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Ich stoppte Wikipedia.de

Jeder sollte es in den letzten Tagen mitbekommen haben: Wikipedia.de war für kurze Zeit abgeschaltet. Mittlerweile funktioniert die Weiterleitung auf die Hauptseite Wikipedia.org wieder und alles ist so wie früher. Aber ganz einverstanden bin ich damit nicht. Denn ich war der Grund, warum die Seite gestoppt worden war.

Viele Nachrichtenagenturen berichteten, die Eltern eines verstorbenen Hackers namens Tron hätten per einstweiliger Verfügung Wikipedia.de zur Schließung gezwungen. Sie wollten nicht akzeptieren, dass ihr Sohn mit voller Namensnennung in den Artikeln genannt wurde. Das Amtsgericht Berlin Charlottenburg gab ihnen Recht. Der Knackpunkt an dieser Sache ist allerdings, dass es sich hier nur um einen vorgeschobenen Grund handelte, der von dem echten Skandal ablenken sollte. (Ich meine, wer interessiert sich schon dafür wie Tron mit Nachnamen heißt?)

Der echte Skandal ist folgender: Ich habe mit meinen Anwälten einen Antrag auf Schließung des kompletten Wikipedia Projekts eingereicht, da es unhaltbar ist, wie fahrlässig hier mit falschen Informationen umgegangen wird. Ich möchte einmal aufzählen, welche gravierenden Fehler ich auf Wikipedia.de entdecken musste.

Der schlimmste Fehler betrifft mich selbst: Wenn man sich über meine Person erkundigen möchte, so erfährt man zwar vieles, aber kaum etwas davon ist wahr. So heiße ich zwar tatsächlich Roger Graf und ich bin in der Tat Schriftsteller. Aber weder wurde ich in der Schweiz geboren, noch sind die aufgeführten Romane von mir (sondern bisher nur dieser hier: „Ist ja hinReisend“ . Auch sonst möchte nichts in dieser Biographie zu mir passen.

Bei weiteren Recherchen erkannte ich, dass ich auch nicht als Mitentwickler der Atombombe genannt werde. Auch, dass ich enger Vertrauter Ernest Hemingways gewesen war und ihn zu seiner Geschichte des alten Mannes und dem Meer ermutigt hatte, wird nicht erwähnt. Weiterhin fehlt ein Eintrag, dass das erste Kind von Heidi Klum von mir ist (dieser Flavio Briatore drängte sich zwischen Heidi und mich und während ich noch gegen ihn anging, nahm sich Heidi diesen Seal). Und schließlich konnte ich nicht einmal einen Eintrag über meine neueste Erfindung entdecken, der Million Dollar Homepage, die ich einem guten Kumpel anvertraut hatte und der damit tatsächlich Millionär geworden war (bish heute habe ich noch keinen Cent von ihm bekommen – nicht mal ‘ne Dankeskarte).

Es ist also nur allzu offensichtlich, dass Wikipedia.de schlecht recherchiert, verschweigt und gar lügt. Und dagegen muss mit aller mir zur Verfügung stehender Macht vorgegangen werden. Sollte mich hier jemand als Lügner bezeichnen, so werde ich ihm meine Anwälte auf den Hals hetzen. Ich bin für freie Meinungsäußerung aber alles hat seine Grenzen.

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Die heutige Jugend

Eine Gruppe Kinder sitzt bei Null Grad in einem Glashäuschen am Bahnsteig. Ihre kleinen Hände klammern sich ungeschickt an glimmende Zigaretten. Man sieht, dass sie nicht wissen, wie man sie richtig hält. Gierig paffen sie daran und spucken nach jedem Zug. Um sie herum haben sie einen Schutzwall aus Spucke und Rotz erstellt. Die männlichen Mitglieder tragen große, weiße Turnschuhe, die nicht gebunden sind, Hosen, die bis zum Knie hängen und Jacken, die Aufschriften von Orten tragen, die sie nicht auf einem Globus finden würden.

Die weiblichen Raucher haben vermutlich drei Stunden für Schmuck und Make-up gebraucht obwohl es aussieht, als hätte das Anlegen und Auftragen nur 2 Minuten gedauert. Ihre Jacken sind so dick gefüttert, dass sie wie ein Michelinmännchen aussehen, dafür haben sie unterhalb des Bauchnabels entsprechend wenig an.

