Kategorien
Alles Andere

Ich schreibe für fudder.de – Oder: Wie ich lernen muss, allein ins Kino zu gehen

Dinge, die ich noch nie getan habe. Erstens: ich war noch nie allein im Kino. Warum? Weil es kaum einen Ort gibt, an dem ich mich allein so richtig einsam fühle. Alleinsein macht mir eigentlich gar nichts aus und auch einen DVD Abend kann ich wunderbar solo auf dem Sofa verbringen. Aber im Kino unter so vielen Menschen würde ich vermutlich eine Sinnkrise bekommen. Oder schlimmeres.

Kategorien
Alles Gelesen

Die Definition von Glück

Auch beim Billard spielen kann man noch Zeit und Muse für ein philosophisches Gespräch finden. So geschehen mit meinem guten alten Freund Christian. Wir fragten uns gegenseitig, ob wir denn derzeit glücklich seien und kamen sehr schnell wieder zu der wichtigen Fragen über den Sinn des Lebens und die Definition von Glück.

„Vielleicht ist das Geheimnis ja, nicht ständig nach dem Glück zu suchen, also nicht pausenlos darüber nachzudenken und zu versuchen, glücklich zu sein. Vielleicht würde das Leben schon einfacher sein, wenn man nur versuchte nicht unglücklich zu sein.“

„Das könnte gut sein. Alles, was einen unglücklich macht, aus seinem Leben zu verbannen könnte ein erster Schritt sein.“

„Die Frage ist allerdings, ob man automatisch glücklich ist, wenn man nicht mehr unglücklich ist.“

„Also ob Glück nur die Abwesenheit von Unglück ist…“

„Genau. Oder gibt es vielleicht noch ein Zwischenstadium? Etwas Neutrales zwischen Glück und Unglück?“

„Es gibt vermutlich tausende Zwischenstadien. Die Frage ist hier aber wieder, wie man Glück definiert.“

„In dem Fall würde es Sinn machen. Alles, was man als Unglück definiert sollte man sich vom Leib halten. Die Frage wäre dann nur wieder, was leichter ist: Glück zu finden, oder Unglück zu vermeiden?“

An diesem Abend gewann ich mit vier Partien zu zwei gegen ihn. Aber vermutlich hatte ich nur Glück.

Kategorien
Alles Erzählt Alles Lustig

Plural

„Du sag mal, brauchen Kaktusse eigentlich viel Licht?“

„Keine Ahnung, aber ich habe da ein paar Albumse, da könnte es drin stehen. Die sind im Regal, direkt neben den Atlassen.“

Kategorien
Alles Gelesen Alles Lustig

Die GEZ wird abgeschafft

Um der leidigen Diskussion um eine Rundfunkgebühr für Internet-PCs und Handys ein Ende zu setzen, haben die Ministerpräsidenten aller Bundesländer in Zusammenarbeit mit ARD und ZDF beschlossen, die GEZ komplett abzuschaffen. Die Organisation, die im Namen des öffentlichen Rundfunks die Gebühren einzog und sich immer stärker werdender Kritik ausgesetzt sah, sei ohnehin ein veraltetes Konzept, das zuviel Mühe und Geld koste. Deshalb wird noch im Oktober eine Abschaffung der GEZ und die Einführung der so genannten Augensteuer beschlossen.

Die Idee dahinter ist simpel. Bisher war jeder Bürger dazu verpflichtet für Radio- und TV-Geräte eine Gebühr zu entrichten, wenn diese (die Geräte) in der Lage waren, öffentlichen Rundfunk zu empfangen. Viele Mitbürger weigerten sich allerdings zu zahlen, wodurch den Medienanstalten Abermillionen von Geldern für ihre Programme entgingen. Die GEZ wurde daraufhin geschaffen, um ansonsten braven Bürgern hinter zu spionieren, sie mit dämlichen (teuren) Werbespots zu nerven und ihnen solange ein schlechtes Gewissen einzureden, bis sie endlich zahlten.

Doch auch weiterhin wurden hochwertige Sendungen der ARD und des ZDF unbezahlt über den Äther geschickt. Immer wieder erfanden die Bürger neue Tricks um an die beliebten Sendungen zu kommen. Public Viewing scheint da nur ein weiterer Höhepunkt eines Katz- und Mausspiels gewesen zu sein.

Nun, da man mit jedem PC ins Internet kann, ist es natürlich auch möglich, damit die Angebote der Sender über das Netz zu empfangen. Mit TV-Handys klappt das überall. Die Intendanten schlugen Alarm und sahen sich einer „Free-TV-sierung“ ihres Programmes gegenüber.

