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7 Regeln für Firmenparty-DJs

Klugscheißermodus an. Ich mag es ja grundsätzlich sehr, wenn Menschen über Dinge schreiben, von denen sie so gar keine Ahnung haben, Tipps geben und Regeln aufstellen. Immer wieder ein Quell der Freude. Und heute möchte ich mich daran beteiligen, denn vom Plattenauflegen als DJ weiß ich so gar nichts. Aber ich weiß, wie man sich als Gast auf einer Firmenfeier fühlt, wenn der DJ es schafft, durch seine Musikauswahl die Tanzfläche zu leeren. Deshalb folgen nun meine ultimativen Klugscheißertipps für Firmenparty-DJs:

  1. Informiere dich im Vorfeld über dein Publikum. Irgendjemand fragt dich an und bucht dich. Dieser Jemand ist höchstwahrscheinlich für die Veranstaltung verantwortlich und war es auch schon auf vielen Veranstaltungen zuvor. Frag nach, wie die Gäste drauf sind, ob gerne getanzt wird. Ob auf früheren Partys eher zu 80er, 9er, Rock oder Pop getanzt wurde.
  2. Lass deinen eigenen Musikgeschmack zuhause. Niemand auf der Party interessiert sich für deinen exotischen Stil oder deinen Radio-Mix, den ohnehin jeder jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit hört. Du bist ein Dienstleister, der deinem Kunden das liefern soll, was das Publikum will. Siehe Punkt 1. Zusatz: Niemand interessiert sich für deine tollen Übergänge. Die Leute wollen tanzen und Spaß haben.
  3. Spiele „tanzbare“ Musik. Die Auswahl ist riesig und das mögliche Feld weit. Daumenregel: Wenn ein Song in Heavy Rotation im Radio läuft, ist er zwar populär aber nicht unbedingt für eine Firmenfeier geeignet. Einzige Ausnahme ist natürlich, wenn während eines Büffets ebenfalls Musik gespielt werden soll – dann bitte etwas loungiges mit Stil
  4. Halte einen beliebten Stil durch. Wenn du einen Rock-Klassiker aus den 80ern spielst und die Gäste johlend auf die Tanzfläche rennen, spielst du danach noch einen Rock-Klassiker aus den 80ern und danach noch einen. Und nachdem du noch einen und dann noch einen gespielt hast, kannst du gerne noch einen spielen. Und dann erst kannst du darüber nachdenken den Stil zu wechseln. Siehe Punkt 5.
  5. Achte auf dein Publikum. Wenn du einen Neue Deutsche Welle Song spielst und die Gäste fluchtartig von der Tanzfläche eilen, dann bemerkst du das und spielst ab sofort keine Neue Deutsche Welle Songs mehr, sondern gehst zu einem Rock-Klassiker aus den 80ern über. Siehe Punkt 4.
  6. Halte dich an unveränderbare Grundregeln. Die Klassiker gehen meistens, egal ob das Publikum Ü40, U22 oder alles zwischen 18 und 64 ist. Mit tanzbaren Rock-Klassikern, mit 80er und 90er Pop-Songs liegst du meistens richtig. Mit R&B und Hip-Hop (auch Deutsch) kannst du punkten, achte aber auch hier darauf, beliebte Klassiker im Repertoire zu haben. Techno funktioniert nie, House unter Umständen. Hard-Rock kann zu später Stunde noch richtig anheizen. Mit deutschen Songs immer Vorsicht walten lassen, nie Schlager spielen, nie Karnevalsmusik, aber jederzeit Lieder, deren Text jeder auswendig kennt. Und neben diesen allgemeinen Grundregeln gelten zwingend folgende Unterregeln:
    1. Nach den Spice Girls kommen die Backstreet Boys
    2. Nach Kenny Loggins kommt Melissa Etheridge
    3. Nach Metallica kommt „Killing in the Name of“
    4. Nach Rihanna kommt Jay-Z, Beyonce oder Alicia Keys
    5. Nach „Mr.Vain“ kommt „Rhythm is a Dancer“
    6. Nach Abba kommen die Bee Gees
    7. Nach den Fanta 4 kommt Fettes Brot und danach Seeed
    8. Nach „It’s my Life“ (Dr.Alban) kommt „There’s no limit“ (2Unlimited) oder „What is Love“ (Haddaway)
    9. Nach „Billy Jean“ kommt „I will survive“
    10. Nach Kool & The Gang kommt Earth, Wind & Fire
    11. Bonus-Regel: „Uptown Funk“ von Bruno Mars und „Blurred Lines“ von Robert Thicke gehen immer. Auf jeder Feier.
    12. Alle oben genannten Kombinationen können in der jeweiligen Reihenfolge getauscht werden und es gibt ca. 2400 weitere unveränderbare Kombinationen, die ein Profi kennen muss.
  7. Du hast jeden erdenklichen Musikwunsch da oder kannst ihn in irgendeinem Streamingdienst aufrufen. Du nimmst jeden Musikwunsch ernst und spielst ihn alsbald in der Playlist anderer Songs, die dazu passen. Sollte der Song gar nicht zum Publikum passen (siehe Punkt 4 und 5) teilst du mit, dass du diesen Song nicht oder nur am Ende der Party spielen kannst.

