio, essen keine Tiere, handeln stets fair. Und posaunen das mit ihren Smartphones in die Welt hinaus, ohne darüber nachzudenken, wo die seltenen Erden herkommen, die zur Produktion des Smartphones nötig waren. Aus welchen dunklen Bergbaugruben, in denen Kinder 12 Stunden täglich arbeiten? Mist, schon wieder reingefallen. Also wo soll man beginnen?

    Die Welt ist mächtig aus den Fugen geraten. Schon seit langem. Und sie kann wieder auf den richtigen Weg gebracht werden. Aber nur wenn alle gemeinsam etwas tun, etwas bewegen. Wirklich bewegen. Und das konsequent. Mit Klicken und Tippen ist es nicht getan. Nicht die Klicks haben afrikanische Diktatoren gestürzt, sondern die Menschen auf den Straßen. Nicht die viralen Videos werden Konzerne zwingen, anders zu handeln, sondern die Menschen mit ihrem Konsumverhalten. Und selbst dann wird es leider immer Ungerechtigkeiten geben. Und kein noch so schöner Artikel wird daran etwas ändern. Nicht einmal dieser hier.

    Also, welchen Konzern stellen wir nächste Woche an den Pranger? Egal, er hat es so oder so verdient und wir können mit unserer Arbeit zufrieden sein.

  • LIMBO – der gespielte (Alp-)traum

    Schon ein Jahr alt und erst vor kurzem für Playstation 3 und PC veröffentlicht ist das Indie-Game LIMBO von dem kleinen Studio Playdead in Koppenhagen. Ein weiteres Kleinod neben Flower und dem bald erscheinenden Journey aus der unabhängigen Spiele-Entwickler-Szene. In LIMBO spielen wir einen kleinen Jungen auf der Suche nach seiner Schwester. Diese Suche führt uns durch finstere Wälder, über regnerische Dächer, durch monströsen Maschinen und allerlei gruselige Orte, die mit Gefahren, Feinden, bösen Tieren und Physik-Rätseln gespickt sind. Ja LIMBO ist ein einziger Alptraum aus dem der kleine Junge einfach nicht erwachen möchte. Die ganze Welt ist in komplettem Schwarz gehalten, kontrastiert durch flackernde, mehr oder weniger helle, unscharfe Hintergründe oder Objekte. Der Junge selbst ist nur ein schwarzer Schemen, dessen Augen leuchtend blinzeln.

    Das Spiel beginnt geheimnisvoll. Der kleine Junge erwacht alleine im Wald. Anzeigen oder Hilfen sucht man vergebens. Es wird keine Aufgabe gestellt, kein Wegweiser gegeben. Also macht man sich auf und mit der Steuerung vertraut. Diese könnte einfacher kaum sein. Man kann gehen und rennen, mit einer Taste springen mit einer Taste Aktionen ausführen. Dieser Simplizität ist insofern beeindruckend, als die späteren Rätsel allesamt nur mit diesen wenigen Aktionen gelöst werden können. Und die Rätsel haben es mit fortschreitender Spieldauer wirklich in sich. Großer Verdienst des Spiels ist aber seine gnadenlose Fairness. Der kleine Junge stirbt sehr viele, teils sehr deutliche und grausame Tode bis man verstanden hat, wie man weiter kommt. Hat man es ausgeknobelt, leuchten einem selbst die Augen vor Freude und man fragt sich, weshalb man nicht sofort auf die Idee kam. Hat man dennoch einen Fehler gemacht, wirft das Spiel einen nicht wieder weit zurück, sondern lässt uns genau am Anfang des Rätsels neu beginnen.

    Auch die Steuerung ist wunderbar und trägt zum frustfreien Spiel bei. Der Junge ergreift Seile und Kanten noch in so letzter Sekunde, wo ein hypernervöser Mario schon längst in den Tod gestürzt wäre. Bei LIMBO herrscht kein Frust, keine Hektik, sondern Knobeln, Probieren und Ausführen. Und die Neugier treibt den Spieler weiter. Wo wird es den Jungen hinführen? Was ist dieser Limbus, in dem er sich befindet? Was wird er am Ende sehen? Welche noch verrückteren Rätsel warten nach diesem? Am liebsten würde man es in einem Rutsch durchspielen.