Das gesamte Konzept der Gebühren wurde zu komplex, die Zuschauer kritisierten, die GEZ wurde zu teuer und zu unrentabel, das Angebot an Möglichkeiten kostenlos Programm zu schauen riesengroß.

Die Augensteuer ist ein erster Schritt aus dieser Misere. Ab Januar 2007 sollen die kompletten Gebühren für TV, Radio und Internet wegfallen. Dafür bezahlt der deutsche Bürger dann eine monatliche Steuer von 43 Euro für alles, was er sehen kann. So ist in einem Rutsch sichergestellt, dass kein Interessenpartner vergessen wird. Die Einnahmen sollen laut Bundesregierung an die öffentlichen Programme gehen (die sich dafür weitere Symphonieorchester, weitere Sendeanstalten, weitere Politik- und Nachrichtensender und weitere Volksmusikmoderatoren leisten können). Außerdem an alle Werbetreibenden, deren Produkte ja ebenfalls gesehen werden. Zudem werden eigentlich alle Resorts mit den Einnahmen abgedeckt, vom Finanzministerium (den Steuerbescheid kann man sehen) bis hin zum Verkehrsministerium (all die Schilder an der Autobahn, man möge nicht so dicht auffahren, wollen schließlich bezahlt sein). Jedes Ministerium, das irgendetwas sichtbares vorzuweisen hat, wird einen Teil des großen Einnahmetopfs bekommen.

Damit sich niemand vor der Steuer drückt, wird von jedem Baby ab sechs Monaten ein Sehtest verlangt. Eltern, die diesen Test verweigern, drohen empfindliche Strafen. Die Babys kosten ab einem Jahr 3 Euro zusätzliche Augensteuer, ab 6 Jahren 12 Euro und bis zum Erreichen der Volljährigkeit 23 Euro Augensteuer. Das Sehvermögen ist alle zwei Jahre im Rahmen eines wiederkehrenden Seh-TÜV festzustellen. Das Ergebnis wird im Personalausweis festgehalten und dieser muss stets mitgeführt werden, wenn man irgendwo etwas sehen will. Wird man in aller Öffentlichkeit beispielsweise beim Betrachten von Schaufenstern aufgegriffen und kann keine Bescheinigung vorzeigen, dass man registriert gesehen hat, drohen hohe Geldstrafen oder Gefängnis in dunkler Einzelzelle bis zu zwei Jahre.

Auch Blinde können sich nicht drücken. Die Hundesteuer für Blindenhunde wird ab Januar 2007 einfach verdreifacht, schließlich sieht der Hund ja für zwei.

In Zukunft wird es keine Diskussionen mehr geben, wofür man eigentlich bezahlt, denn man bezahlt einfach für alles. Da alles, was man sieht, öffentlich ist, muss auch alles bezahlt werden. Private Firmen wittern schon Morgenluft. In Zoos wird es extra Sehgebühren geben, Discos werden bis zu dreimal so teuer, je knapper die Frauen darin bekleidet sind. Die Möglichkeiten den Bundesbürgern für das Sehen Geld abzuknöfpen sind schier endlos.

Und nächstes Jahr soll die Debatte um das öffentliche Hören weitergehen. Wie das ausgeht – wir werden sehen.

Kategorien
Alles Gefragt

Mir brennt was auf den Nägeln

Zur regelmäßigen Körperpflege bei Männern gehört auch das Schneiden der Fingernägel. Bei Frauen kommt vielleicht noch das Feilen, Lackieren oder professionelle Herrichten dazu. Auch wenn der Metrosexuelle Mann vielleicht ebenfalls mehr für seine Fingernägel tun möchte, so ist es für die Mehrzahl der Y-Chromosomträger ausreichend, die Nägel kurz und den Schmutz darunter entfernt zu haben.

Wieso aber tragen einige Männer mit ansonsten gepflegten Händen, einen langen Nagel am kleinen Finger? Einen Nagel, der eindeutig länger ist als alle anderen. Und auch nur an einem der zwei verfügbaren kleinen Finger?

Das ist irgendwie eklig.

Und was ist es noch? Sind diese Männer einfach genetisch defekt und der Nagel wächst nach dem Schneiden innerhalb von zwei Minuten nach? Oder sind diese Kerle professionelle Ohren- und Nasenbohrer? Oder ist dieser Nagel gar ein geheimes Kennzeichen? Eine Eintrittskarte in einen Geheimbund?

Diese Frage brennt mir auf den komplett kurzen Nägeln. Auch wenn es es eklig ist.