Ist doch eigentlich gar nicht so schwer, oder? Klugscheißermodus aus.

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Künstliche Aufregung um eine Umweltsau

Wovor man vielleicht Angst haben sollte: Künstliche Intelligenz. Romane und Spielfilme wie Terminator haben uns gelehrt, dass eine KI früher oder später ein Bewusstsein entwickeln wird, erkennt, dass der Mensch der größte Feind der Menschheit ist und Schritte einleitet, diese Plage auszulöschen.

Wovor man mehr Angst haben sollte: Künstliche Aufregung. Soziale und andere Medien haben uns gelehrt, dass jede(r) Meinung, Ansicht, Gedanke, Tat, Untat, Aussage derart emotional bewertet wird, dass zielführende Gespräche nicht mehr möglich sind. Letztes Beispiel (mittlerweile vielleicht auch nicht mehr) ist eine harmlose Umdichtung eines harmlosen Lieds, interpretiert von einem Kinderchor, initiiert vom WDR. Ein Text, der eine Oma als Umweltsau bezeichnet und damit kaum bösartiger oder ernster gemeint ist, als unsere damals neu getexteten Songs auf dem Schulhof oder auf der Otto-Schallplatte. Es reichte dennoch zu einer künstlichen Aufregung, Aufmärschen von Wutbürgern und recht(s) radikalen Arschgeigen vor dem WDR-Gebäude und höchst peinlichen Entschuldigungs-, Beschuldigungs-, Erklärungsversuchen aller WDR-Mitarbeiter (außer den Freien natürlich). Wie man mit einer solchen Situation besser umgehen sollte, hat der bekannte Rezo in seiner Zeit-Kolumne sehr treffend beschrieben.

Wovor man am meisten Angst haben sollte: Reale Dummheit. Die Realität hat uns in den letzten Jahren gelehrt, dass die reale Dummheit die größte Gefahr der Menschheit darstellt, denn einige wenige Clevere nutzen sie, um ihre eigenen, egoistischen Ziele mit dummer Masse zu erreichen. Und so nebenbei den Frieden, die Umwelt und – auf lange Sicht – die Menschheit zu vernichten. Vermutlich noch schneller, als es künstliche Intelligenz schaffen würde. Diese entwickelt immerhin noch ein Bewusstsein.

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Deutschland, deine Untertitel.