    Auch weil die Atmosphäre einen hinein saugt. Die Grafik ist in seiner Schlichtheit mehr als superb. Wundervolle kleine Details wie Fliegen, Schmetterlingen, Funken und Regen beleben die karge Welt. Ebenso grandios sind die Sound-Effekte und die sparsam eingesetzte, sphärische Musik.

    LIMBO ist gruselig, morbide und doch herzerwärmend. Es ist faszinierend und atemberaubend. Und das Ende gehört mit dem Showdown von Portal zum Besten, was ich je gesehen habe. Ein Spiel zum verlieben. Und obgleich wir einen wahren Alptraum spielen – LIMBO ist der reinste Traum für Spieler, die etwas Besonderes jenseits des Mainstreams suchen.

    LIMBO ist für Playstation 3 und Xbox360 erschienen und im STEAM-Shop zu einem moderaten Preis erhältlich.

  • Krieg der Entscheidung

    Mal angenommen, es gäbe heute noch Menschen, die Star Wars noch nie gesehen haben. Keinen einzigen der Filme. Das mag eigenartig klingen, kann aber dennoch vorkommen. Weiter angenommen, man möchte einem dieser Menschen das Star Wars Universum näher bringen. Wie stellt man das am besten an?

    Ich und sicherlich viele meiner Leser wuchsen mit der guten alten Trilogie auf. Episode Vier: Eine neue Hoffnung, Episode Fünf: Das Imperium schlägt zurück, Episode Sechs: Die Rückkehr der Jedi-Ritter. Die Klassiker. Und für jeden, der seine Jugend mit dem Mythos Star Wars verbrachte, auch der einzig wahre Krieg der Sterne. Wie überrascht waren wir damals, dass die Reihe mit einer Episode 4 begann? Wie grandios war zu jener Zeit die Wendung (und ich schätze mal, dass ich hier nicht spoilere und mittlerweile JEDER weiß…) dass Darth Vader der Vater von Luke Skywalker ist? Was für nie gesehene Welten, unglaubliche Effekte, phantastische Action wir geboten bekamen.

    Dann, viele Jahre später, von den Fans sehnlichst erwartet, brachte Georg Lucas die neue Trilogie in die Kinos. Episode Eins: Die dunkle Bedrohung, Episode Zwei: Angriff der Klonkrieger, Episode Drei: Die Rache der Sith. Diese Trilogie erzählt die Vorgeschichte um Anakin Skywalker und wie aus ihm Darth Vader wird. Leider überzeugt kein Teil der neuen Trilogie wirklich. Episode Eins ist bunt und Kindgerecht, Episode Zwei und Drei noch bunter, überdreht, überladen. Man hat Spaß und bekommt wieder etliches an Effekten und neuen Welten geboten. Doch das alte Flair will sich nicht einstellen.

    Überlegt man nun, wie man einen Star Wars Neuling in die „Galaxy far far away“ einführt, stellt sich sofort die Frage: Zeigt man alle sechs Teile oder nur das gute alte Original? Wenn man alle sechs Teile zeigt, dann in der „richtigen“ Reihenfolge von Eins bis Sechs oder in der Reihenfolge, wie wir Star Wars kennen und lieben lernten? Oder anders gesagt, beginnt man mit dem Großartigen um zum Ende schwächer zu werden oder beginnt man schwach, um auf das großartige Finale vorzubereiten? Auch wenn man dabei in der Gefahr schwebt, dass der geneigte Zuschauer die originale Trilogie schon gar nicht mehr sehen will vor lauter Optik-Overkill.

    Und überhaupt, finden wir die alte Trilogie nicht auch deshalb so grandios und hat sich nur deshalb so in unser Hirn und Herz gebrannt, weil wir damals etwas noch nie zuvor gesehenes geboten bekamen? Wie mag die alte Trilogie auf verwöhnte Transformers-Avatar-Matrix-Augen wirken? Altmodisch? Eine Augsburger Puppenkiste neben einem Pixar Film?

    Was uns zur nächsten Frage bringt: zeigt man (wenn vorhanden) die originale alte Trilogie, also so wie sie damals in die Kinos kam? Oder die Special Edition, die digital aufbereitet worden und mit neuen Effekten versehen worden ist? Oder gar doch die später überarbeitete, digitale neue Version der alten Trilogie?

