Kategorien
Alles Gelesen Alles Persönlich

Silvester Nachlese

Der beschissenste Jahreswechsel den ich je erleben musste fand 1999 statt. Bei der größten Silvesterparty der Menschheitsgeschichte musste ich Nachtschicht machen. Um Mitternacht stand ich allein auf einem verlassenen Parkplatz, beobachtete das Feuerwerk um mich herum, versuchte erfolglos irgendjemanden mit dem Handy zu erreichen und fühlte mich so einsam wie nie zuvor in meinem Leben. Das letzte Silvester war gottlob nicht ganz so schlecht.

Obwohl sich auch hier eine gewisse Müdigkeit breit machte. Es begann schon mit der Planung, auf die ich und meine damalige Freundin keine Lust hatten – so viele Leute unter einen Hut zu bringen erwies sich als äußerst schwer. Weiter erschwert wurde es durch die Tatsache, dass ich am nächsten Morgen um sechs Uhr schon wieder raus musste. Auf Riesenparty in Freiburg hatten wir auch keine Lust. Und da es in meinem „Freundeskreis“ gerade alles andere als rund läuft (fast jeder hat entweder Stress im Job und/oder Beziehung oder bekommt Nachwuchs oder wird von der Partnerin unterdrückt etc…) fiel die Idee einer kleinen Party bei mir schnell ins Wasser.

Ein befreundetes Pärchen schloss sich uns an, gemütlich Fondue zu essen und so zu tun, als sei dies ein ganz normaler Abend.

Tatsächlich hockten wir um Mitternacht noch am Tisch und spielten fröhlich Karten, obschon ich da bereits merkte, das es mich juckte. Draußen began das allgemeine Sich-In-Luft-Auflösen mehrerer Millionen Euro (also deutschlandweit, nicht nur bei uns). Ja, ich gebe zu, obwohl ich zugestimmt hatte, dass wir auf all den üblichen Silvester Schnick Schnack verzichten wie um Mitternacht anstoßen, Küsschen verteilen, „Gutes Neues“ vom Balkon zu schreien und „Ahh“ und „Ohh“ zu machen, wenn der Nachbar seine Supermarkt Knaller in die Luft beförderte, beschlich mich doch ein sentimentales Gefühl.

Ich sollte kurz erklären, dass ich vor etlichen Jahren begonnen habe, Fastnacht (Fasching) zu hassen. Und zwar aus dem Grund, das es mir widerstrebt, vorgeschrieben zu bekommen, wann ich fröhlich zu sein habe. Ich will nicht, das mir die Allgemeinheit sagt: „Jetzt ist Rosenmontag. Also sei mal aufgedreht und happy und geh raus.“ Ich will gefälligst happy sein, wenn ich es will. Außerdem habe ich Fastnacht immer nur als Gelegenheit kennengelernt, sich ungeniert voll laufen zu lassen und Frauen anzubaggern (umgekehrt ist es übrigens auch so). Das ist ehrlich gesagt nicht mein Ding. Es gibt sicherlich auch nette Aspekte der Fasnet (so heißt es bei uns), aber die muss man wirklich lange suchen.

Ähnlich ergeht es mir mit Silvester. Es ist nur ein Datum. Nur ein Zeitpunkt, den sich vor vielen hundert Jahren jemand ausgedacht hat, als unser Kalender entwickelt wurde. Nichts ändert sich. Deutschland ist genau so wie letztes Jahr. Das Wetter auch. Die Situation auch. Das Fernsehprogramm auch. Ich auch. Was gibt es da also zu feiern?

Tja, genau das sagte ich mir und meine Partygäste waren mit mir einer Meinung.

Dennoch vermisse ich es. Wir fuhren schließlich nach Badenweiler wo eines der größten Feuerwerke der Regio stattfindet, mit Musik und allem. Als ich mit meiner damalige Freundinn eng gekuschelt in der Menge stand, und mit „Ahh“ und „Ohh“ Rufen das fantastische Schauspiel am Himmel quittierte, wusste ich, dass ich nächstes Jahr wieder eine richtige Silvesterfeier mit allem drum und dran will. Und sei es nur aus Sentimentalität.

Ich wünsche Euch allen noch ein gutes „neues“ Jahr.

Kategorien
Alles Persönlich

Gedanken zum neuen Jahr

Das Jahr neigt sich dem Ende und wie alle Welt mache auch ich mir Gedanken über Vergangenes und Kommendes. In den letzten paar Wochen gab es besonders drei Begriffe, die mich schwer zum Nachdenken angeregt haben und die auch irgendwie in Verbindung zueinander stehen. Und das in der Offline- wie in der Online-Welt. (kleine Warnung vorweg: dies ist ein recht langer Artikel und sollte nur mit der nötigen Zeit und Muße gelesen werden.)