In sogenannten „Reality-Shows“ im privaten Fernsehen ist es gang und gäbe, Untertitel einzublenden, wenn die Darsteller trotz aller Bemühungen nicht zu verstehen sind. Dies passiert gerne, wenn sie aus dem entferntesten Süden, Osten, Norden oder Westen des Landes stammen. Ich kann ein Lied davon singen. Auch mich versteht niemand, wenn ich im Dialekt meiner Heimat spreche. Gesamtdeutschland versteht seine Einwohner nicht und Untertitel helfen dabei.

Deutschland hat eine gut gepflegte Synchronisationskultur, weshalb es schwer ist, Filme im Originalton im Kino zu sehen. Seit es Streaming Dienste gibt, ist es ein Leichtes, die Sprache fast jeden Films oder Serie jederzeit umzuschalten und, falls notwendig, den passenden Untertitel dazu einblenden. Eventuell sogar einen anderssprachigen Untertitel, um die Sprache zu lernen oder zu vertiefen. In Ländern wie zum Holland oder der Schweiz ist es übrigens ganz normal, Kinofilme im Originalton zu zeigen. Und auch dort helfen Untertitel.

Nun sind deutsche Synchronsprecher in den meisten Fällen sehr gut ausgebildete Profis, was dazu führt, dass synchronisierte Filme meist klar und deutlich zu verstehen sind. Da wird nicht geflüstert, da wird nicht genuschelt, und falls doch, dann immer so, dass der Zuschauer es weiter versteht. Leider fehlt es so manchem deutschen Schauspieler an dieser Kunst. Zuletzt beobachtete ich dies bei dem recht starken Film „Aus dem Nicht“ von Fatih Akin mit Diane Kruger (Krüger?) in der Hauptrolle. Ohne deutschen Untertitel waren viele Dialoge einfach unverständlich. Da wird gemurmelt, gestammelt, geheult, dass die Hälfte der Handlung verloren geht. In einer Szene blendete der Untertitel gar folgendes ein: „[Birgit flüstert etwas unverständliches]“ Also wenn es selbst der Untertitel nicht versteht…

Wie kommt es dazu? Legen weder Regisseur, Tontechniker und Schauspieler Wert darauf, gut verstanden zu werden? Würde es den Realismus zerstören, wenn eine Figur sich jederzeit deutlich ausdrücken würde? Was würde passieren, wenn man so manchen deutschen Film oder Serie synchronisieren würde? Mit Profis, die wissen, wie man Emotionen und Atmosphäre „rüber bringt“, auch wenn die Szene in möglichst undankbarer Umgebung spielt oder möglichst realistisch und lebensnah sein soll? Ich werde es wohl nie erfahren. Dafür freue ich mich aber, immer wieder zu Untertiteln greifen zu können, wenn ich etwas nicht verstehe.

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Sascha Lobo liebt die Bahn fast so sehr wie ich

Sascha Lobo schreibt in seiner Spiegel Online Kolumne am 11.Dezember eine (nicht ganz vorbehaltlose) Liebeserklärung an die Bahn. Dem, wie er es nennt, wunderbarsten Verkehrsmittel der Welt. Und geht danach auf Kommentare zu seiner Kolumne im Debatten-Podcast ein (hier), erklärt und vertieft einige seiner Argumente.

Wenig überraschend konnte ich beim Lesen und Hören des Herrn Lobo nur zustimmend nicken. Denn mit so gut wie allem hat er Recht. Die Fakten sind gut recherchiert und seine Beobachtungen und Schlussfolgerungen treffen aus meiner Sicht ins Schwarze. Man spürt die Ehrlichkeit seiner Liebeserklärung und gleichzeitig auch den leicht bitteren Nachgeschmack, jemanden oder etwas trotz seiner Fehler zu lieben.

Persönlich kann ich das gut nachvollziehen, denn ich liebe die Bahn bis heute. Tat es schon von Kindheit an und hörte nie damit auf. Wie hier und da schon erwähnt, war ich lange Zeit selbst Lokführer bei der deutschen Bahn, fuhr Güterzüge, Regionalzüge, Intercitys und später auch ICE zwischen Basel und Frankfurt. Und ich erlebte hautnah, wie ein Unternehmen durch falsche Entscheidungen und Sparkursen nach und nach zerstört wurde.

