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Der bipolare Durchlauferhitzer

Wo ich herkomme, kennt man so etwas wie Untertischgeräte oder Durchlauferhitzer nicht. Zumindest begegnete ich nie etwas derartigem – und glaubt mir, ich wohnte in sehr vielen unterschiedlichen Wohnungen. Wollte man warmes oder heißes Wasser, drehte/bewegte/drückte/zog man die entsprechende Armatur und erhielt sofort einen zuverlässigen, angemessen temperierten und satten Strahl aus dem Hahn. Alles andere war Magie, die irgendwo im Keller stattfand und nicht weiter hinterfragt wurde.

Bis ich nach Nordrhein-Westfalen zog und bei jedem Umzug aufs Neue Untertischgeräte oder kleine Elektroboiler für die Küche und Durchlauferhitzer im Badezimmer organisieren/warten/reklamieren und an ihnen verzweifeln durfte. Für mich unverständliche Zustände. Auch in der aktuellen Wohnung treibt mich ein solches Gerät regelmäßig in den Wahnsinn. Dabei ist es doch das Gerät selbst, das an einer bipolaren Störung zu leiden scheint.

Der Durchlauferhitzer im Badezimmer kennt nur zwei Zustände: zu heiß oder zu kalt. Angenehmes, warmes Wasser kennt er nicht. Und in der Dusche kennt er auch keinen Druck. Man kann zwischen kaltem oder heißem Plätschern wählen. Gerne übernimmt das Gerät die Wahl, je nach Lust und Laune. Stets durch ein lautes “KLACK!” angekündigt, wird die aktuelle Temperatur umgeschaltet, obwohl man selbst nichts an den Armaturen geändert hat. Noch fluchend und mit Schaum in Haar und Augen, verbrüht oder verkühlt man sich und hört direkt im Anschluss ein weiteres “KLACK!”, das einen verkühlt oder verbrüht. Je nachdem.

Das Gerät hat einen Umschalter mit drei Stellungen und einen großen Regler. Dies, so die Anleitung, soll komfortabel jede gewünschte Temperatur garantieren, speziell für jedes Bedürfnis, jede Jahreszeit, jeden gewünschten Energieverbrauch angepasst. In Wahrheit kann jegliche Schalter/Regler-Kombination zur zwei Dinge: zu kalt oder zu heiß. Ich habe es im Laufe der Jahre getestet. Und wieder getestet. Und wieder…

Einmal wurde der bipolare Durchlauferhitzer so krank, dass er regelmäßig die Sicherung aktivierte, wenn ihm zu heiß wurde. Ein Installateur kam zur Rettung, tauschte irgendwas Durchlauferhitzendes und quittierte mein Klagen über die bipolaren Zustände des Geräts mit einem Achselzucken. Das sei nunmal so, ich solle mal versuchen, den Schalter und den Regler auf eine andere Position zu stellen.

Irgendetwas in mir machte “KLACK!”

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Das Steckdosen-Kind

In einem kleinen, verschlafenen Dörfchen im sommerlichen Südtirol wartete ein Paar an der Rezeption eines Hotels darauf, auschecken zu können. Die Gastgeber waren gerade unterwegs. Stattdessen stand eine Mitarbeiterin des Spa-Bereichs an der Rezeption und lächelte so freundlich wie nutzlos. Das Paar stand ebenso nutzlos herum, stützte sich auf den gepackten Koffern ab und sah sich ein letztes Mal in dem Hotel um, das ihnen einige Tage lang als angenehme Unterkunft gedient hatte.

Ihr Blick fiel auf ein kleines Kind, einen Jungen, mit voluminösem, braunen Haar. Er mag vielleicht 1 bis 2 Jahre alt gewesen sein, hockte auf dem Boden neben der hoteleigenen, schläfrigen Dogge und spielte. Vermutlich spielte er “Elektriker”, denn seine volle Aufmerksamkeit galt der Steckdose in der Wand. Konzentriert versuchte er, die Dose zu öffnen oder zumindest seine kleinen Finger in die “Schweinsnase” zu stecken. Die Dogge ließ das kalt und gähnte.

