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LIMBO – der gespielte (Alp-)traum

Schon ein Jahr alt und erst vor kurzem für Playstation 3 und PC veröffentlicht ist das Indie-Game LIMBO von dem kleinen Studio Playdead in Koppenhagen. Ein weiteres Kleinod neben Flower und dem bald erscheinenden Journey aus der unabhängigen Spiele-Entwickler-Szene. In LIMBO spielen wir einen kleinen Jungen auf der Suche nach seiner Schwester. Diese Suche führt uns durch finstere Wälder, über regnerische Dächer, durch monströsen Maschinen und allerlei gruselige Orte, die mit Gefahren, Feinden, bösen Tieren und Physik-Rätseln gespickt sind. Ja LIMBO ist ein einziger Alptraum aus dem der kleine Junge einfach nicht erwachen möchte. Die ganze Welt ist in komplettem Schwarz gehalten, kontrastiert durch flackernde, mehr oder weniger helle, unscharfe Hintergründe oder Objekte. Der Junge selbst ist nur ein schwarzer Schemen, dessen Augen leuchtend blinzeln.

Das Spiel beginnt geheimnisvoll. Der kleine Junge erwacht alleine im Wald. Anzeigen oder Hilfen sucht man vergebens. Es wird keine Aufgabe gestellt, kein Wegweiser gegeben. Also macht man sich auf und mit der Steuerung vertraut. Diese könnte einfacher kaum sein. Man kann gehen und rennen, mit einer Taste springen mit einer Taste Aktionen ausführen. Dieser Simplizität ist insofern beeindruckend, als die späteren Rätsel allesamt nur mit diesen wenigen Aktionen gelöst werden können. Und die Rätsel haben es mit fortschreitender Spieldauer wirklich in sich. Großer Verdienst des Spiels ist aber seine gnadenlose Fairness. Der kleine Junge stirbt sehr viele, teils sehr deutliche und grausame Tode bis man verstanden hat, wie man weiter kommt. Hat man es ausgeknobelt, leuchten einem selbst die Augen vor Freude und man fragt sich, weshalb man nicht sofort auf die Idee kam. Hat man dennoch einen Fehler gemacht, wirft das Spiel einen nicht wieder weit zurück, sondern lässt uns genau am Anfang des Rätsels neu beginnen.

Auch die Steuerung ist wunderbar und trägt zum frustfreien Spiel bei. Der Junge ergreift Seile und Kanten noch in so letzter Sekunde, wo ein hypernervöser Mario schon längst in den Tod gestürzt wäre. Bei LIMBO herrscht kein Frust, keine Hektik, sondern Knobeln, Probieren und Ausführen. Und die Neugier treibt den Spieler weiter. Wo wird es den Jungen hinführen? Was ist dieser Limbus, in dem er sich befindet? Was wird er am Ende sehen? Welche noch verrückteren Rätsel warten nach diesem? Am liebsten würde man es in einem Rutsch durchspielen.

Auch weil die Atmosphäre einen hinein saugt. Die Grafik ist in seiner Schlichtheit mehr als superb. Wundervolle kleine Details wie Fliegen, Schmetterlingen, Funken und Regen beleben die karge Welt. Ebenso grandios sind die Sound-Effekte und die sparsam eingesetzte, sphärische Musik.

LIMBO ist gruselig, morbide und doch herzerwärmend. Es ist faszinierend und atemberaubend. Und das Ende gehört mit dem Showdown von Portal zum Besten, was ich je gesehen habe. Ein Spiel zum verlieben. Und obgleich wir einen wahren Alptraum spielen – LIMBO ist der reinste Traum für Spieler, die etwas Besonderes jenseits des Mainstreams suchen.

LIMBO ist für Playstation 3 und Xbox360 erschienen und im STEAM-Shop zu einem moderaten Preis erhältlich.