Als ich Mitte der 90er Jahre meine Ausbildung zum Lokführer begann (und davor noch eine damals obligatorische technische Ausbildung absolviert hatte), stieg ich auf dem Höhepunkt der Umstrukturierung ein. So hatte ich beispielsweise einen möglichen Beamtenstatus nur um Monate verpasst und wurde ganz normaler Angestellter mit tariflicher Bezahlung eines zukünftigen Aktienunternehmens (das ab sofort nicht mehr Bundesbahn genannt werden durfte).

Es war pures Glück dass ich, wenige Monate nach Bestehen meiner Prüfung, dem Fernverkehr zugeteilt wurde. Eine der drei möglichen Lokführer-Gruppierungen, neben dem Regional- und Güterverkehr. Plötzlich war es einem Lokführer nicht mehr möglich, unterschiedliche Züge, Lokomotiven und Strecken zu befahren. Beim Güterverkehr fuhr man den Rest seines Lebens nur noch Güterzüge. Wurde man wie ich dem Fernverkehr zugeordnet, hatte man zumindest noch die Aussicht, Autoreise- und Nachtzüge zu bewegen und dereinst auf Intercity und ICE ausgebildet zu werden.

So kam es in meinem Falle, bis ich, im Alter von knapp 30 Jahren, den Höhepunkt erreicht hatte und regelmäßig ICE fuhr. In der ganzen Zeit wurden um uns herum Strecken stillgelegt, Verbindungen gestrichen, Personal eingespart und Schichten verlängert. Es wurden Weichen (oder nur deren Heizung) ausgebaut, Überholgleise entfernt und Lokomotiven aus den 1950er Jahren eingesetzt. Bis in die 2000er hinein bewegten wir Material, das über ein halbes Jahrhundert alt war, auf Material, das ein ganzes Jahrhundert alt war. Werkstätten und Kantinen wurden geschlossen, Betriebsstätten, Ruhe- und Pausenräume entfernt, Bahnbetriebswerke verkleinert und auch dort wichtiges Wartungs- und Reinigungspersonal entlassen oder nicht neu eingestellt.

Eines erlebte ich in der ganzen Zeit allerdings nie: dass die Bahn-Angestellten, die Kollegen, sich davon hätten unterkriegen lassen. Als eingeschworene Gemeinschaft stand man hinter der Bahn. Vom Lokführer, über die Zugführer und Schaffner, von den Disponenten, den Fahrdienstleitern und den Bahnhofsvorstehern, den Kollegen in den Speisewagen, den Rangierern, bis hin zu den Reinigern, Werkstattmitarbeiter und Ansagerinnen. Wir alle waren die Bahn. Wir alle standen aus einem bestimmten Grund morgens (mittags, Abends, Nachts, an Heiligabend und Silvester) auf. Wir motzten darüber, was aus unserer Bahn geworden war und was „die da oben“ jetzt wieder für bescheuerte Pläne geschmiedet hatten, um uns das Leben schwer zu machen. Doch jeder Bahner tat sein Bestes.

Sascha Lobo beschreibt, wie die Bahn auf den Rücken der Angestellten zerstört wurde und hat Recht damit. In meiner Laufbahn kannte ich kein Beispiel, wo ein Kollege aus Frust über die Bedingungen nicht dennoch versucht hätte, pünktlich und freundlich zu sein. Ich bin mir sicher, dass sich daran bis zum heutigen Tag auch wenig geändert hat. Und ich wünsche mir sehr, dass sich dies in Zukunft auszahlen wird. Dass die Bahn wieder den Stellenwert erhält, den sie haben sollte. Als zuverlässiges, günstiges Verkehrsmittel. Als beste Alternative zum Auto, zum Fernbus, zum Flugzeug.

