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Die perfekte Musik

Und dann sieht man sie wieder. Auf dem Boden liegend. Auf diesem grünen, zertretenen Teppich, der weiß Gott wie viele schmutzige Schuhe und Füße bereits gesehen hat. Doch da liegen sie. Der eine auf der Seite, der andere auf dem Rücken, den Blick verträumt an die nicht minder schmutzige Decke gerichtet. Zwischen ihnen stehen zwei Gläser, welche wie Königsgarden die Flasche Whisky begleiten. Die Flasche und ihr kostbarer Inhalt ist warm. Die Hälfte davon bereits durch Gläser, Münder und Rachen geflossen, warm und seidig und erst kurz danach brennend wie ein kleiner Schreck. Die Lautsprecher, die das viel zu kleine Zimmer beherrschen sind mannsgroß. Mit fingerdicken Kabeln an eine überhitzte Endstufe angeschlossen, die digitale Musik aus einem der besten CD-Player übersetzt, umsetzt, und wahrhaft durchsetzt. Der Raum ist geflutet mit Musik. Mit brachialem Orchester, Geigen und Pauken, Hörnern und Harfen. Es ist die Musik eines Filmes. Es ist die Musik ihres Filmes. Der alkoholgetränkte Traum eines perfekten Nachmittags. Sie werden die Flasche leeren und einer der beiden wird sich an der Wand im Flur entlang tasten müssen, bis er sein Zimmer findet. Und diese Erinnerung wird immer bleiben. Immer wenn das Orchester aufspielt.

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Der Schrank

Der Schrank wog schwer in seinen Händen. Er hatte sich gar nicht mehr an sein hohes Gewicht erinnert. So lange hatte er in dem Keller gestanden. Vor sich hin gestaubt und gewartet, dass etwas passierte. Nun war es passiert. Der Schrank war verkauft. Und er trug den Schrank mit dem Käufer durch den langen Flur. Eigentlich hatte der Käufer den Schrank gar nicht erstanden. Seine Frau war es, wie er keuchend und hustend erzählte. Und, so fuhr er fort, er hatte ihr gesagt, das Angebot nicht anzunehmen. Schließlich wüsste er, was so ein Möbelstück kostete und es war ihm nicht wohl dabei, es für so wenig Geld zu erstehen. Auch wenn ihm klar war, dass es in Internetauktionen nur darum ging, Dinge für so wenig Geld wie möglich zu kaufen, so war ihm nicht wohl dabei, diesen schweren, dunklen Schrank gleich für sechs Euro und fünf Cent in sein Auto zu verladen. Er hätte dem Verkäufer lieber die Chance gegeben, den Verkauf noch einmal zu versuchen. Mehr heraus zu holen. Wenigstens zehn oder zwanzig Euro hätten doch drin sein müssen. Aber dazu kam es nicht. Gemeinsam hievten sie den Schrank durch die Tür, trippelten in kleinen Schritten über den Parkplatz zu einem Kombi mit geöffneter Heckklappe, wo die Frau des Käufers bereits den Kindersitz verstaut hatte um Platz zu schaffen. Die beiden Männer stellten das Möbelstück ab. So, sagte die Frau, das wären dann sechs Euro fünf, nicht wahr? Hier bitte. Und mit diesen Worten überreichte sie genau diesen Betrag. Auf den Cent genau. Der Verkäufer nahm das Geld, steckte es in seine Tasche und sah herüber zu dem anderen Mann. Der auf den Boden starrte, vor Scham am liebsten in den Schrank gekrochen wäre und nicht die Socken in der Hose hatte, um den Betrag wenigstens auf volle zehn Euro aufzurunden. Peinlich berührt verabschiedete er sich. Und knurrte seine Frau an, dass sie sich mal etwas einfallen lassen sollte, wie das überraschend große Teil in das Auto passen sollte. Der Verkäufer ließ die beiden ratlos auf dem Parkplatz zurück. Hätte man genau hingesehen, so wäre einem bestimmt das leichte Kopfschütteln aufgefallen.