Selektion.

Unser aller Leben ist bestimmt durch Selektion. Kaum eine Minute, in der es nicht darum geht, Entscheidungen zu treffen, egal wie banal oder wichtig sie sein mögen. Egal ob bewusst, oder vollkommen unbewusst. Ständig haben wir die Wahl. Und beinahe auch die Pflicht, eine zu treffen.

Das ist in unserem alltäglichen Arbeits- und Privatleben genauso wie im großen weiten Internet. Und… ständig die Wahl zu haben, entscheiden und auswählen zu müssen stellt uns vor immer größere Probleme. Denn das Angebot aus dem gewählt werden kann wird stetig gewaltiger und unüberschaubarer.

Zuletzt fiel mir das auf, als ich auf den Podcasting Zug aufsprang und in meinem iTunes Podcasts abonnierte, die sich auch nur ansatzweise interessant anhörten. Schnell wurden die Gurken aussortiert und gelöscht aber dennoch blieb es ein volles Programm. Als ich dann vier Tage nicht dazu gekommen war, die neuesten Episoden meiner Abos zu hören, hatte sich insgesamt 24 Stunden Programm angesammelt. Und das war mir eindeutig zuviel. Es artete in Stress aus. Ich wollte nicht Podcasts hören müssen, nur um am Ball zu bleiben. Es sollte Vergnügen und Information sein, mehr nicht. Also filterte ich diejenigen heraus, die mir nichts brachten außer Zeitvertreib und siehe da – ich höre jetzt viel entspannter (und bin genauso informiert und unterhalten wie zuvor).

Natürlich ist die Gefahr immer groß, etwas Gutes dabei zu verpassen. In der Bloggosphäre ist das genauso. Ich kann ganz einfach nicht alle Blogs lesen, ich muss mich auf einige wenige beschränken. Anfangs hatte ich ebenfalls sehr viele Blogs abonniert, kam aber nach kurzer Zeit dahinter, dass es mir nicht das geringste brachte. Bei Blogs und Podcasts ist es allerdings nicht leicht zu entscheiden. Schließlich ist es wie bei TV-Serien – es gibt gute und schlechte Episoden und man kann nicht von einer Episode auf die Qualität des Ganzen schließen. So muss man sich mehrere Episoden angucken (oder in diesem Fall eben anhören und lesen) um entscheiden zu können, was man will und braucht.

Wenn ich Blogs besuche, die mit einer Ellenlangen Linkliste (Blogroll) protzen, schüttle ich leicht den Kopf. Denn wem soll eine solche Liste etwas bringen (außer Linkzählern)? Dem Leser und den Machern der Blogs wohl kaum etwas. Ich muss doch davon ausgehen, dass der Blogbetreiber nur deshalb eine solch große Liste hat, um damit auch in die Listen der verlinkten Seiten aufgenommen zu werden (was man ihm natürlich absolut nicht vorwerfen kann).

Ich als Leser und Suchender mag es aber lieber, wenn ich ein Blog gefunden habe das mich unterhält, mich informiert und auf meiner Wellenlänge liegt und mir dieses Blog einige wenige gute Blogs empfiehlt. Ich verliere nicht den Überblick, kann mir die Empfehlungen ansehen und entscheiden. Und ich muss mich nicht durch 200 Blogs durchlesen, was ich ohnehin weder zeitlich noch nervlich durchhalte. Natürlich ist auch dies ein Prozess der ähnlich verläuft wie bei den Podcasts oben beschrieben. Und natürlich kann ich dadurch auch so manche gute Seite verpassen. Allerdings findet man so auch einige Perlen und diese stehen in meiner Liste drin – nur Seiten, die ich selbst regelmäßig besuche und mit gutem Gewissen wärmstens empfehlen kann (und die von mir empfohlenen Blogger scheinen wohl ähnlich zu denken – so schließt sich der Kreis dieses Gedankengangs).

Vergänglichkeit.

In dieser schnelllebigen Zeit ist nur wenig von Bestand. So manches, das heute noch als hip gilt, ist morgen out. Aktuelles ist morgen alt. Wichtiges morgen vergessen. Nirgendwo lässt sich das besser beobachten als in der Bloggosphäre. Nun mag man vielleicht anmerken, dass genau dies der Vorteil der Blogs ist – nur was aktuell ist, ist wichtig. Aber stimmt das wirklich?