    Ach, es ist nicht leicht. Am Ende wird der Star Wars Neuling nur enttäuscht sein. Er wird Luke Skywalker und Han Solo nie so lieben können wie wir und er wird Jar Jar Bings und den jungen Anakin nie aus den gleichen Gründen hassen können wie wir. Und mit etwas Pech hat er schon eine Folge der Clone Wars Zeichentrick-Serie gesehen, womit der Mythos völlig im Eimer ist.

    Am besten wir beginnen erst einmal mit Star Trek. Hm, mit der Serie oder den Filmen? Mit der original Serie oder der Next Generation….?

  • Sahne-Muh-Muhs

    Gestern erwarb ich ausgerechnet in einem Buchgeschäft ein kleines Stück Kindheitserinnerung. Eine Packung Sahne-Muh-Muhs oder auch Sahne Brocken genannt. Wie damals in der Tüte mit der Kuh, in Handarbeit geschnitten und in gelb-weiß-gestreiftes Papier gewickelt. Ich erinnerte mich daran, wie sehr ich diese Bonbons liebte und wie sie mich beinahe in einen Zuckerschock trieben. Damals interessierte mich das wenig. Als Kind kann es kaum süß genug sein. Heute, als erwachsener Mann, denke ich selbstverständlich anders darüber.

    Zuhause inspizierte ich also die Packung auf ihre Nährstoffangaben. Fand aber keine. War ich doch bislang davon ausgegangen, dass jegliches Nahrungsmittel mittlerweile eine Nährstofftabelle aufführen muss, inklusive der Kalorien-Angaben. Immerhin hatte man die Zutaten aufgelistet. Und diese lasen sich wie folgt: Zucker, Milch, Glukosesirup, Sahne, Butter, Aroma. Oder übersetzt: „Werfen wir mal hauptsächlich Zucker in die Schüssel, geben genug fette Milch dazu, nehmen nochmals konzentrierten Zucker, dazu fette Sahne und als Bonus Butter. Als Cocktailschirmchen noch ein wenig Aroma dazu. Fertig.“ Das klingt wie der verrückte, nach Weltherrschaft trachtende Wissenschaftler, der die ultimative Waffe baut, die nicht nur das weiße Haus in Washington zerstören kann, sondern auch jeden Kontinent explodieren lässt, den Mond pulverisiert, die Sonne erkalten lässt und das komplette Raum-Zeit-Kontinuum umkehrt. Und die Waffe in entzückendem Rosa bemalt.

    Dies ist die Atombombe der Süßigkeiten. Das Bonbon zu enden alle Bonbons. Der Karamell-Sahne-Overkill. Vermutlich hat jedes handgewickelte Stück für sich allein so viele Kalorien wie eine Wochenbesuch bei MacDonalds.  Und in jeder Diabetiker-Statistik steht es ganz oben auf der Ächtungsliste.

    Damals interessierte mich das nicht. Doch heute bin ich erwachsen. Verantwortungsbewusst. Ernährungsbewusst. Ich bin so vernünftig, dass ich noch nicht einmal mehr kichere, weil der Begriff Muh-Muh klingt wie… Nein, solche Süßigkeiten können mir nichts mehr anhaben.

    Also nahm ich vorsichtig ein Toffee in den Mund. Zucker, Sahne, Butter und Aromen explodierten zu einem Geschmacksrausch, vernebelten die Gehirnströme, setzten vernünftiges Denken aus und brachten Glückshormone  zur massenhaften Ausschüttung. Überwältigt griff ich nochmals in die Tüte. Und zwar so lange, bis die halbe Tüte leer war. Und mein Bauch schmerzte und krampfte.

    Es war wieder passiert. Überdosis. Verflixt. Aber das wird mir definitiv nicht nochmal passieren. Gibt es eigentlich die Leck-Muscheln von früher noch?