Auch die Spa-Mitarbeiterin ließ es kalt, denn als das Paar mit leichtem Entsetzen den Blick von dem Jungen auf die Frau wandte, stand sie weiterhin lächelnd da und beobachtete das Kind ebenfalls. Reglos. Dann sah sie auf und begegnete dem Blick des Mannes. Er sagte: “Sollte man das Kind nicht besser davon abhalten?” Die Mitarbeiterin schien anderer Meinung oder hatte vielleicht die Frage nicht verstanden. Vielleicht hasste sie das Kind. Oder ihren Chef. Vielleicht war sie aber auch eine Hexe, oder schlimmer noch, die Dienerin des kleinen Jungen, der als Sohn des Satans in diesem Haus lebte, stets bewacht von der Höllen-Dogge und der Satans-Braut. Er hieß vermutlich Damien.

Die Mitarbeiterin lächelte ungerührt weiter und die Frau des wartenden Paares sprang auf, nahm sanft den Arm des kleinen Jungen und zog ihn vorsichtig aus der Steckdose. Er wehrte sich nicht, sein Blick war allerdings so missbilligend, wie es seine noch eingeschränkte Mimik zuließ. Die Dogge drehte sich gelangweilt um. Sogleich eilten aufgeregte Herrschaften herein. Die Gastgeber, die dankend ihren kleinen Jungen in Empfang nahmen und in eine andere Ecke setzten. Die Spa-Mitarbeiterin lächelte weiter, als das Paar das Hotel verließ.

Einige Monate später erhielt das Paar eine faltbare Postkarte des Hotels. Übliche Werbepost, die an alle ehemaligen Gäste verschickt wurde. Darauf zu sehen, Impressionen des Hotels, gestellte Spa-Fotos, Berge, gut aussehende, solvente Paare in Bademänteln in großzügigen Zimmern und… ein Foto der Familie. Zu ihren Füßen: das Steckdosen-Kind.

Das Paar dankte der Familie mit einem freundlichen Antwortbrief. Und der las sich so:

“Sehr geehrte Familie Hotel-Gastgeber aus Süditrol. Vielen Dank für Ihre freundliche Postkarte. Wir haben uns ausserordentlich darüber gefreut, dass der kleine Junge noch lebt und offenbar bei bester Gesundheit ist. Er scheint keine weiteren Steckdosen untersucht zu haben, bzw. muss den Schlag wohl gut überstanden haben. Wir fragten uns bei der Heimreise, ob es sich hierbei vielleicht um eine Südtiroler Tradition handeln könnte, kleine Kinder mit 230 Volt zu erschrecken. Falls wir uns irren, senden wir Ihnen anbei einen Steckdosen-Schutz, damit kleine Kinderfinger keinen Schaden mehr nehmen können. Bitte beachten Sie anbei auch den Amazon-Link zu weiteren Steckdosen-Schutzvorrichtungen und eine kleine Anleitung zur Wiederbelebung von Kleinkindern. Wir hoffen, die Dogge und Spa-Mitarbeiterin sind ebenfalls wohlauf, lächeln oder gähnen. Mit freundlichen Grüßen verbleiben wir. Das Paar.”

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Auto Supertrumpf der anderen Art

Als ich noch jung war™ , spielten wir regelmäßig Quartett. Flugzeuge, Züge, Schiffe, Trucks, Motorräder und selbstverständlich Autos galt es in diesem Kartenspiel in den unterschiedlichsten Kategorien zu vergleichen. Wer hatte die jeweils schnellste, größte, längste, stärkste Leistung, Länge, Geschwindigkeit, Beschleunigung, was-auch-immer. Gegenspieler, deren Karte in der genannten Kategorie einen schlechteren Wert hatten, verloren die Karte, so lange, bis ein Spieler alle Karten besaß und somit gewann. So brachten wir die Sommertage im Schwimmbad zu, wenn wir nicht im Wasser oder an der Süßigkeiten-Bude waren.