Seit etlichen Jahren betreibe ich meine Homepage ebrake.de. Ich habe sie selbst entworfen, selbst gebastelt und gepflegt. Darauf präsentiere ich meine Gedichte, meine Kurzgeschichten, meine Romane (zwei) und meine Fotografien. Also alles, was mein Privatleben, mein Hobby hergibt. Und all das möchte ich auch für spätere Zeiten bewahren und zur Verfügung stellen. Das heißt, ich schreibe nicht eine Kurzgeschichte, stelle sie online und ersetze sie ein paar Tage später durch die nächste. Ich will der Welt etwas hinterlassen (so schmalzig das auch klingt – aber hey, jeder Künstler will das, egal ob Maler, Musiker, Fotograf, Autor etc.), also lege ich auch Wert darauf, dass die (Online-) Welt bitte nicht vergisst, was ich hier geschaffen habe. Egal wie gut oder schlecht mein Werk ist, so ist es doch ein Teil von mir und genauso wie ich nicht will, dass man mich einfach vergisst, will ich nicht, dass man mein Werk vergisst.

Beim bloggen muss ich wohl umdenken und ich gestehe, dass mir das noch schwer fällt. Wenn ich kurze Artikel darüber schreibe, dass mir ein Film gut gefallen hat oder ich über das schlechte Wetter motze, so ist das in der Tat nichts anderes, als wenn ich mich in einem Cafe mit jemandem über das Thema unterhalte. Es ist einfach ein Thema, das mich gerade interessiert und über das ich meine Meinung loswerden will. Viele Blogs bestehen ausschließlich aus solchen Artikeln. Objektive Belanglosigkeiten, die durch das Schreiben und Veröffentlichen zu einer Bedeutung gelangen (das ist teilweise sogar die Faszination am bloggen).

Wenn ich nun aber Artikel schreibe, die mir sehr viel bedeuten, über die ich mir sehr viele Gedanken gemacht habe, die ich auch dementsprechend ausarbeite und formuliere, so tut es mir weh, wenn ich weiß, dass diese „Kleinode“ durch meine nächste „belanglose“ Filmkritik nach hinten geschoben, nicht mehr gelesen und dadurch belanglos und vergessen werden.

Was also hat Bestand in der Bloggosphäre? Schreibe ich hier Fast Food? Sind die Gedanken, die ich der Welt hier mitteilen möchte nur eine bestimmte, kurze Zeit gültig? Der Gedanke macht mich traurig.

Allerdings deckt er sich immer mehr mit der Offline Welt. Denn auch hier könnte ich fragen, wo die Werte bleiben. Was uns noch wichtig ist. Was von Bestand ist. Worauf man sich verlassen kann.

Na gut, ich gebe zu, das ist vielleicht etwas zu hochtrabend und führt auch zu weit. Dennoch sollte man sich immer ein wenig vor Augen halten, dass der größte Teil der Blogschreiber (so auch ich) dieses Hobby deshalb ausüben, um etwas zu sagen, der Welt etwas zu hinterlassen, ihre Kreativität einsetzen in der Hoffnung, bei den Lesern etwas auszulösen. Ganz ehrlich, die Schreiber, die das nicht tun, sind schnell entlarvt.

Wert.

Man sagt mir, ich solle nicht zuviel schreiben, da die Leser bei zu langen Texten schnell das Interesse verlieren könnten (besonders wenn man sie am Bildschirm lesen muss). Und ich solle mehr über Themen schreiben, die die Leute offensichtlich interessiert. Wir kamen darauf, weil ich teilweise traurig darüber war, wenn ich zu einem Artikel, der mir selbst viel bedeutete, keinen Kommentar lesen konnte. Andere Artikel zogen allerdings etliche Kommentare nach sich und zeigten mir, dass es offensichtlich doch viele Menschen draußen gibt, die interessiert mitlesen und mitdenken (und ich möchte nicht hoffen, dass es nur Artikel sind, in denen die Worte Chiara Ohoven, Paris Hilton, Britney Spears, Kate Moos, Sex, nude etc. vorkommen). Das Feedback in Form von Kommentaren ist ein Gradmesser dafür, welchen Wert das Schreiben hat. Es ist der Dialog mit dem Leser, der hier wichtig ist (wichtiger noch als beim Buchautor, der den Erfolg ja auch auf seinem Konto und den Bestsellerlisten erkennen kann).

Wenn ich nun einen Artikel schreibe, der keine Kommentare entlockt, heißt das dann automatisch, ich habe etwas schlechtes geschrieben? Oder etwas, das die Leute nicht interessiert? Wie oft lese ich täglich Blogeinträge, die mich interessieren, die ich aber nicht kommentieren möchte – aus den unterschiedlichsten Gründen (weil ich keine Meinung dazu habe. Oder keine Ahnung.)?

