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Komödie oder Drama – die Musik macht’s

Wie ihr vielleicht wisst, bin ich ein bekennender Filmsoundtrack-Fan. Oder, um präzise zu sein, ein Score Fan. Der Score bezeichnet die instrumentale Untermalung eines Films, während der Soundtrack meist auch auch die im Film vorkommenden Songs beinhaltet. So sagen mir Namen wie Hans Zimmer, James Newton Howard, James Horner, John Williams oder Thomas Newman vermutlich mehr, als manch einem anderen. Oftmals erkenne ich bei einem Film schon beim Hören des Scores den Komponisten.

Was mich bei guten Scores so fasziniert, ist, wie sie es schaffen, eine Stimmung zu erzeugen, die das Bild untermalt und unterstützt. Oder, wie man es in Psychothrillern gerne auch sieht, den Zuschauer damit verwirrt, dass die Schrecklichkeit des Bildes durch beruhigende Musik ad absurdum geführt wird. In den meisten Fällen jedoch dient der Score einzig der Geschichte. Die besten Scores bemerkt man daher auch gar nicht, sie strömen in unser Gehirn, verbinden sich mit den Bildern zu einem Erlebnis und kommen so natürlich daher, dass man sich gar nicht vorstellen könnte, so etwas ohne musikalische Begleitung zu sehen. (Ja, hin und wieder würde ich mir auch im richtigen Leben den passenden Score herbei wünschen.) Filmscores machen den Film noch spannender, noch trauriger, noch witzige, kurz, noch intensiver.

Was ein unpassender Score (und natürlich auch die Schnitttechnik) bewirken kann, habe ich in folgen zwei Videos entdeckt. Der Horrorstreifen "Shining" von Stanley Kubrick könnte laut diesem Trailer auch eine Komödie sein.

Noch bemerkenswerter ist aber dieser Trailer zu einem nicht-existenten "Ferris macht blau" Drama. Wer den Film bisher noch nicht gesehen hat, sollte nie wieder hierher kommen, da er keine Ahnung von Filmen hat, sollte sich die 80er Jahre Komödie (die vermutlich zu den besten Filmen aus diesem Jahrzehnt zählt und alleine an der Menge an Material für einen Drama Trailer schon beweist, wieviel Ernst und Hintergründigkeit sie besitzt) unbedingt nach diesem Trailer ansehen und überrascht sein.

Das verwendete Stück in diesem Trailer stammt übrigens von Clint Mansell und ist etwas knifflig zu finden. Es existieren einige Remixe davon, manche offenbar nicht einmal im Handel erhältlich. Das Original heißt "Lux Aeterna" und findet sich auf dem Soundtrack Album des Films "Requiem for a Dream". Interessanterweise gibt es aber Versionen des Stücks, die ebenso wie der Film heißen und auch neu gemischte Versionen namens "Requiem for a Tower" was auf die Benutzung in einem Herr der Ringe Trailer zurück zu führen ist. Überhaupt wird dieses Stück sehr oft für Trailer verwendet, ganz einfach, weil es die perfekte Dramatik vermittelt – wie in dem Ferris-macht-blau-Fake-Trailer wohl eindrucksvoll bewiesen wird.

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Wasser!

Ich lebte jahrelang in mit einem feuchten Keller. Obwohl – was heißt feucht? Nass war er. Manchmal konnte man dem Wasser richtig dabei zu sehen, wie es durch einen Riss in der Wand herab lief und sich am Boden sammelte. Die Hausverwaltung sah sich das Malheur immer wieder an, behauptete, es handle sich um ganz typische Feuchtigkeitsbildung, die in Kellern nun mal vorkomme und schob die Schuld auf den über meinem Keller befindlichen Supermarkt. Zehn Jahre machte ich das Hick Hack mit und hatte immer Angst um meine Schätze, die ich in Kartons aufbewahrte.

Dann zog ich nach Duisburg, in ein uraltes Haus, dessen Kellergewölbe noch danach riechen, wie sich Menschen zwei Weltkriege lang darin versteckten. Der Keller selbst ist so klein und so trocken, dass der Staub von der Decke rieselt. Ich wähnte meine Kartons im Trockenen. Und, ihr ahnt es schon, musste diese Woche eines besseren belehrt werden.