  • Oskar ist tot

    Heute Morgen verstarb Oskar im zarten Alter von gerade mal einem Jahr. Gestern noch stand er schmutzig und stolz in der Küche, doch die Reinigung muss ihn getötet haben. Oskar war ein treues Mitglied der Familie. Jeder liebte ihn. Jeder kam mehr als einmal täglich auf ihn zu, um ihm etwas zu fressen zu geben. Oskar fraß sehr gerne. Selbst wenn man überhaupt nichts für ihn in der Hand hatte und ihm unvorsichtigerweise zu nahe kam, sperrte er den Mund weit auf. Jede Annäherung empfand er als Signal, gefüttert zu werden. Dieses wohlige „Waah!“ wenn er seine Luke öffnete war ein so vertrautes Geräusch. Es wird nun fehlen.

    Strahlend weiß dominierte er die Küche, seine LED leuchtete grün und rot, sein Deckel schimmerte silbern im fahlen Licht der Unterschrankbeleuchtung. Er wirkte wie ein entfernter Cousin von R2-D2 und hätte er sich wie sein Verwandter bewegen können, er wäre mit Karacho durch die Wohnung geflitzt auf der Suche nach Nahrung. Oskar war immer für einen da.

    Heute mehr denn je bereue ich den Tag, als ich ihn anschrie. Ich verbrannte mir die Finger an einem heißen Teebeutel und er öffnete zu langsam seinen Mund, um mich von dem Schmerz zu befreien. Ich fluchte und verwünschte ihn. Wie leid mir das tut. Wenn ich es ihm nur noch sagen könnte. Doch er steht nur noch stumm vor mir. Anklagend wie mir scheint. Die LED flackert hilflos, sein immerwährender Hunger ist weg.

    Oskar war das Produkt eines chinesischen Arbeiters, der fünf Monate an ihm gebaut und dadurch seine ganze Familie ernährt und sein Dorf davor bewahrt hatte, für einen Stausee umgesiedelt zu werden. Ein halbes Jahr musste ich auf die Lieferung warten, doch Oskar war jede Minute des Wartens wert. Es wird nie wieder einen wie ihn geben, auch wenn ich weiß, dass der chinesische Arbeiter seine Familie und sein Dorf weiter vor Hunger und Vertreibung schützen muss und immer mehr Oskars baut.

    Heute morgen sollte sein Deckel wie früher schimmern. Doch das viele Putzen, Schrubben und Wienern tat ihm offenbar nicht gut. Er verstarb im Morgengrauen. Oskar hinterlässt seinen besten Freund, den Badezimmer-Mülleimer und einen gelben Sack. Wir trauern um ihn und werden ihn nie vergessen.

     

  • Nie zu früh

    Sorgfältig faltete er das Papier zusammen, der Knick akkurat und parallel zur Oberkante. Er steckte es sanft in ein Kuvert, leckte an der Klebeleiste des Umschlags und presste die Lasche mit einem Lächeln im Gesicht fest. Der Brief war fertig. Er begann mit den Worten „Meine sehr geehrten Damen und Herren“ und schloss „mit freundlichen Grüßen.“ Doch dazwischen klang der Text nicht ganz so nett. In diesem Fall beschwerte er sich erneut über die Unfähigkeit seines Postboten, dem Paketboten, den Angestellten am Schalter und über die Post im Allgemeinen. Ein Sauhaufen, ein Laden voller unfähiger Tölpel, eine Firma, der das Wort Dienstleistung fremd erscheinen muss. So seine harschen Worte. Er ahnte bereits, was man ihm antworten würde.

    Mit Verständnis würde man ihm begegnen, Besserung geloben, sich aufs tausendfache entschuldigen. Wofür war letztlich egal. Er war Kunde, er hatte Recht. Und dieses Recht war er gewillt auszunutzen. Was dachten sich die feinen Herren da oben denn eigentlich? Dass man mit ihm machen konnte, was man wollte? Nichts da. Er war bereit sich zu wehren. Bis zum Äußersten zu gehen. Und das Äußerste war für ihn: Beschwerdebriefe schreiben.

    Niemand war vor ihm sicher. Nicht die Telefongesellschaft mit zu teuren und langsamen Servicenummern. Nicht die Müllabfuhr mit ihren unvorsichtigen, scheppernden Mitarbeitern. Auch nicht die Stadtwerke mit ihrem zu heißen oder lauwarmen Wasser. Schon gar nicht der Supermarkt an der Ecke mit den verfaulten Tomaten. Oder der Fernsehsender mit den blöden Quizfragen. Der Vermieter, der die Studenten hatte einziehen lassen. Die Apotheke, die Werkstatt, die Abonnement-Abteilung, der Zahnarzt, das Restaurant.