Ich musste allerdings so alt werden™, um zu erfahren, dass das von uns schlicht “Quartett” genannte Spiel in Wahrheit Supertrumpf heißt. Im Volksmund sagte man Auto-Quartett, weil dies die damals beliebtesten Karten waren. Ich komme darauf, weil ich ein Auto-Supertrumpf der etwas anderen Art erleben durfte. Die beiden Spieler versuchten, sich mit den besten Werten ihrer eigenen Autos zu übertrumpfen. Und das ging ungefähr so:

Spieler 1: “Also an meinem Auto quietschen schon seit Monaten die Bremsen.”

Spieler 2: “An meinem Auto quietscht dafür während der Fahrt ständig etwas.”

Spieler 1: “Aber an meinem Auto lassen sich die Scheiben nicht mehr öffnen.”

Spieler 2: “Dafür schaltet sich bei meinem Auto der Motor regelmäßig von alleine aus.”

Spieler 1: “Und meinem Auto fällt immer wieder die hintere Tür ab. Auch während der Fahrt.”

Spieler 2: “Das ist ja gar nichts. Mein Auto fängt immer wieder mal Feuer und brennt aus dem Motorraum.”

Spieler 1: “Mir fliegen während der Fahrt alle vier Räder weg und das Dach explodiert in hohem Bogen davon.”

Spieler 2: “Also… ich… mein Auto… okay, du hast gewonnen. Dein Auto ist beschissener als meins.”

Spieler 1: “Ich hab zwar gewonnen, aber du darfst es gerne behalten.”

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Kläff mich nicht an!

In unserem Haus wohnen Nachbarn, die… nun, sagen wir es so, wir verstehen uns nicht besonders gut. Sie haben einen Hund. Er ist das liebste und vor allem ruhigste Familienmitglied. Seit einigen Monaten wohnt eine weitere Person in der Wohnung, die einen weiteren Hund mitbrachte. Nennen wir ihn der Einfachheit halber Arschloch-Hund.

Arschloch-Hund hat offenbar noch nie einen Hundetrainer gesehen bzw. wurde nie erzogen und ist extrem nervös. Jedes kleine Geräusch führt dazu, dass er komplett ausflippt und kläfft. Wohlgemerkt nur bei Geräuschen von außen. Innerhalb der Wohnung wird sorglos Lärm gemacht. Die Angespanntheit von Arschloch-Hund führt regelmäßig zu folgenden Situationen:

Wir öffnen die Haustür. Arschloch-Hund: “Wäff! Wäff! Wäff! Wäff!” Besitzer von Arschloch-Hund: “Hey! Hey! Hey! Hey!”

Wir öffnen die Wohnungstür. Arschloch-Hund: “Wäff! Wäff! Wäff! Wäff!” Besitzer von Arschloch-Hund: “Hey! Hey! Hey! Hey!”

Wäff! Wäff! Wäff! Wäff!

Arschloch-Hund

Wir schließen die Wohnungstür ab. Arschloch-Hund: “Wäff! Wäff! Wäff! Wäff!” Der ruhige aber jetzt angestachelte Hund: “Woff! Woff! Woff! Woff!” Besitzer von Arschloch-Hund: “Hey! Hey! Hey! Hey!”

Wir gehen in den Keller. Arschloch-Hund: “Wäff! Wäff! Wäff! Wäff!” Der ruhige aber noch immer angestachelte Hund: “Woff! Woff! Woff! Woff!” Besitzer von Arschloch-Hund: “Hey! Hey! Hey! Hey!” Anderer Nachbar in der Wohnung: “Ruhe! Aus!! Hör auf!!!”

Wir kommen vom Keller wieder hoch. Alle: “Wäff! Wäff! Woff! Hey! Woff! Ruhe! Woff! Wäff! Aus! Hey! Wäff! Hey! Wäff! Woff! Hör auf. Woff!”

Wir verlassen die Wohnung. Alle: “Wäff! Wäff! Woff! Hey! Woff! Ruhe! Woff! Wäff! Aus! Hey! Wäff! Hey! Wäff! Woff! Hör auf. Woff! Wäff! Woff! Hey! Woff! Ruhe! Woff! Wäff! Aus!”

Der Rest geht langsam im Straßenlärm unter, während wir uns weiter vom Haus entfernen. Wir atmen auf. “Uff!”

