Alles Roger das Blog von Roger Graf

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Leidenschaft

Wie kann es eigentlich sein, dass ich seit mittlerweile genau vier Jahren UX Designer bin und bislang kaum über dieses Berufsfeld geschrieben habe? Vielleicht, weil ich über meine anderen Berufe davor ebenfalls nicht geschrieben habe? Was nicht ganz der Wahrheit entspricht. Dass ich leidenschaftlicher Lokomotivführer war und im Herzen auch weiterhin bin, wurde bestimmt schon das eine oder andere Mal erwähnt.

Und da ist dieses Wort. Leidenschaft. Ist es nicht schön, eine Leidenschaft zu haben? Oder besser gesagt, eine Leidenschaft gefunden zu haben, der man regelmäßig nachgehen kann, egal ob privat oder beruflich? Wie oft erzählte ich in diesem Blog, dass Filme meine Leidenschaft seien? Wie gerne nahm ich mir TV-Serien vor, Apple Produkte, Gadgets und Spiele. Alles Dinge, die ich leidenschaftlich mag. Doch dies sind nur Dinge.

Einen erfüllenden Beruf ausüben zu können, dürfte neben Gesundheit, Liebe und sozialen Kontakten zum Besten gehören, was ein Leben bieten kann. Ich war Lokomotivführer, Disponent, Projektmanager und habe all diese Berufe, trotz mancher Tiefen, immer mit einer gewissen Begeisterung und Leidenschaft ausgeübt. Seit vier Jahren kann ich mich glücklich schätzen, UX Designer zu sein.

An dieser Stelle eine kurze Erklärung, was genau das ist. UX ist die Abkürzung für User Experience, also die Benutzererfahrung. Sie bezeichnet alles, was man als Anwender eines Gerätes (Maschine, System, etc.) vor, während und nach der Benutzung erlebt. Als UX Designer ist es meine Aufgabe, die Bedürfnisse der Anwender zu verstehen, die für sie beste Lösung zu kreieren und ihnen damit eine gute Erfahrung zu bieten. Sie in ihren Aufgaben zu unterstüzen und ihnen zu helfen. Jeder, der schonmal an einem Fahrkartenautomaten stand und noch vor dem ersten Tastendruck Angst hatte, was alles schiefgehen kann, während der Benutzung erlebte, was alles schief geht und am Ende zwar vielleicht mit einem Ticket, aber mit zehn Minuten verlorener Lebenszeit und Wut im Bauch dastand, weiß, wie eine schlechte Benutzererfahrung aussieht. Und dies ist nur eines von Millionen Beispielen.

In einer Welt, die so komplex geworden ist, die uns Jahr für Jahr abhängiger von Maschinen macht, ist es umso wichtiger sicherzustellen, dass diese Maschinen nicht nur zuverlässig funktionieren, sondern auch gut zu bedienen sind. Und wenn es geht auch ästethisch aussehen. Die Welt ist voll von kuriosen und gruseligen Beispielen, wie durch schlechte Usability (Benutzbarkeit) Inseln wegen Raketenwarnungen evakuiert wurden oder Atomkraftwerke fast zur Explosion gebracht wurden. Und diese dürften vermutlich zu den spektakulärsten Beispiele gehören.

Gute und schlechte User Experience erleben wir Tag für Tag in unserem Leben. Oftmals nehmen wir sie gar nicht mehr wahr. Nämlich dann, wenn die Dinge einfach funktionieren. Wenn wir keinen Gedanken daran verschwenden müssen. Ein gutes Design fällt nicht auf, ein schlechtes umso mehr.

Meine Aufgabe ist es, Anwender – Menschen – zu verstehen. Und ihnen Lösungen zu bauen, die ihnen ein gutes Gefühl geben. Sicherheit. Das Gefühl, die Dinge unter Kontrolle zu haben. Jederzeit die Aktionen und Informationen zur Verfügung zu haben, die sie benötigen. Lösungen, die ihnen schon im Vorfeld die Sorgen nehmen und sie mit einem beruhigten Gefühl zurücklassen. Lösungen, die Spaß machen, ihnen nicht im Weg stehen, sondern sie bereichern. Wie könnte man diesen Beruf nicht mit Leidenschaft ausüben?

In meinem bisherigen Leben habe ich Menschen mit Leidenschaft von A nach B gebracht, habe sichergestellt, dass sie ihre benötigten Waren erhalten, habe Projekte betreut, die Abläufe in Krankenhäusern verbesserte und darf nun jeden Tag mit Leidenschaft dafür sorgen, dass Anwender in ihrer täglichen Arbeit ihre Aufgaben schnell und sicher erledigt bekommen und ein gutes Gefühl haben. Ich hätte es kaum besser treffen können.

Ach ja, ich schreibe noch immer mit Leidenschaft.

Der 30 Tage Lauf – Das Fazit

Wie lief’s?