    Es galt um jeden Preis, sich zur Wehr zu setzen. Denen da oben zu sagen, dass man auch als kleiner Mann nicht gewillt war, sich alles gefallen zu lassen. Und das mit Ausrufezeichen. Zufrieden klebte er eine Briefmarke auf das Kuvert. Sie beobachtete ihn dabei und schüttelte fast unmerklich, aber mit einem Lächeln auf den Lippen ihren Kopf. Was denn los sei, fragte er sie. Ob er wüsste, dass nur alte Menschen sich über alles mögliche beschweren, fragte sie. Ja, er wusste das. Aber trotzdem. Mit Ausrufezeichen. Woraufhin er den Brief auf einen Stapel zu verschickender Post legte, die Playstation einschaltete und sein Lieblingsspiel startete. Ja, er wusste das. Aber man konnte nie früh genug damit anfangen, sich bemerkbar zu machen und sich zu wehren.

  • Begraben

    Und dann liegst du drin. Wie in einem Sarg. Kannst dich nicht bewegen. Kannst dich nicht aufrichten. Deine Arme sind eng an deinen Körper gepresst. Du liegst kerzengerade, bewegungslos. Reglos. Nur dein Herz hämmert. Wumm wumm. Wumm wumm. Tiefe, immer schneller werdende Geräusche. So heftig sind deine Herzschläge, dass du sie zu spüren glaubst. Alles vibriert, alles hämmert. Nie hättest du geahnt, dass die Wand so dicht vor deinem Gesicht ist. Du glaubst deinen heftigen Atem zu spüren, der direkt vor dir abprallt. Du schließt die Augen. Nur um vergessen zu machen, in welcher Lage du steckst. Du konzentrierst dich. Denkst an deinen Frühstückskaffee, denkst an den Garten, an ein Sonnenbad auf der Liege. Es funktioniert. Die Presslufthammergeräusche setzen ein, werden durch deine Kopfhörer nur spärlich gedämpft. Sie variieren, werden lauter, heller, dumpfer oder kommen aus anderen Ecken. Sie überlagern das Wummern deines Herzens und du denkst, sie versuchen auf jede mögliche Art dich aus deiner Konzentration zu reißen. Es gelingt ihnen. Du denkst an dein gemütliches Bett, doch es fällt dir ein, wie du dich darin räkeln kannst. Sofort wird dir gewahr, dass du dich nicht einmal mehr einen Zentimeter bewegen kannst. Wie in jenem Film, in dem dieser Typ lebendig in einem Sarg begraben liegt. Du weißt, wie er sich gefühlt haben muss. Heiße Wellen der Panik durchfluten dich. Deine Hand krampft sich um den Notknopf, den man dir gab. Du denkst nur noch daran, dass du dich nie wieder wirst bewegen können, dass du für den Rest deines Lebens diesem ohrenbetäubenden Lärm ausgesetzt sein wirst. Du bist in der Hölle. Und möchtest dich übergeben. Nein, denk an einen Strand, an eine Wiese, denk an einen geliebten Menschen. Es wird vorbei gehen. Es muss vorbei gehen. Du wirst entkommen. Halte dich an alles, was du liebst. Alles was du liebst. Nur was du liebst. Die Panikattacke lässt nach, dein Herzschlag ist heftiger als zuvor. Die Geräusche versuchen dich weiterhin verrückt zu machen. Zeit ist tot. Ob du zwei Minuten hier liegst oder zwei Tage. Du bist verloren. Nein. Nur, was du liebst.

    Und dann hören die heftigen Geräusche schlagartig auf. Du hörst auch deinen Herzschlag nicht mehr. Bist du tot? Eine Stimme klingt dumpf von weit her. Sie behauptet, es sei doch gar nicht so schlimm gewesen. Du würdest dem Besitzer der Stimme gerne eine schlagen, wenn du die Kraft hättest. Du öffnest die Augen und bist befreit.