In der Hand die keine Zigarette hält liegt ein Klapphandy der neuesten oder letzten Generation. Aus diesen Handys tönen schrill die aktuellen Hits aus den Klingeltoncharts. Unter den Sitzen in dem Glashäuschen steht ein Sixpack Qowaz und jemand hat eine winzige Pizzaschachtel mitgebracht, deren Inhalt entweder auf dem Boden oder an den Glasscheiben hängt und nun natürlich nicht als Aschenbecher benutzt wird. Zwischen den Rotzpfützen, Pizzaresten und Aschebergen liegt zerrissenes Papier, Glasscherben und anderer Müll. Es wird ignoriert.

Wenn sich die Kinder miteinander unterhalten, endet jeder Satz mit dem Zusatz „…so.“ oder „..Alda“. Selbst die nicht türkischen Mitglieder der Gruppe bedienen sich eines Vokabulars, das jeden Erkan und Stefan vor Neid würde erblassen lassen. Kein Satz ohne Schimpfwort, kein Gespräch, dass sich nicht um Handys, Chicks oder Fluppen drehen würde. Manchmal, wenn den Kindern kalt wird oder die Hormone sie dazu treiben, tollen sie herum, schlagen die Mülleimer klein und zerkratzen die Scheiben des Glashäuschens. Hin und wieder erfreuen sie sich an lustigen Feuerchen und legen Steine auf die Schienen. Dann schubsen sie sich wieder und schlagen auf die Mädchen ein, die zwar schreien, aber dennoch den ganzen Tag mit den Jungs verbringen.

Am nächsten Tag sitzen sie wieder dort. Und auch am Tag darauf. Naja, immerhin sind sie an der frischen Luft. Unsere Generation hat sich damals an den C-64 verzogen und war im warmen zuhause um frühe „Killerspiele“ zu spielen und ein völlig anderes Klischee zu bedienen. Wie sich doch die Zeiten ändern.

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Silvester Nachlese

Der beschissenste Jahreswechsel den ich je erleben musste fand 1999 statt. Bei der größten Silvesterparty der Menschheitsgeschichte musste ich Nachtschicht machen. Um Mitternacht stand ich allein auf einem verlassenen Parkplatz, beobachtete das Feuerwerk um mich herum, versuchte erfolglos irgendjemanden mit dem Handy zu erreichen und fühlte mich so einsam wie nie zuvor in meinem Leben. Das letzte Silvester war gottlob nicht ganz so schlecht.

Obwohl sich auch hier eine gewisse Müdigkeit breit machte. Es begann schon mit der Planung, auf die ich und meine damalige Freundin keine Lust hatten – so viele Leute unter einen Hut zu bringen erwies sich als äußerst schwer. Weiter erschwert wurde es durch die Tatsache, dass ich am nächsten Morgen um sechs Uhr schon wieder raus musste. Auf Riesenparty in Freiburg hatten wir auch keine Lust. Und da es in meinem „Freundeskreis“ gerade alles andere als rund läuft (fast jeder hat entweder Stress im Job und/oder Beziehung oder bekommt Nachwuchs oder wird von der Partnerin unterdrückt etc…) fiel die Idee einer kleinen Party bei mir schnell ins Wasser.

Ein befreundetes Pärchen schloss sich uns an, gemütlich Fondue zu essen und so zu tun, als sei dies ein ganz normaler Abend.

Tatsächlich hockten wir um Mitternacht noch am Tisch und spielten fröhlich Karten, obschon ich da bereits merkte, das es mich juckte. Draußen began das allgemeine Sich-In-Luft-Auflösen mehrerer Millionen Euro (also deutschlandweit, nicht nur bei uns). Ja, ich gebe zu, obwohl ich zugestimmt hatte, dass wir auf all den üblichen Silvester Schnick Schnack verzichten wie um Mitternacht anstoßen, Küsschen verteilen, „Gutes Neues“ vom Balkon zu schreien und „Ahh“ und „Ohh“ zu machen, wenn der Nachbar seine Supermarkt Knaller in die Luft beförderte, beschlich mich doch ein sentimentales Gefühl.

Ich sollte kurz erklären, dass ich vor etlichen Jahren begonnen habe, Fastnacht (Fasching) zu hassen. Und zwar aus dem Grund, das es mir widerstrebt, vorgeschrieben zu bekommen, wann ich fröhlich zu sein habe. Ich will nicht, das mir die Allgemeinheit sagt: „Jetzt ist Rosenmontag. Also sei mal aufgedreht und happy und geh raus.“ Ich will gefälligst happy sein, wenn ich es will. Außerdem habe ich Fastnacht immer nur als Gelegenheit kennengelernt, sich ungeniert voll laufen zu lassen und Frauen anzubaggern (umgekehrt ist es übrigens auch so). Das ist ehrlich gesagt nicht mein Ding. Es gibt sicherlich auch nette Aspekte der Fasnet (so heißt es bei uns), aber die muss man wirklich lange suchen.