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Alles Technisch

Wenn das Display flackert

Auch ein MacBook geht hier und da mal kaputt. Und ich höre sie immer, die Aufschreie: “Waaas, wie kann denn ein so teures Gerät kaputt gehen?” “Wie bitte? Da gibt man so viel Geld für aus und dann ist es nach nicht einmal drei Jahren kaputt?” ” Also mein 600 Euro Gerät funktioniert immer noch einwandfrei.” Ja, so ist das. Machen wir uns mal eines klar: Jedes Apple Produkt ist in allererster Linie nur ein Produkt. Es wurde nicht vom Himmel gesandt und auch nicht von Engelchen zusammen geschraubt. Es hat auch nicht die Segnung von Heiland Steve Jobs persönlich bekommen. Selbst mir als Apple-Fanboy ist das mehr als klar. Alles, was Apple herstellt, kann und wird irgendwann den Weg alles Irdischen gehen. Der etwas höhere Preis rührt nicht von dessen Langlebigkeit her. Apple Produkte kosten mehr, weil sie im Vergleich zu Produkten anderer Hersteller ein deutliches Mehr an Design, Komfort, Bequemlichkeit, Nutzen und Spaß bieten (und ja, mir ist selbst bewusst, das dieser Satz wie der eines Fanboys klingt. So what?)

Ich ziehe hierzu immer wieder gerne meinen Auto-Vergleich heran. Und hier passt er sogar hervorragend. Denn niemand würde bestreiten, dass auch an einem BMW irgendwann etwas kaputt geht. Genauso wie auch an einem KIA. Beide Hersteller stellen Automobile her, die mich von A nach B bringen. Der Preisunterschied entsteht durch den Umstand, WIE sie das tun. Ein BMW bietet unbestreitbar mehr Komfort und ein besseres Design. Und dafür zahlt der Kunde nun einmal. Ein KIA hat irgendwann einen Defekt, ein BMW, ein (ebenfalls hochpreisiges) Sony Vaio und eben auch ein MacBook.

So wie meines. Seit etwa einem halben Jahr flackert das Display. Wobei, nein, das beschreibt es nicht genau. Das Display hat an der rechten Kante einen Wackelkontakt, so dass ich immer ein wenig darum herum drücken muss, um ein stabiles Bild zu bekommen. Denn sonst ist die Hälfte des Bildschirms einfach eingefroren. Das Problem ist auch nicht reproduzierbar. Manchmal kommt es, manchmal nicht. Ein wenig Drücken und Klopfen und das Bild bleibt stabil. Ärgerlich ist es dennoch immer, wenn es auftritt.

Die Apple-Mitarbeiter im nahe gelegenen Store konnten mir nur den Rat geben, das Display reparieren zu lassen. Bei Kosten von über 300 Euro überlege ich mir das lieber acht Mal. Im Moment kann ich damit leben. Aber was, wenn das Problem schlimmer wird? Was, wenn kein Drücken und Klopfen mehr hilft? Und was, wenn ich doch irgendwann ein neues MacBook kaufen möchte? Der Wiederverkaufswert meines jetzigen Modells ist durch diesen Fehler natürlich stark geschmälert.

Eines ist mir allerdings klar. Woher dieser Defekt kommt und wie ich ihn in zukünftigen Modellen vermeiden werde. Man sollte nie, nie niemals, den Deckel seines Laptops aus Wut zu klatschen. Egal, wie ärgerlich die eben gelesene Mail, das gesehene Foto, der entdeckte Kontostand auch ist. In Zukunft klappt man den Deckel in Ruhe zu, entfernt sich von dem Gerät und geht hinaus zum Holz hacken. Da darf man kaputt machen, soviel man will. Und tut sogar etwas für seine Gesundheit.

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Dumm

Dumm ist es, einen Fahrradkeller nur als vergitterte Abstellfläche zu bauen. Im Hinterhof. Verborgen vor jeglichen Blicken. Aber einsehbar für jeden, der daran vorbei läuft. Und dadurch abschätzbar, welche Werte darin stehen. Gesichert nur durch ein normales Schloss. Man könnte auch frisches Fleisch in einen Korb legen und den hungrigen Löwen hinstellen. Irgendwann werden sie den Korb – von der Verlockung getrieben – geöffnet haben.

Dumm ist es, sein Fahrrad in diesen “Fahrradkeller” zu stellen und sich sicher zu fühlen.

Dumm ist es, sein Fahrrad verkaufen zu wollen, die ersten Angebote aber nicht anzunehmen, weil man hofft, noch bessere zu bekommen.

Dumm ist es, wenn der “Fahrradkeller” schließlich aufgebrochen und das Rad gestohlen wird. Kurz vor dem möglichen Verkauf.

Richtig dumm ist es, wenn man dann erst feststellt, die Hausratversicherung noch immer nicht abgeschlossen zu haben, deren Antrag seit Monaten auf eine Unterschrift wartet.

Gar nicht dumm ist es, wenn der Dieb dieses Fahrrads böse stürzt und sich alle Zähne dabei ausschlägt und mindestens beide Beine bricht. Ja, das wäre alles andere als dumm.

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