Ich liebe die Bahn. Wahrscheinlich etwas vorbehaltloser als Herr Lobo. Ich freue mich auf meine nächste Zugfahrt (natürlich an Weihnachten). Und sollte dabei doch etwas schief gehen, werde ich wissen, warum das so ist. Ich werde wissen, dass viele Menschen eifrig daran arbeiten, das Problem zu beheben. Und ich werde entspannter und glücklicher ankommen, als wenn ich mich mit 300.000 anderen Wahnsinnigen auf die Autobahn gequetscht hätte.

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S(F)UV

Neulich, auf einer beliebigen Landstraße in Deutschland: Ich stehe in einem Stau vor einer großen Kreuzung. Vor mir: ein SUV einer beliebigen Automarke. Fett, breit, hoch. Genau in meiner Augenhöhe die Rücklichter des Wagens, die sich wie Laserschwerter in meine Augen brennen. Hinter mir: ein SUV einer beliebigen Automarke. Ebenfalls in meiner Augenhöhe: die Scheinwerfer des Wagens, die sich in meinem normalgroßen PKW ein Laserschwert-Duell liefern. Mit beeindruckenden Effekten in meinem Rückspiegel.

So oder so ähnlich dürfte es mittlerweile auf jeder beliebigen Landstraße in Deutschland zugehen. SUVs wohin man blickt. Von Umweltschutz, Energiewende etc. keine Spur. Die Teile verkaufen sich so gut wie nie zuvor. Und ohne jetzt die üblichen Gags und Witze zu bringen (denn das Lachen ist mir hier längst vergangen), stelle ich die Frage, was das eigentlich soll.

Leute, was stimmt nicht mit euch? Was bringt euch dazu, genau das Gegenteil dessen zu machen, was wir jetzt eigentlich alle tun sollten? Was bringt euch dazu, solche Panzer zu kaufen? Weil der Nachbar auch einen hat? Weil alle anderen auf der Straße einen haben und man sich mittlerweile in normalgroßen Autos schon unsicher fühlen muss und keinen Überblick mehr hat (und vorausschauendes Fahren unmöglich wird)? Weil – und das ist immer mein Lieblingsargument – ihr sonst nicht alles transportieren könnt?

Das heißt, ihr seid alle Förster, Extremsportler, Handwerker, Forscher oder habt andere spannende Berufe und/oder Hobbys, die viel Equipment benötigen? Nicht? Dann habt ihr täglich mehrfach 7 Kinder durch die Stadt zu fahren? Ach, auch nicht? Und in ein SUV passen ebenfalls nur 5 Personen bequem hinein, wie bei jedem anderen Auto auch? Aber dann MÜSSEN es doch die unfassbaren Mengen an Einkäufen sein, die man als Hausfrau täglich besorgen muss (Verdammt, jetzt habe ich den alten Witz doch gemacht).

Oder ist es die einfachste aller Antworten: Ihr wollt euren Mitmenschen, der Umwelt und euren Nachkommen einfach ein möglichst großes und gepflegtes „Fickt euch!“ entgegen rufen. Glückwunsch. Neben einem Hummer gibt es dafür wohl kein besseres Vehikel als eure S-FU-V.

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TL;DW

Das Internet ist reich an Informationen und jede Frage in Minutenschnelle beantwortet. So nicht nur die bisherige Theorie, sondern auch die gelebte Praxis für viele glückliche Jahre. Frag Google, lies bei Wikipedia. Wissen war rasch gefunden und schnell konsumiert.

Als dann Generation Youtube auf den Plan trat, änderte sich etwas. Lineares Fernsehen (und Radio) war out, das Programm fand mit einem Mal im Netz statt. „Youtuber“ wurden zu Stars, eigene Shows, Programme und Plattformen erwuchsen aus diesem Befreiungsschlag, der Videos plötzlich nicht mehr nur von Profis bereitstellen konnte. Und bald wollte jeder dazu gehören. War es doch so leicht, seine Kamera anzuschalten und einfach mal zu machen. Wie wunderbar.