Ich schätze auch hier muss ich lernen um zu denken. Kommentare sind weniger Gradmesser des Erfolgs als Besucherzähler. Und auch die sind doch nur reine Statistiken. Was also macht den Erfolg eines Blogs aus? Woher weiß ich, dass ich den richtigen Weg eingeschlagen habe? Wer sagt mir, dass es sich „lohnt“, so weiterzumachen und wer sagt mir, was sich ändern sollte?

Wie weiß ich, ob all das, was ich hier tue von Wert ist, nicht sofort der Vergänglichkeit anheim fällt und in der großen Welt der Selektion wahrgenommen wird?

Ich bin unwissend und schreibend und wünsche hiermit all meinen treuen Lesern, die diese Seite regelmäßig und mit Freude besuchen einen guten Rutsch ins Jahr 2006. Und dann sehen wir weiter.

Kategorien
Alles Persönlich

Under Pressure

Man kann sich das Leben wirklich ganz leicht ganz schwer machen. Ich kann davon ein langes Lied singen. Denn ich setze mich selbst immer wieder unter Druck. Und lasse mich auch gern unter Druck setzen. Als ich vor kurzem eine Mail bekam, in der man mich für mein Blog und für meine Texte lobte, bekam ich prompt eine kleine Panikattacke. Denn ich hatte keine Idee für einen neuen Text. Und nun, da ich wußte, das man von mir und meinem Geschribbsel wohlwollende Notiz nahm, durfte ich es nicht zulassen, in meiner Qualität abzusteigen. Was also sollte ich tun? Worüber schreiben? Entsetzlich.

Kategorien
Alles Gelesen Alles Lustig Alles Persönlich

Meine Kleidung kommt zu kurz

Uns Paranoiden war es ja schon seit langem klar. Die Elektroindustrie hat in allen ihren Geräten eine Sollbruchstelle eingebaut. Einen winzigen Schaltkreis, ein unscheinbares Bauteil, ein im Grunde unnötiger Kondensator vielleicht, der zu einem ganz bestimmten, planbaren Zeitpunkt hin seinen Dienst versagt und das komplette Gerät unbrauchbar macht. In der Regel wird dieser Zeitpunkt auf etwa einen Monat nach Garantieablauf gelegt. Jeder weiß das.

Die Autoindustrie macht das ebenfalls schon lange (und ich möchte gar nicht erst damit anfangen zu behaupten, daß es den Reifenherstellern eigentlich möglich wäre, Reifen zu produzieren, die nicht innerhalb kürzester Zeit ohne Profil unterwegs sind). Auch hier haben findige Ingenieure herausgefunden, daß man an Autos mehr verdient, wenn sie oft in die Werkstatt müssen. Da heutige Materialien und Produkte aber zu hochwertig produziert werden können, muß man sich auch hier an diversen, nicht sicherheitsrelevanten Stellen selbst darum kümmern, daß das Auto stets im entscheidenden Moment versagt.

So viel zur bisherigen Realität. Neu ist allerdings, was mir gestern auffiel, als ich verzweifelt vor meinem Kleiderschrank stand. Die Textilindustrie ist mittlerweile auf den Zug aufgesprungen. Es muß so ein, ich habe Beweise.

Mittlerweile werden Hemden verkauft, die einfach so eingehen. Sven meinte, nur Wolle würde eingehen, aber ich bin der festen Überzeugung, daß in diese Polyesterfabrikate Stoffe eingearbeitet werden, die zum Beispiel bei Dunkelheit (im Schrank) ihre Struktur verändern können und somit der komplette Stoff zusammen schrumpft. Mit dem Ziel natürlich, sich ständig neue Hemden kaufen zu müssen, die dann wiederum nach drei Jahren schon wieder zu klein geworden sind.

Wie könnte es anders zu erklären sein, daß mir diverse Hemden einfach nicht mehr passen? Darunter auch einige meiner (nun ehemaligen) Lieblingshemden.

Man hatte nur ein mildes Lächeln für mich übrig und meinte, es läge weniger an den Hemden die geschrumpft sind, als mehr an meiner Leibesfülle, die etwas voluminöser geworden sei.

Das halte ich nun wieder für Unsinn. Denn warum sind die Hemden dann auch an den Armen zu kurz geworden? Häh? Häh?

Ich werde die Sache genau beobachten und beim geringsten Anzeichen eines Beweises, der vor Gericht Bestand hat werde ich eine Sammelklage anstreben. Wer mit mir gegen diese Ungerechtigkeit kämpfen will, möge sich bitte hier in der Kommentarfunktion verewigen.