Ähnlich ergeht es mir mit Silvester. Es ist nur ein Datum. Nur ein Zeitpunkt, den sich vor vielen hundert Jahren jemand ausgedacht hat, als unser Kalender entwickelt wurde. Nichts ändert sich. Deutschland ist genau so wie letztes Jahr. Das Wetter auch. Die Situation auch. Das Fernsehprogramm auch. Ich auch. Was gibt es da also zu feiern?

Tja, genau das sagte ich mir und meine Partygäste waren mit mir einer Meinung.

Dennoch vermisse ich es. Wir fuhren schließlich nach Badenweiler wo eines der größten Feuerwerke der Regio stattfindet, mit Musik und allem. Als ich mit meiner damalige Freundinn eng gekuschelt in der Menge stand, und mit „Ahh“ und „Ohh“ Rufen das fantastische Schauspiel am Himmel quittierte, wusste ich, dass ich nächstes Jahr wieder eine richtige Silvesterfeier mit allem drum und dran will. Und sei es nur aus Sentimentalität.

Ich wünsche Euch allen noch ein gutes „neues“ Jahr.

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Vorsicht Kunde – mein Nokia Debakel

Mit am liebsten lese ich in der c’t die Rubrik "Vorsicht Kunde". Zuerst amüsiere ich mich immer ein wenig über den Titel, der so klingt, als würde hier keine Warnung für Kunden stehen, sondern als würde vor den Kunden selbst gewarnt. Also in etwa der Satz, den sich gelangweilte, inkompetente Media Markt Mitarbeiter zuraunen, wenn man mit fragendem Gesicht auf sie zukommt.

Letztendlich geht es in dieser Rubrik aber doch um die Abenteuer, die so mancher Kunde in unserer Service Wüste durchschreiten muß. Die Haare stehen einem desöfteren zu Berge wenn man liest, was sich so manche Firmen erdreisten und wie sie mit dem Satz "Der Kunde ist König" umgehen.

Jetzt habe ich selbst so einen Fall erlebt. Wie ich es schon ein paar Mal hier in meinem Blog erwähnt hatte, geht es um den Ärger mit meinem Handy. Ich bekam im Juni ein Nokia 6230i von O2 (für 80 Euro) und hatte auch bis zum September Freude damit. Dann schaltete es einfach aus und wollte nicht mehr anspringen (sozusagen). Kein Problem, so dachte ich, ist ja noch ewig Garantie drauf. Ich schlenderte also zu einem O2 Shop, dessen (türkische) Mitarbeiter mir ebenfalls versicherten, dass es gar kein Problem sei. Man wolle das Gerät zur Reparatur schicken. Alles kostenlos.

Wunderbar, dachte ich und freute mich auf die folgende Woche, in der ich das Gerät wieder hätte erhalten sollen. Natürlich erhielt ich es nicht. Ich stand ab da etwa jeden dritten Tag in der Filiale um nachzufragen, wann das Handy denn komme? Man zuckte mit den Schultern, rief irgendwo an und sagte, es müsste unterwegs sein. Die Telefonate wurden allesamt auf türkisch geführt und ich überlegte schon, ob man mein Handy vielleicht nach Ankara verschickt hatte und nun als Geisel hielt, weil Teile des deutschen Bundestages gegen den EU-Beitritt der Türkei waren.

Ich bekam das Handy über drei Wochen nach dem Einsenden zurück. Und zwar immer noch defekt. Auf meine Frage, warum es so lange gedauert hatte, warum es immer noch nicht funktionierte und was denn überhaupt daran gemacht worden sei, wurde der freundliche O2 Mitarbeiter ungehalten und schnauzte mich an, er wisse das alles nicht und es würde auch nicht helfen, wenn ich ständig vorbei käme um Fragen zu stellen.