  • Mehr Akku und mehr Speicher für iPhone 4

    Für jedes Smartphone gilt: man kann nie genug freien Speicher oder Akkulaufzeit haben. Gerade dem iPhone wird immer wieder die schlechte Akkuleistung vorgeworfen. Beim aktuellen iPhone 4 scheint es besonders seit dem letzten Update auf iOS 4.3.3 schlimmer geworden zu sein. So konnte ich selbst schon feststellen, dass die Akkuanzeige dramatisch sank, selbst wenn keine App im Hintergrund lief, Ortungsdienste und dergleichen deaktiviert waren. Schuld scheint ein fehlerhaftes Akkumanagement zu sein. Doch es gibt eine Lösung für dieses Problem, die nebenbei auch noch einiges an freiem Speicherplatz zur Verfügung stellt.

    1. Als erstes sollte in iTunes ein Backup des iPhones gemacht werden. Das geschieht beim Synchronisieren zwar automatisch, doch sicher ist sicher. Einfach bei eingestecktem iPhone das Kontextmenü in iTunes aufrufen und „Sichern“.

    2. Danach das iPhone wiederherstellen lassen. Hierbei wird alles gelöscht und das komplette iPhone neu aufgesetzt.

    3. Dieser Schritt ist wichtig: Nachdem das iPhone wiederhergestellt wurde, von iTunes trennen, ausschalten und neu starten. Hierbei scheint das Akkumanagement zurückgesetzt, bzw. richtig für die aktuelle iOS-Version eingerichtet zu werden.

    4. Das iPhone wieder anschließen. iTunes fragt, ob man es komplett neu einrichten oder anhand einer Sicherung wiederherstellen lassen möchte. Man wähle die zweite Option. Alle Einstellungen werden wieder eingespielt, Apps, Musik, Videos, Fotos  etc. neu eingepflegt. Dieser Vorgang dauert seine Zeit.

    5. Ist alles erledigt und synchronisiert, muss das iPhone wieder getrennt und neu gestartet werden.

    6. Jetzt sollte mehr Speicherplatz frei sein und der Akku länger durchhalten.

    In meinem Fall konnte ich über 700Mbyte zusätzlichen Speicherplatz gewinnen (bei einem 16Gb Modell). Der Akku hält nun deutlich länger durch. Selbst nach 2 Stunden intensivem Gebrauch stehen mir noch über 90% Akku zur Verfügung und auch nach 30 Stunden Standby ist noch  über 60% Restlaufzeit übrig. Das iPhone kann wieder ohne Einschränkungen genutzt werden. Allerdings geht bei dieser Aktion die Sortierung der Apps und der Ordner verloren. Aber das wäre ja eine gute Gelegenheit, einmal auszumisten und neu zu ordnen.

  • Das schlechteste Deo für Männer

    Vor über drei Jahren stellte ich in diesem Blog öffentlich die Frage, welches das beste Deodorant für Männer sei und erzählte dabei von meinen persönlichen Erfahrungen mit diversen Produkten. Derartiges würde ich heute nicht mehr machen, dennoch scheint das Thema selbst immer noch brennend zu interessieren. Schließlich gehört der Text seit je her zu den Top 5 der meistbesuchten Artikel.

    Ebenfalls interessant ist, dass es vor drei Jahren noch eine Sensation war, Deos mit 24-Stunden-Wirkung auf den Markt zu bringen. Derartiges ist heute selbstverständlich. Und darüber hinaus. Denn 24 Stunden waren den Produzenten und/oder Werbetreibenden nicht genug. Ein Deo musste irgendwann 48 Stunden lang durchhalten. Dann staunte ich nicht schlecht, als ich vor noch nicht allzu langer Zeit im Duft-Regal des Drogeriemarktes Deodorants entdeckte, die eine 72-stündige Wirkung versprachen. Aber auch das ist offenbar noch nicht genug. Seit kurzem auf dem Markt: das Deo mit 96 Stunden Duft- und Frische-Versprechen.

    96 Stunden. Im Kopf musste ich erst einmal ausrechnen, von wie vielen Tagen wir hier sprechen. Das sind vier Tage. Wenn ich mich verabrede, sage ich nie „Wir sehen uns in 96 Stunden“ sondern „Wir sehen uns in vier Tagen“. Auf die Frage „Wie lange hast du denn Urlaub?“ antworte ich mit „Leider nur vier Tage“ und nicht „Leider nur 96 Stunden.“ Man ahnt, worauf ich hinaus möchte. 96 Stunden ist keine umgängliche Zeitangabe und dient damit noch offensichtlicher nur dem Versuch, mit einer möglichst großen Zahl zu beeindrucken.