Kategorien
Alles Andere

Der Papst in Deutschland

Der Papst. Der Papst. Der Papst in Deutschland. Der deutsche Papst in Deutschland. Der Papst. Der Pa- pa- Papst. Wir sind Papst. Wir sind Deutschland. Der Paps ist hier. Der Pi- pa- po- Papst. Der Papst. Überall der Papst.

Falls euch diese Überbeanspruchung des Wortes Papst seltsam vorkommt, verweise ich mal kurz zu Oliver, der auch wie ich bemerkt hat, dass hier etwas nicht so ganz richtig läuft. Wenn das komplette Fernsehprogramm nur noch aus Bibel TV besteht, fühlt man sich wieder einmal herrlich bei der Betätigung der Ausschaltknopfs bestätigt.

A propos Papstbesuch in Deutschland: Michael Schumacher geht in Rente und wird seine Formel 1 Karriere beenden. Ging das gestern etwas unter?

Kategorien
Alles Andere

Natascha Kampusch

Gestern war ich einer der Millionen Menschen, der das Interview mit Natascha Kampusch gesehen hat. Mit einer Mischung aus Grusel und Faszination saß ich vor dem Fernseher und beobachtete eine hübsche junge Frau, die versuchte, über etwas schier Unfassbares zu berichten, ohne zu viel preis zu geben. Manche ihrer Sätze klangen beinahe auswendig gelernt, während sie an anderer Stelle einfach den Faden verlor. Sie schaffte es bemerkenswert, ihre Fassung zu wahren und zeigte sich äußerst stark und überlegen. Was davon Fassade war und was nicht, sei dahin gestellt.

Natürlich interessierte sich die Welt für diese Geschichte. Ein kleines Mädchen, das entführt wird und acht Jahre lang in einem Verlies in einem normalen Wohnhaus eingesperrt ist. Ein Leben in Einsamkeit und gewaltsam abgeschottet von der Außenwelt. Nach acht Jahren schließlich, mittlerweile eine junge Frau, gelingt ihr die Flucht und sie kehrt ins Leben zurück, während ihr Entführer sich das Leben nimmt.

Das ist der Stoff, aus dem gute Thriller gemacht sind.

Und wollen wir wetten, wie viele Drehbuchautoren bereits an Exposés und Erstentwürfen sitzen, wie viele Produzenten bereits mit dem Medienberater von Kampusch versuchen in Verhandlungen zu treten? Meine Güte, selbst mir würde ein fantastisches Skript einfallen, die wichtigsten und spannendsten Szenen habe ich bereits vor Augen. Die Geschichte ist ein Knüller. Sogar der Name des Täters hat so ein Psychopaten -Touch: Wolfang Pikropil. Brrr.

Das klingt pietätslos? Mag sein, aber hatte man nach dem elften September 2001 nicht auch gesagt, so etwas darf nie in einem Kino gezeigt werden? Diese Tragödie darf niemals als Schauwert vermarktet werden? Am besten man verbietet gleich alle Action Filme?

Natascha Kampuschs Martyrium ist bestimmt keine Tragödie in dem Ausmaß eines World Trade Centers, aber es ist ihre Tragödie. Persönlich. Schrecklich. Gruslig. Faszinierend.

Viele Fragen hat Natascha beantwortet, manche mehr, manche weniger. Einigen wich sie aus und verlor sich in Details (ihre Mutter hat nun einen grünen Teppich in ihrem Zimmer und orange Tapeten). Andere beantwortete sie recht überraschend (es ärgert sie, dass alle Welt ihren Raum, das Verlies, in der Zeitung sehen konnte – sie würde auch nicht in die Wohnzimmer anderer Menschen schauen wollen). Viele Fragen wurden indes nicht beantwortet und liefern noch genügend Gesprächsstoff für die nächsten Wochen und natürlich auch für ein Buch oder einen Film.

Die wichtigste Frage von allen beispielsweise wurde vermutlich noch gar nicht gestellt: Warum? Warum kidnappt ein Mann ein zehnjähriges Mädchen und behält sie acht Jahre bei sich im Keller, ohne sie zu vergewaltigen oder zu missbrauchen? Gibt ihr zu essen und geht sogar mit ihr raus? War sie ein Spielzeug? Eine Art Haustier? Warum das ganze? Gut, diese Frage wird für einen gesunden, vernünftig denkenden Menschen niemals beantwortet werden können.

Aus diesem Grund seien wir lieber froh, dass sie frei ist. Hoffen wir, dass sie Eltern von vermissten Kindern (keinen falschen) Mut machen kann. Hoffen wir, dass sie tatsächlich so stark ist, wie sie sich gezeigt hat und nach acht Jahren erzwungener Pause endlich anfangen kann zu leben.

Privacy Policy Settings