Ich nahm das Gerät mit und rief bei dem Service Center (Degen heißen die) an, unterstellte Unfähigkeit und vereinbarte, das Handy erneut einzuschicken. Ganz nebenbei erzählte man mir, dass mein Handy beim ersten Versuch genau 4 Tage im Haus gewesen sei. Wo es die restlichen fast drei Wochen abgeblieben sei, könne man mir nicht sagen. Egal, ich wusste ja, dass es an einen Stuhl gefesselt in Ankara lag und man mir demnächst eine Taste davon zum Beweis geschickt hätte, mit einem Drohbrief, es zu zerstören, wenn die EU nicht bereitwilliger würde.

Eine Woche später erhielt ich das (neue – es hatte eine andere Seriennummer) Handy zurück. Und diesmal ging es an. Fand aber kein Netz. Dann ging es wieder aus.

Jetzt telefonierte ich mit diversen Hotlines. Zunächst Nokia, die mir erklärten, sie seien dafür nicht zuständig, sondern O2. Dann mit O2, die mir erklärten, sie seien dafür nicht zuständig, sondern Nokia. Dann wieder mit Nokia… und so weiter und so fort.

Die Nokia Member Hotline wurde ganz schnell ungeduldig mit mir, während die O2 Hotline gar keine Zeit dazu hatte – denn die sind so teuer, dass ich mir gar keine großen Entschuldigungen anhören wollte.
O2 erklärte sich dann endlich bereit, mir entgegen zu kommen (was hier mehr nach Kulanz riecht als nach geltendem Recht für Kunden) und mein Handy gegen ein sogenanntes Swap Handy auszutauschen. Das bedeutet, ich bekam ein ehemals defektes aber repariertes Handy für mein neues, nicht funktionierendes. Matt erklärte ich mich damit einverstanden.

Was soll ich sagen? Das nächste Handy funktionierte wieder nicht. Erneute Anrufe bei allen möglichen Hotlines, einige Faxe, einen Brief und ein Besuch in einem Nokia Service Center. Dort wurde mir gesagt, dass der Akku absolut in Ordnung sei und man könne leider nichts für mich tun, weil das Handy ja schon einmal in Reparatur war und man nun 30 Tage warten müsste. Ich wiederhole: weil das Handy unrepariert aus der Reparatur kam und mittlerweile zweimal getauscht worden war, sollte ich jetzt einen Monat lang mit dem weiterhin defekten Gerät darauf warten, das man es reparieren dürfte.

Interessanterweise stand in dem Service Center hinter mir ein Mann mit dem ich schnell ins Gespräch kam und der mir erzählte, dass er das Nokia 6230i schon dreimal gehabt hätte und alle seien defekt gewesen. Auch das seiner Frau und das seiner Mitarbeiter. Er hätte nun die Schnauze voll und würde auf Wandlung bestehen.

Und das tat ich auch. Ich rief wutentbrannt bei O2 an, erklärte in drei Sätzen, dass ich kein viertes defektes Handy möchte und auf Wandlung bestünde (bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich etwa 30 Euro für Hotlines, Faxe und Pakete ausgegeben). Die Hotline Mitarbeiterin ließ meine schöne Wut einfach so verpuffen, indem sie mir sagte, dass das natürlich kein Problem und eine Selbstverständlichkeit sei. Warum nicht gleich so?

Ich besitze nun ein Sony Ericsson K750i und bin begeistert. Nicht nur, weil das Handy schicker aussieht, eine durchdachtere Menüführung hat und mit mehr Extras daher kommt, sondern auch, weil ich das ganze dreißig Euro günstiger bekommen hatte als das alte Nokia und dazu noch ein Bluetooth Headset, ein Card Reader und eine größere Speicherkarte. Was will man mehr?

Jetzt hoffe ich nur noch, dass dieses Handy nicht auch einfach so wieder kaputt geht.

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Die Tauben vor dem Migros

Die größte und erfolgreichste Lebensmittelkette der Schweiz hat seit einigen Jahren auch Filialen in Deutschland. In Freiburg und in Lörrach steht jeweils ein Migros Supermarkt. Letzten Samstag stand ich vor der Lörracher Filiale und genehmigte mir eine heiße Wurst von dem davor befindlichen Stand. Dabei hatte ich ein ständiges, sehr hohes, beinahe schmerzhaftes Pfeifen im Ohr.

Schon in Panik, dass der Tinitus in meinem hohen Alter so langsam Überhand nimmt, schaute ich mich nach anderen Ursachen um. Und tatsächlich, Migros hatte vor einiger Zeit Lautsprecher in ihrem Eingangsbereich installiert, die diese hohen Frequenzen von sich gaben.