Heute, an der Schwelle zum Jahr 2020, lässt sich allerdings eine Trendwende beobachten. Ebnete Youtube zuvor noch den Weg für spannende Projekte, Experimente, persönliche Einblicke von mutigen „Darstellern“, verkommt das Format Video mehr und mehr zum Ramschladen für jegliche Information. Sei sie noch so klein und noch so ungeeignet, um sie als Bewegtbild zu präsentieren.

Dieser Trend führt dazu, dass eine Google-Suche immer öfter Video-Beiträge auf Youtube oder anderen Plattform als bestes Ergebnis liefert. Klickt man diese Videos an, sieht man gerne mal ein Hintergrundbild, hört nervtötende Musik (warum immer Hard-Techno?) und folgt einer Laufschrift, die langsam über den Schirm zieht. Oder man liest pure Texttafeln, die sich peinlich animiert abwechseln. Hat man Pech, ist es nicht einmal möglich, einen Text zu lesen, sondern muss ihn maschinengeneriert vortragen lassen.

Um dann nach 5 Minuten zu bemerken, dass das Video die versprochene Antwort nicht liefern wird. Eine Erkenntnis, die man nach 30 Sekunden Text scannen und überfliegen deutlich schneller gewonnen hätte.

Too long; didn’t watch!

Woher kommt dieser Trend? Warum belästigt mich mittlerweile jede zweite Webseite mit (meist automatisch startenden) Videos, die mir umständlich und langwierig einen Inhalt erzählen, den ich auch durch schnelles Lesen erfahren hätte? Sind Klickraten auf Youtube so wertvoll, dass sich das lohnt? Geht es nur darum, möglichst schnell viel Geld zu machen?

Denn vielen dieser Anbieter ist eine persönliche Note oder gar eine Agenda völlig gleich. Niemand tritt auf, niemand spricht. Der Content ist bewusst extrem billig und viel zu lang produziert, immer auf Gewinnmaximierung ausgelegt. Hauptsache klicken und Werbung einblenden. Inhalt ist zweitrangig, Lernen irrelevant, Weitergabe unerwünscht.

Werden bei Reddit Videos mit vermeintlich interessantem Inhalt verlinkt (zum Beispiel Listen à la: Die 11 besten Tipps für dein iPhone 11), listet bereits der erste Kommentar unter dem Artikel die in dem Video besprochenen Inhalte auf. Die dann in 20 Sekunden gelesen und verarbeitet sind. Danke. Mehr wollen wir doch nicht.

TL;DR: Packt nicht jede noch so kleine Information in unnötige, hässliche und viel zu lange Videos, sonst heißt es bei mir sofort TL;DW.

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Satsumas sind keine Mandarinen

Als ich jung war™ gab es in den Supermärkten zur Advents- und Weihnachtszeit nicht nur Marzipan und Schokolade, sondern auch Orangen und Mandarinen. Und Mandarinen waren zur damaligen Zeit meist Satsumas. Ja, so hießen sie. Wie es nicht einfach nur Äpfel, sondern Granny Smith, Elstar, Boskop und Pink Lady gibt, so gibt es eben auch Clementinen, Tangerinen und Satsumas.

So dachte ich zumindest. Denn eigentlich ist die originale Mandarine der Ursprung der hierzulande bekannten Sorten. Die Satsumas sind nur Mandarinen-ähnlich, aus dem japanischen Raum stammend und süßer als die hier weit verbreitete Clementine. Gleichzeitig ist die Mandarine, gekreuzt mit der Pampelmuse, der eigentlich Ursprung der Orange.

Worauf ich hinaus wollte: Warum zum Geier gibt es eigentlich keine Satsumas mehr in den Supermärkten, sondern nur diese saueren, harten Clementinen, die nicht, wie überall behauptet, immer kernlos sind? Also als ich jung war™…