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Alles alte Klamotten

Irgendwann öffnet man den Schrank und bemerkt, dass zu viele Klamotten darin verstaut sind. Sie hängen von Bügeln, liegen gefaltet auf Stapeln und verstauben in Schubladen. Irgendwann bemerkt man, wie dieser Haufen Kleidung zu einer Last wird, einer Bürde, derer man sich entledigen möchte. Irgendwann ist das alles nur noch Ballast, man sortiert aus, stellt fest, wie viele der Teile man seit Jahren nicht mehr angefasst oder gar getragen hat und ist mutig genug, sich davon zu lösen. Und dann steht man da mit 5 großen Tüten voll guter Kleidung, die eigentlich viel zu schade ist, um sie weg zu werfen.

Natürlich möchte man sie spenden. Aber wo? Wohin mit den alten Klamotten? Man hört und liest ja so viel Übles. Über eine Altkleider-Mafia, über Firmen, die mit den abgegebenen Kleidungsstücken reich wurden, von Bedürftigen, bei denen die Spenden nie ankamen. Man liest über das Rote Kreuz, das offenbar Geld mit den Klamotten verdient, von der Caritas, die mittlerweile nicht nur von gut erhaltenen Altkleidern, sondern von jeglichem Müll überhäuft werden. Und man sieht Reportagen über Sammelstellen, die ebenfalls in den Bergen an alten Textilien untergehen. Wohin also damit?

Das enorm-Magazin hat sich dieser Frage angenommen und versucht, Licht ins Dunkle zu bringen und Tipps zu geben, wohin man alte Kleidungsstücke bringen kann. Worauf sollte man unbedingt achten? Was sollte man meiden? Welche Organisationen gibt es überhaupt, die Altkleider-Spenden annehmen? Wo findet man zentrale Informationen? Und was steckt eigentlich wirklich hinter den Geschichten und Reportagen, wie mit Kleiderspenden Geld verdient wird?

Ein sehr gut recherchierter Artikel, der uns anregen sollte, über unseren Konsum nachzudenken und der letztlich mit dem besten aller Tipps schließt: Hört auf, so viel Scheiß zu kaufen.

Aufmerksam wurde ich auf die Seite durch die Attention Please Aktion von Felix Lobrecht auf seiner Instagram-Seite.

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Schutzlos dem Wort ausgeliefert

buecher

Menschen werden abgeschlachtet. In allen geschmacklosen Details. Folter, Häutungen, Horror. Glücklicherweise muss man es nicht sehen. Man liest es, baut sich die dazugehörenden Bilder im Kopf zusammen, wo sie dadurch länger haften bleiben als bei Film und Foto. Die Phantasie kann grausam sein wie kein anderes Medium. Befeuert wird sie durch Worte. Worte, die in Büchern stehen, in Büchereien geliehen werden können, in Handlungen gekauft, online bestellt. Auch von Jugendlichen. Ungeschützt.

Amerika kriegt sich nicht mehr ein, wen sie Nippel sehen. Deutschland kriegt sich nicht mehr ein, wenn in einem Computerspiel eine Waffe benutzt wird. Niemand kriegt sich ein, wenn im Fernsehen die Grenzen der Grausamkeit und Geschmacklosigkeit überschritten werden. Doch in Büchern scheint alles erlaubt und ist jedem zugänglich. Worte scheinen keine Macht mehr zu haben, unvermögend, Gewalt darzustellen.

Welche Bigotterie.

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Goodbye Gee

Die Gee war und ist kein Spieleheft. Vielmehr brachte der Hamburger Verlag ein Magazin heraus, das sich mit dem Lifestyle, den Hintergründen und dem Gefühl widmete, mit Spielen aufgewachsen zu sein. In der Gee traten die Spieletests in den Hintergrund und Wertungsnoten wurden verbannt. Dafür punktete das Magazin mit der Auseinandersetzung von Spielen als Kulturgut, stellte sie immer wieder als gleichberechtigte Kunstform dar, setzte sich mit der Politik auseinander und beleuchtete den Markt, die Entwicklung und Bedeutung von Spielen in der Gesellschaft. Wenn man die Gee las, bekam man das Gefühl, kein verspieltes Kind zu sein, sondern sich einer Leidenschaft hinzugeben, die der des Bücher- und Filmfreundes gleichkommt. Die Gee blickte dabei stets nach vorne und hielt dennoch die Fahne der “guten alten” Zeiten hoch. Frühe Konsolen, C64 und Amiga, die Anfänge der Spieleindustrie, ihre Zukunft. All das wurde mit lockerer Schreibe thematisiert und niemals mit erhobenem Zeigefinger vermittelt. Der Leser merkte dem Magazin an, dass hier Erwachsene über ein Medium schreiben, mit dem sie aufgewachsen waren. Und entsprechend richtete sich der Stil, die Aufmachung, das vermittelte Gefühl nicht an daddelnde Farmville-Kids, sondern an Erwachsene, die sich noch daran erinnern können, zum ersten Mal eine Mark ausgegeben zu haben, um an einem Automaten Pacman zu spielen.