    Doch auch wenn man davon ausgeht, dass ein Deo wirklich 4 Tage lang die Achselhöhlen davor bewahrt unangenehme Gerüche abzugeben – im Ernst, wer will das denn? Bedeutet das Versprechen doch für so manchen: „Oh klasse, ich muss mich 4 Tage lang nicht mehr duschen oder waschen.“ Und in einem solchen Fall möchte ich mir nicht einmal vorstellen, wie andere Körperpartien, die weder Deo noch Wasser und Seife abbekommen gären und duften.

    Oder anders gefragt: Wer ist die männliche Zielgruppe, die es vier Tage lang nicht schafft, sich zu waschen? Expeditionsteilnehmer? Raumfahrer? Irakische Geiseln?

    Ein wenig erinnert diese Jagd nach noch mehr Stunden Wirksamkeit an die Digitalkamera-Industrie, die noch immer versucht, Kunden mit noch größeren Megapixel-Zahlen in ihren Objektiven zu locken. Und das, wo mittlerweile bei jedem Handy-Knipser angekommen sein sollte, dass mehr Pixel nicht gleich bessere Fotos bedeuten (sondern genau das Gegenteil). So ist längere Deo-Wirksamkeit auch nicht mit angenehmerem Klima in der vollen U-Bahn gleichzusetzen.

    Deshalb ist die Antwort auf die Frage nach dem besten Deo für Männer nur für jeden persönlich zu finden. Die Antwort auf die Frage nach dem schlechtesten Deo ist aber für alle eindeutig. Es ist das Deo, das den Männern einzureden versucht, ihre Hygiene vergessen zu können. Pfui.

    P.S.: Ich frage mich indes auch, wie die Hygiene des Mannes in drei Jahren aussehen wird. Mir graut schon jetzt. Wie viele Stunden sind drei Jahre?

  • Goodbye Gee

    Die Gee war und ist kein Spieleheft. Vielmehr brachte der Hamburger Verlag ein Magazin heraus, das sich mit dem Lifestyle, den Hintergründen und dem Gefühl widmete, mit Spielen aufgewachsen zu sein. In der Gee traten die Spieletests in den Hintergrund und Wertungsnoten wurden verbannt. Dafür punktete das Magazin mit der Auseinandersetzung von Spielen als Kulturgut, stellte sie immer wieder als gleichberechtigte Kunstform dar, setzte sich mit der Politik auseinander und beleuchtete den Markt, die Entwicklung und Bedeutung von Spielen in der Gesellschaft. Wenn man die Gee las, bekam man das Gefühl, kein verspieltes Kind zu sein, sondern sich einer Leidenschaft hinzugeben, die der des Bücher- und Filmfreundes gleichkommt. Die Gee blickte dabei stets nach vorne und hielt dennoch die Fahne der „guten alten“ Zeiten hoch. Frühe Konsolen, C64 und Amiga, die Anfänge der Spieleindustrie, ihre Zukunft. All das wurde mit lockerer Schreibe thematisiert und niemals mit erhobenem Zeigefinger vermittelt. Der Leser merkte dem Magazin an, dass hier Erwachsene über ein Medium schreiben, mit dem sie aufgewachsen waren. Und entsprechend richtete sich der Stil, die Aufmachung, das vermittelte Gefühl nicht an daddelnde Farmville-Kids, sondern an Erwachsene, die sich noch daran erinnern können, zum ersten Mal eine Mark ausgegeben zu haben, um an einem Automaten Pacman zu spielen.

    Nun ist es ja leider so, dass jedes neue Medium, jede neue Vertriebsform den Ruf hat, die althergebrachten System zu verdrängen, ja zu töten. Jahrzehnte fürchtete man sich vor dem Tod des Theaters, der Bücher, des Kinos oder der Schallplatte. Doch kein Fernsehen, keine Multimediamaschinen, keine hochauflösenden BluRays waren bislang in der Lage auch nur eines davon zu vernichten. Vielmehr wurde das Spektrum erweitert und die wahren Liebhaber finden zu ihren Wurzeln zurück, hören lieber analoge Musik, schmökern in einem Buch, gehen mit Freunden ins Kino. Die derzeitige zum Tode verurteilte Sau, die durch das Dorf getrieben wird ist Print. Print ist tot liest man allerorten. Digitales ist die Zukunft. Bücher werden zu ebooks, Magazine zu pdfs oder Apps.