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Alles Erzählt

Krieg der Entscheidung

Mal angenommen, es gäbe heute noch Menschen, die Star Wars noch nie gesehen haben. Keinen einzigen der Filme. Das mag eigenartig klingen, kann aber dennoch vorkommen. Weiter angenommen, man möchte einem dieser Menschen das Star Wars Universum näher bringen. Wie stellt man das am besten an?

Ich und sicherlich viele meiner Leser wuchsen mit der guten alten Trilogie auf. Episode Vier: Eine neue Hoffnung, Episode Fünf: Das Imperium schlägt zurück, Episode Sechs: Die Rückkehr der Jedi-Ritter. Die Klassiker. Und für jeden, der seine Jugend mit dem Mythos Star Wars verbrachte, auch der einzig wahre Krieg der Sterne. Wie überrascht waren wir damals, dass die Reihe mit einer Episode 4 begann? Wie grandios war zu jener Zeit die Wendung (und ich schätze mal, dass ich hier nicht spoilere und mittlerweile JEDER weiß…) dass Darth Vader der Vater von Luke Skywalker ist? Was für nie gesehene Welten, unglaubliche Effekte, phantastische Action wir geboten bekamen.

Dann, viele Jahre später, von den Fans sehnlichst erwartet, brachte Georg Lucas die neue Trilogie in die Kinos. Episode Eins: Die dunkle Bedrohung, Episode Zwei: Angriff der Klonkrieger, Episode Drei: Die Rache der Sith. Diese Trilogie erzählt die Vorgeschichte um Anakin Skywalker und wie aus ihm Darth Vader wird. Leider überzeugt kein Teil der neuen Trilogie wirklich. Episode Eins ist bunt und Kindgerecht, Episode Zwei und Drei noch bunter, überdreht, überladen. Man hat Spaß und bekommt wieder etliches an Effekten und neuen Welten geboten. Doch das alte Flair will sich nicht einstellen.

Überlegt man nun, wie man einen Star Wars Neuling in die „Galaxy far far away“ einführt, stellt sich sofort die Frage: Zeigt man alle sechs Teile oder nur das gute alte Original? Wenn man alle sechs Teile zeigt, dann in der „richtigen“ Reihenfolge von Eins bis Sechs oder in der Reihenfolge, wie wir Star Wars kennen und lieben lernten? Oder anders gesagt, beginnt man mit dem Großartigen um zum Ende schwächer zu werden oder beginnt man schwach, um auf das großartige Finale vorzubereiten? Auch wenn man dabei in der Gefahr schwebt, dass der geneigte Zuschauer die originale Trilogie schon gar nicht mehr sehen will vor lauter Optik-Overkill.

Und überhaupt, finden wir die alte Trilogie nicht auch deshalb so grandios und hat sich nur deshalb so in unser Hirn und Herz gebrannt, weil wir damals etwas noch nie zuvor gesehenes geboten bekamen? Wie mag die alte Trilogie auf verwöhnte Transformers-Avatar-Matrix-Augen wirken? Altmodisch? Eine Augsburger Puppenkiste neben einem Pixar Film?

Was uns zur nächsten Frage bringt: zeigt man (wenn vorhanden) die originale alte Trilogie, also so wie sie damals in die Kinos kam? Oder die Special Edition, die digital aufbereitet worden und mit neuen Effekten versehen worden ist? Oder gar doch die später überarbeitete, digitale neue Version der alten Trilogie?

Ach, es ist nicht leicht. Am Ende wird der Star Wars Neuling nur enttäuscht sein. Er wird Luke Skywalker und Han Solo nie so lieben können wie wir und er wird Jar Jar Bings und den jungen Anakin nie aus den gleichen Gründen hassen können wie wir. Und mit etwas Pech hat er schon eine Folge der Clone Wars Zeichentrick-Serie gesehen, womit der Mythos völlig im Eimer ist.

Am besten wir beginnen erst einmal mit Star Trek. Hm, mit der Serie oder den Filmen? Mit der original Serie oder der Next Generation….?