Vermutlich seit den verheerenden Regenfällen der letzten Woche stand mein Keller unter Wasser, die (zugegeben alten und hässlichen) Möbel hatten sich bereits munter mit Wasser voll gesaugt, aber auch Kartons waren bis zur Hälfte durchnässt. Unter anderem befüllt mit alten Micky Maus Heften. Gut, ihr werdet fragen, weshalb ich so etwas aufbewahre. Nun, es sind alte Micky Maus Hefte, teilweise noch aus den Sechziger und Siebziger Jahren. Diese komplett durchnässt vorzufinden tat sehr weh. Dass auch mein Amiga Karton und Teile meiner Modellbahn Opfer des Wassers wurden, ist da noch ein schmerzliches Randdetail.

Selbst Schuld natürlich. Man bewahrt kostbare Dinge nicht einfach in einem Karton in einem Keller auf und schließt dann nicht einmal eine Hausratversicherung ab. Die Hefte liegen mittlerweile alle getrocknet und – natürlich – wellig in meiner Wohnung aus. Sobald ich sicher bin, dass sie komplett ihre Feuchtigkeit verloren haben, werden sie wieder glatt gepresst und diesmal sicher verpackt. Und definitiv nicht mehr im Keller verwahrt.

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Alles Persönlich

Komme ich jetzt ins Fernsehen?

Ich, weiß, ich schulde euch noch einen Artikel, wie es dazu kommen konnte, dass ich für 90 Sekunden im Fernsehen war. Ich habe lange selbst mit mir gerungen, wie ich diesen Artikel schreiben sollte, denn viel gab es dazu ja nicht zu sagen. Mittlerweile hat sich das geändert.

Die Frage "Komm ich jetzt ins Fernsehen?" kennt der eine oder andere vielleicht noch aus der Sat1 Wochenshow, in der Herr Görgens mit sinnlosen Erfindungen versuchte, berühmt zu werden. Er schaffte es nie. Und irgendwie doch.

Wenn man als Blogger tätig ist, denkt man erstmal nicht daran, damit berühmt zu werden (und/oder Geld damit  zu verdienen). Hin und wieder schielt man vielleicht herüber zu den etwas berühmteren Bloggern, die wichtige Dinge von sich geben, die von wichtigen anderen Medien aufgegriffen werden, doch im ersten Moment ist einem das egal. Man bloggt nur, weil man der Welt etwas mitteilen möchte. Man bloggt um des bloggens Willen. Und nimmt damit (wissentlich oder auch nicht) ebenso aktiv an der Medienlandschaft teil, wie Print, Funk und Fernsehen.

Hin und wieder kann es nun passieren, dass die Wege in der Medienlandschaft sich kreuzen. Man hat einen Bericht geschrieben, für den sich die örtliche Presse interessiert? Man hat ein Foto online gestellt, das ein Verlag gerne nutzen würde? Man hat sich mit seinen Artikeln als Profi hervorgetan, der sein Wissen im Fernsehen mitteilen soll? Die Möglichkeiten sind mannigfaltig, lassen sich kaum erzwingen und nur schwer steuern. Was aber egal ist, da die große Mehrzahl der Blogger meiner Ansicht nach ohnehin nicht nur aus dem Grund bloggen, um ins Fernsehen zu kommen.

Als mich vor mittlerweile über einem Jahr unsere Lokalzeitung anschrieb und um ein Interview bat, war ich entsprechend überrascht. Und, ich gebe es zu, ich fühlte mich geehrt. War diese Anfrage doch ein kleiner Beweis für mich, in der Welt wahrgenommen zu werden. Nicht nur von Freunden, Bekannten und Menschen, die zufällig per Google einen Artikel von mir finden. (Wobei der Journalist damals natürlich auch nur per Zufall bei seiner Recherche über mein Blog stolperte) Nein, offenbar gefiel meine Meinung auch jemandem, der so etwas professionell macht, der damit sein Geld verdient und der der Meinung war, dass ich geeignet sei, meine Meinung einem etwas breiteren Publikum mitzuteilen.