Nun ist es ja leider so, dass jedes neue Medium, jede neue Vertriebsform den Ruf hat, die althergebrachten System zu verdrängen, ja zu töten. Jahrzehnte fürchtete man sich vor dem Tod des Theaters, der Bücher, des Kinos oder der Schallplatte. Doch kein Fernsehen, keine Multimediamaschinen, keine hochauflösenden BluRays waren bislang in der Lage auch nur eines davon zu vernichten. Vielmehr wurde das Spektrum erweitert und die wahren Liebhaber finden zu ihren Wurzeln zurück, hören lieber analoge Musik, schmökern in einem Buch, gehen mit Freunden ins Kino. Die derzeitige zum Tode verurteilte Sau, die durch das Dorf getrieben wird ist Print. Print ist tot liest man allerorten. Digitales ist die Zukunft. Bücher werden zu ebooks, Magazine zu pdfs oder Apps.

Und so hat die Gee nun ebenfalls beschlossen, Print für tot zu erklären. Ausgerechnet das Magazin, das in meinen Augen eine der letzten Bastionen für ein “Gefühl” war, wendet sich davon ab. Ausgerechnet die Gee, die erst vor kurzem noch ihr Layout aufgefrischt hat. Die ihren Slogan treffend in “Spiele, Kultur, Rausch” änderte. Ausgerechnet das Magazin, das mir noch als letztes das Gefühl gab, echtes Papier in den Händen zu halten, gut geschriebene Texte zu lesen, überall und jederzeit blättern zu können – kurz, mich zwar erwachsen aber dennoch wohlig “altertümlich” zu fühlen – ausgerechnet dieses Magazin wird es als Print-Version nicht mehr geben.

Zukünftige Ausgaben erscheinen nur noch als digitale Apps auf dem iPad und Android-Tablets. Und ich, als langjähriger Abonnent, der immer Schwierigkeiten hatte, das Heft aufzutreiben (hier und hier) erfahre es quasi als letzter. Die letzte Print-Ausgabe hat mich nicht einmal mehr erreicht. Und nun? Fühle ich mich betrogen. Hintergangen. Verletzt. Vergleichbar mit dem Gefühl, wenn deine Freundin sich schick macht und du dich darüber freust, nur um dann aus heiterem Himmel den Satz zu hören: “Schatz, ich ziehe übrigens weg, in ein anderes Land. Tut mir Leid, wir wussten doch beide, dass es so kommen würde.” Und du bleibst zurück, mit nichts als Erinnerungen.

Und dabei bin ich keineswegs ein Technik-Verweigerer. Ganz im Gegenteil. Ich hatte vermutlich schon jedes Gadget in meinem Haushalt und werde auch nie aufhören, mir immer wieder die neuesten Errungenschaften zu kaufen. Auch das iPad steht ganz oben auf meiner Wunschliste. Ich sehe nur derzeit für mich persönlich keinen Mehrwert darin, da es zwischen meinem iPhone und meinem Macbook keinen wirklichen Platz gibt. Aber darum geht es auch nicht. Neue Techniken sollen hier nicht verteufelt werden. Und ich möchte auch den Fortschritt nicht aufhalten. Aber ist es ein Fortschritt, Print sterben zu lassen? Jenseits aller Diskussionen über Kosten/Nutzen, über Ökologie, Verkaufszahlen, Auflagen, Werbekosten – wollen wir WIRKLICH, das Print stirbt? Wollten wir je, das Theater, Schallplatten, Kino, Bücher sterben? Haben wir lieber ein Tablet in der Hand als ein gedrucktes Heft? Und ja, auch ich weiß, dass Print nicht stirbt, nur weil ein Magazin sich vom Papier abwendet. Und dann noch eins. Und dann noch eins. Und dann…