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Was von der ersten Liebe übrig blieb

Blutjung, blond, mit Mecki-Frisur und in Kniestrümpfen traf ich sie zum ersten Mal im Konfirmationsunterricht im örtlichen Gemeindehaus. Und offenbar wollte Gott, dass ich mich in sie verliebe. Oder “gut fand”, wie man damals sagte. Die kleine Sabine Fischer, mit ihren braunen glatten Haaren und den niedlichen Sandalen. Mit der ich mehr als nur die Konfirmationsunterrichte verbrachte. Für die ich in jenem Sommer mehrmals täglich zum Bäcker lief, um uns ein Mini-Milk-Eis für jeweils 30 Pfennig zu holen.

Wie oft lagen wir im Schatten eines Kirschbaums in Fischers Garten, Eis essend, Micky Maus Hefte lesend. Sie besaß Exemplare, die meiner überaus großen Sammlung noch fehlten. Kniestrümpfe und Sandalen ruhten neben der Decke und wenn das Eis aufgegessen war und die Holzstäbchen im Gras steckten, kletterten wir auf den Kirschbaum um uns an den Früchten satt zu essen.

Noch bevor der Sommer zu Ende und ich konfirmiert war, hatte sie schon mein Herz gebrochen. Meine Frage, ob sie mit mir gehen wollte, hatte sie deutlich verneint und sich stattdessen für den coolen Michael entschieden. Michael, den Fußballspieler auf dem Bonanza-Rad, der ihr keine Mini-Milks aus dem Bäcker brachte, sondern Sabine schickte, um “Brauner Bär” für die beiden zu holen. Ich lernte meine Lektion. Und als ich mir von meinem Konfirmationsgeld meine erste eigene Stereoanlage von Aiwa kaufte, hörte ich alleine traurige 80er Musik, die ich auf Kassetten aufgenommen hatte.

Und ich las nie wieder in Sabines Micky-Maus-Heft, das in diesem Sommer irgendwie Teil meiner Sammlung wurde, die ich heute noch besitze. Ob Sabine das Heft wohl vermisst? Ob sie Michael am Ende heiratete und ihre Kinder nun unter dem Kirschbaum liegen? Ich schätze, ich habe jetzt Lust auf ein Eis.

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Die Ex

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Dann kommt der Zeitpunkt, an dem du die neue gefunden hast und glücklich bist. Und dir gar nicht mehr vorstellen kannst, wie du es so lange mit der alten aushalten konntest. Natürlich erinnerst du dich an die zumeist schönen Zeiten, glanzvolle Erinnerungen voll leichter Wehmut. Doch du erinnerst dich auch an die schlechten Zeiten, in denen dir alles zu eng wurde und du ausbrechen wolltest. Und nun ist der Lack ab, das neue lockt, und alles was vergangen, scheint grau.

Bis die Nachfolger auf den Plan treten. Das elende Pack, die Meute, die wie Geier nur darauf gewartet haben, dass du endlich verschwindest. Sie sind voll des Lobes, schwärmen, umgarnen und heben sie auf einen Sockel. Doch lass dich nicht täuschen. Natürlich hinterfragst du deren Euphorie, fragst dich, ob du einen Fehler gemacht hast. Fragst dich, was mit dir nicht stimmt, dass du dir einfach eine neue gesucht hast. Die alte zurück lässt. Hat sie denn wirklich den Lack ab oder liegt es an mir? Weshalb ist jeder begeistert außer mir?

Verzweifle nicht. Du hast alles richtig gemacht. Diese Gefühle kommen immer, die Wehmut übernimmt gerne das Ruder. Bewahre dir das Gefühl in deinem Herzen. Lass sie los, in dem guten Wissen, dass sie lange genug perfekt zu dir gepasst hat und immer noch so großartig ist, wie damals, als du sie zum ersten Mal sahst. Doch ihr habt euch auseinander gelebt. Niemand kann etwas dafür. Lass sie gehen und anderen ihre Freude an ihr haben.

Freu dich einfach auf deine neue Wohnung.

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Perfect World

In einer perfekten Welt trägt man nur Stretch und Slipper. Und alles duftet nach Bacon.

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