Das breite Publikum war wie gesagt eine Lokalzeitung, der Artikel ist mittlerweile vergessen und verstaubt in einem Archiv. Natürlich bin ich kein Star, natürlich war es ein Einzelfall, von den mir versprochenen 15 Minuten Ruhm hatte ich vielleicht ein paar Sekunden bekommen. Ich kenne auch Blogger, für die das normal ist. Die beinahe täglich von Magazinen oder Sendungen angefragt werden. Ich bloggte einfach weiter.

Bis dann plötzlich doch das Fernsehen vor der Tür stand. Oder zumindest in meinem Postfach lag. Ein Redakteur der 3sat Sendung "neues" recherchierte für einen Beitrag, in dem Firmen-Images beleuchtet und "Glaubenskriege" aufgedeckt werden sollten. Weshalb Apple einen besseren Ruf hat als Microsoft. Und weshalb die Playstation-, Xbox- und Wii-Fans sich gegenseitig fertig machen. Da ich bereits mehr als einmal meinen Senf dazu in meinem Blog veröffentlicht hatte und dem Redakteur mein Stil wohl gefallen hatte, bat er um ein Interview.

Wow. Das Fernsehen will mich. Und dann auch noch 3sat. Nicht die Putzteufel von RTL2. Nein, 3sat, mit einer Sendung, wie sie ohnehin wie für mich gemacht worden zu sein schien. Ich fühlte mich geehrt. Schon wieder. Und sagte zu.

Schon wenige Tage später empfing ich den Redakteur bei mir zuhause. Wir unterhielten uns über das Thema, erörterten im Vorfeld, welche Fragen er mir stellen wollte und wir überlegten uns den besten Ort für das Interview. Der war schnell gefunden. Auf meinem Fernseher ließen wir Wii Tennis laufen, während ich mich etwas davor setzte. Er richtete seine Kamera ein, hielt mir irgendwann das Mikrofon vor und mein erster Satz war: "Ähh." Jegliche Eloquenz war von mir gewichen. Es war so peinlich. Und so typisch für jemanden, der noch nie vor laufender Kamera Fragen beantworten musste.

Das Interview dauert vermutlich eine gute Viertelstunde. Ich gab meine Meinung kund, weshalb es keinen sinn machte, dass Wii-Spieler und Playstation-Fans sich gegenseitig fertig machten. Ich erzählte, worin ich die Unterschiede zwischen Xbox360 und PS3 sah. Ich mutmaßte, wie Nintendo es geschafft hatte, sich ein so gutes Image zu zu legen. Dann machten wir uns noch den Spaß, ein wenig Wii Action zu filmen. Ich spielte Tennis, wie man das mit Wii Sports eben so macht. Im Großen und Ganzen waren wir eine Stunde beschäftigt.

Als ich zwei Wochen später vor dem Fernseher saß und "neues" begann, spürte ich mein Herz klopfen. War das aufregend. Ich war im Fernsehen. Letztlich nur für etwa 90 Sekunden, die so schnell vorbei gingen, dass ich im ersten Moment nur baff war und zur damalige Freundinn an meiner Seite sagte: "Ich habe bloß gestottert."

Meine 15 Minuten Ruhm hatten ein paar Sekunden dazu gewonnen. Und dann kam RTL und klopfte an meine Tür.

Wie manche von euch vielleicht wissen, schrieb ich vor einer halben Ewigkeit auch für das Freiburger Online Magazin fudder und steuerte damals einen Artikel bei, in dem ich von meinen Erfahrungen als Lokführer berichtete. Um genau zu sein, wie ich die Nachtschicht erlebte, als ich zum ersten Mal mit meinem Zug einen Menschen überfuhr. RTL plante eine Reportage über das Thema und fragte bei fudder an, ob man mit mir in Kontakt treten könne. Dann ging alles recht schnell. Schon am nächsten Tag telefonierte ich mit dem RTL Journalisten, erzählte nochmals meine Erlebnisse, beantwortete Fragen und muss dabei eine so gute Figur gemacht haben, dass er fragte, ob ich bereit wäre, damit auch in dem Beitrag aufzutreten.