Ich wuchs mit Büchern auf. Mit Heften, mit Magazinen, mit altmodischen Fernsehserien, mit spartanischen Spielekonsolen, die nur 16 Farben und Pieps-Sound darstellen konnten und mich dennoch in eine faszinierende fremde Welt entführten. Ich wuchs in einer Zeit auf, in der sich die Medien Jahr um Jahr wandelten und es auch weiter tun werden. Regelmäßig meine Gee als gedruckte Ausgabe zu erhalten, gab mir aber immer aufs Neue das Gefühl, das sich nicht ALLES ändert. Dass es andere wie mich gibt, die sich dem Rausch und dem Gefühl neuer Medien hingeben können, ohne dabei die Wurzeln zu vergessen und sich hin und wieder etwas melancholisch an die guten alten Zeiten zu erinnern. Die Gee gab mir stets das Gefühl, kein Kind mehr zu sein. Jetzt gibt sie mir das Gefühl, wie ein reaktionärer alter Sack zu klingen. Danke Gee.

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Ich habe im Radio gewonnen

Online-Magazin, Zeitung, Fernsehen. Na, was fehlt da noch? Natürlich. Mein zweitliebstes Medium nach dem Kino: das Radio. Ich habe es bislang noch nicht geschafft, ins Radio zu kommen. Und das, wo doch mein langjähriger Traum es einst war, selbst Radiomoderator zu werden. Dass dieser Traum vollkommen illusorisch ist, weiß ich natürlich schon seit langem. Und obwohl ich mittlerweile so einige nette Menschen aus dem “Gewerbe” kenne, kam es bislang noch nicht dazu, meine Stimme im Radio zu hören. Bis heute morgen.

Da machte ich mir nämlich den Spaß, bei Hit Radio FFH anzurufen und beim ersten Quiz des Tages teilzunehmen. Gehört habe ich den Sender über Webradio und von dem Quiz erfahren habe ich per Twitter. Denn nicht nur, dass der wunderbare Moderator Michael Münkner bloggt (und offensichtlich keinen RSS-Feed anbietet – bitte schnell ändern), er twittert auch. Und suchte auch über diesen Weg nach Kandidaten. Ich nutzte die Chance, rief im Sender an und kam durch.

Spätestens hier merkt man den Unterschied zwischen Profi und Normalo. Während Michael das kleine, nun folgende Gespräch locker, charmant und witzig führte, stotterte ich herum, suchte nach den richtigen Worten und versuchte so krampfhaft, keinen Stuss zu erzählen, dass man mir anhörte, wie ich einen Stock im A… hatte. Die grinsenden Arbeitskollegen um mich herum halfen da natürlich nicht. Glücklicherweise konnte ich die Frage richtig beantworten und bin nun stolzer Gewinner eines Hit Radio FFH-Frühaufsteher-T-Shirts. Das mir zugeschickt und dann natürlich hier präsentiert wird.

Ich nahm das kurze Gespräch mit meinem iPhone auf, was aber gar nicht nötig gewesen wäre. Denn nicht nur, dass das Mainhattan Girl einen Mitschnitt anfertigte und mir zukommen ließ (vielen lieben Dank), Michael Münkner persönlich schickte mir kurz danach einen Mp3-Mitschnitt, den ich euch hier nicht vorenthalten möchte. Also für alle, die es heute morgen verpasst haben und einmal hören wollen, wie ich mich zum Affen mache – bitteschön:

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Alles Roger bei WordPress

Wer sich ab sofort auf mein Blog verirrt, wird ganz schön überrascht sein. Denn nicht nur der Mai macht alles neu. Passend zum Frühling präsentiere ich “Alles Roger” in neuem Gewand. Weiß, aufgeräumt, edel. Genau so, wie ich es schon seit langem wollte. Doch das ist nicht alles. Nicht nur die Karosserie wurde erneuert, auch unter der Haube hat sich etwas getan. Denn endlich habe ich den Schritt gewagt und bin auf WordPress umgestiegen. Ob meine Leserschaft davon etwas mitbekommen wird, muss sich zeigen. Aber ich erhoffe mir große Vorteile durch den Umstieg und konnte diese auch bereits beim verwendeten, “erwachseneren” Theme und so manchen Plugins bemerken.