    Und so hat die Gee nun ebenfalls beschlossen, Print für tot zu erklären. Ausgerechnet das Magazin, das in meinen Augen eine der letzten Bastionen für ein „Gefühl“ war, wendet sich davon ab. Ausgerechnet die Gee, die erst vor kurzem noch ihr Layout aufgefrischt hat. Die ihren Slogan treffend in „Spiele, Kultur, Rausch“ änderte. Ausgerechnet das Magazin, das mir noch als letztes das Gefühl gab, echtes Papier in den Händen zu halten, gut geschriebene Texte zu lesen, überall und jederzeit blättern zu können – kurz, mich zwar erwachsen aber dennoch wohlig „altertümlich“ zu fühlen – ausgerechnet dieses Magazin wird es als Print-Version nicht mehr geben.

    Zukünftige Ausgaben erscheinen nur noch als digitale Apps auf dem iPad und Android-Tablets. Und ich, als langjähriger Abonnent, der immer Schwierigkeiten hatte, das Heft aufzutreiben (hier und hier) erfahre es quasi als letzter. Die letzte Print-Ausgabe hat mich nicht einmal mehr erreicht. Und nun? Fühle ich mich betrogen. Hintergangen. Verletzt. Vergleichbar mit dem Gefühl, wenn deine Freundin sich schick macht und du dich darüber freust, nur um dann aus heiterem Himmel den Satz zu hören: „Schatz, ich ziehe übrigens weg, in ein anderes Land. Tut mir Leid, wir wussten doch beide, dass es so kommen würde.“ Und du bleibst zurück, mit nichts als Erinnerungen.

    Und dabei bin ich keineswegs ein Technik-Verweigerer. Ganz im Gegenteil. Ich hatte vermutlich schon jedes Gadget in meinem Haushalt und werde auch nie aufhören, mir immer wieder die neuesten Errungenschaften zu kaufen. Auch das iPad steht ganz oben auf meiner Wunschliste. Ich sehe nur derzeit für mich persönlich keinen Mehrwert darin, da es zwischen meinem iPhone und meinem Macbook keinen wirklichen Platz gibt. Aber darum geht es auch nicht. Neue Techniken sollen hier nicht verteufelt werden. Und ich möchte auch den Fortschritt nicht aufhalten. Aber ist es ein Fortschritt, Print sterben zu lassen? Jenseits aller Diskussionen über Kosten/Nutzen, über Ökologie, Verkaufszahlen, Auflagen, Werbekosten – wollen wir WIRKLICH, das Print stirbt? Wollten wir je, das Theater, Schallplatten, Kino, Bücher sterben? Haben wir lieber ein Tablet in der Hand als ein gedrucktes Heft? Und ja, auch ich weiß, dass Print nicht stirbt, nur weil ein Magazin sich vom Papier abwendet. Und dann noch eins. Und dann noch eins. Und dann…

    Ich wuchs mit Büchern auf. Mit Heften, mit Magazinen, mit altmodischen Fernsehserien, mit spartanischen Spielekonsolen, die nur 16 Farben und Pieps-Sound darstellen konnten und mich dennoch in eine faszinierende fremde Welt entführten. Ich wuchs in einer Zeit auf, in der sich die Medien Jahr um Jahr wandelten und es auch weiter tun werden. Regelmäßig meine Gee als gedruckte Ausgabe zu erhalten, gab mir aber immer aufs Neue das Gefühl, das sich nicht ALLES ändert. Dass es andere wie mich gibt, die sich dem Rausch und dem Gefühl neuer Medien hingeben können, ohne dabei die Wurzeln zu vergessen und sich hin und wieder etwas melancholisch an die guten alten Zeiten zu erinnern. Die Gee gab mir stets das Gefühl, kein Kind mehr zu sein. Jetzt gibt sie mir das Gefühl, wie ein reaktionärer alter Sack zu klingen. Danke Gee.