Zugegeben, Medienschlampe die ich nun mal bin (haha), sagte ich zu. Zugegeben, es war RTL und nicht arte. Zugegeben, ich bin noch nicht abgebrüht genug, um solche Anfragen auch zu hinterfragen. Im ersten Moment war das alles nur aufregend. Wie zuvor auch schon hatte die Welt von mir Notiz genommen und wollte etwas von mir hören. So fühlte es sich zumindest an. Der Journalist besprach mit mir Ideen, wie wir das Interview gestalten könnten, wo ich mich mit seinem Kamerateam treffen sollte und was es hierfür vorzubereiten gäbe. Ein Termin war schnell gefunden.

Der Ball kam ins Rollen. RTL stellte Anfragen, checkte Locations und holte sich Genehmigungen ein. Bis dahin wohl nicht wissend, wie empfindlich die Bahn auf das Thema reagiert. Natürlich möchte die Bahn nicht mit dieser Problematik in Verbindung gebracht werden, auch wenn sie täglich auf Deutschlands Schienen Realität wird. Natürlich wird das Wort Suizid oder Selbstmord niemals kommuniziert, sondern stets von Personenunfällen gesprochen. Und letztlich möchte die Bahn natürlich auch vermeiden, dass es zum sogenannten Werther Effekt kommt (also das Menschen durch die Berichterstattung erst auf die Idee gebracht werden, sich auf der Schiene das Leben zu nehmen).

Vielleicht stellt sich jetzt der eine oder andere die Frage, weshalb ich dann als ehemaliger Lokführer so offen darüber spreche. Und so gewillt gewesen wäre, dies vor laufender RTL Kamera zu tun. Nun, mir liegt viel daran, ein wenig Aufklärung zu betreiben. Den Leuten klar zu machen, wie traumatisch das für einen Lokführer und die Rettungshelfer sein kann. Ich möchte auch an die Passagiere appellieren, die ich immer wieder verständnislos meckern höre, wenn ein Zug durch einen Personenunfall große Verspätung macht. Und ich möchte auch vor Dummheit warnen, denn Personenunfälle geschehen nicht nur aus Selbstmordgedanken, sondern auch aus schierer Blödheit. Kinder, die auf den Gleisen spielen, Erwachsene, die mal eben über das Gleis rennen wollen, um den Weg abzukürzen. Mein zweiter Personenunfall war ein Mann Mitte Dreißig, der nur noch schnell seine S-Bahn erwischen wollte und über die Gleise rannte, statt die Unterführung zu nehmen. Dass ich mit meinem IC mit 140 km/h um die Ecke kam, damit hatte er nicht gerechnet und bezahlte für diese Dummheit mit seinem Leben. Auch wenn man die Selbstmordrate auf den Schienen vielleicht nicht verkleinern kann, so will ich doch wenigstens versuchen, Unfälle aus purer Blödheit zu verhindern.

Letztlich musste ich das RTL Interview aber wieder absagen. Denn nicht nur, dass die Bahn eine Berichterstattung auf ihrem Gelände untersagte, sie informierte auch meinen derzeitigen Arbeitgeber darüber, dass ich vor hätte, ein Interview zu diesem Thema zu geben.Und mit einem Male machten sich beide sehr große Sorgen, was ich sagen würde und, vielleicht noch schlimmer, was RTL aus dem Gesagten letztlich machen würde. Im Grunde, so sicherte mir mein Arbeitgeber auch zu, hätte ich natürlich die Freiheit, das Interview zu geben. Niemand könne es mir verbieten. Allerdings musste ich bereits hier schon feststellen, dass einige Details falsch kommuniziert worden waren. Von wessen Seite, möchte ich nicht beurteilen. Und auf Details möchte ich ebenfalls nicht eingehen. Letztlich wurde mir mit einem Male flau im Magen und ich fürchtete, mich, meinen Arbeitgeber und meinen ehemaligen Arbeitgeber falsch dargestellt zu bekommen. Und damit noch weitaus größere Scherereien hervor zu rufen.