Was vermutlich niemand bemerken wird, ist die dritte Neuerung. Mein Blog läuft ab sofort auf einem neuen Server. Derzeit zwar noch etwas langsam, aber ich schätze, das sollte durch Optimierungen in den Griff zu kriegen sein. Überhaupt möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass dies in den nächsten Wochen eine Operation am offenen Herzen werden wird. Plugins werden getestet, verschiedene Grafiken eingebunden, an allen Ecken wird geschraubt und optimiert. Alte Artikel haben ihre Bilder noch nicht wieder, ein Logo fehlt ebenfalls noch. Das Theme verwendet noch überall die englische Sprache. Wundert euch nicht, wenn sich hier und da noch einiges verändert.

Als WordPress-Neueinsteiger bitte ich auf diesem Wege auch um Unterstützung und Tipps. Welche Plugins sind unverzichtbar? Wie mache ich WordPress sicherer? Was würdet ihr am Design ändern (Geschmacksfragen natürlich außen vor)?

Achja, noch etwas ist neu. Mit dem heutigen Update heißt mein Blog nun ofiziell “Alles Roger”. Die frühere Bezeichnung allesroger.net, die ich nur wählte, um die unsäglichen .net/.de Verwirrungen zu vermeiden, wird aufgegeben. Ich denke, dass mein Blog nach vier Jahren bekannt genug ist bzw. einfach genug gefunden werden kann.

Teilt mir Eure Meinung mit. Ich bin gespannt.

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Offener Brief an Medien, Politik und Eltern zur “Killerspiel”-Debatte

Bevor das Thema schlagartig wieder verschwindet (you bet), darf ich nicht vergessen, auf den derzeit wohl besten Artikel zu aktuellen Debatte rund um "Killerspiele" hinzuweisen. Deef von der Gefühlskonserve schrieb einen offenen Brief an Medien, Politik und Eltern und ich kann nur dringendst empfehlen, diesen zu lesen. Mehr ist der unsäglichen Diskussion nämlich kaum hinzuzufügen.

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Die Vergangenheit ändern

Aus purer Langeweile machte ich mich daran, meine alten Blogeinträge durchzustöbern. Teilweise war ich amüsiert darüber, worüber ich schon philosophiert habe, manchmal erstaunt, was bereits angesprochen worden ist. Doch leider musste ich mich auch einige Male mit Schrecken abwenden, ob dem Quatsch, den ich hier mitunter von mir gegeben habe. Nicht nur inhaltlich, auch stilistisch. Hinzu kommen Artikel, die (jetzt) völlig uninteressante Themen abhandeln oder eine Einstellung widerspiegeln, mit der ich mich heute gar nicht mehr identifizieren kann. "Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann" sagte Francis Picabia einst und ich denke mehr denn je über seine Bedeutung nach. Nicht zum ersten Mal, wie ich betonen muss. Im April 2007 habe ich schon einmal über früheres Denken sinniert und in einem Artikel mit eben diesem Zitat als Titel verarbeitet. Offenbar scheine ich mich öfter anders zu entscheiden, umzudenken, mich überzeugen lassen oder mich von etwas abwenden, als mir bewusst ist. Auch mein Kopf ist rund und meine Gedanken – jeder der mich kennt, wird es bestätigen – drehen sich oftmals im Kreis und ändern die Richtung fünfhundert Mal.

Im Leben kann man nichts ungeschehen machen, die Vergangenheit lässt sich nicht ändern. Man macht Fehler, man lernt aus ihnen (oder auch nicht), man erinnert sich (oder auch nicht). Im Netz ist das anders. Es ist ein leichtes, in die Vergangenheit zu wandern und oftmals genauso leicht, Vergangenes zu ändern. So könnte ich beispielsweise alle Aussagen in meinem Blog löschen, die mich skeptisch über Apple denken ließen. Denn ich war skeptisch, verteidigte Windows (XP wohlgemerkt) wo es nur ging und dachte nicht im Traum daran, mir ein solch teures Luxus-Gerät wie ein Macbook zuzulegen. Die Geschichte zeigte, dass ich meine Meinung komplett geändert habe und mittlerweile quasi zum Apple-Fanboy mutiert bin. Werde ich heute noch auf meine damalige Einstellung festgenagelt (schließlich hat man es schriftlich), ist mir das unangenehm und ich ertappe mich dabei, mir an den Kopf zu fassen und zu fragen "Was hast du dir damals nur dabei gedacht, du Trottel?".