Auf Anfrage erfuhr ich dabei, dass sich die Mitarbeiter und Anwohner schon darüber beschwert hätten. Allerdings sei alles von Stadt, Land und Flu… äh Ordnungsamt überprüft und für unbedenklich befunden worden. Man müsste also mit dieser Körperverletzung leben.

Der Grund für alles ist leicht erklärt. Durch die hohen Töne sollen Tauben von dem Vorplatz vertrieben werden. Offensichtlich klappt das aber gar nicht, denn zwischen meinen Füßen rannten genug Vögel herum, um all meine Brotkrummen aufzusammeln. Alles, was hier vertrieben wird, ist Kundschaft.

Und mal ehrlich, Migros, das hätte euch doch auch klar sein müssen, dass ihr mit hohen Tönen keine Tauben verscheuchen könnt. Denn wie allgemein bekannt ist, hören die Tauben doch eh nichts.

Ok, ok, der war schlecht. Es ist ein eiskalter November Montag. Man möge mir verzeihen.

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Hart aber fair

Wir leben in einer Welt voller Klischees. Vor kurzem setzte sich eine Gruppe Jugendlicher im Zug in meine Nähe. Sie alle trugen zu große, weiße Jacken, zu große, weiße Schuhe, zu große, rote Pullover und zu große, funkelnde Uhren. Nicht alle in dieser Gruppe waren türkischer Abstammung, aber alle sprachen, als wäre das konkret krass der Fall, Mann. Ich schnappte folgenden Teil ihrer Diskussion auf:

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Meine Kleidung kommt zu kurz

Uns Paranoiden war es ja schon seit langem klar. Die Elektroindustrie hat in allen ihren Geräten eine Sollbruchstelle eingebaut. Einen winzigen Schaltkreis, ein unscheinbares Bauteil, ein im Grunde unnötiger Kondensator vielleicht, der zu einem ganz bestimmten, planbaren Zeitpunkt hin seinen Dienst versagt und das komplette Gerät unbrauchbar macht. In der Regel wird dieser Zeitpunkt auf etwa einen Monat nach Garantieablauf gelegt. Jeder weiß das.

Die Autoindustrie macht das ebenfalls schon lange (und ich möchte gar nicht erst damit anfangen zu behaupten, daß es den Reifenherstellern eigentlich möglich wäre, Reifen zu produzieren, die nicht innerhalb kürzester Zeit ohne Profil unterwegs sind). Auch hier haben findige Ingenieure herausgefunden, daß man an Autos mehr verdient, wenn sie oft in die Werkstatt müssen. Da heutige Materialien und Produkte aber zu hochwertig produziert werden können, muß man sich auch hier an diversen, nicht sicherheitsrelevanten Stellen selbst darum kümmern, daß das Auto stets im entscheidenden Moment versagt.

So viel zur bisherigen Realität. Neu ist allerdings, was mir gestern auffiel, als ich verzweifelt vor meinem Kleiderschrank stand. Die Textilindustrie ist mittlerweile auf den Zug aufgesprungen. Es muß so ein, ich habe Beweise.

Mittlerweile werden Hemden verkauft, die einfach so eingehen. Sven meinte, nur Wolle würde eingehen, aber ich bin der festen Überzeugung, daß in diese Polyesterfabrikate Stoffe eingearbeitet werden, die zum Beispiel bei Dunkelheit (im Schrank) ihre Struktur verändern können und somit der komplette Stoff zusammen schrumpft. Mit dem Ziel natürlich, sich ständig neue Hemden kaufen zu müssen, die dann wiederum nach drei Jahren schon wieder zu klein geworden sind.

Wie könnte es anders zu erklären sein, daß mir diverse Hemden einfach nicht mehr passen? Darunter auch einige meiner (nun ehemaligen) Lieblingshemden.

Man hatte nur ein mildes Lächeln für mich übrig und meinte, es läge weniger an den Hemden die geschrumpft sind, als mehr an meiner Leibesfülle, die etwas voluminöser geworden sei.

Das halte ich nun wieder für Unsinn. Denn warum sind die Hemden dann auch an den Armen zu kurz geworden? Häh? Häh?

Ich werde die Sache genau beobachten und beim geringsten Anzeichen eines Beweises, der vor Gericht Bestand hat werde ich eine Sammelklage anstreben. Wer mit mir gegen diese Ungerechtigkeit kämpfen will, möge sich bitte hier in der Kommentarfunktion verewigen.

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