So komme ich also nicht erneut ins Fernsehen. Und habe eine wichtige Lektion gelernt. Alles, was ich hier scheibe, kommt an. Die Welt nimmt mich wahr, liest, speichert und verwertet, was ich hier tue. Ich muss mir bewusst sein, dass alles, was ich hier schreibe, Konsequenzen haben kann. Kleine oder Große. Vielleicht bereite ich jemandem eine kleine Freude, vielleicht trete ich aber auch jemandem auf den Schlips und muss meinen Anwalt einschalten. All das kann passieren.

Vielleicht wird wieder einmal eine Zeitung oder ein Fernsehsender anfragen, ob ich zu diesem oder jenem etwas sagen könnte. Und ich werde mich wieder geehrt fühlen. Aber auf jeden Fall auch für mich hinterfragen, ob ich es wirklich vertreten kann. Die Medienlandschaft ist ein Minenfeld, für das ich nicht trainiert und ausgebildet wurde. Ich bin ein kleiner Schrei(b)er am Rande des Feldes, der hin und wieder hinein gelockt wird und aufpassen muss, wohin er tritt.

Wahrscheinlich geht es noch lange, bis ich meine 15 Minuten voll habe.

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Ich muß mal kurz austreten – die Zweite

Es begab sich aber zu der Zeit als Graf Roger von Duisburg sich entschloss, der Kirche seine Mitgliedschaft zu kündigen und Gott verfügte, dass ein jeder mit einem solchen Vorhaben einen beschwerlichen Pfad der Prüfungen durchlaufen muss, auf dass sein Wille auf die Probe gestellt werden möge. So begab sich der Roger auf den Weg zum Amtsgericht. Und wahrlich, es sollte kein leichter Weg für ihn sein.

Zunächst war ich sehr überrascht, über die Sicherheitsmaßnahmen am Eingang. Erst nach Entleeren meiner Taschen und dem Durchleuchten der Inhalte wurde eine Ein-Mann-Glas-Schleuse geöffnet, in die ich eintreten musste und das Schließen der Tür hinter mir hörte. Dort blieb mir kaum Zeit, um über Klaustrophobie nachzudenken, die Schleuse öffnete die zweite Tür bereits und ich stand in einem sehr alten, dunklen Gebäude. Das Amtsgericht Duisburg. Nach links. Zimmer 82 suchen.

Ich ging einen langen Gang entlang. Einen sehr langen, langen Gang. Einen unglaublich langen, dunklen Gang. Und nach der Ecke weiter, lang, dunkel. Sehr lang. Also es war ein sehr langer, langer, laaaanger Gang. Etwas Zen-Artiges hatte dieser lange, lange, dunkle Gang. Ich ging irgendwann nicht nur diesen Gang entlang, sondern auch in mich, hinterfragte mein Vorhaben, meinen Platz in dieser Welt. Lange. Und dann erreichte ich Zimmer 82, klopfte und trat ein.

Ein – wie sagt man politisch korrekt? – Kleinwüchsiger hockte dort hinter einem viel zu großen Schreibtisch, in einem viel zu großen Zimmer und deutete auf den leeren Stuhl hinter dem viel zu großen Monitor, auf den er unverdrossen starrte. Ich nahm Platz und schilderte meinen Wunsch. Er begann, auf einem kleinen Schmierzettel Zahlen und Buchstaben zu notieren und verlangte dann nach meinem Personalausweis. Noch etwas erschöpft von meinem langen Marsch streckte ich ihm diesen entgegen. Zu kurz, wie sich mir erst viel zu spät erschloss. Stoisch hielt der Kleinwüchsige den Arm gestreckt und die Hand auf, bis ich es endlich bemerkte und mit einem leichten "Oh." meinen Hintern hob, um ihm das Dokument überreichen zu können. Ich glaube, ab diesem Moment mochte er mich nicht mehr.

Zum Beweis dieser Vermutung gab er mir den kleinen Zettel, den ich nur durch halbes Aufstehen erreichen konnte und erklärte mir, ich solle mit diesem Papier Zimmer 1 aufsuchen, auf dass ich dort meinen Wunsch nach Verlassen der Kirche auch durch Öffnen meiner Brieftasche beweisen könne. "Zimmer 1 finde ich wo?" fragte ich, doch wusste ich die Antwort bereits. Direkt am Eingang. So verließ ich den Raum und ging wieder den langen Gang entlang. Den wirklich äußerst langen, langen, dunklen Gang. Einmal um die Ecke und dann wieder laaaange. Noch einmal meditierend und dem Widerhall der eigenen Schritte lauschend, diesen langen, wirklich langen Gang entlang bis zu Zimmer 1.