Hypothetischer Gedanke: Angenommen, jemand hat Interesse an mir, als Mensch wohlgemerkt, und beginnt, mein Blog von vorne bis zum Ende zu lesen – welchen Eindruck würde er über mich gewinnen? Dass ich ein wankelmütiges Wesen habe? Mich ständig anders entscheide? Oder vielleicht nicht einmal zu einer eigenen, festen Meinung imstande bin? Kein angenehmer Gedanke, oder? Was also läge näher, als alle Ideen und Meinungen, die heute keine Bedeutung mehr haben, zu tilgen? Zensur an der eigenen Vergangenheit üben.

Wie manche von euch vielleicht wissen, habe ich irgendwann im letzten Jahrtausend einen Roman geschrieben und diesen sogar veröffentlicht und verkauft. Damals platzte ich schier vor Stolz. Heute wende ich mich ab, wenn ich das Exemplar im Regal liegen sehe. Ich stehe nicht mehr zu meinem Werk und möchte nicht damit identifiziert werden. Das einzige, was ich noch akzeptiere, ist die Tatsache, vor Äonen einmal einen Roman veröffentlicht zu haben. Welchen und in welcher Qualität, das ist egal. Auch meine alten Kurzgeschichten und Gedichte lassen mich eher Kopfschütteln als mir ein Lächeln zu bereiten. Es ist, als stünde ich nicht mehr zu mir und meiner Vergangenheit und das, was mich einst ausmachte.

Doch bevor ich nun gar zu psychologisch werde – es ging mir eigentlich nur um mein Blog und um die Tatsache, dass man im Netz die Vergangenheit ändern kann. Im eigenen Blog einfacher als anderswo. Ich könnte Artikel löschen. Andere einfach umformulieren, eine geschliffenere Sprache nutzen, Bilder ersetzen. Ich könnte wie George Lucas mein Star Wars Universum nochmals durch den Rechner jagen, um es so aussehen zu lassen, wie ich es immer wollte. Was heißt immer? Wie ich es jetzt wollte.

Doch ist das sinnvoll? Welchen Erfolg George Lucas hatte, wissen wir. (Ich hatte tatsächlich einmal die Idee, meinen Roman nochmals neu zu schreiben) Gehört mein ehemals Gedachtes und Geschriebenes nicht genauso zu mir, wie der Artikel, den ich gestern verfasste? Ist die Entwicklung, die ich im Laufe der Zeit, im Laufe des Blogs durchlief nicht genau das, was mich zu dem Roger macht, der jetzt gerade tippt? Bin ich nicht die Summe aller bisheriger Gedanken, Fehler und Richtungsänderungen? Und ist es nicht genau das, was am Tagebuch-schreiben oder bloggen fasziniert: Eine Entwicklung zu sehen? Ich habe mich als Mensch natürlich entwickelt, ebenso als Schreiber, als Blogger, als Konsument. Ich habe Fehler gemacht, habe abgewogen, umentschieden, und nach Verbesserungen gesucht. Und hier bin ich. Und werde in drei Jahren vielleicht die Hände vors Gesicht schlagen, wenn ich das hier lese. 

Ist es sinnvoll, alte Artikel zu überarbeiten? Oder unnütze gar zu löschen (längst nicht mehr vorhandene Videos oder Trailer zu Filmen, die mittlerweile im Fernsehen laufen)? Oder sollte mein Blog genau so bleiben wie es ist. Mit allen Fehlern, Unzulänglichkeiten, Stimmungs- und Meinungsschwankungen, die im Grunde mich selbst beschreiben? Ich glaube, all die Fragen beinhalten bereits die Antwort.

Als kleine Anekdote am Rande stieß ich beim Stöbern auf einen Artikel vom 31.Januar 2006.  Mittlerweile also über drei Jahre alt. In diesem Eintrag (mit mittlerweile veraltetem Link) schwärmte ich von Honda und speziell von der damaligen Neuerscheinung, dem Honda Civic. Und jetzt ratet mal, welches Auto ich mir gerade gekauft habe und euch demnächst in einem bebilderten Artikel vorstellen werde. Manches hat doch Bestand. Manche Meinungen bleiben. Und diese Verbindung aus der Vergangenheit in die Gegenwart zauberte mir doch ein Lächeln auf mein Gesicht.

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