Am 1. Juni 2021 begann ein Experiment. Ich forderte mich selbst heraus und starte eine Challenge mit dem Titel: “Der 30 Tage Lauf”. Ich wollte dabei heraus finden, ob ich es schaffe, jeden einzelnen Tag im Monat Juni einmal laufen zu gehen. Und nebenher beobachten, ob und was sich bei mir körperlich und geistig verändert. Rekorde sollten nicht aufgestellt werden. Auch keine konkreten Ziele wie minimale Kilometer oder Zeiten wurden erhoben. Es ging dabei nur um den Versuch, den inneren Schweinehund täglich aufs Neue besiegen zu können.

Dabei war schon früh abzusehen, dass es keine 30 Läufe sein würden. Zu ambitioniert war das Vorhaben, zumindest auf meinen gesundheitlichen Zustand bezogen. Jeden Tag laufen zu gehen, geht für Ungeübte doch sehr an die Substanz. Kommen dann noch Einschränkungen wie schmerzende Knie oder Rücken hinzu, wird schnell klar, dass es ohne Pausen und Regeneration nicht funktionieren kann. Lief ich die ersten Tage noch meine 3,5 bis 5 Kilometer, musste ich bereits an Tag 10 eine Pause einlegen und einen Spaziergang statt eines Laufs absolvieren.

Hin und wieder fielen mir 6 Kilometer Läufe nicht schwer, am nächsten Tag war ich froh, über 2 Kilometer zu kommen. Ab Tag 14 war klar, dass tägliche Läufe eher meine Gesundheit gefährdeten, als mich fitter zu machen und ich beschloss, nur noch jeden zweiten Tag zu laufen. Dann erhielt ich überraschend meine Impfung. Und konnte erst an Tag 22 wieder anfangen.

So blieben von den angepeilten 30 Tagen insgesamt 18 Tage an denen ich wirklich meine Waldrunden drehte. Immerhin mehr als die Hälfte. Beziehungsweise ein vernünftiges zweitägiges Muster, das ich von Beginn hätte wählen sollen.

Machen sich diese 18 Tage nun bemerkbar? Um ehrlich zu sein: Nicht wirklich. Dafür war die Gesamtdauer vermutlich zu kurz und die Läufe zu unregelmäßig. Ich wurde in dem Monat nur unmerklich schneller, schaffte nicht mehr Kilometer. Ich nahm nicht einmal ab. Was sich aber änderte: Schon nach wenigen Läufen wurde meine Atmung ruhiger, weniger keuchend. Auch nach dem Ende eines Laufs konnte ich direkt wieder normal atmen. Die Anstrengung wurde weniger. Dieses Gefühl wurden auch durch Daten bestätigt. Meine maximale Sauerstoffaufnahme lag zu Beginn bei 30,7, beim letzten Lauf bei 35,1. Das ist zwar noch immer unter dem empfohlenen Wert, aber eine sichtbare und fühlbare Steigerung. Auch meine durchschnittliche Herzfrequenz sank auf ca. 150 Schläge pro Minute, wo zu Beginn des Experiments teilweise bis zu 170 Schläge pro Minute die Regel waren und damit weit aus einem gesunden Ausdauerbereich heraus.

Was sich ebenfalls änderte ist meine Einstellung zum Laufen. Es ist deutlich einfacher und angenehmer, sich alle 2 Tage für schnelle 20 Minuten aufzuraffen, statt einmal pro Woche für einen 60 Minuten Lauf. Zumal aus den 20 Minuten dann doch 30 bis 40 werden, wenn es gut läuft. Auch durfte ich lernen, dass ein Lauf im Regen gar nicht so unangenehm ist ,wie ich immer dachte. Das Laufen war durch die hiesige Berichterstattung zwar immer ein bisschen Zwang, könnte aber zukünftig zu einer gesunden Regelmäßigkeit werden.

Statistiken

  • Läufe insgesamt: 18
  • Strecke insgesamt : 79,86 km
  • Längste Strecke: 7,01 km
  • Kürzeste Strecke: 3,37
  • Gesamtzeit: 10 Stunden 12 Minuten
  • Durchschnittliche Herzfrequenz: 153 bpm
  • Höchste durchschnittliche Herzfrequenz: 161 bpm
  • Niedrigste durchschnittliche Herzfrequenz: 143 bpm
  • Unterschied der durchschnittlichen Herzfrequenz zwischen erstem und letzten Tag: -13 bpm
  • Durchschnittlicher Pace: 6’8″/km
  • Höchster durchschnittlicher Pace: 7’27″/km
  • Niedrigster durchschnittlicher Pace: 6,’09″/km
  • Unterschied des Pace zwischen erstem und letztem Tag: -1,’04″/km
  • Durchschnittliche Geschwindigkeit: 8,60 km/h
  • Höchste durchschnittliche Geschwindigkeit: 9,75 km/h
  • Niedrigste durchschnittliche Geschwindigkeit: 8,03 km/h
  • Unterschied der Geschwindigkeit zwischen erstem und letztem Tag: + 1,3 km/h

Wie soll es weiter gehen?