Zimmer 1, auch Kassenbüro genannt, stellte sich wie eine Sparkassen Filiale aus den Sechzigern dar. Die Frau hinter dem Tresen und hinter dickem, schusssicheren Glas würdigte mich keines Blickes und sagte schlicht: "30 Euro." "Das wissen sie jetzt schon?" fragte ich und sie antwortete: "Natürlich, das ist der Standard Tarif." So so, der Standard Tarif. Also alles, was man zu tun gedenkt, kostet hier demnach 30 Euro? Das bedeutet, auch meine 30 Euro werden nur für den Verwaltungsaufwand benötigt, den ich dem Amt hier beschere? 30 Euro, um einen Schmierzettel ausfüllen zu lassen und einen langen, langen, wirklich langen – ihr wisst schon – dunklen Gang entlang zu laufen?

Als ich mit der ausgestellten Quittung erneut den langen, wirklich sehr langen Gang herunter lief (der war wirklich ganz schön lang, echt jetzt) war aller Zen-Buddhismus von mir gewichen. Mein Körper fühlte sich erschöpft an, die Mühlen des Staates und der Bürokratie waren dabei, mich mürbe zu mahlen. Dies war ein Psychokrieg, Zimmer 82 lag mit perfider, kranker Absicht so weit vom Eingang und von Zimmer 1 entfernt. Der lange dunkle Gang, den ich mehrmals entlang laufen musste, war eine Allegorie auf mein restliches Leben, mein langes, dunkles, trostloses Leben ohne Kirche. Ein Vorgeschmack sozusagen.

Ich musste erst einmal verschnaufen und blieb für einen Moment vor Zimmer 82 stehen. Dann trat ich ein, setzte mich wieder auf den Stuhl, halb verdeckt hinter dem großen Monitor und überreichte "Oh." die Quittung. Der Kleinwüchsige nahm sie entgegen und streckte mir dafür ein neues Blatt Papier herüber "Ah. Oh.", welches ich durchlesen und unterschreiben sollte. Da stand es. Ab sofort wäre ich kein Mitglied der evangelischen Kirche mehr. Ich unterschrieb und reichte ihm das Unterschriebene zurück. "Oh." Und natürlich auch den Kugelschreiber. "Oh. Verzeihung."

"In drei bis vier Wochen bekommen Sie schriftlich Bescheid. Damit gehen Sie zum Bürgerbüro im Einwohnermeldeamt", lauteten die Anweisungen des Kopfs hinter dem großen Schreibtisch. Meine Odyssee war also noch nicht vorbei. Und als ich zurück zum Ausgang den langen, wirklich langen, laaangen, dunklen Gang durchschritt (er schien immer länger zu werden. Also noch länger als er ohnehin schon war. Denn das war er. Lang) dachte ich nochmals darüber nach, wohin meine seit Jahrzehnten bezahlten Gelder wohl verschwunden waren. Wenn dieser Akt alleine mich 30 Euro, lange Fußmärsche und Besuche auf verschiedenen Ämtern in verschiedenen Teilen der Stadt kostete, in einer Zeit, in der es E-Mails, Fax und Telefone gibt, elektronische Datenübermittlung und -verarbeitung, so konnte ich mir immer farbiger ein Bild davon machen, wie wenig die Kirche wohl letztlich von den Steuereinnahmen sehen würde. Und wie wenig davon wiederum dort ankamen, wo sie gebraucht wurden, da auch die Kirche selbst eine einzige Bürokratie ist.

So verließ ich doch etwas befreit die Schleuse, ließ das große Gebäude hinter mir und trat hinaus in das grelle Sonnenlicht. Ich war ausgetreten, in vielerlei Hinsicht.

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Ich muß mal kurz austreten

Jeder, der aus der Kirche ausgetreten ist, hatte sein Gründe. Mag sein, dass er vom Glauben abgefallen war, oder seinen Glauben geändert hatte. Mag auch sein, dass er der Institution Kirche einfach keinen Glauben mehr schenkte. Bei den meisten dürfte das Argument "Geld sparen" maßgeblich gewesen sein. Bisher hatte ich selbst nie daran gedacht, aus der Kirche auszutreten. Ich wurde getauft, später konfirmiert und seit ich denken kann, zieht mir der Staat im Namen der Kirche Geld von meinem Lohn ab. Ich hatte das nie hinterfragt. Es war einfach so. Ähnlich wie beim Solidaritätszuschlag musste ich es hinnehmen und tat das auch.

Bis vor kurzem, als mein Steuerbescheid ins Haus flatterte. Bislang bekam ich immer Geld vom Staat zurück. Zwar jedes Jahr weniger, aber immerhin. Nur diesmal verlangte man von mir eine Nachzahlung. In Höhe von Fünf Euro. Skandal. Als ich den Steuerbescheid endlich verstanden hatte, wurde mir klar, dass diese fünf Euro bei der Kirchensteuer fehlten. Also bei der Steuer, die ich nie angefasst hatte, die mir automatisch abgezogen wurde, über die ich bisher noch nie nachdachte.

Nun dachte ich darüber nach. Und mein erster Gedanke war: So oft habe ich Gott um Hilfe gebeten und nie eine Antwort bekommen. Und für diesen miesen Service soll ich jetzt auch noch nachzahlen? Ich kündige mein Abo. Zugegeben, das war nicht ganz so ernst gemeint. Dennoch blieb mit einem Male die Frage im Raum, weshalb ich Kirchensteuer zahlte.

Weil ich Angst hätte, niemals kirchlich heiraten zu können. Weil ich Angst hätte, nicht begraben werden zu können, wenn ich sterbe. Weil ich Angst hätte, meiner Familie gestehen zu müssen, dass ich ausgetreten war. Weil ich Angst hätte, mir vorwerfen lassen zu müssen, nur aus niederen Gründen (Geld) ausgetreten zu sein. Weil ich Angst hätte, dass die Weltordnung zusammen bräche. Weil ich Angst hätte, in die Hölle zu kommen.

Nun gut, ich recherchierte. Und fand heraus, dass ich sehr wohl kirchlich heiraten könnte (wenn die Braut noch in der Kirche ist und der Pfarrer mitspielt) aber letzten Endes nicht wirklich muss. Dass ich sehr wohl begraben werden kann. Oder zumindest eingeäschert. Dass meine Familie vermutlich nicht so konservativ ist. Dass ich natürlich des Geldes wegen austreten würde (dazu gleich mehr). Dass die Welt auch ohne mich in der Kirche weiter drehen würde (und die Welt ohne Kirchen und Glaubenskriegen vermutlich eine bessere wäre – aber diese Diskussion würde den Rahmen hier sprengen). Und schließlich beschloss ich, dafür nicht in die Hölle zu kommen.

Der Entschluss, aus der Kirche auszutreten, hat letztlich nichts damit zu tun, meinen Glauben zu ändern. Man kann meinen Glauben nicht mit mit Zahlen vor einem Euro Zeichen festmachen und sagen: je kleiner die Zahl, umso weniger glaubst du. Letztlich ist es dem/der/denen da oben doch egal, wie viel wie hier unten ausgeben, um so zu tun, als glaubten wir an sie. Entweder wir glauben, oder eben nicht. Das geht den Staat, der das Geld für die Kirchen einreibt, letztlich gar nichts an. Und für mich persönlich würde der Austritt aus der Kirche auch nichts an meinem Glauben an eine höhere Institution, an Gott oder die Dämlichkeit der Menschen ändern.

Auch das Argument, die Kirche mit meinen eingestellten Zahlungen nicht mehr bei karitativen Hilfen zu unterstützen, zählt kaum, wenn ich den recherchierten Statistiken Glauben schenken darf (ha, an irgendwas muss man glauben, oder?). So las ich mehrmals davon, dass knapp 90% der Steuereinnahmen nur für Verwaltung, Personalkosten und Instandhaltung ausgegeben werden und lediglich 10% für Karitatives und Gutes eingesetzt wird. Das ist verdammt wenig. Und verdammt traurig.