Tägliche Läufe sollten unbedingt vermieden werden. Aber auch meine bisherigen Läufe alle 2 bis 3 Wochen dürften nicht viel für meine Gesundheit beigetragen haben. Ich peile im Moment an, mindestens zweimal in der Woche laufen zu gehen. Einmal am Wochenende, einmal unter der Woche. Und wenn es mich packt und das Wetter geil ist, gerne auch ein drittes Mal. Aber auf keinen Fall mehr. Ab jetzt steht die Gesundheit im Vordergrund, nicht die Herausforderung.

Der 30 Tage Lauf – Tag 29 und 30

Wie läuft’s?

Manchmal kommt dir das Leben in die Quere. Manchmal der Tod. Oder alles, was dazwischen liegt. Manchmal ist alles andere wichtiger, als die Herausforderungen, die man sich selbst gestellt hat. Wie John Lennon einst sang: “Life is what happens to you while you are busy making other plans”. So kam es, dass ich in den vergangenen zwei Tagen weder Laufen war, noch etwas schrieb.

Heute, am 30. und letzten Tag meiner Challenge “Der 30 Tage Lauf” melde ich mich zum vorletzten Mal zu dem Thema, bevor ich hoffentlich morgen mein Fazit ziehen kann. Mag sein, dass dies ein etwas ärmliches, unrühmliches Ende meines Experiments ist. Gewiss hattet ihr euch, meine Leser, aber auch ich mir etwas anderes vorgestellt. Einen letzten großen Lauf. Eventuell ein persönlicher Rekord. Ein abschließendes, zufriedenstellendes Highlight. So ist es leider nicht. So ist das Leben nicht und schon gar nicht ein lächerliches kleines Vorhaben in einem kleinen, persönlichen Blog.

Ich habe einige Dinge über mich und meinen Körper gelernt und ich bin auch ein klein wenig stolz auf mich, es bis zum Ende durchgezogen zu haben. Egal, wie viele Pausen notwendig waren oder wie es endete. Es war gut so. Wenn alles klappt, werde ich morgen Näheres dazu schreiben können…

Statistiken

  • 1 Fazit in der Mache

Gedanke des Tages

Lasst es mich noch mal deutlich sagen: Zelebriert das Leben. Und, wenn ihr gesund und mobil seid, zelebriert euren Körper. Pflegt ihn, bleibt fit, bewegt euch. Und wenn ihr nicht gesund und mobil seid, seht zu, dass ihr es wieder werdet.

Der 30 Tage Lauf – Tag 28

Wie läuft’s?

Nach einem furiosen und spannenden Spiel der Spanier gegen Kroatien beschloss auch ich, an Tag 28 meiner Challenge “Der 30 Tage Lauf” in die Verlängerung und somit in den Wald zu gehen. Es sollte nur eine kurze Runde werden. Es wurde eine meiner Schnellsten. Und obgleich sich statt der Knie wieder mein Rücken schmerzhaft bemerkbar machte, flog und schwebte ich schier (für meine Verhältnisse natürlich). Auch Puls und Atmung blieben stets im angenehmen Bereich.

Mein Rücken macht mir tatsächlich etwas Sorgen. Abwarten, ob ich übermorgen zu meinem letzten Lauf der Challenge starten kann. Morgen ist erstmal Regeneration und das Deutschland-Spiel angesagt.

Statistiken

  • Strecke: 4,03 km
  • Gesamtzeit: 24 Minuten
  • Durchschnittliche Herzfrequenz: 150 bpm (Maximal 160 bpm)
  • Durchschnittlicher Pace: 6’09″/km
  • Durchschnittliche Geschwindigkeit: 9,75 km/h

Gedanke des Tages

Apropos Fußball. Wann wird die Delta-Variante des Corona-Virus eigentlich in UEFA-Variante umbenannt?

Der 30 Tage Lauf – Tag 27

Wie läuft’s?

Statt eines Laufs war heute Expedition angesagt. Verwunschene und zerfallene Gebäude in tiefem Dickicht erkunden und telefonisch den horrenden Preis für die Ruine und den Urwald erfragen. Auch eine Art Sport, aber erwartungsgemäß nicht die Erwartung einer Challenge “Der 30 Tage Lauf” an Tag 27. Es ist geplant, morgen wieder einer Waldrunde zu drehen. Mein Rücken wird es diesmal entscheiden.

Statistiken

5 Kilometer, 1 Hektar, eine halbe Million. Mehr oder weniger.

Gedanke des Tages

Erstaunlich, wie schnell man in der Natur ist. Und weiter erstaunlich, wie weit man gehen muss, bis man mal keine Straßen mehr hört.

Alles Roger das Blog von Roger Graf

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