Da beruhige ich mein vielleicht vorhandenes schlechtes Gewissen doch besser einmal im Jahr mit einer Spende an eine Institution, die mir am Herzen liegt und von der ich weiß, dass das Geld auch ankommt. Diese könnte alles beinhalten, von Walschützern, über Hilfe für querschnittsgelähmte Kinder oder Flutopfer, bis hin zu Aufbauhilfe in Afrika.

Letztlich würde ich mir vorstellen, dass Gott dabei ein friedliches Lächeln aufsetzt und sich mit mir freut. Natürlich hätte auch ich dazu beigetragen, dass der örtliche Pfarrer im Winter die Heizung in der Kirche nicht mehr einschalten könnte. Oder keine Programme mehr anbieten könnte, um Straßenkindern zu helfen. Das wäre natürlich traurig. Ich wäre aber zu einer Spende bereit. Zu einer Spende, die direkt an den Pfarrer geht und direkt die Heizung anwirft oder den Raum bezahlt, in dem die Straßenkinder sofort bezahlten Kuchen bekommen. Ohne dass zuvor schon ein Dutzend Hände in meinen Steuerbeutel gelangt haben.

Austreten ist gar nicht so schwer. Und ich bin sicher, dafür NICHT in die Hölle zu kommen. (Oder?)

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Alles Technisch

iPhone 3G mit UMTS, GPS und günstig

Mann, war das spannend. Nein, nicht das Fußballmatch Frankreich gegen Rumänien. Das war ja mehr als langweilig. Ich spreche von der WWDC 08, der Apple Developer Conference in San Fransisco. Denn die Gerüchte waren diesmal allesamt wahr. Mit dem MBP auf dem Schoß, drei Livetickern gleichzeitig und einem Auge beim Fernseher, verfolgte ich die Veranstaltung. (Apropos, Mac Life berichtete per Abschreiben und Übersetzen, inklusive der Tippfehler der Live-Schreiber ;-) ) Aus .Mac wird MobileMe (sehr attraktiv aber leider zum gleichen Preis). Und aus dem iPhone wird ein iPhone 3G. Mit UMTS. Mit GPS. Mit neuer Firmware 2.0, die weitere leckere Schmankerl bieten wird. Und mit einem fast halbierten Preis. 199 Dollar soll die kleine, schwarze 8Gb Version kosten, 299 USD die (auch in weiß – seufz – erhältliche) 16Gb Version. Abzuwarten ist natürlich noch, wie die entsprechenden Tarife dazu aussehen werden und ob es überhaupt noch einen Anbieterzwang geben wird, wenn das neue iPhone am 11.Juli erscheinen wird. Hach, das könnte ein schöner Sommer werden.

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Alles Andere Alles Persönlich

Italien raus!

Wenn ihr wüsstet, in welche Gefahr ich mich mit dem nun folgenden Artikel begebe…

Für mich persönlich ist die derzeit stattfindende Fußball-Europameisterschaft schon dann voll geglückt, wenn Italien aus dem Turnier ausscheidet. Ein Etappensieg sozusagen. Dann muss nur noch Deutschland den Titel holen (oder alternativ die Schweizer, die mir im ersten Spiel sehr gefallen haben).

Gestern beim wunderschönen Spiel Deutschland gegen Polen erzählte mir eine sehr gute, süditalienische (!!!) Freundin von ihrer (natürlich) süditalienischen (!!!) Schwester, die wohl folgendes gesagt haben soll: "Ist doch egal, wenn Italien ausscheidet. Es geht ja nur um die Europameisterschaft und wir sind ja schon Weltmeister. Das ist eh eine Stufe drüber."

Tja, was soll man dazu noch sagen? Ich werde mir jetzt schnell eine Pizza bestellen, solange ich noch Zähne im Mund habe und genüsslich verfolgen, wie Italien den ersten Schritt nach Hause macht! Und spätestens von den Franzosen (Allez les Bleus und Azzuro – alle blau und mit offener Rechnung) aus dem Turnier geworfen werden.

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